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	<title>diät &#8211; Psycho-Path WordPress-Seite</title>
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		<title>Ernährung und mentale Gesundheit: Ich bin, was ich esse</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Oct 2023 14:51:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#44 Ernährung]]></category>
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					<description><![CDATA[HELENE KÜHN. Eine Psychiaterin am Massachusetts General Hospital bemerkt Muster in der Ernährung ihrer Patient:innen und dem Verlauf depressiver Symptome, daraufhin beginnt sie eine Ausbildung zur Köchin. Heute leitet Uma Naidoo den Nutritional Psychiatry Service in den USA und hat ein Buch darüber geschrieben, welche Rolle die Ernährung bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen spielt. Das Feld [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">HELENE KÜHN. <em>Eine Psychiaterin am Massachusetts General Hospital bemerkt Muster in der Ernährung ihrer Patient:innen und dem Verlauf depressiver Symptome, daraufhin beginnt sie eine Ausbildung zur Köchin. Heute leitet Uma Naidoo den Nutritional Psychiatry Service in den USA und hat ein Buch darüber geschrieben, welche Rolle die Ernährung bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen spielt. Das Feld der Ernährungspsychologie ist noch relativ jung, aber durchaus vielversprechend. Ist es möglich, dass etwas so vermeintlich Einfaches, wie eine Ernährungsumstellung, als mögliche Prävention oder Intervention bei Depression eingesetzt werden kann?</em></p>



<span id="more-2139"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Seit relativ kurzer Zeit wird der Zusammenhang zwischen Ernährung und Depression erforscht. Studien, die Ernährungsweisen untersuchten, fanden Zusammenhänge zwischen einem erhöhten Depressionsrisiko und der sogenannten „Western Diet“, einer Ernährungsform, die Fast Food, stark verarbeitete Lebensmittel, gesättigte Fettsäuren und Zucker beinhaltet [1]. Wie es so oft der Fall ist, unterscheiden sich die Studien methodologisch sehr stark, sodass es schwierig ist, sich ein Gesamtbild zu verschaffen oder eine gute Empfehlung für die beste Ernährung zu geben. Trotzdem wird eine Umstellung der Ernährung zumindest als eine mögliche Form der Intervention bei Depression diskutiert. Im Folgenden sollen einige Studienergebnisse zusammengefasst werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass der Darm und das Gehirn eng miteinander verbunden sind, ist schon länger bekannt (und kann außerdem auch im Psycho-Path in der Ausgabe 37 nachgelesen werden). Dementsprechend kann die Ernährungsform über den Vagusnerv, der unter anderem die Verbindung zwischen beiden herstellt, einen Einfluss auf das Gehirn haben. Die Art der Ernährung führt dabei zu Veränderungen im Mikrobiom, was wiederum einen Einfluss auf das Verhalten haben kann, also zum Beispiel depressives oder ängstliches Verhalten bedingen kann [7].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine groß angelegte Studie mit fast 15000 Studierenden in Spanien verfolgte die Ernährung und die Entwicklung depressiver Symptome über 10 Jahre [2]. Während zu Beginn keine:r der Teilnehmenden depressive Symptome zeigte, berichten die Autor:innen von 774 Fällen von Depressionen zum Zeitpunkt des Follow-Up. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang mit der Ernährung: Personen, die eher stark verarbeitete energiereiche Lebensmittel zu sich nahmen, die per Definition wenig Ballaststoffe und wenige wichtige Nährstoffe enthalten, hatten ein höheres Risiko, depressive Symptome zu entwickeln. Eine wichtige Rolle könnte dabei der Mangel an bestimmten Mikronährstoffen spielen, die in stark verarbeiteten Lebensmitteln nicht oder in zu geringen Mengen vorkommen. Dazu zählen Vitamine, Minerale, aber auch Omega-3-Fettsäuren, die wichtig für eine gesunde Hirnfunktion sind. Besonders bekannt sind die Vitamine B12 und D, wobei ein Mangel mit verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen im Zusammenhang steht. Stark verarbeitete Lebensmittel beinhalten gleichzeitig mehr Trans-Fettsäuren sowie Zucker, wobei beides&nbsp; auch mit einem erhöhten Depressionsrisiko in Verbindung gebracht wurde [6]. Bei einer eher einseitigen Ernährung, die zum Beispiel der Western Diet folgt, nimmt auch die Diversität der Bakterien im Darm ab. Das begünstigt eine Vermehrung „schlechter“ Bakterien, die gesundheitsschädliche Folgen haben können. Unter anderem über diesen Mechanismus können Lebensmittel die chemischen Signale, die über den Vagusnerv vom Darm zum Gehirn gelangen, verändern [4].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen schützenden Effekt scheint die sogenannte mediterrane Diät zu haben. Dabei handelt es sich um eine Ernährungsform, die viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und ungesättigte Fettsäuren enthält, aber wenig Fleisch- und Milchprodukte beinhaltet. Viele Studien weisen darauf hin, dass Personen, die sich eher gemäß einer mediterranen Diät ernähren, ein geringeres Risiko haben, eine Depression zu entwickeln. Diese Ernährungsform erhöht die Anzahl bestimmter förderlicher Bakterien, die einen positiven Einfluss auf kurzkettige Fettsäuren haben, die wiederum Hormone beeinflussen, welche Effekte im Gehirn bedingen und über diesen Mechanismus Verhalten beeinflussen können [3].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Studien untersuchen den Einfluss der Ernährung auf das Risiko, eine Depression zu entwickeln. In einem Review wurden einige Studien zusammengefasst, die depressive Patient:innen untersuchten, die an Diätinterventionen teilnahmen. Die Interventionen umfassten unter anderem eine mediterrane Diät, Fettreduzierung oder eine erhöhte Vollkornaufnahme. In allen Studien fielen Verbesserungen depressiver Symptome nach der Intervention auf, wenn auch im Rahmen sehr verschiedener Zeitfenster (10 Tage bis ein Jahr) und mit verschiedenen Messinstrumenten für depressive Symptome [5].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund dieser Ergebnisse ist es nicht abwegig, eine Änderung der Ernährung als eine mögliche therapiebegleitende Intervention bei Depression einzusetzen. Vor allem eine antiinflammatorische, antioxidante Diät, also mediterrane Diät, scheint bis zu einem gewissen Grad depressive Symptome verhindern oder verringern zu können. Das bedeutet, dass auch gesunde Personen über ihre Ernährung ihrer psychischen Gesundheit etwas Gutes tun können – was natürlich keineswegs heißt, dass gänzlich auf das gelegentliche Fast Food oder die Schokolade verzichtet werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Adjibade, M., Julia, C., Allès, B., Touvier, M., Lemogne, C., Srour, B., Hercberg, S., Galan, P., Assmann, K. E., &amp; Kesse-Guyot, E. (2019). Prospective association between ultra-processed food consumption and incident depressive symptoms in the French NutriNet-Santé cohort. <em>BMC Medicine</em>, <em>17</em>(1), 78. https://doi.org/10.1186/s12916-019-1312-y<br>[2] Gómez-Donoso, C., Sánchez-Villegas, A., Martínez-González, M. A., Gea, A., Mendonça, R. D. D., Lahortiga-Ramos, F., &amp; Bes-Rastrollo, M. (2020). Ultra-processed food consumption and the incidence of depression in a Mediterranean cohort: The SUN Project. <em>European Journal of Nutrition</em>, <em>59</em>(3), 1093–1103. https://doi.org/10.1007/s00394-019-01970-1<br>[3] Lassale, C., Batty, G. D., Baghdadli, A., Jacka, F., Sánchez-Villegas, A., Kivimäki, M., &amp; Akbaraly, T. (2019). Healthy dietary indices and risk of depressive outcomes: A systematic review and meta-analysis of observational studies. <em>Molecular Psychiatry</em>, <em>24</em>(7), 965–986. https://doi.org/10.1038/s41380-018-0237-8<br>[4] Naidoo, U. (2020). <em>This is Your Brain on Food: An Indispensable Guide to the Surprising Foods that Fight Depression, Anxiety, PTSD, OCD, ADHD, and More.</em> Hachette.<br>[5] O’Neill, S., Minehan, M., Knight-Agarwal, C. R., &amp; Turner, M. (2022). Depression, Is It Treatable in Adults Utilising Dietary Interventions? A Systematic Review of Randomised Controlled Trials. <em>Nutrients</em>, <em>14</em>(7), 1398. https://doi.org/10.3390/nu14071398<br>[6] Sánchez-Villegas, A., Verberne, L., De Irala, J., Ruíz-Canela, M., Toledo, E., Serra-Majem, L., &amp; Martínez-González, M. A. (2011). Dietary Fat Intake and the Risk of Depression: The SUN Project. <em>PLoS ONE</em>, <em>6</em>(1), e16268. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0016268<br>[7] Sandhu, K. V., Sherwin, E., Schellekens, H., Stanton, C., Dinan, T. G., &amp; Cryan, J. F. (2017). Feeding the microbiota-gut-brain axis: Diet, microbiome, and neuropsychiatry. <em>Translational Research</em>, <em>179</em>, 223–244. https://doi.org/10.1016/j.trsl.2016.10.002</p>
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		<title>Essen gegen Epilepsie?</title>
		<link>https://psycho-path.de/essen-gegen-epilepsie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Oct 2023 04:21:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wie ketogene Ernährung zur Verringerung der Anfallshäufigkeit beitragen kann REBECCA SIEBERT. Schon in der Antike empfahl der „Vater der Medizin”, Hippokrates, Patient:innen mit Epilepsie striktes Fasten [1]. So modern Buzzwords wie „Intervallfasten”, „Low-Carb” oder „Paleo-Diät” also klingen mögen, die Erkenntnis, dass sich unsere Ernährung auf unsere Gesundheit auswirkt, ist keine neue. Aber welche Rolle spielt [&#8230;]]]></description>
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<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Wie ketogene Ernährung zur Verringerung der Anfallshäufigkeit beitragen kann</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">REBECCA SIEBERT. <em>Schon in der Antike empfahl der „Vater der Medizin”, Hippokrates, Patient:innen mit Epilepsie striktes Fasten [1]. So modern Buzzwords wie „Intervallfasten”, „Low-Carb” oder „Paleo-Diät” also klingen mögen, die Erkenntnis, dass sich unsere Ernährung auf unsere Gesundheit auswirkt, ist keine neue. Aber welche Rolle spielt die Ernährung heutzutage in der Behandlung von Epilepsien?</em></p>



<span id="more-2164"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>HISTORISCHER HINTERGRUND</strong><br>Nach seiner ersten Blütezeit in den 1920er Jahren geriet der Ansatz einer Ernährungsumstellung bei Epilepsiepatient:innen Ende der 1930er Jahre zunächst wieder in Vergessenheit [1]. Eine rein medikamentöse Behandlung erschien vielen Ärzt:innen als deutlich angenehmer und weniger aufwändig. Denn auch wenn die ketogene Diät, die bei Epilepsiepatient:innen eingesetzt wird, nicht mehr so asketisch ist, wie das Fasten von Hippokrates, so ist sie doch mit starken Einschränkungen und sehr viel Disziplin verbunden. Hinzu kam, dass Ende der 1930er Jahre neue antikonvulsive Medikamente, welche bei Epilepsien verschrieben werden, entwickelt wurden. Diese Art der Medikamente hebt die Schwelle der Reizstärke an, die benötigt wird, damit Neurone feuern. Dadurch treten Überreizungen und daraus folgende epileptische Anfälle seltener bis gar nicht mehr auf [12]. Die neuen Medikamente zeigten eine gute Wirksamkeit ohne die starken Nebenwirkungen, die bis dahin mit dieser Klasse an Medikamenten einhergingen [1].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>MEDIKAMENTENRESISTENTE EPILEPSIE</strong><br>Die rein medikamentöse Behandlung ist, wenn sie wirkt, sehr effektiv. In ca. 30% der Fälle helfen Medikamente den Betroffenen jedoch nicht. Man spricht dann von einer medikamentenresistenten Epilepsie (DRE; engl. drug-resistant epilepsy) [16, 17]. Damit diese Diagnose vergeben wird, müssen Patient:innen zuvor erfolglos zwei verschiedene Antikonvulsiva einzeln oder als Kombinationstherapie verabreicht bekommen haben [17].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><strong>DIE CHRONISCHE ERKRANKUNG EPILEPSIE IST NICHT DASSELBE WIE EIN EPILEPTISCHER ANFALL!</strong><br><br><strong>Definition epileptischer Anfall</strong><br>Epileptische Anfälle sind kurze Phasen, während derer eine Gruppe von Neuronen im Gehirn gleichzeitig zu stark feuert, was die normale Hirnaktivität beeinträchtigt [15, 18]. Das kann sich in sehr verschiedenen Symptomen ausdrücken. Oft sind Betroffene unwillkürlichen Bewegungen oder Versteifungen der Muskeln eines Teils oder ihres gesamten Körpers ausgesetzt. In manchen Fällen wirken epileptische Anfälle aber auch eher wie kurze Aussetzer: Betroffene starren zum Beispiel kurz vor sich hin und sind nicht ansprechbar. Es kann auch vorkommen, dass Betroffene sich innerlich ängstlich fühlen oder ein Déjà-Vu erleben und der Anfall für Außenstehende nicht sichtbar ist. Bei manchen dieser Anfälle kommt es zum Bewusstseinsverlust, des Öfteren auch zu Einnässen oder Einkoten [14]. Die Symptome variieren deshalb so stark, weil Anfälle überall im Gehirn ausgelöst werden können und somit auch alle Funktionen, die durch das Gehirn gesteuert werden, betroffen sein können [14].<br><br><strong>Definition Epilepsie</strong><br>Bei einer Epilepsie kommt es wiederholt zu epileptischen Anfällen. Wie häufig die Anfälle auftreten und wie lange sie andauern, ist von Person zu Person unterschiedlich [18]. Diagnostiziert wird eine Epilepsie, wenn mindestens zwei epileptische Anfälle, ohne ersichtlichen Auslöser, mit einem zeitlichen Abstand von mindestens 24 Stunden auftreten [14]. Epilepsien können verschiedene Ursachen haben, wie unter anderem erworbene Hirnschädigungen durch Geburtskomplikationen, schwere Kopfverletzungen, Infektionen des Gehirns, Schlaganfälle oder Gehirntumore, aber auch genetisch bedingte Fehlbildungen des Gehirns. In ungefähr der Hälfte der Fälle bleibt die genaue Ursache unbekannt [18].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>WAS BEDEUTET „KETOGENE ERNÄHRUNG&#8220;?</strong><br>Bei der ketogenen Ernährung werden kohlenhydrathaltige Lebensmittel auf ein Minimum reduziert, während der Konsum von „gesunden” (ungesättigten) Fettsäuren deutlich erhöht wird. Proteine (Eiweiße) machen einen weiteren wichtigen Bestandteil dieser Ernährungsform aus. Das Verhältnis zwischen<br>den Lebensmittelgruppen setzt sich typischerweise folgendermaßen zusammen: 75% Fette, 20% Proteine, 5% Kohlenhydrate [6]. Inzwischen gibt es allerdings auch Alternativ-Diäten, mit nur 60-65% Fetten, 25-30% Proteinen und 10% Kohlenhydraten [3]. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EINSATZ KETOGENER ERNÄHRUNGSANSÄTZE BEI EPILEPSIE</strong><br>Als letzter Versuch vor einem sehr invasiven, operativen Eingriff zum Entfernen des Epilepsieherds (also der Gehirnregion, in der die epileptischen Anfälle beginnen), ist das Mittel der Wahl oft die ketogene Ernährungsweise [17]. Diese wird nicht alleinig, sondern in Kombination mit der bestehenden medikamentösen Behandlung eingesetzt [7]. Am häufigsten wird diese Behandlung für Kinder gewählt. Durch die Unterstützung der Eltern in der Planung und Zubereitung der Gerichte ist es leichter als bei Erwachsenen, die Ernährung zu kontrollieren und die notwendige Beschränkung auf im Rahmen der Diät erlaubte Lebensmittel durchzusetzen [2, 10]. Jedoch werden leichter einzuhaltende und trotzdem (wenn auch etwas weniger) wirksame Diäten wie die Modifizierte Atkins Diät (MAD) inzwischen auch bei Jugendlichen und Erwachsenen eingesetzt [2, 6, 16]. Bei dieser Variante müssen Patient:innen ihr Essen nicht akribisch abwiegen, um das Verhältnis zwischen den Lebensmittelgruppen einzuhalten. Die Kohlenhydratmenge wird weiterhin kontrolliert, ist aber nicht ganz so stark begrenzt, wie bei der klassischen Keto-Diät. Außerdem ist ein größerer Eiweißanteil erlaubt und Flüssigkeiten können unbegrenzt eingenommen werden [6].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>VERMUTETE WIRKMECHANISMEN</strong><br>Die Diät führt bei mehr als 50% der Patient:innen zu mindestens einer Halbierung der Anfallshäufigkeit, bei einigen sogar zu kompletter Anfallsfreiheit [1, 6, 10, 12, 17]. Zudem wirkt sich die Ernährungsumstellung positiv auf den Wachsamkeitsaspekt der Aufmerksamkeit von Patient:innen aus, vermutlich nicht allein durch die Ernährung, sondern auch durch die verringerte Häufigkeit an Anfällen [16]. Wie genau die ketogene Ernährung das Risiko epileptischer Anfälle reduziert, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Ernährungsumstellung scheint sich auf mehrere unterschiedliche Prozesse im Körper auszuwirken und ihr Erfolg bei der Epilepsiebehandlung könnte somit auch auf einer Kombination dieser Auswirkungen beruhen. Die wichtigsten der durch Studien gestützten Theorien sollen hier kurz vorgestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ketogene Ernährung wirkt sich, grob erklärt, folgendermaßen auf den Energiestoffwechsel des Körpers aus: normalerweise bezieht der Körper einen Großteil seiner Energie aus Glucose (Traubenzucker), welche in vielen kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln enthalten ist. Der geringe Anteil an Kohlenhydraten in der Keto-Diät führt dazu, dass im Körper weniger Glukose vorhanden ist. Dadurch stellt der Körper seinen Energiestoffwechsel um und benutzt statt Glukose sogenannte Ketonkörper, die beim Abbau von Fettsäuren entstehen [6, 11]. Dieser veränderte Zustand wird Ketose genannt. Durch den hohen Anteil an Fetten in der Keto-Diät wird diese Umstellung beibehalten, bis wieder mehr Kohlenhydrate konsumiert werden. „Cheat-Days”, also Tage, an denen man sich eine Pause von der strikten Diät gönnt, sind im Falle der Keto-<br>Diät bei Epilepsiepatient:innen nicht empfohlen, da sie danach jedes Mal von vorne beginnen müssten, den Körper wieder in eine Ketose zu versetzen [6].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><strong>GUT ZU WISSEN</strong><br>Es gestaltet sich schwierig, doppelblinde Studien zur Wirksamkeit der Keto-Diät durchzuführen. Man merkt den Patient:innen durch den für die Keto-Diät charakteristischen säuerlichen Mundgeruch oft an, dass sie zur Treatment-Gruppe gehören. Außerdem ist es schwierig für die Kontrollgruppe nicht-keto Gerichte zusammenzustellen, die sich optisch nicht von denen der Treatment-Gruppe unterscheiden [1].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die veränderten Anteile der Lebensmittelzusammensetzung und den in<br>Folge veränderten Energiestoffwechsel steigt die Anzahl an Ketonkörpern und an mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Körper an [17]. Das scheint eine neuroprotektive Wirkung zu haben, also zur Aufrechterhaltung von gesunden Zellen im Gehirn beizutragen. Denn das Verstoffwechseln der Ketonkörper läuft langsamer ab und produziert und speichert mehr Energie als der Glukose-Stoffwechsel. Über verschiedene Mechanismen führt das zum einen zu einer Hyperpolarisation der Zellmembranen und damit zu einer angehobenen Feuerschwelle, was epileptischen Anfällen entgegenwirkt. Zum anderen entstehen weniger freie Sauerstoffradikale als Beiprodukt, welche in einer Übermenge zu oxidativem Stress führen [5, 11, 17]. Durch die verringerte Anzahl von freien Sauerstoffradikalen bei einer Keto-Diät werden Zellen vor Beschädigung geschützt.<br>Langfristig werden die Neurone widerstandsfähiger und bleibende Gewebeschäden im Gehirn werden durch das Verhindern des Zelltods, einem weiteren Effekt der Keto-Diät, reduziert [17]. Das ist wichtig, da durch die starke neuronale Hyperaktivität während besonders langanhaltender epileptischer Anfälle Hirngewebe zu Schaden kommen kann [8].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Produktion des im Gehirn wichtigen inhibierenden Neurotransmitters<br>GABA wird durch den Ketose-Stoffwechsel angeregt. Das hilft zusätzlich, die neuronalen Membranen zu hyperpolarisieren, also ein Feuern der Neurone erst bei deutlich mehr Stimulation zu ermöglichen [17].Zu guter Letzt wird auch ein Zusammenhang zwischen Epilepsie und dem Mikrobiom (der Bakterien und anderen Mikroorganismen) im Darm angenommen [4]. Patient:innen, bei denen Epilepsie-Medikamente wirksam waren, wiesen ein Mikrobiom auf, welches dem von gesunden Menschen ähnelte. Bei jenen, die eine DRE diagnostiziert bekommen hatten, war die Zusammensetzung der Bakterien verändert [9]. Eine Möglichkeit, die Zusammensetzung des Mikrobioms im Darm wieder in eine gesündere Richtung zu verändern, bietet die ketogene Ernährung [9]. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hat auch die Keto-Diät, wie fast alle Behandlungen, Nebenwirkungen. Durch den Übergang vom Glukose-Stoffwechsel hin zum Ketose-Stoffwechsel können sich Patient:innen für einige Tage erschöpfter fühlen als sonst [6]. Bei langfristiger Anwendung der Diät kann es bei Kindern unter anderem zu Beeinträchtigungen im Wachstum kommen, zu chronischer Verstopfung oder auch zu Nierensteinen [6]. In vielen Fällen wird die Keto-Diät allerdings nur ungefähr zwei Jahre lang angewendet und es werden zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel verabreicht [10]. Wenn sich die Epilepsie verbessert hat, können Patient:innen nach und nach wieder alles essen [6, 12, 18].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Bailey, E. E., Pfeifer, H. H., &amp; Thiele, E. A. (2005). The use of diet in the treatment of epilepsy. Epilepsy &amp; Behavior, 6(1), 4–8. https://doi.org/10.1016/j.yebeh.2004.10.006<br>[2] Ciattei, J. (2023, May 16). Ketogenic diet therapy for epilepsy: The Johns Hopkins Epilepsy Center. Johns Hopkins Medicine. https://www.hopkinsmedicine.org/neurology_neurosurgery/centers_clinics/epilepsy/diet-therapy.html<br>[3] D’Andrea Meira, I., Romão, T. T., Pires do Prado, H. J., Krüger, L. T., Pires, M. E., &amp; da Conceição, P. O. (2019). Ketogenic diet and epilepsy: What we know so far. Frontiers in Neuroscience, 13. https://doi.org/10.3389/fnins.2019.00005<br>[4] Deutsche Zentren für Gesundheitsforschung. (1970, June 6). Mikrobiom. Mikrobiom | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung. https://www.dzif.de/de/glossar/mikrobiom<br>[5] Dix, M. (2018, September 29). Oxidative stress: Definition, effects on the body, and prevention. Healthline. https://www.healthline.com/health/oxidative-stress#effects<br>[6] Dolson, L. (2023, May 5). How to follow a ketogenic diet for epilepsy. Verywell Health. https://www.verywellhealth.com/ketogenic-diet-for-epilepsy-2241627<br>[7] Epilepsy Foundation. (n.d.). Diets. Epilepsy Foundation. https://epilepsyfoundation.org.au/understanding-epilepsy/treatments-and-management/diets/<br>[8] Epilepsy Foundation. (n.d.). Meeting news: Do seizures damage the brain?. Epilepsy Foundation. https://www.epilepsy.com/stories/meeting-news-do-seizures-damage-brain<br>[9] Fan, Y., Wang, H., Liu, X., Zhang, J., &amp; Liu, G. (2019). Crosstalk between the ketogenic diet and epilepsy: From the perspective of gut microbiota. Mediators of Inflammation, 2019, 1–9. https://doi.org/10.1155/2019/8373060<br>[10] International League Against Epilepsy. (n.d.). Ketogenic diet basics. Ketogenic Diet Basics. https://www.ilae.org/patient-care/ketogenic-diets/basics<br>[11] Kim, D. Y., &amp; Rho, J. M. (2008). The ketogenic diet and epilepsy. Current Opinion in Clinical Nutrition and Metabolic Care, 11(2), 113–120. https://doi.org/10.1097/mco.0b013e3282f44c06<br>[12] Kossoff, E., &amp; Sirven, J. I. (2017, October 25). Ketogenic diet. Epilepsy Foundation. https://www.epilepsy.com/treatment/dietary-therapies/ketogenic-diet#Can-the-diet-ever-be-stopped?<br>[13] Lubliner, A. (2019, August 22). Antiepileptika. Antiepileptika: Medikamente, Wirkstoffe &amp;amp; Anwendungsgebiete. https://www.onmeda.de/therapie/wirkstoffgruppen/antiepileptika-id205081/<br>[14] Mayo Foundation for Medical Education and Research. (2023, April 28). Epilepsy. Mayo Clinic. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/epilepsy/symptoms-causes/syc-20350093<br>[15] Nationwide Children’s Hospital. (n.d.). Epilepsy. Causes, Symptoms, Diagnosis and Treatment. https://www.nationwidechildrens.org/conditions/epilepsy<br>[16] van Berkel, A. A., IJff, D. M., &amp; Verkuyl, J. M. (2018). Cognitive benefits of the ketogenic diet in patients with epilepsy: A systematic overview. Epilepsy &amp; Behavior, 87, 69–77. https://doi.org/10.1016/j.yebeh.2018.06.004<br>[17] Verrotti, A., Lapadre, G., Di Francesco, L., Zagaroli, L., &amp; Farello, G. (2020). Diet in the treatment of epilepsy: What we know so far. Nutrients, 12(9). https://doi.org/10.3390/nu12092645<br>[18] World Health Organization. (n.d.). Epilepsy. World Health Organization. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/epilepsy</p>
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