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	<title>tiere &#8211; Psycho-Path WordPress-Seite</title>
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		<title>Wie wirken sich (Haus-)Tiere auf die menschliche Gesundheit aus?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Aug 2023 04:21:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[SASKIA RIEDELBAUCH. Haustiere können teuer sein. Immerzu muss man dafür sorgen, dass sie genug zu essen haben, mit ihnen zum Tierarzt  gehen, wenn sie krank sind und versichern muss man sie in der Regel auch noch. Außerdem nehmen Haustiere in der Regel einen beachtlichen Teil der eigenen Freizeit für sich in Kauf. Mit Hunden sollte [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">SASKIA RIEDELBAUCH. <em>Haustiere können teuer sein. Immerzu muss man dafür sorgen, dass sie genug zu essen haben, mit ihnen zum Tierarzt  gehen, wenn sie krank sind und versichern muss man sie in der Regel auch noch. Außerdem nehmen Haustiere in der Regel einen beachtlichen Teil der eigenen Freizeit für sich in Kauf. Mit Hunden sollte man regelmäßig spazieren gehen, Katzen wollen gestreichelt werden und wenn man ein Pferd besitzt, hat man sowieso keine Zeit mehr für anderes, so heißt es zumindest. Haustiere können einem ganz schön auf die Nerven gehen: die Katze springt auf den Esstisch beim Abendbrot, die Nagetiere halten einen nachts wach und Hunde knabbern gerne Sachen an, wenn’s sein muss auch mal die Hausaufgaben. Haustiere können ganz schön viel Dreck machen. Nicht nur, wenn sie ihre Notdurft spontan lieber auf dem Teppich verrichten. Sie hinterlassen ihre Haare auf jeglicher Art von Textil, los wird man diese vermutlich nie. Manchmal bringen sie sogar tote Nagetiere mit und legen sie vor die Haustür.</em> </p>



<span id="more-2073"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Fazit: Haustiere können unglaublich anstrengend, zeit- und kostenintensiv sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch gleichzeitig sind sie noch viel mehr. Sie sind einem treu ergeben, halten zu einem, auch wenn man mal einen schlechten Tag hat und jeder Mensch einem aus dem Weg geht. Sie mögen einen so, wie man ist. Egal ob man gerade top aussieht, oder mit fettigen Haaren in Jogginghose auf der Couch hängt. Sie geben die Möglichkeit, zu lieben, sich zu kümmern, Verantwortung zu übernehmen und daran zu wachsen. Nicht ohne Grund nennen viele den Hund den „besten Freund des Menschen“, denn die Liebe und Ergebenheit eines Hundes ist unbedingt, ganz anders als die der meisten Menschen. Doch nicht nur Hunde sind treue Gefährten und liebenswerte Haustiere, für manch einen ist eine Katze das richtige Haustier, für andere eine Ratte, ein Wellensittich, ein Kaninchen oder sogar eine Schlange. So gut wie jedes Kind wünscht sich ein Haustier und jene Menschen, die Haustiere haben, möchten diese Erfahrung nicht missen. Haustiere bereichern den Menschen auf viele Arten. Sie geben emotionale Unterstützung in schwierigen Situationen und halten einen auf Trab. Doch wie sieht es mit der menschlichen Gesundheit aus? Profitieren Menschen gesundheitlich davon, ein Haustier zu besitzen?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Körperliche Betätigung</strong><br>Eins ist klar: Wer einen Hund besitzt, der sollte ihn regelmäßig ausführen, damit dieser sein Geschäft verrichten kann. Das hat natürlich auch Vorteile für den Gassi-Gänger, denn dies erhöht seine durchschnittliche physische Aktivität. Dass körperliche Fitness langfristig gesundheitliches Wohlergehen mit sich bringt, ist gut bestätigt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weniger Arztbesuche und kardiologische Erkrankungen von Haustierhaltern</strong><br>Diejenigen, die ein Haustier besitzen, sind vermutlich weniger häufig krank. In einer einjährigen Studie mit 938 Krankenkassenpatient:innen zeigte sich, dass Haustierhalter weniger Besuche beim Arzt hatten (Siegel, 1990). Außerdem profitieren Haustierhalter bei Problemen mit dem Herzen. Der Risikofaktor für kardiologische Erkrankungen bei Haustierhaltern ist signifikant niedriger, als bei Menschen ohne Haustiere, besonders bei Männern (Anderson, Reid &amp; Jennings, 1992). Eine weitere Studie ergab, dass Haustierhalter:innen eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit haben, ein Jahr nach einer Herzattacke am Leben zu sein als Nicht-Tierhalter:innen (Friedmann, Katcher, Lynch &amp; Thomas, 1980). All das klingt bereits sehr vielversprechend. Doch wie sieht es mit anderen gesundheitlichen Angelegenheiten aus?</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Einfluss von (Haus-)Tieren auf den menschlichen Blutdruck</strong><br>Tiere können den menschlichen Blutdruck senken. Dies besagte die Studie von Vormbrock &amp; Grossberg (1988), in der junge, gesunde Erwachsene entweder ein Gespräch mit dem Versuchsleiter hatten, einen Hund zu streichelten oder sich auszuruhen konnten. Der Blutdruck der Proband:innen war in den letzten beiden Bedingungen signifikant niedriger, was dafür sprechen könnte, dass Hunde positiven Einfluss auf den menschlichen Blutdruck haben können, zumindest im Vergleich zu Menschen. Eine weitere Studie zeigte, dass sich der arterielle Blutdruck sowie die Herzfrequenz von Kindern in Anwesenheit eines unbekannten Hundes verringerten, wenn sie Gedichte vorlasen (Friedmann, Katcher, Thomas, Lynch &amp; Messent, 1983).&nbsp; Diese physiologischen Auswirkungen sprechen für den beruhigenden Effekt, den Hunde auf viele Menschen haben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass das Hinzufügen eines Haustieres zum sozialen Umfeld sogar Stressreaktionen verändern, zeigte sich ebenfalls in einer Studie von Allen, Shykoff &amp; Izzo (2001), in welcher alleinlebende Börsenmakler:innen, die ihre Arbeit als sehr stressig beschrieben, teilnahmen. Die Hälfte der Proband:innen wurde zufällig dazu ausgewählt, eine Katze oder einen Hund aus einem Tierheim zu adoptieren. Es zeigte sich, dass die Haustierhalter in einer stressreichen Situation Blutdruckanstiege aufwiesen, die weniger als die Hälfte des Anstieges der anderen Proband:innen ohne Haustiere maßen. Dieser Befund lässt die Schlussfolgerung zu, dass Haustiere Stress entgegen wirken können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aufspürer von Krankheiten</strong><br>Bei Krebserkrankungen ist die Früherkennung zentral für die medizinische Behandlung. Mehrfach wurden Fälle berichtet, in denen Hunde die Krebserkrankung ihrer Besitzer:innen erkannten. Zum Beispiel berichteten Williams und Pembroke (1989), dass ein Mischlingshund beharrlich an einem Leberfleck am Bein seines Besitzers schnupperte, welcher sich später als bösartig entpuppte. Mit dem Wissen, dass manche Hunde in der Lage sind, den Geruch menschlicher Krebserkrankung zu detektieren, wurden experimentelle Untersuchungen durchgeführt. Diese zielten darauf ab, herauszufinden, ob Hunde dazu trainiert werden können, Krebserkrankungen zu erkennen. Willis und Kollegen (2004) trainierten 6 Hunde und erreichten schließlich eine Erfolgsrate von 41% Detektion bei der Erkennung von Urinproben von Patient:innen mit Blasenkrebs. Andere Forschende schafften es, mehrere Hunde so zu trainieren, dass sie in der Lage waren, korrekt und zuverlässig Gerüche von Lungen- und Brustkrebs zu identifizieren (McCulloch et al., 2006).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Epileptische Anfälle sind oft nur schwer vorhersagbar, dies ist ein großes Problem, da sie ernsthafte Schäden hinterlassen können. Für das soziale Umfeld eines Betroffenen ist es äußerst schwer, Hinweise zu erkennen, ebenso für die Betroffenen selbst im Vorhinein. Es wurde herausgefunden, dass Hunde den Beginn von epileptischen Anfällen vorhersagen und dafür trainiert werden können (Brown &amp; Strong, 2001). Wie genau Hunde dies erkennen können, ist noch unklar, es wird vermutet, dass Hunde mehrere Informationsquellen nutzen, wie bestimmte Gerüche und auch visuelle Signale. Wie zuverlässig Hunde in der Vorhersage von epileptischen Anfällen sind, ist noch nicht sicher. Es gibt unter anderem auch Studien, die diese Fähigkeit der Vorhersage von epileptischen Anfällen infrage stellen. Ein Befund von Ortiz und Kollegen (2005) lieferte Ergebnisse, die dafür sprechen, dass jene trainierten Hunde höchst unzuverlässige Angaben machen. Weitere Untersuchungen mit größeren Stichproben sind notwendig.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Einsamkeit und Depression</strong><br>Viele Haustierhalter:innen entwickeln eine starke Bindung zu ihrem Haustier und betrachten es als Teil der Familie. Diese Bindung kann die psychische Gesundheit des Menschen verbessern, welche wiederum Einfluss auf die körperliche Gesundheit hat. Die gesundheitlichen Vorteile könnten ebenso zurückzuführen sein auf die soziale Unterstützung, die Haustiere ihre Halter:innen bieten. Soziale Unterstützung ist bedeutend für die Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Zugehörigkeit, Wertschätzung und emotionaler Sicherheit und kann außerdem als Puffer für ungünstige Belastungen und Stress fungieren (Hermann, C. (2016). Soziale Unterstützung. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 30.10.2016, von&nbsp;<a href="https://portal.hogrefe.com/dorsch/soziale-unterstuetzung/">https://portal.hogrefe.com/dorsch/soziale-unterstuetzung/</a>).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verschiedene Studien zeigten, dass das Halten eines Haustieres Gefühle von Einsamkeit und Isolation reduzieren. Ebenso wurde von mehreren Autor:innen hervorgehoben, dass es eine positive Beziehung zwischen Haustierhaltung und der Reduktion von Depression gibt. Zum Beispiel berichteten männliche AIDS-Infizierte, die Haustiere besaßen, weniger Depression als diejenigen, die kein Tier besaßen. Besonders hier diejenigen mit einer schwachen sozial unterstützenden Umwelt (Siegel, Angulo, Detels, Wesch &amp; Mullen, 1999). Andere Studien zeigten den gleichen Effekt für ältere Menschen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zwischenmenschliche Beziehungen</strong><br>Haustiere haben ebenfalls einen Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen. Sie können das Objekt gemeinsamen Interesses einer Familie darstellen und somit die Kommunikation der Familienmitglieder verbessern (Serpell, 1996). Im grauen Krankenhausalltag können Haustiere bedeutende Unterschiede für Patient:innen und Angestellte machen, indem sie positive Emotionen hervorrufen (Haggard, 1985). Ebenso fanden mehrere Studien positive Effekte von Tieren auf Menschen in Seniorenheimen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jede:r Hundebesitzer:in kennt es wohl, von Fremden um Erlaubnis gebeten zu werden, ihren Hund zu streicheln. Deshalb ist es nicht überraschend, dass Hundebesitzer:innen bedeutend öfter in Konversationen mit Fremden verwickelt werden (McNicholas &amp; Collins, 2000; Wells, 2004). Also reduzieren die Tiere nicht nur selbst die erlebte Einsamkeit, sondern helfen ihren Halter:innen auch dabei, soziale Kontakte zu knüpfen und Kontakt mit ihren Mitmenschen aufzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tiergestützte Therapie</strong><br>„Basis der tiergestützten Therapie ist die Beziehungs- und Prozessgestaltung im Beziehungsdreieck Klient:in – Tier – Bezugsperson. Tiergestützte Therapie beinhaltet Methoden, bei denen Klient:innen mit Tieren interagieren, über Tiere kommunizieren oder für Tiere tätig sind.“ (Wohlfarth, R., &amp; Widder, H. (2011). Zur Diskussion: Tiergestützte Therapie–Eine Definition.) Die Tiergestützte Therapie ist noch keine Therapiemethode, die als eigenständig bezeichnet werden kann, da sie abhängig ist von therapeutischen, pflegerischen oder pädagogischen Arbeitsgebieten und darin eingebunden werden muss.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tiergestützte Therapie erwies sich zum Beispiel bei dementiell erkrankten Patient:innen als förderlich für Kommunikation, Aktivität und Stimmung (Püllen et al., 2013). Andere Forschungsergebnisse legen nahe, dass delfingestützte Therapie positive Veränderungen mit sich bringt, die die Bereiche „Intelligenz, Konzentration, Motorik, prosoziales Verhalten, emotionaler Stress, Kommunikation“ (Lämmermann, N. (2013).&nbsp;<em>Evaluation der Wirksamkeit der delfingestützten Therapie</em>&nbsp;(Doctoral dissertation, lmu).) und verschiedene Fertigkeitenbereiche betreffen, wobei zu betonen ist, dass sich der Effekt eher global als spezifisch zeigte. In einer Studie, die die Effekte von tiergestützter Therapie auf die Bewertung von Angst von hospitalisierten psychiatrischen Patient:innen untersuchte, fand man heraus, dass die tiergestützte Therapie mit reduzierter Zustandsangst einherging (Barker &amp; Dawson, 1998).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tiergestützte Therapie steckt noch in ihren Kinderschuhen und bedarf weiterer Standardisierung und wissenschaftlicher Überprüfung ihrer Wirksamkeit. Allerdings stellt sie eine aussichtsreiche Therapiealternative dar.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kritik</strong><br>Inwiefern die Ergebnisse der zahlreichen Studien generalisierbar sind, bleibt fragwürdig. Die Ergebnisse können von vielen weiteren Faktoren abhängen. Zum Beispiel wäre es möglich, dass sich Haustierhalter:innen in verschiedenen Aspekten grundlegend von anderen Menschen unterscheiden und dass die gesundheitlichen Vorteile eher darauf zurückzuführen sein könnten. Vermutlich könnten einzelne der dargestellten Studien nicht repliziert werden und andere werden von Studien mit gegensätzlichen Ergebnissen sogar infrage gestellt. Die dargestellten Studien legen ihren Fokus lediglich auf die positiven gesundheitlichen Effekte von Haustieren, die möglichen negativen Auswirkungen werden hierbei vernachlässigt. Zum Beispiel der Einfluss des Todes eines geliebten Haustieres auf den Menschen, könnte wissenschaftlich näher untersucht werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-light-gray-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong><br>Dennoch steht fest: Haustiere wirken sich positiv auf eine Vielzahl von Menschen aus. Sie können das momentane Wohlbefinden von Menschen positiv beeinflussen, auch, wenn die langfristigen gesundheitlichen Vorteile vielleicht nicht eindeutig auf sie zurückzuführen sind. Wer sich dazu entscheidet, sich ein Haustier anzuschaffen, sollte sich darauf einstellen, Verantwortung zu übernehmen. Viel Zeit und Geduld, vor allem anfangs, sollte mitgebracht werden. Doch die Anstrengungen und Bemühungen zahlen sich aus, denn die Tiere geben einem sehr viel zurück. Sei es soziale Unterstützung, die Ermunterung zur Bewegung, die Anregung der zwischenmenschlichen Kommunikation, erhöhtes Wohlbefinden und vielleicht sogar auch Vorteile für die Gesundheit.&nbsp;</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:10px"><strong>Literaturquellen</strong><br>[1] Allen, K. (2003). Are pets a healthy pleasure? The influence of pets on blood pressure.&nbsp;<em>Current Directions in Psychological Science</em>,&nbsp;<em>12</em>(6), 236-239.<br>[2] Barker, S. B., &amp; Dawson, K. S. (1998). The effects of animal-assisted therapy on anxiety ratings of hospitalized psychiatric patients.&nbsp;<em>Psychiatric services</em>,&nbsp;<em>49</em>(6), 797-801.<br>[3] Brasić, J. R. (1998). Pets and health.&nbsp;<em>Psychological Reports</em>,&nbsp;<em>83</em>(3), 1011-1024.<br>[4] Lämmermann, N. (2013).&nbsp;<em>Evaluation der Wirksamkeit der delfingestützten Therapie</em>&nbsp;(Doctoral dissertation, lmu).<br>[5] Ortiz, R., &amp; Liporace, J. (2005). “Seizure-alert dogs”: Observations from an inpatient video/EEG unit.&nbsp;<em>Epilepsy &amp; Behavior</em>,&nbsp;<em>6</em>(4), 620-622.<br>[6] Püllen, P. D. R., Coy, M., Hunger, B., Koetter, G., Spate, M., &amp; Richter, A. (2013). Tiergestützte Therapie im Demenzbereich eines Akutkrankenhauses.&nbsp;<em>Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie</em>,&nbsp;<em>46</em>(3), 233-236.<br>[7] Wells, D. L. (2009). The effects of animals on human health and well‐being.&nbsp;<em>Journal of social issues</em>,&nbsp;<em>65</em>(3), 523-543.<br>[8] Wohlfarth, R., &amp; Widder, H. (2011). Zur Diskussion: Tiergestützte Therapie–Eine Definition.)</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Hoffnung der Tierethik auf Übernahme in die Rechtsprechung</title>
		<link>https://psycho-path.de/die-hoffnung-der-tierethik-auf-uebernahme-in-die-rechtsprechung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Apr 2023 09:13:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#38 Online]]></category>
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					<description><![CDATA[„Morgen greife ich wieder an &#8230;“ CHRISTIAN ENGELSCHALT. Die Situation in der Massentierhaltung und beim Fischfang ist bekannt, etwa 90% der Deutschen sprechen sich in Umfragen gegen die leidvollen Zustände aus. Viele Leute wissen auch um die daraus folgenden Schäden an Klima und menschlicher Gesundheit über die Schmerzen der Tiere hinaus. (Gülle belastet das Trinkwasser [&#8230;]]]></description>
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<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">„Morgen greife ich wieder an &#8230;“</h1>



<p class="wp-block-paragraph">CHRISTIAN ENGELSCHALT. <em>Die Situation in der Massentierhaltung und beim Fischfang ist bekannt, etwa 90% der Deutschen sprechen sich in Umfragen gegen die leidvollen Zustände aus. Viele Leute wissen auch um die daraus folgenden Schäden an Klima und menschlicher Gesundheit über die Schmerzen der Tiere hinaus. (Gülle belastet das Trinkwasser und antibiotikaresistente Bakterien führen zu Todesfällen bei geschwächten Personen.) Das und die Subventionen sind auch ein ökonomischer Fehlschlag.</em></p>



<span id="more-2010"></span>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph">I. „TEAR DOWN THESE JAILS?!“ &#8211; SIND TIERE IM VERGLEICH ZU MENSCHEN ÜBERHAUPT WICHTIG?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation in der Massentierhaltung und beim Fischfang ist bekannt, etwa 90% der Deutschen sprechen sich in Umfragen gegen die leidvollen Zustände aus. Viele Leute wissen auch um die daraus folgenden Schäden an Klima und menschlicher Gesundheit über die Schmerzen der Tiere hinaus. (Gülle belastet das Trinkwasser und antibiotikaresistente Bakterien führen zu Todesfällen bei geschwächten Personen.) Das und die Subventionen sind auch ein ökonomischer Fehlschlag.<br></p>



<p class="has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph">Thank you disillusionment!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Alanis Morissette</em><br>Weniger geläufig neben den Bildern von Hühnern, Schweinen und Rindern ist, dass in der EU auch über 100 Millionen Kaninchen in engen Drahtkäfigen leiden. Weitere Arten sind betroffen. Die vom Tierschutzgesetz geforderte Betäubung beim Schlachten scheitert schon allein aufgrund des Zeitdrucks bei einem beträchtlichen Teil &#8211; und der Tod z.B. von Rindern erst in der Weiterverarbeitung ist damit qualvoll, ich erspare die kaum vorstellbaren Details. Einen Überblick über die Tierhaltungsindustrie gibt der Film „Dominion“ (2018).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die angesichts der geschilderten Zustände gewählte Zwischenüberschrift ist angelehnt an Ronald Reagans Satz „Tear down this wall!“, mit dem er 1987 den Fall der Berliner Mauer forderte. Ich kann dem ehemaligen US-Präsidenten allerdings abgesehen von seiner Begeisterungsfähigkeit politisch nur wenig abgewinnen. Sein Selbstvertrauen ist dabei kein Privileg von Männern, um Einseitigkeit für diesen Artikel vorzubeugen. Die große Überschrift „Wenn ich heute nicht erfolgreich bin, greife ich morgen wieder an!“ stammt von der Astronomin und Mathematikerin Mary Somerville (1780-1872). Tierische Produkte sind bei vollwertiger (!) pflanzlicher Ernährung plus Einnahme von Vitamin B12 und ggf. anderen Stoffen für Menschen vollständig entbehrlich (ausführlich in Rittenau, 2018). Vitamin B12 wurde 1948 entdeckt und steht seit den 1950ern zur Verfügung. Die Massentierhaltung hat sich hingegen seitdem in wichtigen Punkten verschärft. (&#8230;) Eventuell könnte in den kommenden Jahren im Labor erzeugtes Fleisch so billig werden, dass es die Massentierhaltung verdrängt und auch weniger umwelt- und klimaschädlich ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn ich vermute, dass Tierethik vielen ein Begriff ist, gehe ich kurz darauf ein. Es gibt genauer gesagt viele Tierethiken verschiedener Denkrichtungen und Autor:innen. Die drei Hauptrichtungen der Ethik allgemein sind die deontologische Ethik (nach Kant sind Moral und die Absicht des Handelns ist wichtig), die Tugendethik von Maß und Mitte (Aristoteles) und die utilitaristische Ethik der Beurteilung von Handlungen oder Verhaltensregeln nach ihren Folgen. Die tierethischen Anwendungen aller drei Strömungen fordern inzwischen eine grundlegende Aufwertung von mindestens Wirbeltieren und Kopffüßern wie dem Oktopus („animal turn“ der Philosophie in den letzten Jahrzehnten). Genaueres steht in den Literaturempfehlungen, einen spannenden Überblick findet ihr im Comic „Tierethik &#8230;“ von Julia Kockel und Oliver Hahn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt einige Details: Die kognitiven Fähigkeiten von z.B. einige Monate alten Schweinen übersteigen die von menschlichen Säuglingen und liegen in vielen Punkten eher bei denen von 2 bis 3-jährigen Kleinkindern. Die Leidensfähigkeit der genannten erscheint aus der zusammenfassenden Sicht auf alle wissenschaftlichen Untersuchungen hinreichend vergleichbar. Auch bei Menschen können (leidvolle) Emotionen ohne Kognition (also ohne explizierbare Gedanken) auftreten (z.B. LeDoux, 1995). Die Leidensfähigkeit bzw. das Erleben von Schmerzen und leidvollen Emotionen ist dabei aus Sicht der meisten Ethiken das Entscheidende, nicht die (kognitiven) Fähigkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Menschen schützt das deutsche Recht daher verkürzt gesagt vorgeburtliches Leben ab 12 Wochen, dann ist ein Schwangerschaftsabbruch nur noch in Ausnahmen erlaubt. Menschliche Säuglinge genießen glücklicherweise Rechte, müssen aber keine Pflichten erfüllen, was aus Sicht der Tierethiken vorbildhaft für den Rechtsstatus von z.B. Wirbeltieren im Einflussbereich von Menschen sein kann. (&#8230;)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn nicht zwingend alle Individuen in der Massentierhaltung unterschiedslos leiden müssen, ist der Anteil derer, die extremem Leiden ausgesetzt sind, dabei sehr hoch. Da die verschiedenen Tierethiken an Individuen ansetzen, scheint auch die Rechtsnormverletzung bereits bei einem oder wenigen Individuen nicht hinnehmbar. Wie u.a. in Tierethikbüchern nachgelesen werden kann, ist derzeit die kommerzielle Biohaltung keine sinnvolle Alternative, da sie nicht halten kann, was sie für die Tiere verspricht. Die meisten tierethischen Ansätze legen ein komplettes Ende von Tierhaltung (auch in Biohöfen) für ökonomische Ausbeutung nahe und kritisieren den derzeitigen Status insbesondere der so genannten Nutztiere, Eigentum von Menschen oder deren Firmen sein zu können. (&#8230;)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff „Tiere“ als Gegenpol zu Menschen selbst ist problematisch, da damit so unterschiedliche Spezies wie Rinder und Ameisen unter eine vermeintliche Gemeinsamkeit gefasst werden, die im Gegensatz zu Menschen stehen soll. Sprachwissenschaftler:innen kritisieren das als einen Ausgangspunkt der Gewalt gegen viele Tierarten.</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph">Literaturtipp: Haben Tiere Rechte? Download auf bpb.de</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph">II. WAS HAT TIERETHIK MIT DEM GESETZ ZU TUN?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Sicht der meisten Vertreter:innen ist es unumgänglich, die zentralen tierethischen Positionen zu geltendem Recht zu erklären. Ethik an sich ist zwar logisch nicht beweisbar, allerdings sind schon die zentralen humanethischen Positionen für die meisten Menschen kaum abweisbar: Wer nicht selbst von Übergriffen betroffen sein will, sollte sich an eine Ethik im Sinne der „Goldenen Regel“ halten: Was ich von anderen nicht erleiden will, sollte ich diesen auch nicht zufügen. Dazu gibt es zwar Einschränkungen und strittige Punkte in Details, aber im Groben ist es unvermeidbar für Menschen, die Leiden und Schmerz aus dem Wege gehen wollen. Das sind natürlich keinesfalls alle Menschen, wie einige Menschen mit psychopathischen Zügen zeigen, die kaum Angst vor Bestrafung und zukünftigen Schmerzen haben, aber eben die überwältigende Mehrheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun sieht es im Jahr 2020 nicht so aus, als ob die wichtigsten tierethischen Positionen in nächster Zeit zu Gesetzen in Deutschland werden. Was wäre daher schon bei konsequenter Nutzung des bestehenden Rechts möglich? Wo könnte man im bisherigen Recht andere Auslegungen erreichen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst: Die Rechtsprechung der Bundesrepublik war von den 1950ern bis heute beträchtlichen Wandlungen in der Auslegung unterworfen. (&#8230;) Im deutschen Recht gibt es ein Tierschutzgesetz, das ethische Veganer*innen sehr missbilligen. Dieses zielt zwar allgemein auf das Wohlbefinden von Tieren ab, erlaubt aber, dann Tieren Schmerz und Leiden zuzufügen, „wenn es dafür einen vernünftigen Grund gibt“. Damit wird in den weiteren Details des Gesetzes die Massentierhaltung gerechtfertigt, weil hier fast jede Begründung als sinnvoll dargestellt wird. (&#8230;)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wort „vernünftig“ wird allerdings auch in anderen Rechtskontexten als bei „Nutztieren“ verwendet. Dort scheint die Verwendung wesentlich strenger zu sein. Nach meinem Eindruck wird dann „vernünftig“ im Falle von Dilemmata eher im Sinne einer Rechtsgüterabwägung verwendet, d.h. höhere Rechtsgüter wie menschliches Leben werden über ökonomische Interessen gestellt. Die banalere Verwendung von „vernünftig“ mag es zum Beispiel beim Bundesrechnungshof geben: Wenn ein einfaches Haus für die Stadtverwaltung ausreicht, muss es kein Luxusanwesen werden. Straßen müssen nicht in einem Monat baulich saniert werden, wenn im nächsten Monat noch Wasser- und Medienleitungen verlegt werden sollen und sie dafür erneut aufgegraben werden. Luxusbegehren gelten in anderen Rechtskontexten als unter vernünftiger Betrachtung nachrangig. (Da in jeder Hinsicht entbehrlich, befriedigen auch tierische Produkte ein Luxusbegehren.) Die Schäden der Massentierhaltung an Klima, Gesundheit und Finanzen der öffentlichen Haushalte sollten ebenfalls genügen, das Wort „vernünftig“ im Tierschutzgesetz zukünftig anders auszulegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig würde auch das jetzige Gesetz bereits ermöglichen, das Leid von so genannten Nutztieren höher zu bewerten und strengere Schutzvorschriften zu erlassen und durchzusetzen, da Leiden vom Recht eigentlich über vermeintlich ökonomische Interessen gestellt wird. Würden außerdem anspruchsvolle Schutzbestimmungen für alle gelten und durchgesetzt werden, ist ja auch kein Anbieter per se im Nachteil. Das Preisniveau wäre nur um ein Mehrfaches höher. Auch damit sind Geschäftsmodelle mit Gewinnerzielung möglich. Die eben genannten Punkte würden für Gerichte allerdings vermutlich bedeuten, einige Unterpunkte des Tierschutzgesetzes aufgrund geänderter Sachlage für obsolet zu erklären. Das deutsche Recht lässt so etwas prinzipiell zu. Es kommt manchmal vor, dass Details von Gesetzen gekippt werden, wenn sie dem allgemeineren Ziel bzw. der Präambel des Gesetzes zuwiderlaufen (s.a. Paefgen &amp; Raspé, 2019). (&#8230;)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie spätestens die Corona-Pandemie indirekt gezeigt hat, können Einfuhren von Anbietern, die die Schutzvorschriften unterlaufen wollen, sehr wohl an den Grenzen zurückgehalten werden. Dieses Problem ähnelt der Bekämpfung der Dumping-Produktion auch in anderen Bereichen, z.B. beim Import von Kleidung, die unter extrem schlechten Arbeitsbedingungen z.B. in Pakistan bzw. in den Baumwollanbaugebieten (Schäden und Tote durch Pflanzenschutzgifte) hergestellt wurde. Durch Kontrolle der Produktions- und Lieferketten inklusive des Großhandels könnte man das verändern.</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><strong>Exkurs: Warum sind Umbrüche im Recht mehr als Träumereien der Tierethikszene?</strong><br>Die realistische Möglichkeit, das Recht und seine Anwendung geradezu revolutionär zu ändern, entsteht u.a. durch folgendes Szenario: Der Anteil der (Massen)Tierhaltung am Ausstoß aller Treibhausgase auf der Welt beträgt mindestens ein Viertel, wenn man die indirekten Emissionen einbezieht. Wenn die Bekämpfung der Erderwärmung in nächster Zeit dringlich wird, brauchen Regierungen sehr schnell Erfolge. Eine Umsteuerung des Ernährungsverhaltens weg von tierischen Produkten liegt dabei besonders nahe, weil sie relativ rasch und günstig zu erreichen wäre. Mit dem Verblassen der wirtschaftlichen Bedeutung würde aber auch der politische und gesellschaftliche Einfluss der Massentierhaltungslobby sinken. Auch wegen ihres schlechten Images würden dann Verwaltungen, Parlamente und Rechtsprechung ihre schützende Hand von der Nutztierbranche nehmen. Eine effektive Ahndung von Rechtsverstößen würde beginnen, auch von schon vergangenen. Sie würde auch durch die Versuchung getrieben, sich damit zu profilieren. Die Tür für die Übernahme ins Recht stünde der Tierethik weit offen, sie wäre nicht mehr nur das Wunschdenken von Weltverbesserern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph">III „NICHT RACHE, NEIN RENTE &#8230;“ (WOLF BIERMANN)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man könnte beim Thema Massentierhaltung anders auf die jetzige Rechtsprechung, Politik und geringen Spielraum von Kontrollen schauen und behaupten, dass derzeit Rechtsbeugung (nur teilweise deckungsgleich mit dem entsprechenden Paragraphen) betrieben wird. Damit wären Verwaltungsakte und Urteile noch im Nachhinein anfechtbar. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wären auch die durch die Massentierhaltung angehäuften Gewinne bei einigen Firmen und Privatpersonen von der Staatskasse einzuziehen. Wichtig ist, dass es dabei eine Grenze an verbleibendem Vermögen geben muss, z. B. 100000 Euro und ein eigenes kleines Haus, weil sonst das genannte Vorgehen missbraucht werden könnte, um Leute privat und politisch von der Teilhabe an der Gesellschaft auszuschließen, wofür Diktaturen unrühmliche Beispiele geliefert haben. Aus dem gleichen Grund sollte man auf langjährige Haftstrafen aufgrund der Massentierhaltung verzichten, wenn über diese in Zukunft vom Rechtsstaat rückschauend geurteilt werden sollte, das Tierschutzgesetz sieht maximal 3 Jahre vor. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Vorwegnahmen der Zukunft könnten jetzt schon von Tierrechtsgruppen medial verbreitet werden. Natürlich wäre der Sache kaum gedient, wenn alles eben Gesagte jetzt im Jahr 2020 nur Abwehr oder Selbstabwertung bei den Angesprochenen hervorrufen würde. Es soll Bewegung bringen. </p>



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<p class="wp-block-paragraph">Ebenso wie vielen Ethiken liegen auch mir Kategorien von Gut und Böse fern. In Anlehnung an Hannah Arendt sind die Motive für menschliche Misshandlungen von „Nutztieren“ letztendlich banal. Das Wichtige ist, wie das Leid vor allem für die „Nutztiere“ möglichst rasch beendet werden kann. Moralische Vorhaltungen sind praktisch ungeeignet. Diese Aussagen sind wichtig, wenn in diesem Artikel auch von Rechtsbeugung und Straf- und Zivilrecht die Rede ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich bringt das seit 1945 entwickelte Völkerrecht den Gedanken eines Kernbestands von Verbrechen, die immer strafbar sind, selbst wenn ein Staat das nicht umsetzt oder mit von außen betrachtet „nichtigen“ Paragraphen verhindern will (siehe Quellen im Anhang). Auch die Rechtsprechung der BRD bekennt sich zu solchem „überpositiven Recht“. Und grundgesetzwidrige Gesetze sind wegen der Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus automatisch nichtig (beides König, 2016). Ebenfalls wird auf systematische Gewalttaten verwiesen, die auch außerhalb des betreffenden Staates niemanden gleichgültig lassen können, so dass eine Intervention für legitim bzw. legal erklärt wird (sinngemäß im Wikipedia-Artikel zum Völkerrecht). Diese muss natürlich verhältnismäßig sein. Im Moment mag das hinsichtlich Tierrechten vor allem darin bestehen, Staaten überall auf der Welt auf die möglichen späteren Konsequenzen von auf ihrem Gebiet so genannten Nutztieren zugefügtem extremen Leid hinzuweisen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch einmal die Begründung zur Anlehnung an das Völkerrecht: Da es zwischen Menschen und z.B. „Nutztieren“ aus wissenschaftlicher Sicht nur graduelle Unterschiede und eine vergleichbare Leidensfähigkeit der Tiere mindestens mit Säuglingen oder noch Ungeborenen gibt, sollte das Völkerrecht bei diesen „Nutztieren“ in angepasster Form Anwendung finden. Überschneidungen anderer Tierarten mit der Spezies Mensch sollten auch gleiche Rechte im Überschneidungsbereich begründen. Das anthropozentrische Überschneidungsargument ist dabei nur ein Hilfsmittel, weil es tierethisch nicht notwendig für die Gewährung von Rechten ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie schon oben erwähnt, könnte die Ankündigung von späteren rechtlichen Schritten auch zur Zementierung der heutigen Verhältnisse führen, wenn die Akteure der Massentierhaltung dadurch eine Abwehrhaltung einnehmen würden. Das Problem stellt sich ähnlich aber auch dem Völkerstrafrecht, wenn es heute Gerichtsverfahren ankündigt, für die die betroffenen Personen erst einmal von ihren Machtpositionen abgelöst und dem internationalen Gerichtshof überstellt werden müssen. Die schwierig zu klärende Frage ist, ob sie in Aussicht eines Verfahrens bis zu ihrer Ablösung eventuell sogar mehr Verbrechen begehen. Tierethisch motivierte Ankündigungen von zukünftigen Rechtsmitteln (Gerichtsverfahren) sollten so kommuniziert werden, dass in der Gegenwart ein Anreiz und möglichst sogar ein intrinsisches Motiv für die Eigentümer:innen entsteht, früher von der Massentierhaltung abzulassen als es ohne diese Ankündigungen der Fall wäre. Dazu kann u.a. sozialpsychologische Forschung des Überzeugens und der Änderung von Einstellungen und Handlungen genutzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Möglichkeit wäre die Ankündigung von zukünftigen Wahrheitskommissionen, in Anlehnung an das Vorbild der Aufarbeitung der Apartheid in Südafrika. Dort fielen bei glaubhaften Aussagen sämtliche rechtlichen Konsequenzen für frühere Vergehen weg und es wurde wohl auch Vergebung ausgesprochen. Spekulativ würde das im Fall der Massentierhaltung eine Veränderungsmotivation zur raschen Abschaffung fördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnlich zu vielen Tierethiken scheint das deutsche Recht an vielen Stellen sogar jetzt schon pathozentrisch (das Leiden von welchem Lebewesen auch immer zählt) und nicht speziesistisch (nur Menschen zählen) vorzugehen, wenn es zum Beispiel sehr strenge Regeln an die Haltung von Haustieren anlegt oder die schmerzvolle Tötung von Wirbeltieren gänzlich verbietet. Es ist eine Straftat, auf der Straße beim Spazierengehen einen Frosch umzubringen. (&#8230;)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Recht unterliegt historischen Wandlungen. Das gilt auch für die Rechtsphilosophie als Grundlage der mit der Gesetzgebung verfolgten Prinzipien. Der amerikanische Bürgerkrieg 1861-1865 brachte mit dem Ende der Sklaverei (das aber nicht direkt der Grund für seinen Beginn war) einen Umbruch der Rechtsordnung, auch im Supreme Court. Die Argumente gegen die Befreiung („Dann wird Baumwolle zu teuer“) und die Einführung des Frauenwahlrechts („Unverantwortlich“) waren von der Denkweise her ähnlich wie heutige Vorbehalte gegen Tierrechte, auch wenn es um die Gleichheit innerhalb der Menschen ging. (&#8230;)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tierethik als eine Grundlage des Rechts hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Für die Formulierung neuen Rechts zählt im Zweifel, was die Gesetzgeber*innen erreichen wollen, so lange es im Einklang mit Grundrechten ist. (&#8230;)</p>



<p class="has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph"><strong>Weitreichender Schutz für u.a. „Nutztiere“ ist auch egoistisch wichtig, denn warum wird mein Mitmensch vor einem Angriff auf mich Halt machen, wenn ihm Lebewesen, von denen viele mindestens wie Säuglinge (also wie Menschen) leiden können, gleichgültig sind?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:14px"><strong>Quellen und Empfehlungen:</strong><br>[1] Albert-Schweitzer-Stiftung (2020). Artikel zum Verbandsklagerecht (Abruf am 15.06.2020). https://albert-schweitzer-stiftung.de/themen/ verbandsklagerecht,<br>[2] Albert-Schweitzer-Stiftung (2020). Artikel zu Urteil zu Kastenständen. (Abruf am 15.06.2020). https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/ urteil-kastenstaende-rechtskraeftig<br>[3] Albert-Schweitzer-Stiftung (2020). Auflistung von Urteilen zur Tierhaltung (Abruf am 16.06.2020). https://albert-schweitzer-stiftung.de/?s=Urteil&amp;submit=Suche<br>[4] Brecher, D.C., Ferencz, B. (2019, 25. August) Das Prinzip „Recht statt Krieg“. Deutschlandfunk. https://www.deutschlandfunk.de/das-prinzip-recht-statt-krieg-1-2-der-anklaeger.1184.de.html?Dram:article_id=453404<br>[5] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2019) Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren (Abruf am 15.06.2020) https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/tierschutz/haltung-saeugetiere.html<br>[6] Delforce, C.,Monson, S., Lynch, M., Jayne, L. (Produzenten), &amp; Delforce, C. (Regisseur). (2018). Dominion [Film]. Aussie Farms. (Frei z.B. auf youtube.de verfügbar unter Altersnachweis.)<br>[7] Kockel, J., Hahn, O. (2017). Tierethik – der Comic zur Debatte. Wilhelm Fink.<br>[8] König, W. F. (2016). Juristische Methoden für Dummies. Wiley.<br>[9] LeDoux, J. (1995). Emotion: clues from the brain. Ann Rev Psychol 46: 209-235.<br>[10] Rittenau, N. (2018). Vegan-Klischee ade! Wissenschaftliche Antworten auf kritische Fragen zu veganer Ernährung. Ventil.<br>[11] Strafgesetzbuch (57. Auflage 2019). Beck-Texte im dtv.<br>[12] Tierschutzgesetz (2019, abgerufen am 14.06.2020) www.gesetze-im-internet.de/TierschG<br>[13] Völkerstrafgesetzbuch (2017): In Strafgesetzbuch (2019). Beck-Texte im dtv.<br>[14] Wikipedia-Autoren (2020, 10. Juni). Völkerrecht (abgerufen am 15.06.2020).Wikipedia. https://de.wikipedia.org/w/index.php?Title=V%C3%B6lkerrecht&amp;oldid=200819228<br>[15] Paefgen, J., Raspé, C. (2019). Die Herausforderung der Rechtsdurchsetzung. In Diehl, E. &amp; Tuider, J. (Hrsg., 2019) Haben Tiere Rechte? Bundeszentrale für politische Bildung, Buch frei als pdf auf bpb.de.<br>[16] Diehl, E. &amp; Tuider, J. (Hrsg., 2019) Haben Tiere Rechte? Bonn, Bundeszentrale für politische Bildung. Buch frei als pdf auf bpb.de </p>
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