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	<title>altruismus &#8211; Psycho-Path WordPress-Seite</title>
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	<description>Zeitung, Veranstaltungen von und für Psychologie-Studierende und jede Menge Süßes</description>
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		<title>Gutmenschen – Weltverbesserer – Effektiver Altruismus</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2022 07:54:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[YVONNE FRIEDRICH. Du sparst Strom, kaufst Fairtrade und in deiner Freizeit hilfst du bei der Tafel? Bringt alles nichts, sagt der Effektive Altruismus. Er hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viel Gutes in der Welt zu bewirken. Soweit nichts Neues. Aber anders. Wissenschaftlich abgesichert, rational abwägend und Kalkül statt emotionsbasiert. Er beschreibt sich als Ansatz, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>YVONNE FRIEDRICH. <strong>Du sparst Strom, kaufst Fairtrade und in deiner Freizeit hilfst du bei der Tafel? Bringt alles nichts, sagt der Effektive Altruismus. Er hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viel Gutes in der Welt zu bewirken. Soweit nichts Neues. Aber anders. Wissenschaftlich abgesichert, rational abwägend und Kalkül statt emotionsbasiert. Er beschreibt sich als Ansatz, der Kopf und Herz verbindet.</strong></p>
<p><span id="more-1910"></span></p>
<p>Dabei erscheint er zunächst sehr kopflastig. Die ökonomische Ausgangslage legt er in die Begrenztheit unserer Ressourcen Zeit und Geld. Nun fragt sich der Effektive Altruismus, im Folgenden EA abgekürzt (um der Effizienz der Effektivität Rechnung zu tragen): Wie können Zeit und Geld so eingesetzt werden, dass sie den maximal positiven Effekt erzielen? Die Beantwortung dieser Frage erfordert eine Abwägung von Kosten und Nutzen. Aufseiten des Nutzens fordert er die wissenschaftliche Untersuchung von Wirksamkeit. Aufseiten der Kosten betrachtet er, wofür die Ressourcen Zeit und Geld alternativ eingesetzt werden könnten. Das bietet eine neue Perspektive im Vergleich von verschiedenen Hilfsorganisationen, Berufen und Konsumverhalten. Die konkreten Implikationen werden in den ersten drei Abschnitten des Artikels vorgestellt.</p>
<p>Zur besseren Einordnung des Konzepts sollte erwähnt werden, dass der EA an den ethischen Utilitarismus angelehnt ist. Dieser bewertet Handlungen nach ihren Folgen und ihrem Nutzen, nicht nach ihrer Intention. Eine Spende an eine unwirksame Hilfsorganisation ist demzufolge zwar gut gemeint, aber eigentlich schädlich, da dasselbe Geld anderswo einen viel größeren positiven Effekt gehabt hätte. Dieser Grundgedanke wird an folgendem Beispiel illustriert. Die Ausbildung eines Blindenhundes in den Staaten kostet etwa 50.000 Dollar. Mit demselben Geld könnte aber auch die Operation von 500 Menschen in Entwicklungsländern finanziert werden, die an einem Trachom leiden. Sie würden somit vor dem Erblinden bewahrt werden. Für den Effektiven Altruisten ist die Wahl klar. Für ihn ist jedes Menschenleben gleich viel wert – egal ob in Deutschland oder Afrika. So erläutert es zumindest Peter Singer in seinem TED Talk „The why and how of effective altruism”. Er gilt als einer der Wegbereiter des EA und gehört schon zu den alten Hasen des ansonsten noch sehr jungen Ansatzes.</p>
<p>Auch William MacAskill gehört zu den Multiplikator:innen des EA. Mit seinen 29 Jahren hat er es gerade mal zum Oxford-Professor gebracht. Er beginnt sein Buch „Gutes besser tun“ mit einem eindrücklichen Beispiel. PlayPump ist ein Projekt, das den Bau von speziellen Wasserpumpen in Afrika finanziert. Designt wie klassische Kinderspielplatzkarusselle soll nur mithilfe kindlicher Spielenergie Wasser zutage befördert werden. Im Jahr 2000 gewann das Hilfsprojekt den World Bank Development Marketplace Award und hatte bis 2009 etwa 1.800 PlayPumps in Südafrika, Mosambik, Swasiland und Sambia installiert. <br>Der einzige Haken: Eine Untersuchung von UNICEF [1] entlarvte den praktischen Nutzen der PlayPumps. Das Karussell anzuschieben erforderte viel Kraft, sodass die Kinder bald erschöpft waren. Letztlich schoben die Frauen selbst das Karussell an, was sie als ermüdend und erniedrigend empfanden. Obendrein förderten die PlayPumps fünfmal weniger Wasser als die früheren Handpumpen, waren aber viermal so teuer. Demgegenüber stellt William MacAskill die Arbeit einer niederländischen Hilfsorganisation namens Investing in Children and Their Societies, ICS. Diese untersuchte die Effekte verschiedener Maßnahmen, um die Bildung kenianischer Kinder zu fördern, mit randomisierten&nbsp; Kontrollgruppen. Die anfänglichen Ergebnisse waren ernüchternd: Neue&nbsp; Schulbücher: kein Effekt. Zusätzliche Lehrer: kein Effekt. Kostenlose Schuluniformen: kein Effekt. [2] Das Erfolgsrezept waren Wurmkuren. Sie verringerten die Abwesenheitsraten um 25 Prozent. Folgestudien zeigten auf, dass diejenigen, die als Schüler entwurmt worden waren, durchschnittlich 20 Prozent mehr verdienten als die Kontrollprobanden.[3]</p>
<p></p>
<p><span style="color: #008080;"><strong>GIVE WELL: EFFEKTIV SPENDEN</strong></span></p>
<p>Jeden Tag sterben 16.000 Kinder an vermeidbaren Krankheiten. Sogar jemand, der in den USA unter der Armutsgrenze von 11.000 Dollar Jahresgehalt lebt, ist immer noch reicher als 85 Prozent der Weltbevölkerung. Diese extrem ungleiche Verteilung führt dazu, dass wir mit dem gleichen Geldbetrag in armen Ländern 100-mal mehr bewirken als in unserem Heimatland. William MacAskill nennt dies den100x Multiplikator und empfiehlt, nicht an Hilfsprojekte in Industrienationen zu spenden.</p>
<p>Der Effektive Altruismus hat das Spenden neu entdeckt. Die meisten Menschen spenden aus persönlicher Betroffenheit. Ein Todesfall in der Familie, ein Unglück im lieb gewonnenen Urlaubsland, eine Reportage über eine schlimme Krankheit. Wir wollen beeinflussen, was uns berührt. Der EA will unterstützen, was wirklich funktioniert. Deshalb gibt es Give Well. Klassische Vergleichsportale betrachten lediglich das Verhältnis von bürokratischen Kosten und Mitteln, die tatsächlich bei den Bedürftigen ankommen. Doch das reicht nicht, sagt die Meta-Organisation, die dem Gedanken des Effektiven Altruismus Rechnung tragen will. Zur Evaluation von Hilfswerken zieht sie vier zentrale Kriterien heran:</p>
<ol>
<li><strong><span dir="ltr" role="presentation">Nachweis der Wirksamkeit:</span></strong> <span dir="ltr" role="presentation">Gibt es Untersu</span><span dir="ltr" role="presentation">chungen zur Wirksamkeit? Wie verlässlich er</span><span dir="ltr" role="presentation">scheinen sie? Gibt es Metaanalysen? Erfolgten diese von&nbsp; unabhängiger Stelle?</span></li>
<li><span dir="ltr" role="presentation"><strong> Kostenwirksamkeit:</strong> Wie viel finanzielle Mittel müssen eingesetzt werden, um ein Menschenleben zu retten? Wie hoch sind die Kosten für ein Quality-adjusted Life Year, QALY? Zur Erläuterung: Ein qualitätskorrigiertes Lebensjahr stützt sich auf Umfragedaten zur Lebensqualität mit verschiedenen Krankheiten oder Behinderungen. Die Lebensqualität nach einem überstandenen Schlaganfall wird<br role="presentation">beispielsweise auf 75 Prozent eingestuft.</span></li>
<li><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Potenzial zur Nutzung zusätzlicher Finanzmittel:</strong> Macht mein Beitrag einen Unterschied? Wie schwer fällt es der Organisation, die Tätigkeiten auszuweiten?</span></li>
<li><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Transparenz/Implementierung:</strong> Gesteht die Organisation vergangene Fehler ein? Ist sie offen für Untersuchungen und Evaluationen?</span></li>
</ol>
<p><strong><span dir="ltr" style="color: #008080;" role="presentation">AND THE WINNER IS ..</span></strong></p>
<p>W<span dir="ltr" role="presentation">elche Hilfsorganisation konnte all diesen Krite</span><span dir="ltr" role="presentation">rien standhalten? Zumindest keine der bekannten. </span><span dir="ltr" role="presentation">Wer nach Amnesty International, UNICEF oder dem&nbsp; </span><span dir="ltr" role="presentation">Deutschen Roten Kreuz schaut, sucht vergeblich. </span><span dir="ltr" role="presentation">Solche großen Organisationen haben zu viele </span><span dir="ltr" role="presentation">verschiedene Projekte, die nicht einheitlich bewertet </span><span dir="ltr" role="presentation">werden können und unter denen sich zwangsläufig </span><span dir="ltr" role="presentation">bessere und schlechtere befinden. Give Well emp</span><span dir="ltr" role="presentation">fiehlt daher Hilfswerke zu unterstützen, die sich auf </span><span dir="ltr" role="presentation">ein wirklich effektives Programm konzentrieren.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Deshalb befindet sich die Against Malaria Foun</span><span dir="ltr" role="presentation">dation auf Platz eins. Sie stellt Gelder für robuste, </span><span dir="ltr" role="presentation">mit Insektiziden behandelte Bettnetze für Haushalte</span><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">in Subsahara-Afrika bereit. Das Kosten-Nutzen-Ver</span><span dir="ltr" role="presentation">hältnis ist nicht schlecht. Ein Bettnetz kostet etwa </span><span dir="ltr" role="presentation">5 bis 7 Dollar, ein QALY etwa 100 Dollar, die Rettung</span><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">eines Menschenlebens 3.400 Dollar. </span><span dir="ltr" role="presentation">Weiter aufgeführt wird GiveDirectly, das Barüber</span><span dir="ltr" role="presentation">weisungen an Familien in Kenia und Uganda orga</span><span dir="ltr" role="presentation">nisiert. Von jedem Spendendollar stehen den Emp</span><span dir="ltr" role="presentation">fängern 0,90 Dollar zur freien Verfügung &#8211; ganz ohne </span><span dir="ltr" role="presentation">Bedingungen. Auch die Deworm the World Initiative </span><span dir="ltr" role="presentation">aus der Einleitung begegnet uns hier wieder. Sie un</span><span dir="ltr" role="presentation">terstützt die Entwurmung von Kindern in Entwick</span><span dir="ltr" role="presentation">lungsländern. </span><span dir="ltr" role="presentation">Insgesamt wird die Dominanz von Gesundheits</span><span dir="ltr" role="presentation">programmen in Entwicklungsländern augenschein</span><span dir="ltr" role="presentation">lich. Begründen lässt sich die Tatsache damit, dass </span><span dir="ltr" role="presentation">sie sich direkt auf die verwendeten Maße wie QALYs </span><span dir="ltr" role="presentation">und gerettete Menschenleben auswirken.</span></p>
<p></p>
<p><strong><span style="color: #008080;"><span dir="ltr" role="presentation">80,000 HOURS – LEBENSARBEITSZEIT NUT</span><span dir="ltr" role="presentation">ZEN</span></span></strong></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Durchschnittlich arbeiten wir 80.000 Stunden in </span><span dir="ltr" role="presentation">unserem Leben. Die Organisation 80,000 hours geht </span><span dir="ltr" role="presentation">der Frage nach, warum wir uns nicht nur über den </span><span dir="ltr" role="presentation">sozialen Impact unseres Ehrenamtes, sondern viel</span><span dir="ltr" role="presentation">mehr über den unserer Berufswahl Gedanken ma</span><span dir="ltr" role="presentation">chen sollten. Neben einer kostenlosen individuellen</span><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">Berufsberatung bietet ihre Webseite auch generelle </span><span dir="ltr" role="presentation">Empfehlungen. </span><span dir="ltr" role="presentation">Um eines vorwegzunehmen: Den Beruf des Arz</span><span dir="ltr" role="presentation">tes/der Ärztin findet man nicht an erster Stelle. Es geht nicht </span><span dir="ltr" role="presentation">um die direkte persönliche Wirkung, sondern darum, </span><span dir="ltr" role="presentation">einen Unterschied auszumachen. Die zentrale Frage </span><span dir="ltr" role="presentation">lautet: Wie viel effektiver wäre ich in der&nbsp; Position als </span><span dir="ltr" role="presentation">der- oder diejenige, der/die sonst den Job übernommen hätte? </span><span dir="ltr" role="presentation">Eine Ärztin in den USA rettet durchschnittlich 30 Le</span><span dir="ltr" role="presentation">ben während ihrer Berufszeit, ein&nbsp; Arzt in einem Ent</span><span dir="ltr" role="presentation">wicklungsland etwa 300</span> <span dir="ltr" role="presentation">[4]</span><span dir="ltr" role="presentation">. Ein minimal schlechter </span><span dir="ltr" role="presentation">qualifizierter Arztwürde vielleicht 28 beziehungswei</span><span dir="ltr" role="presentation">se 280 Menschenleben retten. Also hätte die erstge</span><span dir="ltr" role="presentation">nannte Ärztin effektiv nur 2 oder 20 Menschenleben </span><span dir="ltr" role="presentation">gerettet. </span><span dir="ltr" role="presentation">Würde sie mit demselben Potenzial allerdings In</span><span dir="ltr" role="presentation">vestmentbanker werden und alles über 18.000 Dol</span><span dir="ltr" role="presentation">lar Jahresgehalt spenden (wie W. MacAskill), könnte </span><span dir="ltr" role="presentation">sie mit diesem Geld vielleicht 2 zusätzliche Ärzt:innen fi</span><span dir="ltr" role="presentation">nanzieren und hätte 60 beziehungsweise 600 Men</span><span dir="ltr" role="presentation">schenleben gerettet. Ein alternativer Investmentban</span><span dir="ltr" role="presentation">ker hätte dagegen nicht gespendet. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Dieser Ansatz wird tatsächlich vom EA verfolgt </span><span dir="ltr" role="presentation">und nennt sich Earning to Give. Damit sich allerdings </span><span dir="ltr" role="presentation">niemand mit anfänglich guten Absichten in der Men</span><span dir="ltr" role="presentation">talität der Börsenhaie verliert, gibt es die Plattform </span><span dir="ltr" role="presentation">Giving what we Can. Hier kann sich jeder verpflich</span><span dir="ltr" role="presentation">ten, zum Beispiel zehn Prozent seines Jahresgehal</span><span dir="ltr" role="presentation">tes an effektive Hilfsorganisationen zu spenden. </span><span dir="ltr" role="presentation">Zum Glück ist dies nicht die einzige ethische Be</span><span dir="ltr" role="presentation">rufswahl laut 80,000 hours. Im Wesentlichen werden </span><span dir="ltr" role="presentation">vier Karrierepfade vorgeschlagen. </span></p>
<ol>
<li><strong><span dir="ltr" role="presentation">Earning to Give:</span></strong> <span dir="ltr" role="presentation">Möglichst viel verdienen, um </span><span dir="ltr" role="presentation">möglichst viel zu spenden. Vorgeschlagene </span><span dir="ltr" role="presentation">Branchen sind Softwareentwicklung, Unter</span><span dir="ltr" role="presentation">nehmertum im Technologiesektor und Mar</span><span dir="ltr" role="presentation">keting.</span></li>
<li><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Forschung:</strong></span> <span dir="ltr" role="presentation">Hier bitte Lösungen für gesell</span><span dir="ltr" role="presentation">schaftlich bedeutsame Fragen finden und </span><span dir="ltr" role="presentation">nicht für theoretisch interessante. Sinnvolle </span><span dir="ltr" role="presentation">Bereiche</span> <span dir="ltr" role="presentation">liegen</span> <span dir="ltr" role="presentation">in</span> <span dir="ltr" role="presentation">der</span> <span dir="ltr" role="presentation">Wirtschaftswissen</span><span dir="ltr" role="presentation">schaft, Statistik, Informatik und &#8211; hört, hört – </span><span dir="ltr" role="presentation">„einigen Bereichen der Psychologie“.</span></li>
<li><strong><span dir="ltr" role="presentation">Politik und Interessensvertretung:</span></strong> <span dir="ltr" role="presentation">Um mög</span><span dir="ltr" role="presentation">lichst viele Menschen zu erreichen.</span></li>
<li><strong><span dir="ltr" role="presentation">&nbsp;Direkthilfe:</span></strong> <span dir="ltr" role="presentation">Aber nur in wirklich effektiven Or</span><span dir="ltr" role="presentation">ganisationen.</span></li>
</ol>
<p><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">Weiter gibt 80,000 hours bestimmte Berufsfelder </span><span dir="ltr" role="presentation">an, die man trotz eines hohen Gehalts nicht ausüben </span><span dir="ltr" role="presentation">sollte. In der Liste finden sich neben der&nbsp; Massentier</span><span dir="ltr" role="presentation">haltung, Waffenforschung, Steuerberatung für Su</span><span dir="ltr" role="presentation">perreiche und Homöopathie, auch die Promotion von </span><span dir="ltr" role="presentation">Zigaretten und anderen Suchtprodukten sowie das </span><span dir="ltr" role="presentation">Fundraising für unwirksame Hilfsorganisationen.</span></p>
<p></p>
<p><strong><span style="color: #008080;"><span dir="ltr" role="presentation">ETHISCHER KONSUM: WEM NÜTZT SCHON </span><span dir="ltr" role="presentation">FAIRTRADE?</span></span></strong></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Ein sozial und ökologisch verantwortungsvolles </span><span dir="ltr" role="presentation">Leben</span> <span dir="ltr" role="presentation">wird</span> <span dir="ltr" role="presentation">unweigerlich</span> <span dir="ltr" role="presentation">mit</span>&nbsp; <span dir="ltr" role="presentation">ethischem</span> <span dir="ltr" role="presentation">Konsum </span><span dir="ltr" role="presentation">verbunden. Das Urteil des EA: Bringt wenig oder gar </span><span dir="ltr" role="presentation">nichts.</span><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">Warum? Beginnen wir mit dem Kleidungskauf. Die </span><span dir="ltr" role="presentation">Produkte von H&amp;M, Primark,&nbsp; Deichmann und Co. wer</span><span dir="ltr" role="presentation">den mit Kinderarbeit, einstürzenden Fabrikgebäuden</span><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">und furchtbaren Arbeitsbedingungen assoziiert. Die </span><span dir="ltr" role="presentation">Produktion findet in sogenannten Sweatshops, also </span><span dir="ltr" role="presentation">Fabriken in armen Ländern, überwiegend in Asien </span><span dir="ltr" role="presentation">und Südamerika, statt. Berichte über Näher:innen in </span><span dir="ltr" role="presentation">Bangladesch und Spielzeugfabriken in China gaben </span><span dir="ltr" role="presentation">Anlass, Produkte aus solchen Fabriken zu boykottie</span><span dir="ltr" role="presentation">ren und Kleidung und Spielzeug aus heimischer Produktion zu vorzuziehen. William MacAskill sagt, das ist falsch. Durch diese Reaktion verschlechtern wir sogar die Lage der Menschen. Die Arbeit in solchen<br role="presentation">Fabriken seien die besseren Jobs. Als Alternativen bleiben sonst nur Landarbeit, Arbeitslosigkeit und das Sammeln von Abfällen.[5] Die beste Handlungsmöglichkeit für uns stellt daher die Unterstützung von Unternehmen dar, die in armen Ländern produzieren, aber bessere Arbeitsbedingungen schaffen (z.B. People Tree, Indigenous). </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Ähnlich verhält es sich mit Fairtrade-Produkten. Das Fairtrade-Siegel wird an Produzierende vergeben, die bestimmte Kriterien erfüllen wie Sicherheitsvorkehrungen und Mindestlohn. Diese Produzierenden<br role="presentation">stammen meist aus Mexiko oder Costa Rica, also Ländern, die zehnmal reicher sind als zum Beispiel Äthiopien. Mit dem Kauf eines nicht fair hergestellten Kaffees aus Äthiopien würden wir deshalb ein ärmeres Land unterstützen.<br role="presentation">Zudem macht die Fairtrade Foundation keinerlei Angaben dazu, wie viel Geld tatsächlich bei den Erzeuger:innen ankommt. Eine Studie von Prof. Kilian und<br role="presentation">Kollegen ergab, dass es von den 5 Dollar-Aufpreis eines Fairtrade-Kaffees gerade einmal 0,40 Dollar sind.[6] Der Rest versandet bei Mittelsmännern und -frauen. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Als letzte Kategorie bewertet William MacAskill unsere Bemühungen, CO² zu verringern. Statt Strom zu sparen, sollten wir lieber auf Fleisch verzichten, weniger reisen und &#8211; wer hätte das gedacht &#8211; spenden. Zum Beispiel an Cool Earth. Das vorgeschlagene Programm fördert die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Gemeinden im Regenwald, sodass diese ihr Land nicht an Holzfäller:innen verkaufen müssen. [7] Mit 105 Dollar pro Jahr kann der Durchschnitts-US-Bürger seinen klimabelastenden Lebensstil ausgleichen. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Zusammenfassend kommt der ethische Konsum nicht besonders gut weg. Ein zentrales Problem sieht William MacAskill darin, dass der ethische Konsument häufig annimmt, seinen Beitrag zur Welt in ausreichendem Maße geleistet zu haben. Der ethische Konsument glaubt, eine „Moralische Lizensierung“ zu genießen. [8] Diese beinhaltet, dass er unethisches gegen ethisches Verhalten aufrechnet. Eine Studie zeigte, dass Proband:innen, die sich sogar nur vorstellen sollten, einem/einer ausländischen Studierenden bei einem Vortrag zu helfen, weniger bereit waren, Geld für einen guten Zweck zu spenden als die Kontrollgruppe. Wer sich jetzt zurücklehnt, die Heizung auf 5 dreht und herzhaft in seine Knacker beißt, wird dem EA allerdings auch nicht gerecht. Es geht nicht darum, zu glauben, dass man als einzelne Person bis auf Spenden nichts ausrichten kann. Der EA bedient sich zur Verdeutlichung des Erwartungswertes. Sicherlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass aufgrund eines persönlichen Fleischverzichts, weniger Tiere sterben, relativ gering. Aber irgendwo muss der/die Filialleiter:in sein Absatzkriterium, ab dem er weniger Fleischprodukte bestellt, setzen und irgendwo liegt auch die Grenze der Rentabilität eines Massentierhaltungsstalls. So wäre der Wert oder Nutzen, den der persönliche Fleischverzicht erzeugen&nbsp; kann, so hoch, dass es sich doch lohnt, diesen einzugehen.<br></span></p>
<p></p>
<p><strong><span dir="ltr" style="color: #008080;" role="presentation">KRITISCHE AUSEINANDERSETZUNG</span></strong></p>
<p><strong><span dir="ltr" role="presentation">Mit dem System, nicht dagegen</span></strong><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">Es ist kein Wunder, dass Give Well nur Gesund</span><span dir="ltr" role="presentation">heitsprogramme</span> <span dir="ltr" role="presentation">und</span> <span dir="ltr" role="presentation">Direkthilfen</span> <span dir="ltr" role="presentation">auflistet.</span> <span dir="ltr" role="presentation">Der </span><span dir="ltr" role="presentation">EA stützt sich auf ein eher quantitatives Wissen</span><span dir="ltr" role="presentation">schaftsverständnis. Zahlen kann man miteinander </span><span dir="ltr" role="presentation">vergleichen, Qualitatives eher nicht. Gesamtgesell</span><span dir="ltr" role="presentation">schaftliche Wirkungen, Toleranz und Offenheit, Dis</span><span dir="ltr" role="presentation">kriminierungen, das lässt sich alles viel schwieriger </span><span dir="ltr" role="presentation">messen. Give Well unterstützt keine&nbsp; Organisationen, </span><span dir="ltr" role="presentation">die sich für Frauenrechte, Gleichheit oder Demokra</span><span dir="ltr" role="presentation">tie einsetzen. Der EA will globale Ungleichheit ohne </span><span dir="ltr" role="presentation">Kritik am System beheben. Jemand arbeitet an der </span><span dir="ltr" role="presentation">Wall Street, kein Problem, solang er/sie genug spen</span><span dir="ltr" role="presentation">det. Der Kapitalismus ist nun einmal unser System. </span><span dir="ltr" role="presentation">Strukturelle Lösungen maßt sich der EA nicht an.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Was, wenn alles falsch ist?</strong><br role="presentation">Eine aufgebrachte amazon-Rezension zum Buch von Peter Singer beginnt mit</span> <span dir="ltr" role="presentation">folgenden</span> <span dir="ltr" role="presentation">Worten </span><span dir="ltr" role="presentation">„Effektiver Altruismus ist der Gott und Singer sein Prophet“. Sicherlich erfüllt der EA nicht die Definition einer Religion. Denn diese begründet sich auf dem Glauben an transzendente, also übernatürliche Kräfte, die nicht im Sinne der Wissenschaftstheorie&nbsp; beweisbar sind. Trotzdem hat der EA etwas Dogmatisches. Er dreht den Spieß um. Er vergöttert die Wissenschaft. Wir dürfen nur an Hilfsorganisationen spenden, deren Wirkung wissenschaftlich belegt werden kann. Bloß was, wenn das alles nicht stimmt? Oder nur die Hälfte? Wenn der Alpha-Fehler wütet, wenn methodische Fehler Ergebnisse verzerren, wenn Versuchsleiter:innen für Signifikanz sorgen oder oder&#8230; Gerade uns Psycholog:innen sollte die Relativität des Wissens bewusst sein. Die Replikationskrise führt uns doch deutlich vor Augen, wie wenig verlässlich wissenschaftliche Ergebnisse sein können – auch die mit&nbsp; randomisierten Kontrollgruppen. Wie kann man dann Entscheidungen zur Rettung von Menschenleben auf einer solchen Basis vornehmen? Ist es dann nicht sicherer, direkt vor Ort ein Lächeln zu erzeugen, auch wenn das nicht mal einem QALY entspricht? </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Menschenleben sind eine harte Währung</strong><br role="presentation">Wie viel muss ich geben, um ein guter Mensch zu sein? Habe ich ein Leben auf dem Gewissen, wenn ich nicht spende &#8211; oder noch schlimmer an PlayPumps gespendet habe? Darf ich Kinder kriegen, wenn ich in einem anderen Land mit demselben&nbsp; Geld mehr Kindern Leben schenken könnte? Und noch viel wichtiger: Wie kann ich mich wertschätzen, wenn ich einfach nicht viel tauge? Wenn ich nicht intelligent und diszipliniert genug bin, Informatik oder Mathe oder überhaupt zu studieren. Wenn ich arbeitslos bin und der Welt mehr koste, als ich ihr geben kann. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Der EA postuliert: Lebensrecht für alle, Lebenspflicht für keinen. Das ist schön. Ich darf leben, auch wenn ich rechnerisch nicht genug verdiene, um Menschenleben zu&nbsp; retten. Auch wenn man mit meinen Lebenskosten, mehr als ein Menschenleben retten könnte. Der EA befürwortet die Sterbehilfe für ältere Menschen. Ich weiß, dass laut dem EA jeder Mensch ein Recht auf Leben hat, aber das Prinzip eines Kosten-Nutzung-Kalküls impliziert eine radikale Denkweise. Der EA muss sich in der Philosophie, die er vertritt, bewusst sein, welche Gedanken er in kranken, älteren, behinderten und wenig leistungsstarken Menschen auslösen kann. Und in der Außenbetrachtung von diesen.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Liebe fragt nicht – Effektiver Altruismus schon</strong><br role="presentation">Das, was die meisten am Effektiven Altruismus </span><span dir="ltr" role="presentation">stört, ist, dass er nicht liebt. Zumindest nicht bedin</span><span dir="ltr" role="presentation">gungslos. Der traditionelle Altruismus ist da anders. </span><span dir="ltr" role="presentation">Für ihn liegt der Fokus auf dem/der Helfenden, dem/der Ge</span><span dir="ltr" role="presentation">benden. Gibt er/sie sich auf, handelt er/sie selbstlos, handelt</span><span dir="ltr" role="presentation">er altruistisch. Dieses Prinzip ist für den/die Einzelne:n </span><span dir="ltr" role="presentation">sehr viel leichter anzuwenden. Wenn ich mich aufop</span><span dir="ltr" role="presentation">fere, geht es anderen dafür besser. Der EA bezweifelt </span><span dir="ltr" role="presentation">das. Ihm ist das „Wie“ der Handlung eigentlich egal. </span><span dir="ltr" role="presentation">Er bewertet anhand der Folgen und alternativen Kon</span><span dir="ltr" role="presentation">sequenzen. Laut ihm gibt es lost-lost-Situationen </span><span dir="ltr" role="presentation">genauso wie win-win-Situationen. Eine gute Absicht </span><span dir="ltr" role="presentation">entbindet uns nicht von der Kritischen Reflektion al</span><span dir="ltr" role="presentation">ler Folgen. Das steht diametral zu dem Konzept der </span><span dir="ltr" role="presentation">(christlichen) Nächstenliebe. Mit einem halben Man</span><span dir="ltr" role="presentation">tel kann keiner was anfangen? Das ist egal, es geht </span><span dir="ltr" role="presentation">um die Geste, darum, Liebe und Mitgefühl und Aufop</span><span dir="ltr" role="presentation">ferung zu zeigen. </span><span dir="ltr" role="presentation">Die Nächstenliebe betont die Intention der Hand</span><span dir="ltr" role="presentation">lung, der Effektive Altruist die Konsequenz.</span></p>
<p></p>
<p><strong><span dir="ltr" style="color: #008080;" role="presentation">FAZIT</span></strong></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Der Effektive Altruismus passt zu unserer Zeit. Er </span><span dir="ltr" role="presentation">passt zu einer Zeit, in der man nach Geld, Noten und </span><span dir="ltr" role="presentation">Leistungsmaßen genauso fragt wie nach dem vege</span><span dir="ltr" role="presentation">tarischen Gericht auf der Karte und Gemüse aus re</span><span dir="ltr" role="presentation">gional-ökologischem Anbau. Der EA erlaubt gleich</span><span dir="ltr" role="presentation">zeitig die persönliche Selbstverwirklichung und eine </span><span dir="ltr" role="presentation">soziale Verantwortung. Doch an den Gedanken, dass </span><span dir="ltr" role="presentation">der neue Gutmensch nun nicht mehr von der Sparte aufopfernde:r Sozialarbeiter:in im Öko-Pulli, sondern Businessman/-frau mit Excel-Tabelle vertreten wird, muss sich noch gewöhnt werden. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Der Effektive Altruismus öffnet neue Perspektiven für die Bewertung von Hilfsorganisationen und persönlichen Handlungsoptionen. Er zwingt uns, bisherige Muster kritisch zu reflektieren. Allerdings mag eine wissenschaftliche Betrachtung zwar die beste Option sein, die wir momentan haben, wird aber vom EA zu wenig kritisch behandelt. Die Vorteile des EA liegen im Kleinen und quantitativ Messbaren, in Systembetrachtungen stößt er auf klare Grenzen. Letztendlich muss der EA aufpassen, kein Ansatz der Gebildeten und Intelligenten zu sein, er gibt bisher keine zufriedenstellende Wertschätzung gegenüber behinderten, kranken, älteren und wenig leistungsstarken Menschen.</span></p>
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<p><strong data-rich-text-format-boundary="true">FürInteressierte:</strong><br data-rich-text-line-break="true">MacAskill, W. (2016). Gutes besser tun: Wie wir mit effektivem Altruismus die Welt verändern könnten. Berlin: Ullstein Buchverlag<br data-rich-text-line-break="true">www.80000hours.org<br data-rich-text-line-break="true">www.givewell.org<br data-rich-text-line-break="true">www.givingwhatwecan.org<br data-rich-text-line-break="true">www.ea-stiftung.or</p>


<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px">Quellen:<br>[1] UNICEF, An Evaluation of the PlayPump Water System as an Appropriate Technology for Water, Sanitation and Hygiene Programs, Oktober 2007.<br>[2] Michael Kremer, »Randomized Evaluations of Educational Programs in Developing Countries: Some Lessons«, in: American Economic Review, 93, Nr. 2, (Mai 2003): S. 102-6.<br>[3] Edward Miguel und Michael Kremer, »Worms: Identifying Impacts on Education and Health in the Presence of Treatment Externalities«, in: Econometrica 72, Nr. 1 (Januar 2004): S. 159-217.<br>[4] »The Role of Medical Care in Contributing to Health Improvements within Societies«, in: International Journal of Epidemiology 30, Nr. 6 (Dezember 2001): I, S. 260-3.<br>[5] Nicholas D. Kristof, »Where Sweatshops are a Dream«, in: New York Times, 14. Januar 2009.<br>[6] Bernard Kilian, Connie Jones, Lawrence Pratt und Andrés Villalobos, »Is Sustainable Agriculture a Viable Strategy to Improve Farm Income in Central America? A Case Study on Coffee«, in: Journal of Business Research 59, Nr. 3 (März 2006): S. 322-30.<br>[7] »Rainforest Facts«, Cool Earth, 12. Juli 2013, http.//www.coolearth.org/rainforest-facts/rainforest-fact-260-22-tonnes-of-co2.<br>[8] Anna C. Merritt, Daniel A. Effron und Benoît Monin, »Moral Self-licensing: When Being Good Frees Us to Be Bad«, in: Social and Personality Psychology Compass 4, Nr. 5 (Mai 2010): S. 344-57.</p>
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