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		<title>WE ARE WEIRD</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jul 2024 10:39:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wie sonderbare Stichproben unsere Vorstellung der Menschheit beeinflussen HELENE KÜHN. Wenn du das hier liest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du weird bist. Bevor du denkst, ich verurteile dich: diese Abkürzung steht im Englischen für Western, Educated, Industrialized, Rich und Democratic und wurde von Joseph Henrich und seinen Kolleg:innen geprägt. Henrich argumentiert, dass wir weird [&#8230;]]]></description>
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<h3 class="wp-block-heading">Wie <em>sonderbare</em> Stichproben unsere Vorstellung der Menschheit beeinflussen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">HELENE KÜHN. <em>Wenn du das hier liest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du weird bist. Bevor du denkst, ich verurteile dich: diese Abkürzung steht im Englischen für Western, Educated, Industrialized, Rich und Democratic und wurde von Joseph Henrich und seinen Kolleg:innen geprägt. Henrich argumentiert, dass wir weird beziehungsweise im Deutschen sonderbar und damit als Standardversuchspersonen nicht gut geeignet seien, um repräsentativ für den Homo sapiens zu stehen.</em><br><em>Was hat uns weird gemacht? Und wie wirkt sich unsere Sonderbarkeit auf die psychologische Forschung aus?</em></p>



<span id="more-2272"></span>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-7 wp-block-paragraph"><strong>Disclaimer:</strong><br>1. Die binäre Einteilung in <em>weird</em> und nicht-<em>weird</em>, beziehungsweise <em>sonderbar</em> und nicht-<em>sonderbar</em>, ist natürlich stark vereinfacht und der Tatsache geschuldet, dass sie statistische Vergleiche und Zusammenfassungen leichter machen, beziehungsweise dass Ethnizitäten in Studien nicht unbedingt differenziert berichtet werden. Es handelt sich in der Realität weniger um scharf getrennte Gegensätze, sondern um ein Kontinuum, denn Kulturen können sich mischen. Zudem finden sich Unterschiede zwischen Stichproben auch beispielsweise zwischen Generationen oder zwischen Populationen aus ländlichen und städtischen Regionen. <br>2. <em>Weird</em> oder <em>sonderbar</em> bezieht sich sowohl auf das Akronym, als auch auf die Tatsache, dass wir tatsächlich sonderbar sind, also relativ zur Weltbevölkerung in vielen Aspekten eine Ausnahme oder Ausreißer darstellen. Auf einige wird im folgenden Text eingegangen.<br>3. Dieser Text basiert vorwiegend auf der Arbeit von J. Henrich und seinen Kolleg:innen, die sie in dem Paper „The weirdest people in the world?“ [4] veröffentlichten. Außerdem stützt sich der Artikel auf Henrichs Buch „Die seltsamsten Menschen der Welt“ [3]. Studien werden der Einfachheit halber direkt aus diesen beiden Arbeiten zitiert.</p>



<ol class="wp-block-list"></ol>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir Studienergebnisse analysieren und diskutieren, möchten wir diese am liebsten generalisieren. Schließlich klingt es besser und sinnvoller, wenn wir mit unserer Arbeit Erkenntnisse über die Menschheit als Ganzes erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wen untersuchen wir meistens? Kommiliton:innen aus der Psychologie, oft Anfang 20, oft weiblich, meistens Rechtshänder:innen, … Kurz: eine relativ homogene Stichprobe. Laut einer Untersuchung nutzen psychologische Studien zu 96% <em>sonderbare</em> Menschen, obwohl diese nur 12% der Weltbevölkerung ausmachen. Dabei sind 68% der Versuchspersonen aus den USA, und auch bei den Erstautor:innen handelt es sich zu 73% um Forschende amerikanischer Universitäten. Außerdem sind weit über die Hälfte der Studienteilnehmenden Psychologiestudierende aus dem Bachelor [4].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraus ergeben sich zwei Probleme. Erstens: Verhaltenswissenschaftliche Ergebnisse basieren auf Untersuchungen einer wenig diversen Gruppe von Menschen, das heißt es gibt einen <em>Sample Bias</em>. Zweitens: Verhaltenswissenschaftler:innen gehen davon aus, dass alle Menschen zumindest ähnliche kognitive und affektive Prozesse aufweisen und dass ihre Ergebnisse allgemeingültig sind, sodass sie damit das Verhalten der Menschheit, oder des <em>Homo sapiens</em>, erklären können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Begeben wir uns zu den Anfängen des Homo Sapiens. Ursprünglich lebten wir in kleinen Gruppen von Jäger:innen und Sammler:innen. Dabei waren Familienbünde am wichtigsten; es gab keine Schulen, Regierungen oder andere Institutionen und jede Gruppe sorgte selbst für ihr Überleben. Die Menschen legten jeden Tag weite Strecken zu Fuß zurück, aßen insgesamt weniger und tätigten wesentlich mehr körperliche Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vergleich dazu ist die Umwelt, in der wir heute aufwachsen, mit ihren ergonomisch geformten Stühlen, Autos und fertigem Essen aus dem Supermarkt sehr ungewöhnlich und weit entfernt von unserem Ursprung. Wir sind <em>westlich, gebildet, industrialisiert, reich und demokratisch</em> und haben nur noch wenig mit unseren Vorfahren gemeinsam &#8211; geschweige denn mit nicht-<em>sonderbaren</em> Menschen, auf die diese Eigenschaften nicht zutreffen, die aber den Großteil der Weltbevölkerung ausmachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-8 wp-block-paragraph"><strong>Wie konnte es dazu kommen, dass wir </strong><strong><em>sonderbar</em></strong><strong> geworden sind?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt einige Aspekte, die uns <em>sonderbar</em> gemacht haben. Dazu gehören eine Veränderung im Denken über Zeit, Arbeit, Pünktlichkeit und Geduld, sowie eine Entwicklung bestimmter Dispositionen und eines einheitlichen „Ichs“, aber auch religiöse Einflüsse, Veränderungen von Familienstrukturen, und selbst klimatische Faktoren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um nur ein Beispiel zu nennen: Im europäischen Spätmittelalter traten die ersten mechanischen Uhren auf, verbreiteten sich rasant bis in die meisten Kirchen und/oder Rathäuser und bestimmten von da an den Alltag. Dazu zwei interessante Fakten: Erstens, wir sind versessen darauf, Zeit zu sparen, und verbringen den ganzen Tag damit, auf die Uhr zu schauen. Das ist in Jäger- und Sammlerkulturen nie der Fall gewesen. Zweitens, unsere <em>sonderbare</em> Zeitpsychologie lässt sich beobachten, indem man die Gehgeschwindigkeit in verschiedenen Ländern unauffällig betrachtet. Durchschnittlich gehen Menschen in <em>sonderbaren</em> Ländern 30% schneller als in nicht-<em>sonderbaren</em> Regionen. Je <em>sonderbarer</em> ein Land, desto schneller gehen seine Bewohner:innen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Erfindung der mechanischen Uhr veränderte sich auch die Arbeit: Stundenlöhne wurden eingeführt, Pünktlichkeit gewann an Wichtigkeit und Arbeit wurde insgesamt effizienter. So gibt es auch einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Einführung der Uhr und dem wirtschaftlichen Wachstum. Der Wohlstand trat dabei erst einige Generationen später ein, da es eine Weile dauert, bis das Denken und Handeln von Personen sich anpasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anpassungen im Verhalten und die Entwicklung unterschiedlicher Kulturen hatte auch neuroanatomische Folgen. Zu den Veränderungen gehört unter anderem eine Verdickung des Corpus Callosum, eine Verlagerung der Gesichtserkennung in die rechte Hemisphäre, sowie eine Reduktion der Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, und die Entwicklung des Broca-Areals aus dem präfrontalen Kortex. All diese Umformungen führen unter anderem dazu, dass du diesen Text gerade lesen kannst. Beim Lesenlernen entstehen Netzwerke, die es uns dann ermöglichen, Zeichen als Buchstaben zu erkennen und diese zu Wörter zusammenzusetzen, zumindest solange es sich um ein Alphabet handelt, mit dem man vertraut ist. Das geschieht&nbsp; automatisch und unbewusst, ob wir das gerade wollen oder nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel für eine veränderte Verarbeitung von Stimuli aufgrund kultureller Einflüsse, ist die rechtshemisphärische Tendenz bei der Gesichtserkennung. Versuchspersonen an westlichen Universitäten zeigten. Das Ergebnis wurde so oft an westlichen Universitäten repliziert, dass man schloss man, dies stelle ein allgemeines Merkmal des Menschen dar. Jedoch handelt es sich mehr um ein Nebenprodukt der Alphabetisierung, die zu neuroanatomischen Veränderungen führte und die sich vor allem in <em>sonderbaren</em> Ländern ausbreitete. Breit alphabetisierte Gesellschaften gab es vor einigen hundert Jahren noch nicht, sodass sich auch unsere Neuroanatomie von unseren Vorfahren unterscheidet.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem, das sich hierbei ergibt, ist zwar eher eine Missachtung des Bildungsstandes (schließlich gibt es auch heute noch eine relativ hohe Zahl nicht-alphabetisierter Menschen) als ein Unterschied zwischen <em>sonderbaren</em> und nicht-<em>sonderbaren</em> Personen, zeigt jedoch, dass kulturelle Einflüsse das Gehirn verändern können und einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf Studienergebnisse und Annahmen über das menschliche Gehirn haben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verschiedene Entwicklungen haben uns zu dem gemacht, was wir <em>Sonderbaren</em> heute sind:&nbsp; individualistisch, selbstverliebt, kontrollorientiert, nonkonformistisch und analytisch. Damit unterscheiden wir uns nicht nur erheblich von unseren Vorfahren, sondern auch von nicht-<em>sonderbaren</em> Menschen, die laut der Argumentation von Henrich und Kolleg:innen eher dem ursprünglichen <em>Homo sapiens</em> ähneln.</p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-9 wp-block-paragraph"><strong>Wie wirkt sich das Ganze nun auf die psychologische Forschung aus?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Folgenden einige Beispiele&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Räumliche Wahrnehmung</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Abhängig von der Sprache werden Wege, das Farbspektrum oder die Mengen von Objekten auf bestimmte Arten und Weisen beschrieben. In indo-europäischen Sprachen geschehen diese räumliche Beschreibungen egozentrisch, das heißt, ein Ort oder Objekt wird relativ zum Selbst betrachtet. Fast sämtliche anderen Sprachen haben eine allozentrische Sichtweise, das heißt, entweder sind die Beschreibungen geozentrisch (also ausgehend von Himmelsrichtungen) oder objektzentriert (also ausgehend von einem Koordinatensystem um das Objekt). In einer Studie, die niederländische und Tzeltal-Muttersprachler:innen vergleicht, wurde den Versuchspersonen an einem Tisch ein Pfeil gezeigt, der entweder nach rechts (Richtung Norden) oder nach links (Richtung Süden) zeigte. Dann sollten sie sich um 180 Grad drehen und sahen auf einem zweiten Tisch zwei Pfeile, einer der nach links (Richtung Norden) und einer der nach rechts (Richtung Süden) zeigte. Die Aufgabe war es zu bestimmen, welcher der beiden Pfeile dem Pfeil des ersten Tisches entsprach. Abhängig von ihrer Muttersprache antworteten die Niederländer:innen relativ, und die Teltzal-Sprachler:innen absolut. Die relative Lösung ist der Pfeil, der auf beiden Tischen ausgehend von einem selbst nach rechts zeigt; die absolute Lösung der Pfeil, der auf beiden Tischen nach Norden zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer weiteren ähnlichen Studie, die verschiedene Affenarten und vierjährige europäische Kinder vergleicht, zeigen auch kleine Kinder egozentrischer Sprachen eine allozentrische Orientierung, wobei diese „überschrieben“ wird, sobald sie ihre Sprache besser beherrschen [2].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Analytisch vs. Holistisch</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Sonderbare</em> Menschen denken eher analytisch, nicht-<em>sonderbare</em> eher holistisch. Auf analytischer Ebene werden Objekte von ihrem Kontext distanziert und Verhalten wird auf Basis von Regeln oder Kategorien erklärt und vorhergesagt. Im holistischen Denken wird der Kontext als Ganzes betrachtet, und Dinge oder Verhalten werden auf Basis von Beziehungen zueinander erklärt und vorhergesagt. Prinzipiell sind wir zwar zu beidem fähig, aber unsere Präferenz ergibt sich aus unserer Kultur und unseren Erfahrungen. Wenn beispielsweise Eigenschaften einer Person in einer Situation beschrieben werden sollen, würden analytisch denkende Menschen eher die Person unabhängig von der Situation betrachten und davon ausgehen, dass die Eigenschaften stabil sind. Holistisch denkende Menschen würden argumentieren, dass die Situation die Eigenschaften der Person kontrolliert und dass sie veränderbar sind. Eine Situation zu ignorieren und nur auf Dispositionen zu fokussieren ist ein Ergebnis, dass so oft repliziert wurde, dass man es als „fundamental attribution error“ bezeichnete und daraus schloss, dass es ein allgemein menschliches Verhalten sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seinen Ursprung hat dies in Unterschieden in der Selbstdefinition: independent (<em>sonderbar</em>) oder interdependent (nicht-<em>sonderbar</em>), also Fokus auf eigene Fähigkeiten oder Fokus auf die Rolle in der Gruppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Individualismus vs. Kollektivismus</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Satz „Ich bin ____“ vervollständigen <em>sonderbare</em> Menschen eher mit so etwas wie „Ich bin neugierig“ oder „Ich bin Lehrerin“, jedoch selten mit „Ich bin Sabines Sohn“. Wir fokussieren uns auf unsere Eigenschaften und Leistungen statt auf unsere Beziehungen und soziale Rollen. Unsere eigenen Überzeugungen sind uns wichtiger als die Anpassung an Autoritätspersonen. Wir wollen möglichst eigene Meinungen und Entscheidungen treffen, egal ob diese konform sind mit der Gesellschaft oder nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz dazu ist in kollektivistischen Gesellschaften das Kollektiv am wichtigsten, das heißt das Wohl der Gruppe. Die Menschen identifizieren sich als Teil einer Gruppe, zum Beispiel über ihre Rolle in der Familie oder der Gesellschaft.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem tritt in individualistischen Gesellschaften eher das Gefühl der Schuld in den Vordergrund, während kollektivistische Gesellschaften eher Scham empfinden. Schuld tritt bei uns oft auf, wenn wir das Gefühl haben, nicht den individuellen Normen zu entsprechen, während sich Personen schämen, weil sie gegen soziale Normen verstoßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Individualismusskalen liegt die USA an einem Extrem, Japan und Deutschland befinden sich eher mittig, und China befindet sich am unteren Ende, ist also am kollektivistischsten im Ländervergleich.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Konformitätseffekt</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem bekannten Experiment von Solomon Asch werden Teilnehmenden eine Referenzlinie sowie drei weitere Linien vorgelegt. Die Aufgabe ist zu bestimmen, welche der drei Linien der Ziellinie entspricht, also dieselbe Länge hat. Die Versuchsperson geht dabei zusammen mit drei weiteren Personen in einen Raum, wobei sie nicht weiß, dass die anderen Kompliz:innen des Versuchsleiters sind. Bei vorher festgelegten Trials geben alle drei Kompliz:innen dieselbe falsche Antwort, bevor die tatsächliche Versuchsperson antworten muss. Ist die Versuchsperson allein, gibt sie in 98% der Fälle die richtige Antwort. Sind die anderen drei Personen dabei, muss sie die Meinung der anderen ausblenden und ihrer eigenen Wahrnehmung trauen, um die richtige Antwort zu geben. Wie oft sie das tut, wird als Konformitätseffekt bezeichnet, und dieser unterscheidet sich beträchtlich zwischen Kulturen: <em>Sonderbare</em> Teilnehmende lassen sich kaum in ihrer Antwort beeinflussen, während sich nicht-<em>sonderbare</em> Teilnehmende eher konform verhalten. Dabei ergibt sich eine negative Korrelation zwischen der Konformität und dem Individualismusindex eines Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Entscheidungen</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell ist es Menschen wichtig, Entscheidungen treffen zu können und Auswahlmöglichkeiten zu haben. Allerdings gibt es Differenzen, wie sehr <em>sonderbare</em> und nicht-<em>sonderbare</em> Personen Entscheidungen schätzen. Beispielsweise ziehen es europäisch-amerikanische Kinder vor, an Aufgaben zu arbeiten, die sie sich selber ausgesucht haben, während asiatisch-amerikanische Kinder bei selbst ausgesuchten und von anderen ausgewählten Aufgaben gleich motiviert sind. Auch gibt es nicht überall dieselbe Wahrnehmung von Wahlmöglichkeiten: So haben <em>sonderbare</em> Menschen eher das Gefühl, die Wahl über ihren Job oder andere Dinge im Leben zu haben und treffen eher Entscheidungen, die mit ihren persönlichen Präferenzen übereinstimmen, als nicht-sonderbare.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell sind US-Amerikaner:innen übrigens am äußersten Ende des <em>sonderbaren</em> Kontinuums: In Experimenten finden sie zum Beispiel Wahlmöglichkeiten besser als andere westliche Personen, das heißt sie ziehen es vor, aus 50 statt aus 10 Eissorten zu wählen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Gemeinsamkeiten</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben all den Unterschieden sei erwähnt, dass es natürlich auch Gemeinsamkeiten oder zumindest Ähnlichkeiten zwischen <em>sonderbaren</em> und nicht-<em>sonderbaren</em> Menschen gibt. So geben über Kulturen hinweg eher Männer als Frauen an, dass ihnen die Attraktivität ihrer Partnerin wichtig ist, während Frauen eher angeben, dass ihnen Ambition in der Partnerschaft wichtig ist. Außerdem finden sich auch die Fünf Faktoren der Persönlichkeit über Länder hinweg, und <em>sonderbare</em> wie nicht-<em>sonderbare</em> Menschen „bestrafen“ Trittbrettfahrer:innen in Studien, das heißt, dass Spieler:innen, die wenig zum Erfolg beitragen, weniger Geld gegeben wird.</p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-10 wp-block-paragraph"><strong>Was bedeutet das für die Forschung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">All die aufgeführten Experimente kommen zu dem gleichen Schluss: das Verhalten, das bei US-amerikanischen Studierenden (oder anderen <em>sonderbaren</em> Menschen) beobachtet wurde, ist für die Menschheit repräsentatives Verhalten. Lange ging man auch davon aus, da die Ergebnisse vielfach repliziert wurden (natürlich mit ähnlichen Stichproben von Universitäten). Darauf aufbauend wäre es logisch zu schlussfolgern, dass sich Menschen selten konform verhalten, dass sie individualistisch sind und sich mehr auf eigene Leistungen als auf Beziehungen konzentrieren, dass Kinder allozentrisch und Erwachsene egozentrisch denken. Wie wir gesehen haben, stimmt das jedoch nicht. Es handelt sich vielmehr um <em>sonderbares</em> Verhalten, das von anderen Bevölkerungsgruppen sowie von unseren Vorfahren so nicht gezeigt wird und wurde. Damit ist die Standardstichprobe nicht repräsentativ für die Spezies, sondern sie stellen sogar die Ausreißer dar und sind somit eine der am wenigsten geeigneten Populationen, um Ergebnisse zu generalisieren. Außerdem führt es dazu, dass in Studien untersuchte Themen limitiert sind (und Themen wie Rituale und Polygamie, die bei uns nicht so sehr verbreitet sind, weniger untersucht werden). Gering ausgeprägte Verhaltensweisen oder Dispositionen (wie zum Beispiel Konformität) können in <em>sonderbaren</em> Menschen auch nur schlecht erforscht werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der Psychologie findet sich das Problem auch in anderen Bereichen: Neurowissenschaftler:innen sind ebenfalls anfällig für denselben Bias, schließlich nutzen sie vorwiegend <em>sonderbare</em> Gehirne für ihre Forschung (Chiao &amp; Cheon, 2010). 90% der neurowissenschaftlichen Studien stammen von westlichen Universitäten und Instituten. Das ist allerdings auch der Tatsache geschuldet, dass die Technologien zum einen noch relativ neu sind, zum anderen so teuer, dass sie nicht für alle Forschenden zugänglich sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterschiede gibt es nicht nur in der Anatomie, sondern auch in der Hirnaktivität, zum Beispiel zwischen <em>sonderbaren</em> und ostasiatischen Personen. <em>Sonderbare</em> Menschen zeigen unterschiedliche Aktivität im medialen Präfrontalkortex, wenn sie über sich selbst oder über enge Freunde/Verwandte nachdenken, während Personen aus Ostasien diesen Unterschied in der Aktivität nicht zeigen. Im Bereich der Hirnforschung fehlen zwar noch viele Studien, um weitere spezifische Aussagen treffen zu können, allerdings gilt es als relativ sicher, dass es Unterschiede gibt, ob aufgrund von kulturellen, behavioralen oder anderen Umweltfaktoren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst bei der Verwendung von Schimpansen als Versuchstiere gibt es einen Bias [5]. Sie haben auch ihr eigenes Akronym: BIZARRE (raised in <em>Barren, Institutional, Zoo, And Other Rare Rearing Environments</em>). <em>Bizarre</em> Schimpansen zeigen ebenfalls Verhaltensweisen, die sehr unterschiedlich von ihren Artgenossen in Freiheit sind. Dennoch gibt es auch viele Erkenntnisse aus der Psychologie, die auf Experimenten mit bizarren Schimpansen oder anderen Tieren basieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem wird weiterhin bestehen, weil wir Experimente sehr oft auf vorherigen Studien aufbauen und Hypothesen aus älteren Forschungsergebnissen ableiten [1]. Dementsprechend vertiefen wir unser Wissen auf Grundlage von Ergebnissen derselben homogenen Stichprobe.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ziel des Artikels von Henrich und Kolleg:innen ist vor allem, Verhaltenswissenschaftler:innen auf den <em>Sample Bias</em> aufmerksam zu machen und zu motivieren, ihre Stichproben diverser zu gestalten. Außerdem wird erklärt, wieso sich „unsere“ Psychologie im Laufe der Geschichte so stark verändert hat. Es mag nicht immer das Ziel sein zu generalisieren, die genannten Beispiele mögen Extrembeispiele sein und auch methodische Artefakte mögen eine Rolle spielen. Außerdem kann das Einschließen nicht-<em>sonderbarer</em> Gruppen schon an der Finanzierung scheitern, oder an der Tatsache, dass Journals mehrere Studien oder große Stichproben fordern, was wesentlich einfacher zu erreichen ist, indem man Studierende rekrutiert. Dementsprechend handelt es sich auch um ein institutionelles Problem und nicht nur um einen fehlenden Willen von Seiten der Forscher:innen. Allerdings gibt es Möglichkeiten, auch außerhalb der Universitäten Versuchspersonen zu rekrutieren, wie es in anderen Disziplinen durchaus üblich ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im ersten Schritt ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein, dass es einen <em>Sample Bias</em> gibt, um dann zu versuchen, etwas zu verändern, mit dem Ziel in Zukunft menschliches Verhalten umfassender erklären zu können. </p>



<p class="has-white-color has-dark-gray-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-11 wp-block-paragraph">Sehr detailliert nachgelesen werden können die hier aufgegriffen Aspekte in dem Buch „Die seltsamsten Menschen der Welt“ von Joseph Henrich, das 2020 im Suhrkamp Verlag erschien.</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-12 wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen:</strong><br>[1] Chiao, J. Y., &amp; Cheon, B. K. (2010). The weirdest brains in the world. <em>Behavioral and Brain Sciences</em>, <em>33</em>(2–3), 88–90. <a href="https://doi.org/10.1017/S0140525X10000282">https://doi.org/10.1017/S0140525X10000282</a><br>[2] Haun, D. B. M., Rapold, C. J., Call, J., Janzen, G., &amp; Levinson, S. C. (2006). Cognitive cladistics and cultural override in Hominid spatial cognition. <em>Proceedings of the National Academy of Sciences</em>, <em>103</em>(46), 17568–17573. <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.0607999103">https://doi.org/10.1073/pnas.0607999103</a><br>[3] Henrich, J. (2022). <em>Die seltsamsten Menschen der Welt: Wie der Westen reichlich sonderbar und besonders reich wurde.</em>Suhrkamp Verlag.<br>[4] Henrich, J., Heine, S. J., &amp; Norenzayan, A. (2010). The weirdest people in the world? <em>Behavioral and Brain Sciences</em>, <em>33</em>(2–3), 61–83. <a href="https://doi.org/10.1017/S0140525X0999152X">https://doi.org/10.1017/S0140525X0999152X</a><br>[5] Leavens, D. A., Bard, K. A., &amp; Hopkins, W. D. (2010). BIZARRE chimpanzees do not represent “the chimpanzee.” <em>Behavioral and Brain Sciences</em>, <em>33</em>(2–3), 100–101. https://doi.org/10.1017/S0140525X10000166</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Neuroplastizität in Aktion: Die Umbauprozesse im Gehirn von Schwangeren</title>
		<link>https://psycho-path.de/neuroplastizitaet-in-aktion-die-umbauprozesse-im-gehirn-von-schwangeren/</link>
		
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		<pubDate>Tue, 02 Jul 2024 04:22:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[TANJA VON RYSSÉL. Während der Schwangerschaft geschehen so einige Wunder im Körper der werdenden Mutter. Nicht nur, dass in ihrem Bauch ein neuer kleiner Mensch heranwächst – um diesen optimal zu versorgen, wird ein ganzes Maßnahmenpaket angestoßen: Das Blutvolumen steigt, die Atmung vertieft sich, Drüsenzellen in der Brust bereiten sich auf die Milchproduktion vor. Und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">TANJA VON RYSSÉL. <em>Während der Schwangerschaft geschehen so einige Wunder im Körper der werdenden Mutter. Nicht nur, dass in ihrem Bauch ein neuer kleiner Mensch heranwächst – um diesen optimal zu versorgen, wird ein ganzes Maßnahmenpaket angestoßen: Das Blutvolumen steigt, die Atmung vertieft sich, Drüsenzellen in der Brust bereiten sich auf die Milchproduktion vor. Und noch etwas passiert: Im Gehirn finden umfangreiche Umbauprozesse statt, die sich sogar bis weit über die Geburt des Kindes hinaus nachweisen lassen.</em></p>



<span id="more-2263"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Wie genau diese Veränderungsprozesse im Gehirn aussehen, wird seit einigen Jahren emsig erforscht. Bekannt ist bisher, dass es zu einem Rückgang an grauer Hirnsubstanz kommt – bis zu 3&nbsp;% des kortikalen Gesamtvolumens büßen Frauen im Verlauf der Schwangerschaft ein [1]. Dahinter könnten verschiedene Vorgänge stecken, zum Beispiel könnte sich die Anzahl der Synapsen oder Nervenzellen verändern, aber auch Umstrukturierungen der Dendriten sowie Modifikationen in der Durchblutung des Gehirns kommen infrage [2]. Ziemlich sicher jedoch erstrecken sich die Umbauprozesse sowohl auf Neurone als auch ihre Nachbarn, die Gliazellen [1].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Teil der grauen Substanz wird nach der Geburt des Kindes wieder aufgebaut. Das könnte etwa an Lernerfahrungen liegen, die eine Mutter im täglichen Umgang mit ihrem Baby macht [1], und durch die neue Nervenverbindungen entstehen. Einer anderen Theorie zufolge könnten aber auch vermehrt neue Nervenzellen gebildet werden [2].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umbauarbeiten finden in verschiedenen Regionen des Gehirns statt. Betroffen sind zum einen verschiedene Areale in der Großhirnrinde; beispielsweise das limbische System, das für die Regulation von Emotionen zuständig ist. Zum anderen spielen sich Veränderungen in jenem subkortikalen Netzwerk ab, in das unter anderem dopaminerge Belohnungsareale wie der Nucleus Accumbens und die Area Tegmentalis Ventralis eingebunden sind [1]. Viele der Hirnregionen, die sich während der Schwangerschaft verändern, nutzen wir im sozialen Miteinander, damit wir erfolgreich mit anderen Menschen kommunizieren und interagieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders spannend ist die funktionelle und strukturelle Plastizität im sogenannten Ruhezustandsnetzwerk (eng. <em>default mode network</em>). Die an diesem Netzwerk beteiligten Hirnareale werden immer dann aktiv, wenn wir nichts Besonderes tun oder denken. Während der Schwangerschaft kommt es unter anderem zu verstärkter Kohärenz im Cuneus; einer Region, die visuelle Informationen verarbeitet und sie höheren kognitiven Funktionen wie Arbeitsgedächtnis oder Aufmerksamkeit zur Verfügung stellt [3]. Zudem liegt im Ruhestandsnetzwerk die neuronale Basis für Selbstwahrnehmung, soziale Interaktionen, Empathie sowie die Unterscheidung zwischen unserem Selbst und anderen Personen um uns herum. Änderungen in diesem Bereich des Gehirns könnten deshalb zu einem neuen Selbstverständnis als Mutter beitragen, bei dem beispielsweise ein stärkerer Fokus auf das Neugeborene als auf sich selbst gesetzt wird [3].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gehirnumbau während der Schwangerschaft ist keine unauffällige Kleinigkeit. Um die festgestellten Veränderungsprozesse auf Widerspruchsfreiheit zu testen, untersuchte ein Forschungsteam an der Universität Barcelona eine Gruppe von Frauen vor und nach ihrer ersten Schwangerschaft [2]. Als Vergleichsgruppe luden sie weitere Frauen ein, die im Studienzeitraum nicht schwanger wurden. Aus den Hirnscans der beiden Untersuchungszeitpunkte wurde für jede Teilnehmerin eine sogenannte Differenzkarte generiert. Diese stellen die Volumenänderungen an grauer Substanz grafisch dar. Die Karten wiederum führten die Wissenschaftler:innen einem Algorithmus zu und gaben ihm die Aufgabe einzuordnen, ob die jeweilige Frau schwanger geworden war oder nicht. Nur auf Basis der Volumenänderungen konnte das Programm alle Teilnehmerinnen der korrekten Gruppe zuordnen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wofür macht sich der Körper die Mühe der ganzen Umbauten? Kurz gesagt handelt es sich dabei um eine spezifische Form der Neuroplastizität, also einer Spezialisierung des Nervensystems, um eine Mutter auf ihre neue Lebenssituation einzustellen. Vergleichen lässt sich dieser Prozess mit einem Software-Update. Gefragt sind von nun an Verhaltensweisen, die für das Wohlbefinden des Nachwuchses sorgen und seine optimale Versorgung sicherstellen. Im Tierreich zählen dazu zum Beispiel Nestbau oder das Putzen und Säugen der Jungtiere [1]. Der Gehirnumbau bietet so letztlich einen evolutionären Vorteil für das Überleben der Nachkommen und damit der eigenen Art.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Konkret beobachten Wissenschaftler:innen bei menschlichen Müttern nicht nur typisch elterliches Sozialverhalten, sondern auch veränderte Kognitionen und Bioreaktionen. Eltern werden empfänglicher für bestimmte Reize. Zum Beispiel verlangsamt sich die Herzrate von Müttern, wenn ihr Baby lacht [3] – denn wer fröhlich gluckst, dem scheint es wohl gut zu gehen. Das wiederum ist Grund genug, um Mamas Belohnungszentrum zu aktivieren. Gleichzeitig verbessert sich die Empathie gegenüber dem Kind, die Bedürfnisse werden besser erkannt und Mütter können rascher darauf reagieren. Negative Reaktionen im Umgang mit dem Säugling werden dagegen unterdrückt [3]. Außerdem werden soziale Reize, die eine mögliche Bedrohung signalisieren, schneller interpretiert [2]. Schließlich ist sich die psychologische Forschung darin einig, dass die neuronalen Anpassungsprozesse zu einer höheren Bindungsqualität zwischen Mutter und Kind führen [1,2,3]. So weit nur ein Auszug aus dem evolutionären Rezept für einen gesunden, bestens umsorgten Säugling!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während einige Wissenschaftler:innen die genauen Umbauprozesse im „schwangeren Gehirn“ kartieren, beschäftigen sich andere mit der Frage, wie die Umstrukturierungen überhaupt ausgelöst und gesteuert werden. Aufschluss darüber geben zunächst Studien an Nagetieren. So analysierten Forscher:innen die schwangerschaftstypischen Hormonkonstellationen von Mäusedamen. Als sie diese bei jungfräulichen Artgenossen nachahmten, zeigten die kinderlosen Mäuse auf einmal elterliche Verhaltensweisen [4]. Solche Beobachtungen führten zu der – sehr belastbaren – Annahme, dass Hormone elterliches Verhalten auslösen, und zwar über den Umweg neuronaler Modifikationen. Besonders die Plazenta, Hauptverantwortliche für die Hormonschwankungen während der Schwangerschaft und Produzentin verschiedener Sexualhormone, scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen [1]. Letztlich beruhen all diese Annahmen aber nur auf Untersuchungen dazu, welche biologischen Prozesse parallel ablaufen und deshalb auch ursächlich miteinander in Verbindung stehen könnten. Kausalketten zu beweisen ist wegen ethischer Hürden sehr schwierig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Sexualhormone anatomische und funktionelle Änderungen im Gehirn auslösen, ist übrigens nichts grundsätzlich Neues. Forscher:innen kennen vergleichbare Prozesse bereits aus einer anderen Lebensphase: der Pubertät. In dieser Zeit organisiert sich der Denkapparat von Jugendlichen heimlich um: In Vorbereitung auf das Erwachsenenleben wird dabei graue Substanz abgebaut, weiße Substanz aufgebaut und verschiedene Hirnareale neu miteinander verbunden [5]. Sichtbar werden diese Vorgänge schließlich in kognitiven, emotionalen, physischen und Verhaltensänderungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wie sieht es bei den werdenden Vätern aus? Auch in ihren Gehirnen finden Umstrukturierungsprozesse statt, die Männer auf die Elternschaft vorbereiten. Beteiligt daran ist vermutlich das Hormon Prolaktin [6], ein alter Bekannter aus der Forschung rund um Fortpflanzung und Milchproduktion bei Frauen. So korreliert der Prolaktinspiegel bei den Partnern von Schwangeren mit einem Verlust an grauer Hirnsubstanz, aber auch – ähnlich wie bei den zukünftigen Müttern – mit dem Bindungsgefühl zum Ungeborenen. Außerdem wachsen Männer mit höheren Prolaktinwerten besser in ihre neue Rolle als Väter hinein [6]. Die konkreten biologischen Prozesse, die zu vergleichbaren Veränderungen im Sozialverhalten und bei den Kognitionen von werdenden Eltern führen, scheinen sich zwar zwischen den Geschlechtern zu unterscheiden [2]. Dennoch: Die Raffinessen der menschlichen Neuroplastizität erstrecken sich auf beide Elternteile. Ein noch größeres Wunder ist wohl nur die Entwicklung eines komplett neuen Gehirns, mit dessen Hilfe das Neugeborene bald beginnt, die Welt zu entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-14 wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong>:<br>[1] Servin-Barthet, C., Martínez-García, M., Pretus, C., Paternina-Pie, M., Soler, A., Khymenets, O., Pozo, O. J., Leuner, B., Vilarroya, O., &amp; Carmona, S. (2023). The transition to motherhood: Linking hormones, brain and behaviour. <em>Nature Reviews Neuroscience, 24(10),</em> 605-619. <a href="https://doi.org/10.1038/s41583-023-00733-6">https://doi.org/10.1038/s41583-023-00733-6</a><br>[2] Hoekzema, E., Barba-Müller, E., Pozzobon, C., Picado, M., Lucco, F., García-García, D., Soliva, J. C., Tobeña, A., Desco, M., Crone, E. A., Ballesteros, A., Carmona, S., &amp; Vilarroya, O. (2017). Pregnancy leads to long-lasting changes in human brain structure. <em>Nature Neuroscience, 20(2),</em> 287-296. <a href="https://doi.org/10.1038/nn.4458">https://doi.org/10.1038/nn.4458</a><br>[3] Hoekzema, E., van Steenbergen, H., Straathof, M., Beekmans, A., Freund, I. M., Pouwels, P. J.W., &amp; Crone, E. A. (2022). Mapping the effects of pregnancy on resting state brain activity, white matter microstructure, neural metabolite concentrations and grey matter architecture. <em>Nature Communications, 13.</em> <a href="https://doi.org/10.1038/s41467-022-33884-8">https://doi.org/10.1038/s41467-022-33884-8</a><br>[4] Ammari, R., Monaca, F., Cao, M., Nassar, E., Wai, P., Del Grosso, N. A., Lee, M., Borak, N., Schneider-Luftman, D., &amp; Kohl, J. (2023). Hormone-mediated neural remodeling orchestrates parenting onset during pregnancy. <em>Science, 382,</em> 76-81. <a href="https://doi.org/10.1126/science.adi0576">https://doi.org/10.1126/science.adi0576</a><br>[5] Peper, J. S., Hulshoff Pol, H. E., Crone, E. A., &amp; van Honk, J. (2011). Sex steroids and brain structure in pubertal boys and girls: A mini-review of neuroimaging studies. <em>Neuroscience, 191,</em> 28-37. <a href="https://doi.org/10.1016/j.neuroscience.2011.02.014">https://doi.org/10.1016/j.neuroscience.2011.02.014</a><br>[6] Aviv, E. C., Cardenás, S. I., León, G., Waizman, Y. H., Gonzales, C., Flores, G., Martínez-García, M., &amp; Saxbe, D. E. (2023). Prenatal prolactin predicts postnatal parenting attitudes and brain structure remodeling in first-time fathers. <em>Psychoneuroendocrinology, 156.</em> <a href="https://doi.org/10.1016/j.psyneuen.2023.106332">https://doi.org/10.1016/j.psyneuen.2023.106332</a></p>
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		<title>Bouldern gegen depressive Symptomatik </title>
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		<pubDate>Sat, 22 Jun 2024 09:50:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Wirksamkeit einer alternativen Psychotherapiemethode  ANNE HOMMEL. Der populäre Klettersport Bouldern genießt seit einigen Jahren eine immer größere Beliebtheit und bietet gleichzeitig neue Möglichkeiten für die Behandlung von Depressionen. Basierend auf den “KuS-Studien“ (Klettern und Stimmung) [1] des Universitätsklinikums Erlangen wird der Trendsport nun als innovative Therapiemethode eingesetzt. Dabei werden wirksame Elemente aus bewährten Therapieansätzen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">Die Wirksamkeit einer alternativen Psychotherapiemethode </h3>



<p class="wp-block-paragraph" id="block-19fb5736-7f80-4802-9ce0-bb5cfafa1308">ANNE HOMMEL. <em>Der populäre Klettersport Bouldern genießt seit einigen Jahren eine immer größere Beliebtheit und bietet gleichzeitig neue Möglichkeiten für die Behandlung von Depressionen. Basierend auf den “KuS-Studien“ (Klettern und Stimmung) [1] des Universitätsklinikums Erlangen wird der Trendsport nun als innovative Therapiemethode eingesetzt. Dabei werden wirksame Elemente aus bewährten Therapieansätzen vereint. </em></p>



<span id="more-2259"></span>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color has-small-font-size wp-elements-18 wp-block-paragraph" id="block-d089a485-8728-4829-9bd7-b5da01f8b443"><strong>Vorab: Definition </strong><br>Bouldern ist das Klettern ohne Sicherungsseil und Klettergurt an Wänden in Absprunghöhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Boulderpsychotherapie handelt es sich um die Verbindung von Bewegung und körperlicher Aktivität durch das Bouldern mit psychotherapeutischen Interventionen aus der Verhaltenstherapie. [2] Die Boulderpsychotherapie erfolgt üblicherweise in Gruppen und wird dabei von geschulten Therapeut:innen begleitet. Die Therapeut:innen werden ausgebildet, damit sie sowohl über Kenntnisse und Erfahrungen zu Therapiekonzepten verfügen als auch eigene Kletterfähigkeiten nachweisen können. Auf diese Weise kann eine individuelle, bedürfnisorientierte Intervention zur gezielten Verbesserung der Symptome von Betroffenen ermöglicht werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bouldern löst eine hohe emotionale Aktivierung aus. Dahingehend können verschiedene, für die Therapie relevante, Themen bearbeitet werden und anhand ausgewählter Boulderübungen belastende Verhaltensweisen oder Denkmuster durchbrochen werden. Mithilfe des Therapeut:innenteams oder anderen Gruppenteilnehmenden können sowohl Problemlösungen besprochen und ausgewertet als auch neue Herangehensweisen entwickelt werden, um herausfordernde Situationen im Alltag aktiv besser zu bewältigen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Bouldern kommen mehrere Wirkmechanismen zusammen, die eine Psychotherapie bei Depressionen deutlich unterstützen können. Häufig setzt es am Anfang viel Überwindung und Mut voraus, sich an die Wand zu trauen. Jedoch wird man auch frühzeitig mit Erfolgserlebnissen belohnt, wenn man einen Versuch wagt, sich auf die Situation einlässt und sich ausprobiert. Dahingehend wird der Umgang mit Grenzen schnell erlernt. Eigene Fähigkeiten werden oftmals unterschätzt. Durch das Bouldern können das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl deutlich gestärkt und damit gleichermaßen das Loslösen von Ängsten erleichtert werden. [3] Insbesondere Einsteiger:innen können deutliche Fortschritte erfahren, da Bouldertechniken rasch erlernt werden. Diese erleichtern es spürbar, auch schwere Routen zu schaffen. Darüber hinaus werden für das Bouldern relevante Muskelgruppen schnell aufgebaut, sodass die Teilnehmenden zeitnah den Leistungsfortschritt an sich beobachten können. Zudem erzeugen die aktive Unterstützung der Therapeut:innen und die Ermutigung von der Gruppe in Form von gegenseitigem Zuspruch eine motivierende Atmosphäre, in der Selbstwirksamkeit maßgeblich gefördert werden kann. Bouldern ist ein sozialer Sport, da man gemeinsam über mögliche Lösungen für Routen nachdenkt und sich gegenseitig anfeuert. Ratschläge und Hilfestellungen können zusätzlich zu einer sicheren Umgebung beitragen und gleichzeitig eine heilsame Erfahrung für die Teilnehmenden darstellen. Mit der Zeit entwickelt sich ein Feingefühl für Bewegungen und Körperpositionen, wodurch positive physische Erfahrungen gemacht werden und sich ein angenehmes, ausbalanciertes Körpergefühl etabliert. Menschen, die unter Depressionen leiden, können wieder in Einklang mit ihrem Körper kommen und ihre eigene Kraft spüren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von großer Bedeutung für die Erklärung der Wirksamkeit von therapeutischem Bouldern ist, dass während des Boulderns individuelle Bewältigungs- und Lösungsstrategien aktiv ausprobiert werden können. Dadurch, dass die Konzentration durch den unmittelbar bevorstehenden Zug zum nächsten Griff vollständig beansprucht wird, werden die für Depressionen typischen Grübelschleifen unterbrochen. Man muss präsent und fokussiert bleiben, anstatt sich in Gedanken zu verlieren. Ein weiteres häufiges Symptom bei Depressionen ist, dass sich Betroffene nicht viel zutrauen, ohne es ausprobiert zu haben. Deshalb ist es von Bedeutung, sich erreichbare Ziele zu setzen. Persönliche Leistungserrungenschaften innerhalb der Bouldertherapie können dabei die Selbstwirksamkeit insgesamt stärken und dazu beitragen, sich auch im Alltag mit fordernden Situationen und neuen Aufgaben auseinanderzusetzen, ohne vorschnell aufzugeben. Das Bouldern dient somit der Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, die Boulderwand zu erleben und Erkenntnisse über sich zu gewinnen. Es wird gelernt, das Vertrauen in sich zu finden. Gleichzeitig werden individuelle Stärken entdeckt, welche die Lebensqualität steigern können. Die Teilnehmenden suchen sich Routen mit einem Schwierigkeitsgrad aus, der ihren Ansprüchen gerecht wird. So wirkt man bei Menschen mit depressiven Symptomen dem Interessensverlust an Aktivitäten entgegen. [3] Das Therapeut:innenteam ist darin geschult, unterdrückte Emotionen zu bearbeiten. Frustration beispielsweise kann schnell aufkommen, wenn Routen nicht beim ersten Versuch geschafft werden und die Teilnehmenden zu ungeduldig mit sich selbst sind oder sie ihren eigenen stark überhöhten Erwartungen nicht gerecht werden. In solchen Situationen ist es seitens der Therapeut:innen wichtig hervorzuheben, die Gefühle zu akzeptieren, anzunehmen und die Emotionen zu integrieren. Auch Angst oder Freude sind häufig auftretende Emotionen beim Bouldern. Regelmäßiges Klettern trägt dazu bei, den Umgang mit den eigenen Gefühlen zu trainieren. [4] Auch soziale Beziehungen können über eine therapeutische Boulderübung erlebbar gemacht werden. Beispielsweise werden die Themen Nähe und Distanz sowie Verantwortung und Anhängigkeit veranschaulicht, indem die Teilnehmenden eine Route gemeinsam bewältigen sollen und dabei durch ein Seil verbunden sind. [2]</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der “KuS-Studie“ konnten klinisch relevante positive Effekte auf die Selbstwirksamkeit bei Personen nachgewiesen werden, die unter Symptomen von Depressionen leiden. [5] Dabei wurde das therapeutische Bouldern mit einer Verhaltenstherapie und einem aktivierenden Bewegungsprogramm verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Bouldertherapie wirksamer ist, als mehrmals die Woche Sportübungen allein zu Hause durchzuführen. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Effekte der kognitiven Verhaltensgruppentherapie nicht über die Wirksamkeit des therapeutischen Kletterns hinausgingen. [6] Damit erweist sich die Boulderpsychotherapie als eine langfristig wirksame Therapiemethode [7] und sollte dahingehend neben etablierten Therapiekonzepten als ergänzende Behandlungsmöglichkeit von Depressionen wahrgenommen werden, um die Therapieangebote zu erweitern. Das therapeutische Bouldern zeichnet sich durch eine niedrige Hemmschwelle aus, sodass der Zugang zu dieser Therapie leichter ist als zu anderen, eher stigmatisierenden Behandlungsansätzen, da das Bouldern als eine attraktive Sportart wahrgenommen wird. [1]</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color has-small-font-size wp-elements-19 wp-block-paragraph"><strong>Weiterführende Information </strong><br>Die positiven Effekte der Boulderpsychotherapie werden auch bei anderen Krankheitsbildern wie dem Burnout oder bestimmten Formen von Angststörungen als wirksame Therapiemethode angewendet. </p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-20 wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong>:<br>[1] Uniklinikum Erlangen. Die Wissenschaft. (n.d.). <em>Psychiatrie &#8211; Uniklinikum Erlangen</em>. Retrieved February 20, 2024, from https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/forschung/app-boulderpsychotherapie/die-wissenschaft/<br>[2] Uniklinikum Erlangen. Die Therapie. (n.d.). <em>Psychiatrie &#8211; Uniklinikum Erlangen</em>. Retrieved February 20, 2024, from <a href="https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/forschung/die-therapie/">https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/forschung/die-therapie/</a><br>[3] Kranisch, L. (2023, August 17). Der Depression davonklettern: Bouldern für die psychische Gesundheit. <em>Psylife</em>. <a href="https://psylife.de/magazin/der-depression-davonklettern-bouldern-fuer-die-psychische-gesundheit">https://psylife.de/magazin/der-depression-davonklettern-bouldern-fuer-die-psychische-gesundheit</a><br>[4] Schummeck, J. (2017, April 18). Wie Bouldern gegen Depressionen helfen kann. <em>Zeit</em>. <a href="https://www.zeit.de/zett/2017-04/wie-bouldern-gegen-depressionen-helfen-kann">https://www.zeit.de/zett/2017-04/wie-bouldern-gegen-depressionen-helfen-kann</a><br>[5] Kratzer, A., Luttenberger, K., Karg-Hefner, N., Weiss, M., &amp; Dorscht, L. (2021). Bouldering psychotherapy is effective in enhancing perceived self-efficacy in people with depression: results from a multicenter randomized controlled trial. <em>BMC Psychology</em>, <em>9</em>(1), 1–14. https://doi.org/10.1186/s40359-021-00627-1<br>[6] Luttenberger, K., Karg-Hefner, N., Berking, M., Kind, L., Weiss, M., Kornhuber, J., &amp; Dorscht, L. (2022). Bouldering psychotherapy is not inferior to cognitive behavioural therapy in the group treatment of depression: A randomized controlled trial. <em>British Journal of Clinical Psychology</em>, <em>61</em>(2), 465–493. https://doi.org/10.1111/bjc.12347<br>[7] Schwarz, L., Dorscht, L., Book, S., Stelzer, E. M., Kornhuber, J., &amp; Luttenberger, K. (2019). Long-term effects of bouldering psychotherapy on depression: benefits can be maintained across a 12-month follow-up. <em>Heliyon</em>, <em>5</em>(12).<br><br>Uniklinikum Erlangen. Boulderpsychotherapie. (n.d.). <em>Psychiatrie &#8211; Uniklinikum Erlangen</em>. Retrieved February 20, 2024, from <a href="https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/forschung/die-therapie/">https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/forschung/die-therapie/</a>PD Dr. Katharina Luttenberger. <br><br>Boulderpsychotherapie bei Depression langfristig wirksam (2020, August 11). <em>Medizinische Fakultät</em>. https://www.med.fau.de/2020/08/11/boulderpsychotherapie-bei-depression-langfristig-wirksam/#pagewrapper</p>
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			</item>
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		<title>Vom Hörsaal zur Professur</title>
		<link>https://psycho-path.de/vom-hoersaal-zur-professur/</link>
		
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		<pubDate>Mon, 20 Nov 2023 12:45:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wo sind denn hier die Frauen hin? JULIANE LUCAS. Schaut man sich während einer Psychologie-Vorlesung im Hörsaal um, ist es nicht schwer zu erkennen, welches Geschlecht überproportional unter den Studierenden vertreten ist: über 75&#160;% der Psychologie-Bachelor- und Masteranfänger:innen sind weiblich. [1] Wenn man den Vorlesungssaal jedoch verlässt und einen Blick in die Büros des akademischen [&#8230;]]]></description>
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<h1 class="wp-block-heading">Wo sind denn hier die Frauen hin?</h1>



<p class="wp-block-paragraph">JULIANE LUCAS. <em>Schaut man sich während einer Psychologie-Vorlesung im Hörsaal um, ist es nicht schwer zu erkennen, welches Geschlecht überproportional unter den Studierenden vertreten ist: über 75&nbsp;% der Psychologie-Bachelor- und Masteranfänger:innen sind weiblich. [1] Wenn man den Vorlesungssaal jedoch verlässt und einen Blick in die Büros des akademischen Hochschulpersonals wirft, sinkt der Anteil angestellter Wissenschaftlerinnen rapide – und noch mehr auf dem Weg zu Inhaberinnen einer Professur.</em><strong>&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<span id="more-2122"></span>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland werden ca. 44 % der Psychologie-Professuren von Frauen geleitet. [2] Die TU Dresden befindet sich da genau in dieser Größenordnung. Sicher, ein Verhältnis von fast 50:50 klingt erstmal nicht schlecht – schaut man sich jedoch die Zahl der weiblichen Studierenden zu Studienbeginn an, stellt man sich trotzdem die Frage: Wo sind denn hier die Frauen hin?&nbsp;Die heutigen Geschlechterverhältnisse im Psychologiestudium waren natürlich nicht die gleichen als unsere aktuellen Professor:innen studierten. Trotzdem: vor über 40 Jahren, Ende der 1970er, waren bereits mehr weibliche als männliche Studierende in unserem Studienfach eingeschrieben. [3] Um die Jahrtausendwende herum studierten doppelt so viele Frauen wie Männer Psychologie. [3] Die Psychologie ist also schon länger eher frauendominiert – die wissenschaftliche Arbeit jedoch nicht. Bei angestellten Wissenschaftler:innen und Post-Docs sind die Geschlechter noch recht ausgeglichen, aber je weiter man die Karriereleiter hinaufklettert, desto weniger Frauen begegnen einem. Juniorprofessor, Professor, schließlich Rektor – eher selten kann man ein „-in“ dranhängen. Das Phänomen, dass in der Wissenschaft mit jedem Karriereschritt der Frauenanteil kontinuierlich abnimmt, wird als <em>Leaky-Pipeline-Effekt</em> bezeichnet. Dabei ist der „Verlust“ von Frauen in der Psychologie deutlich geringer als in anderen Studienfächern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Leaky-Pipeline-Effekt ist in Studienfächern, bei denen insgesamt weniger Frauen ein Studium aufnehmen, durch strukturelle Hindernisse und geschlechterspezifische Stereotype leichter erklärbar als in Studienfächern, bei denen der Frauenanteil schon während des Bachelors hoch ist. Wenn z.B. durch eine bereits anfängliche und historisch geprägte Ungleichverteilung die höheren Karrierestufen eher von Männern besetzt sind, könnte bei der Personalauswahl öfter die homosoziale Kooperation greifen. Diese steht für einen Vorgang im Rekrutierungsprozess, bei dem eher Personen präferiert werden, die den Vorgänger:innen ähnlich sind – Männer wählen öfter Männer als Nachfolger aus. [4] Auch das ist natürlich ein Problem in der Psychologie, welches sich aber über Jahre langsam hätte ausschleichen müssen. Bei Studienfächern mit einem hohen Anteil weiblicher Studierender werden daher auch andere Gründe genannt, wie beispielsweise der Glass-Escalator-Effekt. Dieser beschreibt die erhöhten Beförderungschancen von Männern, wenn diese einen Minoritätenstatus haben. Somit können Männer sogar aufgrund von zugeschriebenen Geschlechtsstereotypen von ihrer Seltenheit profitieren – im Gegensatz zu Frauen. [5]&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gibt es noch viele weitere Gründe, z. B. unterschiedliche Familienplanung und Betreuungszeiten bei Männern und Frauen, andere (und/oder fehlende) Vernetzungsmöglichkeiten der Frauen oder fehlende weibliche Vorbilder. [4] Einige dieser Probleme möchte die TU Dresden mit Gleichstellungsmitteln angehen und hat dazu ein Programm für MINT-Studentinnen geschaffen, welches seit dem Sommersemester 2023 angelaufen ist. Da die Psychologie an der TU Dresden zu den Naturwissenschaften gezählt wird, können auch Psychologiestudentinnen an dem Programm teilnehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das <em>Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Studentinnen</em> hat zum Ziel, die Teilnehmerinnen bei der Vorbereitung und Umsetzung der eigenen wissenschaftlichen Laufbahn zu fördern. Dazu bietet es den Raum, dass sich die Studentinnen vernetzen und sich über ihre Erfahrungen, Pläne und Sorgen austauschen können. In angeleiteten Peer-Mentorings werden Themen wie Networking und mögliche Hürden für Frauen im Wissenschaftsbereich diskutiert, in überfachlichen Workshops Kompetenzen zu Themen wie Zielsetzung, Zeit- und Selbstmanagement und Mut zur Sichtbarkeit gestärkt. Im Verlauf des Programms finden außerdem Mentoring-Treffen mit Nachwuchswissenschaftlerinnen der Universität statt, sodass ein Erfahrungsaustausch weiterführender ermöglicht wird, bei dem die Studentinnen hilfreiche Tipps für ihren eigenen Karriereweg erhalten können. Jeder Durchlauf des Programms hat eine Dauer von einem Jahr, wobei die Veranstaltungen gegen Ende immer freier und von den Studentinnen selbst organisiert werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im jetzigen ersten Durchlauf nehmen insgesamt 30 MINT-Studentinnen am Programm teil, was laut der Programm-Koordinatorin Grit Schuster darauf hindeutet, „dass es einen Bedarf an dieser Stelle gibt, der durch die Programminhalte bedient wird. Das Programm dient der Orientierung und dem Sichtbarmachen von Strukturen und Regeln insbesondere für Frauen im Wissenschaftsbetrieb“. Hinsichtlich des Studienstandes sind die Teilnehmerinnen sehr heterogen, sodass das Erfahrungswissen bezüglich einer Karriere in der Wissenschaft sehr unterschiedlich sei. „Generell ist bei allen Teilnehmerinnen eine sehr hohe Affinität und ein starkes Interesse an einer Wissenschaftskarriere erkennbar.“, so Grit Schuster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man männlichen Kommilitonen von dem Programm erzählt, blickt man oft in leicht enttäuschte Gesichter und es wird vorsichtig nach ähnlichen Programmen, die auch Männern zugänglich sind, gefragt. Unterstützung für eine wissenschaftliche Laufbahn und bei der Entscheidung, ob und wenn ja, wie man eine Promotion angehen sollte, wird sich von allen Interessierten gewünscht. Grit Schuster verweist darauf, dass Mentoring-Programme und Förderinitiativen an Universitäten in der Regel darauf abzielen, die Chancengleichheit und die berufliche Entwicklung aller Studierenden und Nachwuchswissenschaftler:innen zu fördern, unabhängig von ihrem Geschlecht. „Einige der Programme richten sich jedoch oft an unterrepräsentierte und als besonders förderwürdig erachtete Gruppen. In unserem Fall ist es eine Reaktion darauf, dass Frauen in Führungspositionen in der Wissenschaft viel weniger vertreten sind als Männer.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich für meinen Teil bin sehr dankbar, dass ich durch das Programm die Möglichkeit habe, mich mit anderen Studentinnen &#8211; auch außerhalb der Psychologie &#8211; über eine akademische Laufbahn auszutauschen. Bei den Peer-Mentoring-Treffen werden gemeinsam Ideen gesammelt, wie man sich ein Netzwerk aufbauen kann, man tauscht sich über erhöhten Leistungsdruck aus, merkt auch einfach, dass man nicht allein mit seinen Sorgen ist und baut sich ganz nebenbei ein Frauennetzwerk auf. Die Workshops helfen zur Orientierung, schaffen etwas mehr Klarheit darüber, was man eigentlich will und der Austausch mit anderen Studentinnen ist auch an dieser Stelle unglaublich hilfreich. Nach etwas aufgekommenen Frust über Teilzeitstellen, Publikationsdruck, schwieriger Familienplanung etc. war es richtig heilsam, sich mal wieder zu erinnern, warum man trotzdem in der Wissenschaft arbeiten möchte. Dass sich all der Stress auszahlen wird, wenn man das machen kann, wofür man brennt.&nbsp;<br>Für Nachwuchswissenschaftlerinnen ist das Programm ebenso attraktiv: als Mentorinnen können sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Wissenschaftsbereich vermitteln und sich aktiv als Vorbild an der Nachwuchsförderung beteiligen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die TU Dresden ist nicht die einzige Uni, die das Leaky-Pipeline-Problem angeht. An vielen deutschen Universitäten gibt es Mentoring-Programme, die auch speziell Frauen in der Wissenschaft fördern sollen. Schaut bei Interesse doch einfach mal, ob eure Uni ebenso entsprechende Programme anbietet: <a href="https://forum-mentoring.de/programme/geografische-suche-deutschland/">https://forum-mentoring.de/programme/geografische-suche-deutschland/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Statistisches Bundesamt (Destatis). (n.d.). Studierende an Hochschulen &#8211; Fachserie 11 Reihe 4.1 &#8211; Sommersemester 2022. <em>Bildung Und Kultur</em>. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/Publikationen/Downloads-Hochschulen/studierende-hochschulen-ss-2110410227314.html<br>[2] Statistisches Bundesamt (Destatis). (n.d.). Personal an Hochschulen &#8211; Fachserie 11 Reihe 4.4 &#8211; 2021. <em>Bildung Und Kultur.</em> https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/Publikationen/Downloads-Hochschulen/personal-hochschulen-2110440217004.html<br>[3] Wieser, M., &amp; Malich, L. (2021). Editorial &#8211; Rückblick im Umbruch. <em>Psychologische Rundschau</em>, <em>72</em>(3), 177–180. https://doi.org/10.1026/0033-3042/a000543<br>[4] Stemmer, L. (2020). <em>Frauen in MINT: Ein systemischer Erklärungsansatz der Leaky Pipeline</em> (Doctoral dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)).<br>[5] Osterloh, M., Rost, K., Hizli, L., &amp; Mösching, A. (2022). <em>Bericht zum Forschungsauftrag „Leaky Pipeline“</em>. 1–64.<br>[6] <em>Frauen- und Männeranteile im akademischen Qualifikationsverlauf, 2020</em>. (o. D.). https://www.gesis.org/cews/daten-und-informationen/statistiken/thematische-suche/detailanzeige/article/frauen-und-maenneranteile-im-akademischen-qualifikationsverlauf</p>
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		<item>
		<title>The successful self-treatment of my case of writer’s block</title>
		<link>https://psycho-path.de/the-successful-self-treatment-of-my-case-of-writers-block/</link>
		
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		<pubDate>Wed, 08 Nov 2023 11:51:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#44 Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[#mehr_wissen]]></category>
		<category><![CDATA[forschung]]></category>
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					<description><![CDATA[Kurioses, Spektakuläres und Schockierendes aus der Forschung PAULA BÖHLMANN. Jedes Semester erneut einen Psycho-Path-Artikel zu schreiben, hat meine Kreativität beansprucht. Natürlich gibt es noch so viele Themen, aber mir springt nicht DAS Thema ins Auge. Das nennt man wohl Schreibblockade. Was kann ich dagegen machen? Ich könnte es natürlich D.&#160;Upper gleich tun. Sein Artikel „The [&#8230;]]]></description>
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<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Kurioses, Spektakuläres und Schockierendes aus der Forschung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">PAULA BÖHLMANN.<strong> </strong><em>Jedes Semester erneut einen Psycho-Path-Artikel zu schreiben, hat meine Kreativität beansprucht. Natürlich gibt es noch so viele Themen, aber mir springt nicht DAS Thema ins Auge. Das nennt man wohl Schreibblockade. Was kann ich dagegen machen? Ich könnte es natürlich D.&nbsp;Upper gleich tun. Sein Artikel „The unsuccessful self-treatment of a case of ‘writer’s block’&#8220; wurde im peer-reviewed Journal of applied behavior analysis publiziert. Das Besondere an dem Artikel: er besteht aus nichts außer der Überschrift und einem Kommentar eines Reviewers. Es ist einfach eine leere Seite [1]. Dieser Artikel hat auf eine sonderbare Art meine Schreibblockade gelöst. Er half mir, die Inspiration zurückzufinden, denn nun brannte mir eine Frage unter den Nägeln: Welche weiteren Kuriositäten hat die (psychologische) Forschung noch zu bieten? Bei meiner Recherche stieß ich auf viele lustige und teilweise schockierende Forschungsprojekte. Eine kleine Auswahl möchte ich mit euch teilen.</em></p>



<span id="more-2132"></span>



<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">Ig-Nobelpreis</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Recherche zum Thema kuriose Forschung stößt man schnell auf den satirischen Ig-Nobelpreis. Dieser wird jährlich in unterschiedlichen Fachrichtungen für Forschung, die erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringt, verliehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beispielsweise wurde er 1993 aufgrund eines neunseitigen medizinischen Forschungspapiers verliehen, das mit 972 Koautor:innen 100 mal mehr Autor:innen als Seiten besaß [2]. In Medizin wurde der Ig-Nobelpreis außerdem für die Erforschung des protektiven Effekts echter italienischer Pizza auf Krankheiten und den Tod [3] und der nasenabschwellenden Wirkung von Orgasmen vergleichbar mit Nasenspray [4] verliehen. Zudem wurde die Erkenntnis gewürdigt, dass Personen, die Käse ekelig finden beim Anblick eine stärkere Aktivierung in externen und internen Globus Pallidus und Substantia nigra haben als Menschen, die Käse mögen [5]. Apropos Käse. In Biologie wurde ein Ig-Nobelpreis für die Erkenntnis verliehen, dass Limburger Käse Mosquitos genauso anzieht wie menschliche Füße [6].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Ig-Nobelpreis für Chemie erhielten Forscher für den biochemischen Vergleich zwischen romantischer Liebe und Zwangsstörung mit dem Ergebnis, dass sich in Bezug auf Serotonin die Liebe nicht von Zwangsstörungen unterscheidet [7].</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Fachrichtung Psychologie gab es Ig-Nobelpreise unter anderem für die Forschung, ob man Narzisst:innen anhand der Augenbrauen identifizieren kann [8] und ob Tauben zwischen Bildern von Picasso und Monet unterscheiden können [9]. Die Antwort auf beide Fragen lautet: Ja! Außerdem gab es den Preis für die Erkenntnisse zum Dunning-Kruger-Effekt (Selbstüberschätzung aufgrund Schwierigkeiten, die eigene Inkompetenz wahrzunehmen) [10].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Bereich Frieden gibt es einige bemerkenswerte Projekte. Beseris, et al. (2020) fanden Evidenz, dass Bärte bei Schlägen das Gesicht schützen können [11]. Wenn der Schlag dann trotzdem Mal wehtut, hat ein anderes mit dem Ig-Nobelpreis gewürdigtes Projekt eine Lösung: Es wurde herausgefunden, dass Fluchen schmerzlindernd wirkt [12].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Idee, statt scharfer Munition das Wort „Bang“ zu verwenden, erhielt die British Royal Navy 2000 den Friedens-Ig-Nobelpreis [13]. Doch für den Friedens-Ig-Nobelpreis muss es nicht immer so frei von Waffen zugehen. A. Zuokas erhielt den Preis für seine videodokumentierte Demonstration, dass das Problem mit falschgeparkten Luxusautos gelöst werden könne, indem man mit einem Panzer drüberfährt [14].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere interessante Forschungsprojekte, die einen Ig-Nobelpreis erhalten haben, findet ihr auf der Internetseite des Ig-Nobelpreisgründers Marc Abrahams:&nbsp; <a href="https://improbable.com/ig/winners/">https://improbable.com/ig/winners/</a>. Es lohnt sich wirklich, denn es gibt fast alles: Software, die erkennt, wann eine Katze über die Tastatur läuft, Voodoo-Puppen für den Chef und Fluchmotivation beim Autofahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">Selbstexperimente der besonderen Art</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Von sich auf andere schließen, ist etwas, was wir alle ständig tun. Mit der Annahme, ein für die Grundgesamtheit repräsentatives Individuum zu sein, machten sich einige Wissenschaftler:innen abseits der Doppelblindstudien daran, ihre Hypothesen zuerst an sich selbst zu testen. Der uns allen bekannte Sigmund Freud führte beispielsweise Selbstversuche mit Kokain durch [15].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch andere Forscher:innen brachten ihren Körper für die Wissenschaft in Gefahr. Angst um das eigene Leben? Fehlanzeige! So testete der Arzt Werner Forßmann in den 1920ern, ob es möglich war, einen Herzkatheter durch eine Ader in der Ellenbeuge einzusetzen. Es funktionierte tatsächlich: Er selbst setzte sich den Katheter erfolgreich ein [16].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicolae Minovici erlangte die Erkenntnis, dass Personen beim Erhängen nicht durch Ersticken, sondern durch die unterbrochene Blutzufuhr zum Gehirn sterben. Wie er das herausfand? Er strangulierte sich insgesamt zwölfmal selbst und in einem Versuch hing er sogar mit vollem Gewicht in einer sich zusammenziehenden Schlinge. Folge waren Blutergüsse und eine Kehlkopffraktur [17].</p>



<p class="wp-block-paragraph">John Paul Stapp wollte in den 1940/50ern herausfinden, wie viel Einwirkung von Beschleunigungskräften ein Mensch überleben kann. Sein Raketenschlitten in der Wüste, in dem er viele Male höchst persönlich saß, beschleunigte innerhalb weniger Sekunden auf bis zu 1017&nbsp;km/h, um gleich danach wieder innerhalb weniger Sekunden abzubremsen. Dabei lieferte Stapp seinen Körper dem bis zu 46-fachen der Erdbeschleunigung aus, brach sich mehrere Rippen und erlitt Verbrennungen aufgrund des Wüstensands sogar trotz Schutzkleidung [18].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">Abseits des Unterhaltsamen: Studien, die heute kein Ethikvotum bekommen würden</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Bei meiner Recherche bin ich leider nicht nur auf witzige Forschungsprojekte oder spektakuläre und teilweise absurde Selbstexperimente gestoßen, sondern auch auf die dunklen Abgründe der Forschung. Wissenschaftler:innen setzten nicht nur sich selbst drastischen Prozeduren aus, sondern auch Proband:innen hatten einiges zu durchleiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um Proband:innen vor mitunter barbarischen Versuchen zu schützen, wurde Ende der 1960er die erste Ethikkommission in den USA eingerichtet [19]. In Deutschland wurde die ersten Ethikkommission 1973 an den Unis in Ulm und Göttingen gegründet [20]. Ethikkommission, braucht man das? Psycholog:innen sind doch von Hause aus empathische Menschen. Richtig? Falsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte euch vier Studien, die heute kein Ethikvotum bekommen würden, vorstellen. Diese sind Beispiele für die haarsträubenden Forschungspraktiken, die jedoch in keinster Weise das ganze grausame Ausmaß abbilden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Beispiel des kleinen Alberts werden die meisten von uns aus der Uni kennen. 1920 war es vollkommen in Ordnung einem 11&nbsp;Monate altem Kind eine Tierphobie zu induzieren. Dies geschah, indem man ihm eine weiße Ratte zeigte und zeitgleich einen lauten Knall erzeugte. Nach mehreren Durchgängen reagierte Albert mit starker Angst auf die Ratte. Diese Angstreaktion wurde sogar auf andere Tiere mit Fell generalisiert. Eine Gegenkonditionierung fand nicht statt. Alles für die Erkenntnisse zum klassischen Konditionieren [21].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war jedoch nicht das einzige Mal, dass Kinder bei sehr fragwürdigen Studien zum Versuchsobjekt wurden. Im Rahmen der Monsterstudie testete Wendell Johnson 1939 seine Hypothese, dass Stottern bei Kindern durch Verunsicherung aufgrund der Korrektur von kleinen sprachlichen Fehlern durch Eltern und Lehrer:innen ausgelöst werde. Dafür unterzog er in einem Waisenhaus Kinder mit einer normalen Sprachentwicklung einer vermeintlichen Sprachtherapie. Dabei wurden die Kinder auf winzige Fehler angesprochen, zum Kontrollieren ihrer Sprache angehalten und kontraproduktive Gegenmaßnahmen angewandt. Infolgedessen wiesen fünf von sechs behandelten Kindern Sprachprobleme auf [22].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch viele Jahrzehnte später bedienten sich Forschende noch sehr bedenklichen Studiendesigns. Um herauszufinden, ob die Brutalität von Wärter:innen in Gefängnissen auf die Gefängnis-Situation oder eine sadistische Persönlichkeit zurückzuführen sei, entwickelte Zimbardo das Stanford-Prison-Experiment. Hier wurden den Versuchspersonen (24 Männer) zufällig die Rolle als Gefangener oder Wärter zugeteilt. Schnell zeigte sich, dass die Wärter ihre Machtposition ausnutzten. Die Gefangenen bekamen Nummern statt Namen, wurden öffentlich gedemütigt und mussten Liegestütze als körperliche Bestrafung machen. Nach der Niederschlagung eines Aufstandes wurde der Zusammenhalt zwischen den Gefangenen durch die Wärter gebrochen, indem sie die Gefangenen in gut und schlecht einteilten. Gute Gefangene bekamen Privilegien wie sich waschen oder zur Toilette gehen zu dürfen. Für schlechte Gefangene gab es Eimer anstatt eines Toilettengangs. Nach sechs Tagen – nicht mal die Hälfte der ursprünglich geplanten Zeit – brachen die Experimentator:innen den Versuch ab. Aber dennoch waren es sechs Tage, die die Experimentator:innen den emotionalen Zusammenbrüchen der Gefangenen und den Demütigungen durch die Wärter zusahen [23].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">1983 lief an der University of California at Los Angeles (UCLA) ein Experiment zur Vorhersage von Psychosen. Eingeschlossen wurden Personen, die die Kriterien für eine Schizophrenie erfüllten. Den Proband:innen wurden die Medikamente abgesetzt, was zu Rückfällen führte. Sowohl die Aufklärung vorher als auch die Überwachung der Patient:innen währenddessen war unzureichend. Ein Proband der Studie, Antonio LaMadrid, sprang im Rahmen seines Rückfalls von einem Campus-Gebäude der UCLA und verstarb [24].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">Humoristische Einstreuungen in Papern</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Nach diesen vier grausigen Studien, die leider nur ein winziger Ausschnitt dessen sind, was Proband:innen psychologischer Experimente im letzten Jahrtausend erdulden mussten, möchte ich meinen Artikel jedoch mit etwas Schönem beenden: Forschungsberichte, die einem nicht vor Schock über die Grausamkeit einen kalten Schauer über den Rücken jagen, sondern Paper, die ein Lächeln auf die Lippen zaubern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eingangs beschrieben publizierte D. Upper im <em>Journal of applied behavior analysis</em> eine leere Seite [1]. Doch da gibt es noch mehr.&nbsp; Auch in erstgemeinten Artikeln versteckt sich manchmal etwas zum Schmunzeln und jede Menge Kreativität. Zum Beispiel schrieben Bunnett &amp; Kearley (1971) ein Paper in Versform (siehe Abbildung) [25].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Acknowledgements haben ebenfalls Potential. C. Brown nutzte sie beispielsweise, um seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen [26]. Doch nicht immer dienen die Ackowledgements Dank oder Liebe. Chierichetti et al. (2010) schrieben unter der Überschrift <em>Unacknowledgements</em> „This work is ostensibly supported by the the Italian Ministry of University and Research under the FIRB program, project RBIN047MH9-000. The Ministry however has not paid its dues and it is not known whether it will ever do.” [sic] [27].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal muss man aber gar nicht bis zu den (Un)aknowledgements runterscrollen, sondern man erkennt den Humor der Autor:innen bereits am Titel. Meine persönlichen Top Ten der witzigsten Titel:<br><em>Platz 10: <strong>Lasagna plots: a saucy alternative to spaghetti plots</strong> [28]<br>Platz 9: <strong>AMPK wars: the VMH strikes back, return of the PVH </strong>[29]<br>Platz 8: <strong>Everything you always wanted to know about sex &#8230; in flies</strong> [30]<br>Platz 7: <strong>Smells Like Clean Spirit: Nonconscious Effects of Scent on Cognition and Behavior</strong> [31]<br>Platz 6: <strong>The relational model is dead, SQL is dead, and I don&#8217;t feel so good myself</strong> [32]<br>Platz 5: <strong>Fantastic yeasts and where to find them: the hidden diversity of dimorphic fungal pathogens </strong>[33]<br>Platz 4: <strong>You probably think this paper&#8217;s about you: narcissists&#8216; perceptions of their personality and reputation</strong> [34]<br>Platz 3: <strong>The mouth, the anus, and the blastopore—open questions about questionable openings</strong> [35]<br>Platz 2: <strong>Snakes on a spaceship—An overview of Python in heliophysics</strong> [36]<br>Platz 1: <strong>miR miR on the wall, who’s the most malignant medulloblastoma miR of them all?</strong> [37]</em></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Upper D. (1974). The unsuccessful self-treatment of a case of &#8222;writer&#8217;s block&#8220;. <em>Journal of applied behavior analysis</em>, <em>7</em>(3), 497. https://doi.org/10.1901/jaba.1974.7-497a<br>[2] [6] E. Topol, R. Califf, F. Van de Werf, P. W. Armstrong et al. (1993). An International Randomized Trial Comparing Four Thrombolytic Strategies for Acute Myocardial Infarction. <em>The New England Journal of Medicine, 329</em>(10), 673–682.<br>[3] Gallus, S., Bosetti, C., Negri, E., Talamini, R., Montella, M., Conti, E. et al. (2003). Does Pizza Protect Against Cancer?. <em>International Journal of Cancer, 107</em>(2), 283-284.<br>[4] Bulut, O. C., Oladokun, D., Lippert, B. M., &amp; Hohenberger, R. (2023). Can sex improve nasal function? — An exploration of the link between sex and nasal function. <em>Ear, Nose &amp; Throat Journal</em>, <em>102</em>(1), 40-45.<br>[5] Royet, J.-P., Meunier, D., Torquet, N., Mouly, A.-M. &amp; Jiang, T. (2016). The Neural Bases of Disgust for Cheese: An fMRI Study. <em>Front. Hum. Neurosci.</em> <em>10</em>, 511. doi: 10.3389/fnhum.2016.00511<br>[6] Knols, B. (1996). On Human Odour, Malaria Mosquitoes, and Limburger Cheese<em>.</em> <em>The Lancet.</em> <em>348</em>, 1322, doi:10.1016/S0140-6736(05)65812-6<br>[7] Marazziti,D., Akiskal, H. S., Rossi, A. &amp; Cassano, G. B. (1999). Alteration of the platelet serotonin transporter in romantic love. <em>Psychological Medicine. 29</em>(3), 741–74.<br>[8] Giacomin, M. &amp; Rule, N. O. (2019). Eyebrows cue grandiose narcissism. <em>Journal of Personality, 87</em>(2), 373-385. https://doi.org/10.1111/jopy.12396<br>[9] Watanabe, S., Sakamoto, J. &amp; Wakita, M. (1995). <em>Pigeons’ Discrimination of Paintings by Monet and Picasso</em>. In: <em>Journal of the Experimental Analysis of Behavior</em>, <em>63</em>, 165–174, PMC&nbsp;1334394<br>[10] Kruger, J., &amp; Dunning, D. (1999). Unskilled and unaware of it: how difficulties in recognizing one&#8217;s own incompetence lead to inflated self-assessments. <em>Journal of personality and social psychology</em>, <em>77</em>(6), 1121<br>[11] Beseris, E. A., Naleway, S. E., &amp; Carrier, D. R. (2020). Impact protection potential of mammalian hair: Testing the pugilism hypothesis for the evolution of human facial hair. <em>Integrative organismal biology</em>, <em>2</em>(1), obaa005.<br>[12] Stephens, R., Atkins, J., &amp; Kingston, A. (2009). Swearing as a response to pain. <em>Neuroreport</em>, <em>20</em>(12), 1056-1060.<br>[13] BBC (2000). Verfügbar unter: http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/757788.stm [abgerufen: 29.05.2023, 22:23]<br>[14] Zuokas, A. (2011). Vilnius Mayor A.Zuokas Fights Illegally Parked Cars with Tank. Verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=V-fWN0FmcIU [abgerufen: 29.05.2023, 22:08]<br>[15] Schott, H. (o.D.). Freuds Selbstversuche mit Kokain als Moment seiner Selbstanalyse, Verfügbar unter: https://www.biusante.parisdescartes.fr/sfhm/hsm/HSMx1982x017xspec2/HSMx1982x017xspec2x0252.pdf [abgerufen: 22.05.2023, 12:19]<br>[16] Bröer, R. (2004). Der Herzkatheter-Selbstversuch: Dichtung und Wahrheit. <em>ÄrzteZeitung.</em> Verfügbar unter https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Der-Herzkatheter-Selbstversuch-Dichtung-und-Wahrheit-317637.html [abgerufen: 22.05.2023, 13:02]<br>[17] Hollstein, S. Hängen für die Wissenschaft, Spektrum, Verfügbar unter: https://www.spektrum.de/news/haengen-fuer-die-wissenschaft/1641836 [abgerufen: 22.05.2023, 13:44]<br>[18] Hollstein, S. (2019). Der menschliche Crashtest-Dummy. <em>Spektrum.</em> Verfügbar unter: https://www.spektrum.de/news/der-menschliche-crashtest-dummy/1675686 [abgerufen: 22.05.2023, 14:17]<br>[19] Hilpert, K. (2022). Ethikkommissionen. <em>Staatslexikon</em>. Verfügbar unter: https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Ethikkommissionen [abgerufen: 22.05.2023, 15:37]<br>[20] Arbeitskreis Medizinischer Ethik-Kommissionen (o.D.). Geschichte der Forschungsethik. Verfügbar unter https://www.akek.de/geschichte-der-forschungsethik/ [abgerufen: 22.05.2023, 15:46]<br>[21] Dorsch Lexikon der Psychologie (2016). Kleiner Albert. Hogrefe. Verfügbar unter: https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/kleiner-albert [abgerufen: 22.05.2023, 14:51]<br>[22] Paulus, J. (2003). Die amerikanische Monster-Studie. <em>Wissenschaft</em>. Verfügbar unter: https://www.wissenschaft.de/allgemein/die-amerikanische-monster-studie/ [abgerufen: 22.05.2023, 17:02]<br>[23] Zimbardo, P. G., Haney, C., Banks, W. C., &amp; Jaffe, D. (1971). <em>The Stanford prison experiment</em>. Zimbardo, Incorporated.<br>[24] Rovner, S. Y. (1992). Ethic concerns raised in schizophrenia study. <em>Washington Post</em>. Verfügbar unter: https://www.washingtonpost.com/archive/lifestyle/wellness/1992/09/29/ethics-concerns-raised-in-schizophrenia-study/92a01b0c-de57-4b30-8720-e16a5910bb5a/ [abgerufen: 22.05.2023, 16:29]<br>&nbsp;[25] Bunnett, J. F. &amp; Kearley, F. J. (1971). Comparative mobility of halogens in reactions of dihalobenzenes with potassium amide in ammonia.&nbsp; <em>J. Org. Chem,</em> <em>36</em>(1), 184–186. https://doi.org/10.1021/jo00800a036<br>[26] Brown, C. M. &amp; Henderson D. M. (2015). A New Horned Dinosaur Reveals Convergent Evolution in Cranial Ornamentation in Ceratopsidae. <em>Current Biology, 15</em>(12), 1641-1648. https://doi.org/10.1016/j.cub.2015.04.041<br>[27] Chierichetti, F., Lattanzi, S. &amp; Panconesi, A. (2010). Rumour spreading and graph conductance. In <em>Proceedings of the twenty-first annual ACM-SIAM symposium on Discrete Algorithms</em> (pp. 1657-1663). Society for Industrial and Applied Mathematics. https://doi.org/10.1137/1.9781611973075.135<br>[28] Swihart, B. J., Caffo, B., James, B. D., Strand, M., Schwartz, B. S., &amp; Punjabi, N. M. (2010). Lasagna plots: a saucy alternative to spaghetti plots. <em>Epidemiology (Cambridge, Mass.)</em>, <em>21</em>(5), 621.<br>[29] López, M. (2018). AMPK wars: the VMH strikes back, return of the PVH. <em>Trends in Endocrinology &amp; Metabolism</em>, <em>29</em>(3), 135-137.<br>[30] Arbeitman, M. N., Kopp, A., Siegal, M. L., &amp; Van Doren, M. (2010). Everything you always wanted to know about sex &#8230; in flies. Sexual development : genetics, molecular biology, evolution, endocrinology, embryology, and pathology of sex determination and differentiation, 4(6), 315–320. https://doi.org/10.1159/000320632<br>[31] Holland, R. W., Hendriks, M., &amp; Aarts, H. (2005). Smells Like Clean Spirit: Nonconscious Effects of Scent on Cognition and Behavior. Psychological Science, 16(9), 689–693. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2005.01597.x<br>[32] Atzeni, P., Jensen, C. S., Orsi, G., Ram, S., Tanca, L., &amp; Torlone, R. (2013). The relational model is dead, SQL is dead, and I don&#8217;t feel so good myself. <em>ACM Sigmod Record</em>, <em>42</em>(2), 64-68.<br>[33] Van Dyke, M. C. C., Teixeira, M. M., &amp; Barker, B. M. (2019). Fantastic yeasts and where to find them: the hidden diversity of dimorphic fungal pathogens. Current opinion in microbiology, 52, 55–63. https://doi.org/10.1016/j.mib.2019.05.002<br>[34] Carlson, E. N., Vazire, S., &amp; Oltmanns, T. F. (2011). You probably think this paper&#8217;s about you: narcissists&#8216; perceptions of their personality and reputation. <em>Journal of personality and social psychology</em>, <em>101</em>(1), 185.&nbsp;<br>[35] Hejnol, A., &amp; Martindale, M. Q. (2009). The mouth, the anus, and the blastopore—open questions about questionable openings. <em>Animal Evolution: Genomes, Fossils, and Trees</em>, 33-40<br>[36] Burrell, A. G., Halford, A., Klenzing, J., Stoneback, R. A., Morley, S. K., Annex, A. M., &#8230; &amp; Ma, J. (2018). Snakes on a spaceship—An overview of Python in heliophysics. <em>Journal of Geophysical Research: Space Physics</em>, <em>123</em>(12), 10-384.<br>[37] Wang, X., Holgado, B. L., Ramaswamy, V., Mack, S., Zayne, K., Remke, M., &#8230; &amp; Taylor, M. D. (2018). miR miR on the wall, who’s the most malignant medulloblastoma miR of them all?. <em>Neuro-oncology</em>, <em>20</em>(3), 313-323.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was macht die Forschung&#8230;? Ein kleiner Überblick zu Themen rund um die Ernährung</title>
		<link>https://psycho-path.de/was-macht-die-forschung-ein-kleiner-ueberblick-zu-themen-rund-um-die-ernaehrung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Oct 2023 04:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#44 Ernährung]]></category>
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					<description><![CDATA[ORGANISATION: LYDIA RICHTER; AUTORINNEN: LYDIA RICHTER, HELENE KÜHN, JULIA ROGGENBUCK. Nicht selten sind wir erstaunt, wie breit gefächert viele Forschungsgebiete doch sind und zu welchen Themen es alles Studien gibt. Das haben wir auch bei unseren Recherchen zum Thema Ernährung festgestellt und eine spannende Auswahl an Studienergebnissen zu Staunen und Schmunzeln zusammengetragen &#8211; natürlich alles [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">ORGANISATION: LYDIA RICHTER; AUTORINNEN: LYDIA RICHTER, HELENE KÜHN, JULIA ROGGENBUCK. <em>Nicht selten sind wir erstaunt, wie breit gefächert viele Forschungsgebiete doch sind und zu welchen Themen es alles Studien gibt. Das haben wir auch bei unseren Recherchen zum Thema Ernährung festgestellt und eine spannende Auswahl an Studienergebnissen zu Staunen und Schmunzeln zusammengetragen &#8211; natürlich alles andere als vollständig!</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vitamine gegen Gewalt</strong><br>In einem Gefängnis konnten antisoziale Verhaltensweisen bemerkenswert reduziert werden, indem der gewöhnliche Speiseplan für sieben Tage mit einer physiologisch angemessenen Zufuhr an Vitaminen, Mineralien und essentiellen Fettsäuren ergänzt wurde.[1]</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das perfekte Essen fürs erste Date</strong><br>Laut einer Studie zur “Embodied Cognition” bewerteten Frauen, die einen würzig-scharfen Snack zu sich nahmen, im Vergleich zu Frauen, die einen süßen Snack verzehrten, Männergesichter als attraktiver und zeigten ein höheres romantisches Interesse an diesen Männern. Das wurde damit erklärt, dass Wörter wie <em>scharf </em>oder <em>heiß</em> auch mit körperlicher Attraktivität assoziiert werden.[2]</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Psychische Erkrankung und Vegetarismus</strong><br>Einiges deuten darauf hin, dass sich Vegetarier:innen einer besonders guten physischen Gesundheit erfreuen.[3] Doch wie sieht es mit der psychischen Gesundheit aus? In diesem Fall gibt es Hinweise auf einen gegenteiligen Zusammenhang. Laut einer Studie weisen Vegetarier:innen eine erhöhte Prävalenzrate verschiedener psychischer Störungen auf. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Erleben einer psychischen Störung die Wahrscheinlichkeit erhöht, sich für eine vegetarische Ernährung zu entscheiden.[4]</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit Achtsamkeit den Schokoladenkonsum reduzieren</strong> <br>Laut einer experimentellen Studie zu zwei unterschiedlichen Übungen für achtsames Essen konsumierten die Teilnehmenden der zwei Achtsamkeitsgruppen direkt im Anschluss deutlich weniger Schokolade als die Teilnehmenden der Kontrollbedingung. Hinsichtlich der Zufriedenheit und dem Wunsch der Teilnehmenden, mehr Schokolade zu konsumieren, zeigten sich jedoch keine signifikanten Unterschiede.[5]</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Empfänglichkeit für Lebensmittelwerbung sagt Gewichtszunahme bei Erwachsenen vorher</strong><br>Viele längsschnittliche Studien belegen Zusammenhänge zwischen Lebensmittelwerbung im Fernsehen und Gewichtszunahme. Der Mechanismus hinter diesem Effekt könnte in Hirnarealen liegen, die für das Verarbeiten von Belohnung zuständig sind. Yokum et al. (2014) fanden eine positive Korrelation zwischen der Aktivität im Striatum bei Lebensmittelwerbung und der Gewichtszunahme ein Jahr später.[6]</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zusammenhang zwischen Übergewicht im mittleren Alter und kognitiver Abnahme</strong><br>Eine fettreiche Ernährung im mittleren Alter wird mit späteren kognitiven Defiziten assoziiert. In Studien zeigten Teilnehmende schon nach wenigen Tagen, in denen sie eine high fat diet konsumierten, schlechtere Leistungen im Arbeits- und episodischem Gedächtnis. Personen, die sich dauerhaft fettreich ernähren und übergewichtig sind, haben später ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Der Mechanismus dahinter wird in der aus langkettigen Fettsäuren resultierenden möglichen Neuroinflammation im Hippocampus vermutet.[7]</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Persönlichkeitseigenschaften und Ernährungsentscheidungen</strong><br>Persönlichkeitseigenschaften können die Art der Ernährung beeinflussen, inklusive ob wir uns gesund oder ungesund ernähren. Sie beeinflussen auch die Neigung, die eigene Ernährung zu ändern. Personen mit höheren Scores bei Neurotizismus und Alexithymie (Unfähigkeit, Emotionen zu erkennen und zu beschreiben) zeigen eher ein ungesundes Essverhalten (z. B. hoher Zuckerkonsum, weniger Gemüse und Obst). Personen, die sich vegan ernähren, haben höhere Scores in Offenheit.[8]</p>



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<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Gesch, C. B., Hammond, S. M., Hampson, S. E., Eves, A., &amp; Crowder, M. J. (2002). Influence of supplementary vitamins, minerals and essential fatty acids on the antisocial behaviour of young adult prisoners: Randomised, placebo-controlled trial. <em>The British Journal of Psychiatry</em>, <em>181</em>(1), 22-28.<br>[2] Miska, J., Hemmesch, A. R., &amp; Buswell, B. N. (2018). Sugar, Spice, and Everything Nice: Food Flavors, Attraction, and Romantic Interest. <em>Psi Chi Journal of Psychological Research</em>, <em>23</em>(1).<br>[3] Marsh, K., Zeuschner, C., &amp; Saunders, A. (2012). Health implications of a vegetarian diet: a review. <em>American Journal of Lifestyle Medicine</em>, <em>6</em>(3), 250-267.<br>[4] Michalak, J., Zhang, X.C. &amp; Jacobi, F. Vegetarian diet and mental disorders: results from a representative community survey. <em>Int J Behav Nutr Phys Act</em> 9, 67 (2012).<br>[5] Mantzios, M., Skillett, K., &amp; Egan, H. (2019). Examining the effects of two mindful eating exercises on chocolate consumption: An experimental study. <em>European Journal of Health Psychology</em>, 26(4), 120–128<strong>.</strong><br>[6] Yokum, S., Gearhardt, A. N., Harris, J. L., Brownell, K. D., &amp; Stice, E. (2014). Individual differences in striatum activity to food commercials predict weight gain in adolescents. <em>Obesity</em>, <em>22</em>(12), 2544-2551.<br>[7] Spencer, S. J., Korosi, A., Layé, S., Shukitt-Hale, B., &amp; Barrientos, R. M. (2017). Food for thought: how nutrition impacts cognition and emotion. <em>npj Science of Food</em>, <em>1</em>(1), 7.<br>[8] Esposito, C. M., Ceresa, A., &amp; Buoli, M. (2021). The association between personality traits and dietary choices: a systematic review. <em>Advances in Nutrition</em>, <em>12</em>(4), 1149-1159.</p>
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