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	<title>juliane-lucas &#8211; Psycho-Path WordPress-Seite</title>
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		<title>Vom Hörsaal zur Professur</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Nov 2023 12:45:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wo sind denn hier die Frauen hin? JULIANE LUCAS. Schaut man sich während einer Psychologie-Vorlesung im Hörsaal um, ist es nicht schwer zu erkennen, welches Geschlecht überproportional unter den Studierenden vertreten ist: über 75&#160;% der Psychologie-Bachelor- und Masteranfänger:innen sind weiblich. [1] Wenn man den Vorlesungssaal jedoch verlässt und einen Blick in die Büros des akademischen [&#8230;]]]></description>
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<h1 class="wp-block-heading">Wo sind denn hier die Frauen hin?</h1>



<p class="wp-block-paragraph">JULIANE LUCAS. <em>Schaut man sich während einer Psychologie-Vorlesung im Hörsaal um, ist es nicht schwer zu erkennen, welches Geschlecht überproportional unter den Studierenden vertreten ist: über 75&nbsp;% der Psychologie-Bachelor- und Masteranfänger:innen sind weiblich. [1] Wenn man den Vorlesungssaal jedoch verlässt und einen Blick in die Büros des akademischen Hochschulpersonals wirft, sinkt der Anteil angestellter Wissenschaftlerinnen rapide – und noch mehr auf dem Weg zu Inhaberinnen einer Professur.</em><strong>&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<span id="more-2122"></span>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland werden ca. 44 % der Psychologie-Professuren von Frauen geleitet. [2] Die TU Dresden befindet sich da genau in dieser Größenordnung. Sicher, ein Verhältnis von fast 50:50 klingt erstmal nicht schlecht – schaut man sich jedoch die Zahl der weiblichen Studierenden zu Studienbeginn an, stellt man sich trotzdem die Frage: Wo sind denn hier die Frauen hin?&nbsp;Die heutigen Geschlechterverhältnisse im Psychologiestudium waren natürlich nicht die gleichen als unsere aktuellen Professor:innen studierten. Trotzdem: vor über 40 Jahren, Ende der 1970er, waren bereits mehr weibliche als männliche Studierende in unserem Studienfach eingeschrieben. [3] Um die Jahrtausendwende herum studierten doppelt so viele Frauen wie Männer Psychologie. [3] Die Psychologie ist also schon länger eher frauendominiert – die wissenschaftliche Arbeit jedoch nicht. Bei angestellten Wissenschaftler:innen und Post-Docs sind die Geschlechter noch recht ausgeglichen, aber je weiter man die Karriereleiter hinaufklettert, desto weniger Frauen begegnen einem. Juniorprofessor, Professor, schließlich Rektor – eher selten kann man ein „-in“ dranhängen. Das Phänomen, dass in der Wissenschaft mit jedem Karriereschritt der Frauenanteil kontinuierlich abnimmt, wird als <em>Leaky-Pipeline-Effekt</em> bezeichnet. Dabei ist der „Verlust“ von Frauen in der Psychologie deutlich geringer als in anderen Studienfächern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Leaky-Pipeline-Effekt ist in Studienfächern, bei denen insgesamt weniger Frauen ein Studium aufnehmen, durch strukturelle Hindernisse und geschlechterspezifische Stereotype leichter erklärbar als in Studienfächern, bei denen der Frauenanteil schon während des Bachelors hoch ist. Wenn z.B. durch eine bereits anfängliche und historisch geprägte Ungleichverteilung die höheren Karrierestufen eher von Männern besetzt sind, könnte bei der Personalauswahl öfter die homosoziale Kooperation greifen. Diese steht für einen Vorgang im Rekrutierungsprozess, bei dem eher Personen präferiert werden, die den Vorgänger:innen ähnlich sind – Männer wählen öfter Männer als Nachfolger aus. [4] Auch das ist natürlich ein Problem in der Psychologie, welches sich aber über Jahre langsam hätte ausschleichen müssen. Bei Studienfächern mit einem hohen Anteil weiblicher Studierender werden daher auch andere Gründe genannt, wie beispielsweise der Glass-Escalator-Effekt. Dieser beschreibt die erhöhten Beförderungschancen von Männern, wenn diese einen Minoritätenstatus haben. Somit können Männer sogar aufgrund von zugeschriebenen Geschlechtsstereotypen von ihrer Seltenheit profitieren – im Gegensatz zu Frauen. [5]&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gibt es noch viele weitere Gründe, z. B. unterschiedliche Familienplanung und Betreuungszeiten bei Männern und Frauen, andere (und/oder fehlende) Vernetzungsmöglichkeiten der Frauen oder fehlende weibliche Vorbilder. [4] Einige dieser Probleme möchte die TU Dresden mit Gleichstellungsmitteln angehen und hat dazu ein Programm für MINT-Studentinnen geschaffen, welches seit dem Sommersemester 2023 angelaufen ist. Da die Psychologie an der TU Dresden zu den Naturwissenschaften gezählt wird, können auch Psychologiestudentinnen an dem Programm teilnehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das <em>Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Studentinnen</em> hat zum Ziel, die Teilnehmerinnen bei der Vorbereitung und Umsetzung der eigenen wissenschaftlichen Laufbahn zu fördern. Dazu bietet es den Raum, dass sich die Studentinnen vernetzen und sich über ihre Erfahrungen, Pläne und Sorgen austauschen können. In angeleiteten Peer-Mentorings werden Themen wie Networking und mögliche Hürden für Frauen im Wissenschaftsbereich diskutiert, in überfachlichen Workshops Kompetenzen zu Themen wie Zielsetzung, Zeit- und Selbstmanagement und Mut zur Sichtbarkeit gestärkt. Im Verlauf des Programms finden außerdem Mentoring-Treffen mit Nachwuchswissenschaftlerinnen der Universität statt, sodass ein Erfahrungsaustausch weiterführender ermöglicht wird, bei dem die Studentinnen hilfreiche Tipps für ihren eigenen Karriereweg erhalten können. Jeder Durchlauf des Programms hat eine Dauer von einem Jahr, wobei die Veranstaltungen gegen Ende immer freier und von den Studentinnen selbst organisiert werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im jetzigen ersten Durchlauf nehmen insgesamt 30 MINT-Studentinnen am Programm teil, was laut der Programm-Koordinatorin Grit Schuster darauf hindeutet, „dass es einen Bedarf an dieser Stelle gibt, der durch die Programminhalte bedient wird. Das Programm dient der Orientierung und dem Sichtbarmachen von Strukturen und Regeln insbesondere für Frauen im Wissenschaftsbetrieb“. Hinsichtlich des Studienstandes sind die Teilnehmerinnen sehr heterogen, sodass das Erfahrungswissen bezüglich einer Karriere in der Wissenschaft sehr unterschiedlich sei. „Generell ist bei allen Teilnehmerinnen eine sehr hohe Affinität und ein starkes Interesse an einer Wissenschaftskarriere erkennbar.“, so Grit Schuster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man männlichen Kommilitonen von dem Programm erzählt, blickt man oft in leicht enttäuschte Gesichter und es wird vorsichtig nach ähnlichen Programmen, die auch Männern zugänglich sind, gefragt. Unterstützung für eine wissenschaftliche Laufbahn und bei der Entscheidung, ob und wenn ja, wie man eine Promotion angehen sollte, wird sich von allen Interessierten gewünscht. Grit Schuster verweist darauf, dass Mentoring-Programme und Förderinitiativen an Universitäten in der Regel darauf abzielen, die Chancengleichheit und die berufliche Entwicklung aller Studierenden und Nachwuchswissenschaftler:innen zu fördern, unabhängig von ihrem Geschlecht. „Einige der Programme richten sich jedoch oft an unterrepräsentierte und als besonders förderwürdig erachtete Gruppen. In unserem Fall ist es eine Reaktion darauf, dass Frauen in Führungspositionen in der Wissenschaft viel weniger vertreten sind als Männer.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich für meinen Teil bin sehr dankbar, dass ich durch das Programm die Möglichkeit habe, mich mit anderen Studentinnen &#8211; auch außerhalb der Psychologie &#8211; über eine akademische Laufbahn auszutauschen. Bei den Peer-Mentoring-Treffen werden gemeinsam Ideen gesammelt, wie man sich ein Netzwerk aufbauen kann, man tauscht sich über erhöhten Leistungsdruck aus, merkt auch einfach, dass man nicht allein mit seinen Sorgen ist und baut sich ganz nebenbei ein Frauennetzwerk auf. Die Workshops helfen zur Orientierung, schaffen etwas mehr Klarheit darüber, was man eigentlich will und der Austausch mit anderen Studentinnen ist auch an dieser Stelle unglaublich hilfreich. Nach etwas aufgekommenen Frust über Teilzeitstellen, Publikationsdruck, schwieriger Familienplanung etc. war es richtig heilsam, sich mal wieder zu erinnern, warum man trotzdem in der Wissenschaft arbeiten möchte. Dass sich all der Stress auszahlen wird, wenn man das machen kann, wofür man brennt.&nbsp;<br>Für Nachwuchswissenschaftlerinnen ist das Programm ebenso attraktiv: als Mentorinnen können sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Wissenschaftsbereich vermitteln und sich aktiv als Vorbild an der Nachwuchsförderung beteiligen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die TU Dresden ist nicht die einzige Uni, die das Leaky-Pipeline-Problem angeht. An vielen deutschen Universitäten gibt es Mentoring-Programme, die auch speziell Frauen in der Wissenschaft fördern sollen. Schaut bei Interesse doch einfach mal, ob eure Uni ebenso entsprechende Programme anbietet: <a href="https://forum-mentoring.de/programme/geografische-suche-deutschland/">https://forum-mentoring.de/programme/geografische-suche-deutschland/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Statistisches Bundesamt (Destatis). (n.d.). Studierende an Hochschulen &#8211; Fachserie 11 Reihe 4.1 &#8211; Sommersemester 2022. <em>Bildung Und Kultur</em>. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/Publikationen/Downloads-Hochschulen/studierende-hochschulen-ss-2110410227314.html<br>[2] Statistisches Bundesamt (Destatis). (n.d.). Personal an Hochschulen &#8211; Fachserie 11 Reihe 4.4 &#8211; 2021. <em>Bildung Und Kultur.</em> https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/Publikationen/Downloads-Hochschulen/personal-hochschulen-2110440217004.html<br>[3] Wieser, M., &amp; Malich, L. (2021). Editorial &#8211; Rückblick im Umbruch. <em>Psychologische Rundschau</em>, <em>72</em>(3), 177–180. https://doi.org/10.1026/0033-3042/a000543<br>[4] Stemmer, L. (2020). <em>Frauen in MINT: Ein systemischer Erklärungsansatz der Leaky Pipeline</em> (Doctoral dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)).<br>[5] Osterloh, M., Rost, K., Hizli, L., &amp; Mösching, A. (2022). <em>Bericht zum Forschungsauftrag „Leaky Pipeline“</em>. 1–64.<br>[6] <em>Frauen- und Männeranteile im akademischen Qualifikationsverlauf, 2020</em>. (o. D.). https://www.gesis.org/cews/daten-und-informationen/statistiken/thematische-suche/detailanzeige/article/frauen-und-maenneranteile-im-akademischen-qualifikationsverlauf</p>
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		<title>Yoga für Psycholog:innen</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Jun 2023 13:48:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[JULIANE LUCAS, REBECCA SIEBERT &#38; LYDIA RICHTER. Damit du dich für die nachfolgende Yoga-Übung in ein positives Mindset begeben kannst, laden wir dich zur Imaginationsreise „Spitzenwissenschaftler:in“ ein: Finde eine für dich bequeme Sitzposition und schließe dann die Augen. Atme tief ein und langsam wieder aus. Lass‘ alle Anspannung von dir fallen. Versuche nun, dir das [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">JULIANE LUCAS, REBECCA SIEBERT &amp; LYDIA RICHTER. <em>Damit du dich für die nachfolgende Yoga-Übung in ein positives Mindset begeben kannst, laden wir dich zur Imaginationsreise „Spitzenwissenschaftler:in“ ein: Finde eine für dich bequeme Sitzposition und schließe dann die Augen. Atme tief ein und langsam wieder aus. Lass‘ alle Anspannung von dir fallen. Versuche nun, dir das folgende Szenario möglichst bildlich vor Augen zu führen: Für deine geplante Studie hast du immense Forschungsgelder bewilligt bekommen und präregistrierst sie nun auf einer Open Science Plattform. Es handelt sich natürlich um ein doppelblindes randomisiert kontrolliertes Trial.</em></p>



<span id="more-2042"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Nach umfangreichem Austausch mit den Expert:innen im Forschungsfeld bist du dir sicher, alle konfundierenden Variablen zu erheben. Das Interesse an deiner Forschung ist enorm und du erreichst eine repräsentative Stichprobe. Der Gedanke an den nur geringen Anteil an Psychologie-Studierenden in deiner Erhebung löst ein ganz warmes, wohliges Gefühl in dir aus. Die unabhängige Analyse von mehreren Forscher:innen ergibt, dass alle deine Hypothesen bestätigt werden können. Laut Cohen sind all‘ deine Effektstärken groß und die Ergebnisse signifikant. Lenk‘ deine Aufmerksamkeit einmal ganz bewusst auf den alpha-Wert. Spüre, was das Signifikanzniveau von 0,01 in dir auslöst. Wenn du so weit bist, dann richte deine Gedanken auf die Veröffentlichung. Deine zukunftsweisende Studie wird in der Science publiziert. Dein h-Index steigt rasant an. Nimm dir noch einmal die Zeit, alle auftauchenden Gedanken, Emotionen und Vorstellungen wahrzunehmen. Kehre dann langsam in’s Hier und Jetzt zurück. Öffne deine Augen, strecke dich und stehe in deinem eigenen Tempo auf. Du bist nun bestens vorbereitet für unser Psycholog:innen-Yoga. Viel Spaß beim Rätseln und Nachmachen!</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph"><strong>Schaffst du es, jeder Yoga-Position den entsprechenden Titel zuzuordnen?</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Normalverteilunhskurve</li>



<li>Der Psycho-Path-Hase</li>



<li>Pawlowscher Hund</li>



<li>Fight or Flight</li>



<li>Rest and Digest</li>



<li>Der Entscheidungsbaum</li>



<li>Das innere Kind</li>



<li>Gegenübertragung</li>



<li>Marshmallow Task</li>
</ul>



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		<title>Die Entscheidung aus dem Bauch heraus</title>
		<link>https://psycho-path.de/die-entscheidung-aus-dem-bauch-heraus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Jan 2021 13:14:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#mehr_wissen]]></category>
		<category><![CDATA[darm]]></category>
		<category><![CDATA[ernährung]]></category>
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		<category><![CDATA[gut-brain-axis]]></category>
		<category><![CDATA[juliane-lucas]]></category>
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					<description><![CDATA[JULIANE LUCAS. Schlechte Nachrichten schlagen uns auf dem Magen, gleichzeitig trifft unser Bauch aber auch ab und an intuitive Entscheidungen für uns. Was seit Langem in unserer Sprache verwurzelt ist, findet inzwischen auch immer mehr Interesse in der Forschung, sodass man versucht die Interaktion des Gehirns und des Bauches genauer zu ergründen. Im Folgenden wollen [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">JULIANE LUCAS. <strong>Schlechte Nachrichten schlagen uns auf dem Magen, gleichzeitig trifft unser Bauch aber auch ab und an intuitive Entscheidungen für uns. Was seit Langem in unserer Sprache verwurzelt ist, findet inzwischen auch immer mehr Interesse in der Forschung, sodass man versucht die Interaktion des Gehirns und des Bauches genauer zu ergründen. Im Folgenden wollen wir uns aber nur mit der einen Richtung beschäftigen: Welchen Einfluss haben Darm und Ernährung auf unser Denken, Verhalten und Entscheiden?</strong><span id="more-1617"></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als „zweites Gehirn“, spielt der Darm mit seinen über 200 Millionen Neuronen eine bedeutende Rolle, sind es doch etwa so viele, wie ein Hund in seiner Hirnrinde aufweist. Hinzu kommen noch die ca. 100 Milliarden Mikroorganismen wie zum Beispiel Bakterien, die Substanzen freisetzen, welche sich wiederum ebenfalls auf unsere Persönlichkeit, unser Verhalten und unsere Gesundheit auswirken. Ein Forschungsteam der McMaster University in Ontario tauschte beispielsweise die Mikrobiome, also die Gesamtheit dieser Mikroorganismen des Darms, zweier Mäuse aus, welche daraufhin jeweils die Persönlichkeit des Spenders annahmen. So wurde die einst mutige Maus schüchtern und ängstlich, während die andere die gegenteilige Persönlichkeitsänderung aufwies. [1] Dies spricht für einen unglaublich hohen Einfluss der Darmmikroben auch auf unsere Persönlichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Gesundheitsforschung öffnet der Blick auf unser enterisches Nervensystem völlig neue Türen, zum Beispiel für die Behandlung von Depressionen, die Heilung von Osteoporose und für die rechtzeitige Erkennung von Morbus Parkinson. So klagen Parkinson-Patienten häufig über Verdauungsbeschwerden. Untersuchungen haben gezeigt, dass befallene Nervenzellen im Darm dieselben Schädigungen wie die im Gehirn aufweisen, sodass durch Darmbiopsien Morbus Parkinson diagnostiziert werden kann. Da in einigen Fällen Verdauungsprobleme schon Jahre vor den typischen Symptomen der Krankheit auftreten können, liegt die Vermutung nahe, dass die Krankheit vielleicht sogar ihren Ursprung im Darm hat und sich dann erst weiter in die entsprechenden Bereiche, wie in die Substantia Nigra, im Gehirn ausbreitet. [2]</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-1623" src="https://psycho-path.de/wp-content/uploads/2021/01/Screenshot-2021-01-24-at-14.20.46-644x574.png" alt="" width="384" height="341" srcset="https://psycho-path.de/wp-content/uploads/2021/01/Screenshot-2021-01-24-at-14.20.46-644x574.png 644w, https://psycho-path.de/wp-content/uploads/2021/01/Screenshot-2021-01-24-at-14.20.46-600x535.png 600w, https://psycho-path.de/wp-content/uploads/2021/01/Screenshot-2021-01-24-at-14.20.46.png 1736w" sizes="auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie kommt es, dass Hirn und Darm so sehr miteinander verbunden sind? Gehen wir mal viele Jahrtausende zurück, als die Menschen Kontrolle über das Feuer bekamen. Denn erst mit der Beherrschung des Feuers konnte Fleisch gebraten werden, was die Verdauung einfacher und effizienter gestaltete. Somit blieb mehr Energie übrig, die in ein zweites Organ, das Gehirn, gesteckt werden konnte. Im Laufe der Evolution wuchs dieses also vor allem auf Grund der neu gewonnen überflüssigen Energie, die im Gehirn nun für höhere kognitive Prozesse einsetzbar war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die starke Verbindung der Nervensysteme besteht heute noch besonders über Substanzen der Mikroorganismen, den Vagusnerv, aber auch über Neurotransmitter, die sowohl im Darm als auch im Gehirn produziert werden und sich auf beide Nervensysteme auswirken. Besonders Serotonin spielt dabei eine bedeutsame Rolle, auch bei der am Anfang erwähnten Forschung zur Behandlung von Osteoporose. Durch erfolgreiches Hemmen der Serotonin-Freisetzung im Darmtrakt gelang es Forschern die Knochenmasse &#8211; zumindest bei Nagetieren – so zu regulieren, sodass eine Heilung der knochenschädigenden Krankheit möglich wäre. [3]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Eigenschaften des Darms, wie zum Beispiel die Anzahl bestimmter Bakterien oder die Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter, lassen sich nicht direkt und willentlich von uns bestimmen. Doch inwiefern verändern sich unser Verhalten und unsere Persönlichkeit durch unsere Ernährung?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Einfluss der aufgenommen Nahrung beginnt schon in der Schwangerschaft. Studien haben ergeben, dass Kinder eher Anzeichen von Wutanfällen und Aggressivität aufwiesen, wenn deren Mütter während der Schwangerschaft besonders viel Junkfood und industriell verarbeitete Lebensmittel zu sich nahmen. Auch bei Mäusen, die ohne Omega-3-Fettsäuren aufwuchsen, sind Verhaltensweisen sichtbar, die bei Artgenossen nicht auftreten. So führt eben jener Mangel zu reduzierten Verästelungen und weniger Verknüpfungen zwischen den Neuronen im Gehirn der Mäuse, sodass Informationen nicht effizient übertragen werden können. Dies hat ein ängstliches und gestresstes Verhalten der Mäuse zur Folge. Auch bei Menschen lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem Mangel an Omega-3-Fettsäuren und Aggressivität beobachten. [4]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für eine gesunde Entwicklung des Gehirns ist es also vor allem wichtig, sich ausgewogen zu ernähren. So können alle Nährstoffe und Mineralien aufgenommen werden und neben dem Körper auch den Geist stärken. Für unser Gehirn sind dabei besonders verschiedene Gemüsearten und Hülsenfrüchte sinnvoll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch selbst wenn wir uns bewusst ernähren, haben wir keine komplette Kontrolle über unser Verhalten: Ernährung kann auch unsere Entscheidungen beeinflussen. Eine Studie hat gezeigt, dass abhängig von der Zusammensetzung eines Frühstückes, Entscheidungen unterschiedlich gefällt werden. Bei einem Verhaltensexperiment, bei dem eine fiktive Person entscheidet, wie sie zehn Euro auf zwei Personen aufteilt, zeigten sich Probanden weniger über eine ungerechte Behandlung verärgert, wenn sie zuvor ein proteinreiches Frühstück zu sich genommen hatten. Demnach sind sie eher bereit, die Einteilung der zehn Euro zu akzeptieren und den Betrag entgegenzunehmen. Dies ist auf die Zunahme der Dopaminausschüttung durch Tyrosin zurückführbar, welches mit der proteinreichen Nahrung verstärkt aufgenommen wurde. [5] Bei proteinarmer Nahrung hingegen lehnten die Probanden die Aufteilung des Geldes bei gefühlter Ungerechtigkeit eher ab, obwohl sie dadurch gar kein Geld ausgezahlt bekamen. Demnach kann unsere Ernährungsweise durchaus unsere Entscheidungen und auch Gefühle beeinflussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammengefasst: Dadurch, dass sich unser Gehirn erst nach dem Darm entwickelt hat und wir dessen Entwicklung und Aufbau durch unsere Nahrung mitbestimmen, liegt eine entscheidende Beeinflussung durch den Darmtrakt vor. Während wir im Psychologiestudium vorherrschend das Gehirn untersuchen, liegt der Ursprung mancher Krankheiten oder Verhaltensweisen vielleicht sogar noch tiefer, als wir annehmen. Doch langsam treten immer wieder neue Erkenntnisse zutage, sodass uns in den kommenden Jahren vielleicht noch etwas mehr Forschung bezüglich des enterischen Verdauungssystems erwartet.</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size: 12px;"><strong>Quellen</strong>:<br />[1] Schmidt, C. (2015, March 1). Mental Health May Depend on Creatures in the Gut. Retrieved from https://www.scientificamerican.com/article/mental-health-may-depend-on-creatures-in-the-gut/.<br />[2] Denjean, C. [ARTEde]. (2019, October 12). <em>Der kluge Bauch: Unser zweites Gehirn ǀ Doku ǀ ARTE</em>. [Video file]. https://www.youtube.com/watch?v=sNSaGgmsc6o<br />[3] Hadhazy, A. (2010, February 12). Think Twice: How the Gut&#8217;s &#8222;Second Brain&#8220; Influences Mood and Well-Being. Retrieved from https://www.scientificamerican.com/article/gut-second-brain/.<br />[4] Hitier, R. [ARTEde]. (2019, September 14). <em>Unser Gehirn ist, was es isst ǀ Doku ǀ ARTE</em>. [Video file]. https://www.youtube.com/watch?v=0vj47QaL8Y0<br />[5] Strang, S., Hoeber, C., Uhl, O., Koletzko, B., Munte, T. F., Lehnert, H., … Park, S. Q. (2017). Impact of nutrition on social decision making. <em>Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America</em>, <em>114</em>(25), 6510–6514. https://doi.org/10.1073/pnas.1620245114</p>
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