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	<title>psyche &#8211; Psycho-Path WordPress-Seite</title>
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		<title>Ernährung und mentale Gesundheit: Ich bin, was ich esse</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Oct 2023 14:51:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#44 Ernährung]]></category>
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					<description><![CDATA[HELENE KÜHN. Eine Psychiaterin am Massachusetts General Hospital bemerkt Muster in der Ernährung ihrer Patient:innen und dem Verlauf depressiver Symptome, daraufhin beginnt sie eine Ausbildung zur Köchin. Heute leitet Uma Naidoo den Nutritional Psychiatry Service in den USA und hat ein Buch darüber geschrieben, welche Rolle die Ernährung bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen spielt. Das Feld [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">HELENE KÜHN. <em>Eine Psychiaterin am Massachusetts General Hospital bemerkt Muster in der Ernährung ihrer Patient:innen und dem Verlauf depressiver Symptome, daraufhin beginnt sie eine Ausbildung zur Köchin. Heute leitet Uma Naidoo den Nutritional Psychiatry Service in den USA und hat ein Buch darüber geschrieben, welche Rolle die Ernährung bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen spielt. Das Feld der Ernährungspsychologie ist noch relativ jung, aber durchaus vielversprechend. Ist es möglich, dass etwas so vermeintlich Einfaches, wie eine Ernährungsumstellung, als mögliche Prävention oder Intervention bei Depression eingesetzt werden kann?</em></p>



<span id="more-2139"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Seit relativ kurzer Zeit wird der Zusammenhang zwischen Ernährung und Depression erforscht. Studien, die Ernährungsweisen untersuchten, fanden Zusammenhänge zwischen einem erhöhten Depressionsrisiko und der sogenannten „Western Diet“, einer Ernährungsform, die Fast Food, stark verarbeitete Lebensmittel, gesättigte Fettsäuren und Zucker beinhaltet [1]. Wie es so oft der Fall ist, unterscheiden sich die Studien methodologisch sehr stark, sodass es schwierig ist, sich ein Gesamtbild zu verschaffen oder eine gute Empfehlung für die beste Ernährung zu geben. Trotzdem wird eine Umstellung der Ernährung zumindest als eine mögliche Form der Intervention bei Depression diskutiert. Im Folgenden sollen einige Studienergebnisse zusammengefasst werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass der Darm und das Gehirn eng miteinander verbunden sind, ist schon länger bekannt (und kann außerdem auch im Psycho-Path in der Ausgabe 37 nachgelesen werden). Dementsprechend kann die Ernährungsform über den Vagusnerv, der unter anderem die Verbindung zwischen beiden herstellt, einen Einfluss auf das Gehirn haben. Die Art der Ernährung führt dabei zu Veränderungen im Mikrobiom, was wiederum einen Einfluss auf das Verhalten haben kann, also zum Beispiel depressives oder ängstliches Verhalten bedingen kann [7].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine groß angelegte Studie mit fast 15000 Studierenden in Spanien verfolgte die Ernährung und die Entwicklung depressiver Symptome über 10 Jahre [2]. Während zu Beginn keine:r der Teilnehmenden depressive Symptome zeigte, berichten die Autor:innen von 774 Fällen von Depressionen zum Zeitpunkt des Follow-Up. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang mit der Ernährung: Personen, die eher stark verarbeitete energiereiche Lebensmittel zu sich nahmen, die per Definition wenig Ballaststoffe und wenige wichtige Nährstoffe enthalten, hatten ein höheres Risiko, depressive Symptome zu entwickeln. Eine wichtige Rolle könnte dabei der Mangel an bestimmten Mikronährstoffen spielen, die in stark verarbeiteten Lebensmitteln nicht oder in zu geringen Mengen vorkommen. Dazu zählen Vitamine, Minerale, aber auch Omega-3-Fettsäuren, die wichtig für eine gesunde Hirnfunktion sind. Besonders bekannt sind die Vitamine B12 und D, wobei ein Mangel mit verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen im Zusammenhang steht. Stark verarbeitete Lebensmittel beinhalten gleichzeitig mehr Trans-Fettsäuren sowie Zucker, wobei beides&nbsp; auch mit einem erhöhten Depressionsrisiko in Verbindung gebracht wurde [6]. Bei einer eher einseitigen Ernährung, die zum Beispiel der Western Diet folgt, nimmt auch die Diversität der Bakterien im Darm ab. Das begünstigt eine Vermehrung „schlechter“ Bakterien, die gesundheitsschädliche Folgen haben können. Unter anderem über diesen Mechanismus können Lebensmittel die chemischen Signale, die über den Vagusnerv vom Darm zum Gehirn gelangen, verändern [4].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen schützenden Effekt scheint die sogenannte mediterrane Diät zu haben. Dabei handelt es sich um eine Ernährungsform, die viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und ungesättigte Fettsäuren enthält, aber wenig Fleisch- und Milchprodukte beinhaltet. Viele Studien weisen darauf hin, dass Personen, die sich eher gemäß einer mediterranen Diät ernähren, ein geringeres Risiko haben, eine Depression zu entwickeln. Diese Ernährungsform erhöht die Anzahl bestimmter förderlicher Bakterien, die einen positiven Einfluss auf kurzkettige Fettsäuren haben, die wiederum Hormone beeinflussen, welche Effekte im Gehirn bedingen und über diesen Mechanismus Verhalten beeinflussen können [3].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Studien untersuchen den Einfluss der Ernährung auf das Risiko, eine Depression zu entwickeln. In einem Review wurden einige Studien zusammengefasst, die depressive Patient:innen untersuchten, die an Diätinterventionen teilnahmen. Die Interventionen umfassten unter anderem eine mediterrane Diät, Fettreduzierung oder eine erhöhte Vollkornaufnahme. In allen Studien fielen Verbesserungen depressiver Symptome nach der Intervention auf, wenn auch im Rahmen sehr verschiedener Zeitfenster (10 Tage bis ein Jahr) und mit verschiedenen Messinstrumenten für depressive Symptome [5].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund dieser Ergebnisse ist es nicht abwegig, eine Änderung der Ernährung als eine mögliche therapiebegleitende Intervention bei Depression einzusetzen. Vor allem eine antiinflammatorische, antioxidante Diät, also mediterrane Diät, scheint bis zu einem gewissen Grad depressive Symptome verhindern oder verringern zu können. Das bedeutet, dass auch gesunde Personen über ihre Ernährung ihrer psychischen Gesundheit etwas Gutes tun können – was natürlich keineswegs heißt, dass gänzlich auf das gelegentliche Fast Food oder die Schokolade verzichtet werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Adjibade, M., Julia, C., Allès, B., Touvier, M., Lemogne, C., Srour, B., Hercberg, S., Galan, P., Assmann, K. E., &amp; Kesse-Guyot, E. (2019). Prospective association between ultra-processed food consumption and incident depressive symptoms in the French NutriNet-Santé cohort. <em>BMC Medicine</em>, <em>17</em>(1), 78. https://doi.org/10.1186/s12916-019-1312-y<br>[2] Gómez-Donoso, C., Sánchez-Villegas, A., Martínez-González, M. A., Gea, A., Mendonça, R. D. D., Lahortiga-Ramos, F., &amp; Bes-Rastrollo, M. (2020). Ultra-processed food consumption and the incidence of depression in a Mediterranean cohort: The SUN Project. <em>European Journal of Nutrition</em>, <em>59</em>(3), 1093–1103. https://doi.org/10.1007/s00394-019-01970-1<br>[3] Lassale, C., Batty, G. D., Baghdadli, A., Jacka, F., Sánchez-Villegas, A., Kivimäki, M., &amp; Akbaraly, T. (2019). Healthy dietary indices and risk of depressive outcomes: A systematic review and meta-analysis of observational studies. <em>Molecular Psychiatry</em>, <em>24</em>(7), 965–986. https://doi.org/10.1038/s41380-018-0237-8<br>[4] Naidoo, U. (2020). <em>This is Your Brain on Food: An Indispensable Guide to the Surprising Foods that Fight Depression, Anxiety, PTSD, OCD, ADHD, and More.</em> Hachette.<br>[5] O’Neill, S., Minehan, M., Knight-Agarwal, C. R., &amp; Turner, M. (2022). Depression, Is It Treatable in Adults Utilising Dietary Interventions? A Systematic Review of Randomised Controlled Trials. <em>Nutrients</em>, <em>14</em>(7), 1398. https://doi.org/10.3390/nu14071398<br>[6] Sánchez-Villegas, A., Verberne, L., De Irala, J., Ruíz-Canela, M., Toledo, E., Serra-Majem, L., &amp; Martínez-González, M. A. (2011). Dietary Fat Intake and the Risk of Depression: The SUN Project. <em>PLoS ONE</em>, <em>6</em>(1), e16268. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0016268<br>[7] Sandhu, K. V., Sherwin, E., Schellekens, H., Stanton, C., Dinan, T. G., &amp; Cryan, J. F. (2017). Feeding the microbiota-gut-brain axis: Diet, microbiome, and neuropsychiatry. <em>Translational Research</em>, <em>179</em>, 223–244. https://doi.org/10.1016/j.trsl.2016.10.002</p>
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		<title>Ausnahmezustand verliebt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Jul 2023 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#36 Normalität]]></category>
		<category><![CDATA[#mehr_wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
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		<category><![CDATA[psyche]]></category>
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					<description><![CDATA[Was Liebe mit unserer Psyche macht SASKIA RIEDELBAUCH. Fast jede:r kennt diesen Zustand: die Gedanken kreisen nur noch um die angebetete Person, man läuft fröhlich grinsend durch die Gegend, ist gut gelaunt, alles erscheint schöner, besser, fröhlicher. Man denkt an eine gemeinsame Zukunft, geht im Kopf die verschiedensten Szenarios durch, wie das gemeinsame Leben aussehen [&#8230;]]]></description>
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<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">Was Liebe mit unserer Psyche macht</h1>



<p class="wp-block-paragraph">SASKIA RIEDELBAUCH.<em> Fast jede:r kennt diesen Zustand: die Gedanken kreisen nur noch um die angebetete Person, man läuft fröhlich grinsend durch die Gegend, ist gut gelaunt, alles erscheint schöner, besser, fröhlicher. Man denkt an eine gemeinsame Zukunft, geht im Kopf die verschiedensten Szenarios durch, wie das gemeinsame Leben aussehen könnte – dabei kennt man den anderen / die andere noch gar nicht lange. Dem nächsten Treffen wird mit pochendem Herzen entgegengeblickt und wenn man sich dann sieht, bekommt man weiche Knie und kriegt kaum noch einen vollständigen Satz heraus.  Verliebt sein ist etwas Aufregendes und Schönes. Dabei wissen wir, dass der Zustand der Verliebtheit nicht ewig andauert und sich mit der Zeit in Liebe und eine enge Bindung verwandelt. Vermutlich ist allen klar, dass der Mensch sich anders verhält, anders denkt und anders fühlt, wenn er verliebt ist und wenn er liebt. Doch wie genau sieht das aus? Was macht Liebe mit unserer Psyche? Dem möchte ich mit diesem Artikel ein wenig auf den Grund gehen. </em></p>



<span id="more-2068"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Liebe einen Einfluss auf die menschliche Wahrnehmung hat, ist wunderschön zusammengefasst in dem Sprichwort „durch die rosarote Brille sehen“. Dieses bedeutet in unserer Umgangssprache, dass man etwas in einem zu positiven Licht sieht und ein unrealistisches Weltbild hat [1]. „Er ist einfach der Beste“, „Sie ist die schönste Frau, die ich je gesehen habe“, „Ich kenne niemanden, der so hilfsbereit und selbstlos ist wie er“ – dem ein oder anderen kommt das sicher bekannt vor: Verliebte neigen dazu, ihre:n Partner:in zu idealisieren. Dies mag zwar einem unrealistischen Bild von der geliebten Person entsprechen – doch ist das schlimm? Forschende fanden heraus [2], dass die Idealisierung des Partners / der Partnerin selbsterfüllende Effekte hat: Menschen, die ihre:n Partner:in stark idealisierten, hatten eine geringere Wahrscheinlichkeit, sich zu trennen. Zum Teil scheinen die positiven Illusionen über den/die Partner:in mit dem Grad der Selbstachtung der Individuen zusammen zu hängen. Eine höhere Selbstachtung sagte mehr Idealisierung des/der Partner:in vorher. Persönliche Unsicherheiten von Individuen dagegen schienen dabei eine eher unterschwellige Vulnerabilität für die Beziehung darzustellen. Des Weiteren berichteten Paare, die sich anfangs gegenseitig mehr idealisierten, mehr Zufriedenheit und weniger Konflikte sowie Zweifel über einen Zeitraum von einem Jahr, als Paare die sich weniger idealisierten. Im Rahmen der Studie zeigte sich sogar, dass die Individuen die idealisierten Bilder des Partners später teilten – also positive Veränderungen im Selbstkonzept erfuhren. Die Idealisierung des Partners bzw. der Partnerin scheint also ein Prädiktor für eine stabilere Beziehung zu sein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie wirkt sich Liebe auf das Denken aus? </strong><br>Dieser Frage ging noch eine andere Forschungsgruppe nach [3], die kognitive Verarbeitungsmodi bei subtilen oder unbewussten Erinnerungen an Liebe vs. Sex untersuchten. Dabei fanden sie Belege dafür, dass verliebte Menschen sich eher auf eine langfristige Perspektive fokussieren, was holistisches (ganzheitliches) und somit auch kreatives Denken erhöht. Menschen hingegen, die sexuelle Begegnungen in zwanglosem Kontext in Abwesenheit von Liebe haben, konzentrieren sich den Studienergebnissen nach mehr auf die Gegenwart. Dies führt dazu, dass konkrete Details fokussiert werden, was wiederum analytisches Denken erhöht. Liebe kann aber nicht nur kreatives Denken fördern, sondern auch kognitive Leistungsfähigkeit erhöhen. Dies fanden Forschende im Jahre 2006 [4] heraus, als sie heterosexuelle Frauen in romantischen Beziehungen mithilfe einer lexikalischen Entscheidungsaufgabe untersuchten. Hier wurden zwei Gruppen anhand der Ergebnisse der „Passionate Love Scale“ (ein Fragebogen zur Erfassung leidenschaftlicher Liebe) gebildet, sodass die Experimentalgruppe Frauen enthielt, die ihren Partner leidenschaftlich liebten. Die Kontrollgruppe bildeten Frauen, die ihren Partner nicht leidenschaftlich liebten und ihre Liebe eher als kameradschaftlich bezeichneten. Bei der durchzuführenden Aufgabe mussten die Probandinnen so schnell und genau wie möglich angeben, ob eine Buchstabenkette ein Wort ergibt. Dabei wurden vorher unterschwellige Hinweisreize dargeboten, welche entweder den Namen des Geliebten, den Namen eines Freundes oder einen wortähnlicher Kontrollhinweisreiz zeigten. Hierbei zeigte sich, dass Frauen, die ihren Partner leidenschaftlich liebten, schneller darin waren, Wörter zu erkennen, wenn vor Präsentation der Buchstabenkette der Name ihres Partners unterschwellig präsentiert wurde.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Studie [5] zeigte, dass Verliebte in einer Mentalisierungsaufgabe besser waren, wenn ihnen vorher ein Foto ihres/ihrer geliebten Partners/Partnerin gezeigt wurde. Mentalisierung meint die Fähigkeit zur Interpretation des Verhaltens anderer durch die Zuschreibung mentaler Zustände. Im Rahmen dieser Studie wurde die Zuschreibung emotionaler Zustände untersucht, indem die Probanden anhand von Fotos von Augenpaaren eine dargestellte Emotion korrekt identifizieren sollten. Verliebte waren also besser darin, emotionale Zustände anderer korrekt zu erkennen, nachdem sie an ihre:n Geliebte:n erinnert wurden im Vergleich zu vorher gezeigten neutralen Reizen. Dabei waren die Effekte für Männer größer als für Frauen – besonders wenn es um die Identifikation negativer Emotionen ging. Der normalerweise bestehende Geschlechterunterschied in Mentalisierungsfähigkeit zugunsten von Frauen war in der Studie reduziert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was hat Liebe mit Sucht gemeinsam?</strong> <br>Es wird angenommen, dass Liebe subkortikale Belohnungs- und Motivationssysteme nutzt [6], welche auch bei Sucht eine bedeutende Rolle spielen. Doch wenn wir einmal annehmen würden, dass Liebe einer Sucht gleicht, muss auch herausgestellt werden, dass es sich in diesem Fall um eine vorteilhafte Sucht handelt. Es wird nämlich davon ausgegangen, dass Liebe, Vergnügen und Lust ein stressreduzierendes und gesundheitsförderndes Potential haben aufgrund ihrer Fähigkeit, nützliche Motivation und Verhalten zu fördern [7]. Außerdem kann das Verliebtsein zu einer Erweiterung des Selbstkonzeptes, erhöhter Selbstwirksamkeit und erhöhtem Selbstwert führen [8].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>&nbsp;„Liebe macht blind“ – ein Spruch, den man des Öfteren hören kann. </strong><br>Doch was ist damit gemeint und ist da etwas dran? Verliebte sind stark fokussiert auf ihre:n Geliebte:n, was schnell dazu führen kann, dass andere Dinge, Aufgaben und Personen vernachlässigt werden. Wie wirkt sich dieser stark eingeengte Fokus auf die Wahrnehmung von Liebe aus?&nbsp; In einer Studie sahen Verliebte sowie Erfahrene in Sachen romantischer Liebe kurze Videos von Paaren und sollten daraufhin die Verbundenheit des Paares beurteilen [9]. Zwar waren sie sich sicherer bezüglich ihres „Liebes-Urteils“, jedoch waren ihre Urteile weniger akkurat, als die von Personen die nicht verliebt waren oder weniger Erfahrungen in Sache Liebe angaben. Dies lässt annehmen, dass das Liebes-Konzept der Verliebten und „Liebes-Experten“ höchst subjektiv und nicht repräsentativ ist für die Art und Weise, in der sich Liebe in der breiten Bevölkerung manifestiert. Doch macht Liebe wirklich so blind, dass man nur noch seine:n Partner:in sehen kann? Eine Untersuchung legt nahe, dass romantische Liebe Aufmerksamkeit von potentiellen neuen Partner:innen weglenkt, eher als dass sie Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Partner:in lenkt [10]. Liebe macht also nicht unbedingt blind, sondern lässt uns die Welt in einem anderen Licht sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe kann also unter anderem Vorteile für den Selbstwert und das Selbstkonzept haben, kognitive Prozesse verbessern, das Belohnungssystem unseres Gehirns aktivieren, Stress reduzieren und die Gesundheit fördern. Allerdings kann Liebe auch dazu führen, dass wir weniger akkurat wahrnehmen und unsere:n Partner:in idealisieren. Doch was ist, wenn die Liebe auf einmal fort ist und man verlassen wurde? Eine Trennung kann zu Trauersymptomen wie sich aufdrängenden Gedanken, Schlafstörungen sowie zu verschiedenen Krankheitsfaktoren führen [11]. Ein mögliches Krankheitsbild ist das sogenannte „Broken Heart Symdrome“, was beispielsweise zu Herzinfarkt-ähnlichen Symptomen führen kann. Des Weiteren ist eine beeinträchtigte Immunfunktion eine mögliche Folge eines gebrochenen Herzens. Also kann Liebe definitiv auch negative Konsequenzen haben – mal ganz abgesehen von Fällen wie unerwiderter Liebe oder Gewalt in Beziehungen, wessen Thematisierung an dieser Stelle leider den Rahmen meines Artikels sprengen würde.&nbsp;Anhand der vorgestellten wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist erkennbar, dass Liebe das menschliche Erleben, Verhalten und Denken beeinflusst. Dies tut sie häufig auf eine positive Art und Weise, jedoch kann sie sich auch negativ auf Liebende auswirken. Die Forschungslage zu dem Thema „Liebe“ ist aktuell eher dürftig, obgleich es doch so bedeutsam für uns Menschen ist. Denn Liebe ist nicht nur ein wichtiger Faktor in Bezug auf unsere Fortpflanzung, sondern sie spielt auch eine bedeutende Rolle für das Zusammenleben in Gesellschaften. Liebe beeinflusst dabei nicht nur den zwischenmenschlichen Umgang, sondern auch unseren Umgang mit anderen Lebewesen und unserem Planeten und vor allem mit uns selbst. Aufgrund der hohen Bedeutsamkeit von Liebe, sei sie romantischer, freundschaftlicher oder familiärer Art, wäre es also erstrebenswert, die Forschungslage dazu auszuweiten. Die Untersuchung von Liebe kann sicherlich eine aufregende Reise für Forschende verschiedenster Disziplinen darstellen. Warum also nicht die Liebe zur Forschung nutzen, um mehr darüber herauszufinden, wie wir lieben und was die Liebe mit uns macht?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:10px"><strong>Quellenverzeichnis</strong><br>[1] https://de.wiktionary.org/wiki/etwas_durch_die_rosarote_Brille_sehen<br>[2] Murray, S. L., Holmes, J. G., &amp; Griffin, D. W. (1996). The self-fulfilling nature of positive illusions in romantic relationships: Love is not blind, but prescient.&nbsp;<em>Journal of personality and social psychology</em>,&nbsp;<em>71</em>(6), 1155.<br>[3] Förster, J., Epstude, K., &amp; Özelsel, A. (2009). Why love has wings and sex has not: How reminders of love and sex influence creative and analytic thinking.&nbsp;<em>Personality and Social Psychology Bulletin</em>,&nbsp;<em>35</em>(11), 1479-1491.<br>[4] Bianchi-Demicheli, F., Grafton, S. T., &amp; Ortigue, S. (2006). The power of love on the human brain.&nbsp;<em>Social Neuroscience,</em>,&nbsp;<em>1</em>(2), 90-103.<br>[5] Wlodarski, R., &amp; Dunbar, R. I. (2014). The effects of romantic love on mentalizing abilities.&nbsp;<em>Review of general psychology</em>,&nbsp;<em>18</em>(4), 313-321.<br>[6] Aron, A., Fisher, H., Mashek, D. J., Strong, G., Li, H., &amp; Brown, L. L. (2005). Reward, motivation, and emotion systems associated with early-stage intense romantic love.&nbsp;<em>Journal of neurophysiology</em>,&nbsp;<em>94</em>(1), 327-337.<br>[7] Esch, T., &amp; Stefano, G. B. (2005). The neurobiology of love.&nbsp;<em>Neuroendocrinology Letters</em>,&nbsp;<em>26</em>(3), 175-192.<br>[8] Aron, A., Paris, M., &amp; Aron, E. N. (1995). Falling in love: Prospective studies of self-concept change.&nbsp;<em>Journal of Personality and Social Psychology</em>,&nbsp;<em>69</em>(6), 1102.<br>[9] Aloni, M., &amp; Bernieri, F. J. (2004). Is love blind? The effects of experience and infatuation on the perception of love.&nbsp;<em>Journal of Nonverbal Behavior</em>,&nbsp;<em>28</em>(4), 287-296.<br>[10] Lundström, J. N., &amp; Jones-Gotman, M. (2009). Romantic love modulates women&#8217;s identification of men&#8217;s body odors.&nbsp;<em>Hormones and behavior</em>,&nbsp;<em>55</em>(2), 280-284.<br>[11] Field, T. (2011). Romantic breakups, heartbreak and bereavement.&nbsp;<em>Psychology</em>,&nbsp;<em>2</em>(4), 382-387.</p>
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