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		<title>Vom Zoom-Call zur Zoom-Fatigue </title>
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		<pubDate>Tue, 23 Jul 2024 01:44:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wie Online-Meetings uns erschöpfen können JÖRDIS GRASSL. Ob via Zoom, Microsoft Teams, Skype oder Big Blue Button – Videokonferenzen sind mindestens seit dem Beginn der Corona-Pandemie 2020 aus dem Alltag der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken, sei das im Studium, auf der Arbeit oder aber auch im privaten Bereich. Virtuelle Meetings haben viele Vorteile im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Wie Online-Meetings uns erschöpfen können</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">JÖRDIS GRASSL. <em>Ob via Zoom, Microsoft Teams, Skype oder Big Blue Button – Videokonferenzen sind mindestens seit dem Beginn der Corona-Pandemie 2020 aus dem Alltag der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken, sei das im Studium, auf der Arbeit oder aber auch im privaten Bereich. Virtuelle Meetings haben viele Vorteile im Vergleich zu ihren analogen Gegenstücken – die geographische Distanz zwischen den Teilnehmenden spielt keine Rolle mehr, die Arbeit im Homeoffice wird erleichtert, man muss weniger Wege zurücklegen und kann, wenn man denn möchte, alle Meetings in Jogginghosen abhalten. Sie fordern aber auch ihren Preis. Dies legt zumindest das Phänomen der Zoom-Fatigue, eine Erschöpfung durch Videokonferenzen, nahe. </em></p>



<span id="more-2274"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühling 2020 höre ich zum ersten Mal von Zoom. Ich bin gerade dabei, mich auf mein Abitur vorzubereiten, während um mich herum die Welt stillsteht. Meine Freund:innen habe ich zum letzten Mal am Montag, den 16. März gesehen, als wir alle gemeinsam unsere Spinde in der Schule ausgeräumt haben. Seitdem besteht unsere Kommunikation aus Memes und gemeinsamen Stadt-Land-Fluss-Abenden über Discord. Die Welt der videobasierten Online-Kommunikation ist mir also nicht völlig fremd, als ich zu meinem ersten Bewerbungsgespräch für eine FSJ-Stelle über Zoom eingeladen werde. Ich bin aufgeregt, nicht nur wegen der mir bis dahin unbekannten Bewerbungssituation, sondern auch wegen der Plattform, auf der das Gespräch stattfinden soll. Circa eine Stunde vorher laufe ich mit meinem Laptop durch die Wohnung, um den besten Videohintergrund zu finden. Ich überprüfe immer wieder meine Internetverbindung, teste Kamera und Sound und hoffe, dass wenigstens auf technischer Seite alles glatt geht. Das tut es. Das Gespräch läuft gut, ich bekomme den FSJ-Platz. Mit Zoom komme ich auch soweit zurecht, obwohl es zwischendurch ab und an hakt und seine Macken hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem ist viel passiert. Ich habe mein Abitur gemacht, einen Freiwilligendienst geleistet, ein Studium begonnen und einen Nebenjob angefangen. Die letzten Corona-Schutzmaßnahmen sind am 7. April 2023, also vor fast einem Jahr, ausgelaufen, seit ungefähr zwei Semestern habe ich wieder Präsenzlehre. Aber Zoom und die vielen anderen Videokonferenzplattformen sind Teil meines Alltags geblieben, sei das über virtuelle Arbeitsbesprechungen oder hybride Lehreinheiten an der Uni.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ich das finde, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Häufig erwische ich mich in Vorlesungen dabei, mir die Zoom-Veranstaltungen zurückzuwünschen. In einem vollbesetzten Vorlesungssaal fällt es auf, wenn man nebenbei den Campingkocher auspackt und sein Mittagessen aufwärmt, und stumm schalten kann man sich auch nicht, was vor allem in den vorderen Reihen manchmal zum Problem wird. Die Zeiten, in denen jede Lehrveranstaltung über Zoom stattfand, wünsche ich mir trotzdem nicht zurück. Eine Woche mit mehreren langen Videokonferenzen lässt einen mit einer anderen Art der Müdigkeit zurück, die mir in dieser Form seit dem Wiederanfang der Präsenzlehre nicht mehr begegnet ist. Und scheinbar bin ich nicht die Einzige mit diesem Problem. Mit dem Boom von Videokonferenzen zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 häuften sich auch die Berichte über Erschöpfung durch ebendiese, und der Begriff <em>Zoom-Fatigue</em>, oder auch etwas sperriger <em>Videokonferenz-Fatigue</em>, etablierte sich schnell. [1]</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-7 wp-block-paragraph"><strong>Was ist Zoom Fatigue?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Zoom-Fatigue bezeichnet man zusammengefasst Erschöpfungssymptome nach einem längeren und wiederholten Gebrauch von Videokonferenz-Tools. [2] Konkrete Symptome, die von Betroffenen empfunden werden können, sind unter anderem eine Reduktion der Konzentrationsfähigkeit, eine erhöhte Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen sowie Schlaf- und Sehstörungen. [3]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tipps gegen Zoom-Fatigue klingen häufig wie allgemeine Hinweise für Menschen, die generell viel an Bildschirmen arbeiten – aktive Pausen, Meetingzeiten begrenzen oder gleich auf Anrufe oder E-Mails umsteigen. [4] Wo liegt dann aber der spezielle Faktor, der die Ermüdung durch Videokonferenzen von anderen Bildschirmarbeiten abgrenzt?</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-8 wp-block-paragraph"><strong>Wie entsteht Zoom-Fatigue? Das Grobe.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich steht die Forschung hier noch ganz am Anfang. Es gibt aber durchaus theoretische Erklärungsansätze für die spezielle Entstehung von Zoom-Fatigue. Rump und Brandt (2020) konnten beispielsweise in einer Befragung drei Kategorien von Belastungstreibern gefunden werden, welche maßgeblich zu dem Empfinden von Zoom-Fatigue bei den Befragten beitrugen. Diese wurden als zwischenmenschliche Aspekte, organisatorische Rahmenbedingungen und Technik bezeichnet, wobei die Autor:innen fehlende menschliche Kommunikation als einen der wichtigsten Treiber identifizierten. So gaben circa 70% der Befragten an, dass sie durch das Fehlen nonverbaler Hinweise während der virtuellen Meetings eine Belastung empfanden, jeweils circa 45% empfanden explizit fehlende Gestik und Mimik als belastend. Weiterhin wurden aber auch fehlende Pausen zwischen oder während der Meetings von circa 45% als Belastung wahrgenommen, sowie technische Mängel in der Umsetzung der Meetings, zum Beispiel schlechte Tonqualität oder eine instabile Internetverbindung. [3]&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Faktoren passen auch gut zu einem konzeptionellen Modell von Döring et al. (2022) zur Entstehung von Zoom-Fatigue, welches zum einen persönliche sowie organisatorische, technische und umweltbedingte Faktoren benennt. Gemeint sind damit beispielsweise individuelle soziodemographische oder kognitive Faktoren, aber auch soziale, entweder in der Interaktion in der Videokonferenz selbst oder im Umfeld einer Person. [1]</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-9 wp-block-paragraph"><strong>Wie entsteht Zoom-Fatigue? Die (nonverbale) Kommunikation.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich sind technische und organisatorische Rahmenbedingungen wichtige Faktoren bei der Entstehung von Zoom-Fatigue, aber aus psychologischer Sicht finde ich hier vor allem den bereits erwähnten Aspekt der nonverbalen Kommunikation interessant. So könnte zum Beispiel ein Problem bei virtuellen Meetings, das letztlich zu Zoom-Fatigue bei den Teilnehmenden führt, eine nonverbale Überlastung sein, unter anderem ausgelöst durch das Design von Zoom. Denkbare Faktoren, die zu so einer nonverbalen Überlastung führen könnten, wären dabei die ständige Selbstbeobachtung auf dem Bildschirm, unnatürlicher exzessiver Blickkontakt über eine ungewohnt kurze Distanz oder eine allgemein höhere kognitive Beanspruchung durch die Kompensation fehlender nonverbaler Signale in der Kommunikation. [5]</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meiner Recherche bin ich auf ein sehr interessantes Framework von Riedl (2022) gestoßen. Es basiert auf der sogenannten Media Naturalness Theorie (Kock, 2009). Laut dieser sind Menschen durch evolutionäre Bedingungen prädisponiert für eine direkte „face-to-face“ (F2F) Kommunikation, also für das direkte Sprechen und Kommunizieren miteinander, von Angesicht zu Angesicht. Dadurch bringt elektronische Kommunikation, in diesem Fall virtuelle Meetings, bestimmte Probleme mit sich, da diese als weniger natürlich empfunden wird. [6] [7]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Framework legt nahe, dass die Probleme durch fehlende Informationen im Vergleich zu F2F-Kommunikation und durch einen Informations-Overload aufgrund von zusätzlichen Features der Zoom-Benutzeroberfläche zustande kommen. Dieses gleichzeitige Fehlen von Informationen und die Anreicherung der Kommunikation durch neue Features führt zu einem Rückgang der Natürlichkeit der Kommunikation, wie sie normalerweise F2F stattfinden würde. [2]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Riedl (2022) benennt jeweils drei Auslöser in den zwei Prozessen, welche laut seiner Theorie zu einer erhöhten kognitiven Anstrengung und damit auch zu Stress bei den Teilnehmenden eines virtuellen Meetings führen können. Auslöser, die zu einem Mangel an Informationen führen, sind demnach die Asynchronität der Kommunikation, der Mangel an wahrgenommener Körpersprache sowie ein Mangel an Augenkontakt. Die drei anderen Auslöser, welche ein Überangebot von Informationen zur Folge haben, sind Multitasking, eine erhöhte Selbstwahrnehmung während des virtuellen Meetings und die Interaktion mit mehreren Gesichtern während eines virtuellen Meetings. All diese Faktoren. Dies resultiert dann in den Symptomen, die wir als Zoom-Fatigue bezeichnen. [2]</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-10 wp-block-paragraph"><strong>Und was nun?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erklärungsansätze, die ich hier vorgestellt habe, sind bisher natürlich größtenteils nur das – Ansätze. Sie sind zudem unglaublich vielfältig und Lösungen betreffen teilweise sehr unterschiedliche Forschungsgebiete.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen sind da natürlich Aspekte, die man auf das Design von Videokonferenzplattformen zurückführen kann, wie die nonverbale Überlastung oder fehlende Natürlichkeit der Kommunikation. Dagegen kann man teilweise etwas tun – es wird beispielsweise empfohlen, die Eigenansicht auszuschalten oder andere Ansichtsmodi im Meeting zu verwenden. [4] Aber wie behebt man als einfacher User zum Beispiel das Problem der Asynchronität? Selbst mit Lan-Anschluss bleiben kleine zeitliche Verzerrungen im Meeting, die sich aufsummieren und den natürlichen Fluss der Kommunikation stören können. Und so lange nicht alle Teilnehmenden mit High-End Geräten ausgestattet sind, bleibt es weiterhin schwierig, Gestik, Mimik und Körpersprache über den verpixelten Laptop-Bildschirm so klar und eindeutig wahrzunehmen, wie wenn man sich real gegenübersitzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und zum anderen gibt es Aspekte, die gar nicht so viel mit den Plattformen an sich zu tun haben. Da wären die bereits erwähnten technischen Voraussetzungen der Teilnehmenden, aber auch die Dauer oder Häufigkeit einer Videokonferenz. Es ist anzunehmen, dass wir mit zunehmendem Verständnis für die Entstehung von Zoom-Fatigue auch bessere Strategien entwickeln, um mit umzugehen. Bis dahin helfen vielleicht die Tipps aus der Infobox.</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-11 wp-block-paragraph"><strong>Was tun gegen Zoom-Fatigue? Tipps aus der Wissenschaft und aus der Redaktion [3] [4]</strong></p>



<ul class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-block-list wp-elements-12">
<li>Pausen zwischen oder während der Meetings – Aufstehen, Beine vertreten, Augenyoga etc.</li>



<li>Meetings zeitlich begrenzen, sowie in ihrer Anzahl begrenzen</li>



<li>Multitasking vermeiden – keine zusätzlichen Tabs öffnen, parallel keine Mails beantworten etc.</li>



<li>Stimuli auf dem Bildschirm reduzieren – Eigenansicht ausblenden, überflüssige Videoansichten verstecken</li>



<li>Auf andere Kommunikationswege umsteigen – Anrufe, Mails etc.</li>



<li>Wenn möglich, die Videokonferenz in die Natur/in den Garten verlegen</li>



<li>Wenn möglich Anzahl der Teilnehmenden begrenzen</li>



<li>Überlegen, ob eine Teilnahme wirklich notwendig ist</li>
</ul>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-13 wp-block-paragraph" style="font-size:12px">Quellen<br>[1] Döring, N., Moor, K. D., Fiedler, M., Schoenenberg, K., &amp; Raake, A. (2022). Videoconference Fatigue: A Conceptual Analysis. <em>International Journal of Environmental Research and Public Health</em>, <em>19</em>(4), Article 4. <a href="https://doi.org/10.3390/ijerph19042061">https://doi.org/10.3390/ijerph19042061</a><br>[2] Riedl, R. (2022). On the stress potential of videoconferencing: Definition and root causes of Zoom fatigue. <em>Electronic Markets</em>, <em>32</em>(1), 153–177.<a href="https://doi.org/10.1007/s12525-021-00501-3"> https://doi.org/10.1007/s12525-021-00501-3</a><br>[3] Rump, J., &amp; Brandt, M. (2020). Zoom-Fatigue. <em>Institut Für Beschäftigung Und Employability IBE</em>.<br>[4] Fosslien, L., &amp; Duffy, M. W. (2020, April 29). How to Combat Zoom Fatigue. <em>Harvard Business Review</em>.<a href="https://hbr.org/2020/04/how-to-combat-zoom-fatigue"> https://hbr.org/2020/04/how-to-combat-zoom-fatigue</a><br>[5] Bailenson, J. N. (2021). Nonverbal overload: A theoretical argument for the causes of Zoom fatigue. <em>Technology, Mind, and Behavior</em>, <em>2</em>(1).<a href="https://doi.org/10.1037/tmb0000030"> https://doi.org/10.1037/tmb0000030</a><br>[6] Kock, N. (2005). Media richness or media naturalness? The evolution of our biological communication apparatus and its influence on our behavior toward E-communication tools. IEEE Transactions on Professional Communication, 48(2), 117–130. <a href="https://doi.org/10.1109/TPC.2005.849649">https://doi.org/10.1109/TPC.2005.849649</a><br>[7] Kock, N. (2009). Information Systems Theorizing Based on Evolutionary Psychology: An Interdisciplinary Review and Theory Integration Framework. <em>MIS Quarterly</em>, <em>33</em>(2), 395–418.<a href="https://doi.org/10.2307/20650297"> https://doi.org/10.2307/20650297</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><br></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Neuroplastizität in Aktion: Die Umbauprozesse im Gehirn von Schwangeren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jul 2024 04:22:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[TANJA VON RYSSÉL. Während der Schwangerschaft geschehen so einige Wunder im Körper der werdenden Mutter. Nicht nur, dass in ihrem Bauch ein neuer kleiner Mensch heranwächst – um diesen optimal zu versorgen, wird ein ganzes Maßnahmenpaket angestoßen: Das Blutvolumen steigt, die Atmung vertieft sich, Drüsenzellen in der Brust bereiten sich auf die Milchproduktion vor. Und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">TANJA VON RYSSÉL. <em>Während der Schwangerschaft geschehen so einige Wunder im Körper der werdenden Mutter. Nicht nur, dass in ihrem Bauch ein neuer kleiner Mensch heranwächst – um diesen optimal zu versorgen, wird ein ganzes Maßnahmenpaket angestoßen: Das Blutvolumen steigt, die Atmung vertieft sich, Drüsenzellen in der Brust bereiten sich auf die Milchproduktion vor. Und noch etwas passiert: Im Gehirn finden umfangreiche Umbauprozesse statt, die sich sogar bis weit über die Geburt des Kindes hinaus nachweisen lassen.</em></p>



<span id="more-2263"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Wie genau diese Veränderungsprozesse im Gehirn aussehen, wird seit einigen Jahren emsig erforscht. Bekannt ist bisher, dass es zu einem Rückgang an grauer Hirnsubstanz kommt – bis zu 3&nbsp;% des kortikalen Gesamtvolumens büßen Frauen im Verlauf der Schwangerschaft ein [1]. Dahinter könnten verschiedene Vorgänge stecken, zum Beispiel könnte sich die Anzahl der Synapsen oder Nervenzellen verändern, aber auch Umstrukturierungen der Dendriten sowie Modifikationen in der Durchblutung des Gehirns kommen infrage [2]. Ziemlich sicher jedoch erstrecken sich die Umbauprozesse sowohl auf Neurone als auch ihre Nachbarn, die Gliazellen [1].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Teil der grauen Substanz wird nach der Geburt des Kindes wieder aufgebaut. Das könnte etwa an Lernerfahrungen liegen, die eine Mutter im täglichen Umgang mit ihrem Baby macht [1], und durch die neue Nervenverbindungen entstehen. Einer anderen Theorie zufolge könnten aber auch vermehrt neue Nervenzellen gebildet werden [2].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umbauarbeiten finden in verschiedenen Regionen des Gehirns statt. Betroffen sind zum einen verschiedene Areale in der Großhirnrinde; beispielsweise das limbische System, das für die Regulation von Emotionen zuständig ist. Zum anderen spielen sich Veränderungen in jenem subkortikalen Netzwerk ab, in das unter anderem dopaminerge Belohnungsareale wie der Nucleus Accumbens und die Area Tegmentalis Ventralis eingebunden sind [1]. Viele der Hirnregionen, die sich während der Schwangerschaft verändern, nutzen wir im sozialen Miteinander, damit wir erfolgreich mit anderen Menschen kommunizieren und interagieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders spannend ist die funktionelle und strukturelle Plastizität im sogenannten Ruhezustandsnetzwerk (eng. <em>default mode network</em>). Die an diesem Netzwerk beteiligten Hirnareale werden immer dann aktiv, wenn wir nichts Besonderes tun oder denken. Während der Schwangerschaft kommt es unter anderem zu verstärkter Kohärenz im Cuneus; einer Region, die visuelle Informationen verarbeitet und sie höheren kognitiven Funktionen wie Arbeitsgedächtnis oder Aufmerksamkeit zur Verfügung stellt [3]. Zudem liegt im Ruhestandsnetzwerk die neuronale Basis für Selbstwahrnehmung, soziale Interaktionen, Empathie sowie die Unterscheidung zwischen unserem Selbst und anderen Personen um uns herum. Änderungen in diesem Bereich des Gehirns könnten deshalb zu einem neuen Selbstverständnis als Mutter beitragen, bei dem beispielsweise ein stärkerer Fokus auf das Neugeborene als auf sich selbst gesetzt wird [3].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gehirnumbau während der Schwangerschaft ist keine unauffällige Kleinigkeit. Um die festgestellten Veränderungsprozesse auf Widerspruchsfreiheit zu testen, untersuchte ein Forschungsteam an der Universität Barcelona eine Gruppe von Frauen vor und nach ihrer ersten Schwangerschaft [2]. Als Vergleichsgruppe luden sie weitere Frauen ein, die im Studienzeitraum nicht schwanger wurden. Aus den Hirnscans der beiden Untersuchungszeitpunkte wurde für jede Teilnehmerin eine sogenannte Differenzkarte generiert. Diese stellen die Volumenänderungen an grauer Substanz grafisch dar. Die Karten wiederum führten die Wissenschaftler:innen einem Algorithmus zu und gaben ihm die Aufgabe einzuordnen, ob die jeweilige Frau schwanger geworden war oder nicht. Nur auf Basis der Volumenänderungen konnte das Programm alle Teilnehmerinnen der korrekten Gruppe zuordnen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wofür macht sich der Körper die Mühe der ganzen Umbauten? Kurz gesagt handelt es sich dabei um eine spezifische Form der Neuroplastizität, also einer Spezialisierung des Nervensystems, um eine Mutter auf ihre neue Lebenssituation einzustellen. Vergleichen lässt sich dieser Prozess mit einem Software-Update. Gefragt sind von nun an Verhaltensweisen, die für das Wohlbefinden des Nachwuchses sorgen und seine optimale Versorgung sicherstellen. Im Tierreich zählen dazu zum Beispiel Nestbau oder das Putzen und Säugen der Jungtiere [1]. Der Gehirnumbau bietet so letztlich einen evolutionären Vorteil für das Überleben der Nachkommen und damit der eigenen Art.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Konkret beobachten Wissenschaftler:innen bei menschlichen Müttern nicht nur typisch elterliches Sozialverhalten, sondern auch veränderte Kognitionen und Bioreaktionen. Eltern werden empfänglicher für bestimmte Reize. Zum Beispiel verlangsamt sich die Herzrate von Müttern, wenn ihr Baby lacht [3] – denn wer fröhlich gluckst, dem scheint es wohl gut zu gehen. Das wiederum ist Grund genug, um Mamas Belohnungszentrum zu aktivieren. Gleichzeitig verbessert sich die Empathie gegenüber dem Kind, die Bedürfnisse werden besser erkannt und Mütter können rascher darauf reagieren. Negative Reaktionen im Umgang mit dem Säugling werden dagegen unterdrückt [3]. Außerdem werden soziale Reize, die eine mögliche Bedrohung signalisieren, schneller interpretiert [2]. Schließlich ist sich die psychologische Forschung darin einig, dass die neuronalen Anpassungsprozesse zu einer höheren Bindungsqualität zwischen Mutter und Kind führen [1,2,3]. So weit nur ein Auszug aus dem evolutionären Rezept für einen gesunden, bestens umsorgten Säugling!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während einige Wissenschaftler:innen die genauen Umbauprozesse im „schwangeren Gehirn“ kartieren, beschäftigen sich andere mit der Frage, wie die Umstrukturierungen überhaupt ausgelöst und gesteuert werden. Aufschluss darüber geben zunächst Studien an Nagetieren. So analysierten Forscher:innen die schwangerschaftstypischen Hormonkonstellationen von Mäusedamen. Als sie diese bei jungfräulichen Artgenossen nachahmten, zeigten die kinderlosen Mäuse auf einmal elterliche Verhaltensweisen [4]. Solche Beobachtungen führten zu der – sehr belastbaren – Annahme, dass Hormone elterliches Verhalten auslösen, und zwar über den Umweg neuronaler Modifikationen. Besonders die Plazenta, Hauptverantwortliche für die Hormonschwankungen während der Schwangerschaft und Produzentin verschiedener Sexualhormone, scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen [1]. Letztlich beruhen all diese Annahmen aber nur auf Untersuchungen dazu, welche biologischen Prozesse parallel ablaufen und deshalb auch ursächlich miteinander in Verbindung stehen könnten. Kausalketten zu beweisen ist wegen ethischer Hürden sehr schwierig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Sexualhormone anatomische und funktionelle Änderungen im Gehirn auslösen, ist übrigens nichts grundsätzlich Neues. Forscher:innen kennen vergleichbare Prozesse bereits aus einer anderen Lebensphase: der Pubertät. In dieser Zeit organisiert sich der Denkapparat von Jugendlichen heimlich um: In Vorbereitung auf das Erwachsenenleben wird dabei graue Substanz abgebaut, weiße Substanz aufgebaut und verschiedene Hirnareale neu miteinander verbunden [5]. Sichtbar werden diese Vorgänge schließlich in kognitiven, emotionalen, physischen und Verhaltensänderungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wie sieht es bei den werdenden Vätern aus? Auch in ihren Gehirnen finden Umstrukturierungsprozesse statt, die Männer auf die Elternschaft vorbereiten. Beteiligt daran ist vermutlich das Hormon Prolaktin [6], ein alter Bekannter aus der Forschung rund um Fortpflanzung und Milchproduktion bei Frauen. So korreliert der Prolaktinspiegel bei den Partnern von Schwangeren mit einem Verlust an grauer Hirnsubstanz, aber auch – ähnlich wie bei den zukünftigen Müttern – mit dem Bindungsgefühl zum Ungeborenen. Außerdem wachsen Männer mit höheren Prolaktinwerten besser in ihre neue Rolle als Väter hinein [6]. Die konkreten biologischen Prozesse, die zu vergleichbaren Veränderungen im Sozialverhalten und bei den Kognitionen von werdenden Eltern führen, scheinen sich zwar zwischen den Geschlechtern zu unterscheiden [2]. Dennoch: Die Raffinessen der menschlichen Neuroplastizität erstrecken sich auf beide Elternteile. Ein noch größeres Wunder ist wohl nur die Entwicklung eines komplett neuen Gehirns, mit dessen Hilfe das Neugeborene bald beginnt, die Welt zu entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-15 wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong>:<br>[1] Servin-Barthet, C., Martínez-García, M., Pretus, C., Paternina-Pie, M., Soler, A., Khymenets, O., Pozo, O. J., Leuner, B., Vilarroya, O., &amp; Carmona, S. (2023). The transition to motherhood: Linking hormones, brain and behaviour. <em>Nature Reviews Neuroscience, 24(10),</em> 605-619. <a href="https://doi.org/10.1038/s41583-023-00733-6">https://doi.org/10.1038/s41583-023-00733-6</a><br>[2] Hoekzema, E., Barba-Müller, E., Pozzobon, C., Picado, M., Lucco, F., García-García, D., Soliva, J. C., Tobeña, A., Desco, M., Crone, E. A., Ballesteros, A., Carmona, S., &amp; Vilarroya, O. (2017). Pregnancy leads to long-lasting changes in human brain structure. <em>Nature Neuroscience, 20(2),</em> 287-296. <a href="https://doi.org/10.1038/nn.4458">https://doi.org/10.1038/nn.4458</a><br>[3] Hoekzema, E., van Steenbergen, H., Straathof, M., Beekmans, A., Freund, I. M., Pouwels, P. J.W., &amp; Crone, E. A. (2022). Mapping the effects of pregnancy on resting state brain activity, white matter microstructure, neural metabolite concentrations and grey matter architecture. <em>Nature Communications, 13.</em> <a href="https://doi.org/10.1038/s41467-022-33884-8">https://doi.org/10.1038/s41467-022-33884-8</a><br>[4] Ammari, R., Monaca, F., Cao, M., Nassar, E., Wai, P., Del Grosso, N. A., Lee, M., Borak, N., Schneider-Luftman, D., &amp; Kohl, J. (2023). Hormone-mediated neural remodeling orchestrates parenting onset during pregnancy. <em>Science, 382,</em> 76-81. <a href="https://doi.org/10.1126/science.adi0576">https://doi.org/10.1126/science.adi0576</a><br>[5] Peper, J. S., Hulshoff Pol, H. E., Crone, E. A., &amp; van Honk, J. (2011). Sex steroids and brain structure in pubertal boys and girls: A mini-review of neuroimaging studies. <em>Neuroscience, 191,</em> 28-37. <a href="https://doi.org/10.1016/j.neuroscience.2011.02.014">https://doi.org/10.1016/j.neuroscience.2011.02.014</a><br>[6] Aviv, E. C., Cardenás, S. I., León, G., Waizman, Y. H., Gonzales, C., Flores, G., Martínez-García, M., &amp; Saxbe, D. E. (2023). Prenatal prolactin predicts postnatal parenting attitudes and brain structure remodeling in first-time fathers. <em>Psychoneuroendocrinology, 156.</em> <a href="https://doi.org/10.1016/j.psyneuen.2023.106332">https://doi.org/10.1016/j.psyneuen.2023.106332</a></p>
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		<title>Bouldern gegen depressive Symptomatik </title>
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					<description><![CDATA[Die Wirksamkeit einer alternativen Psychotherapiemethode  ANNE HOMMEL. Der populäre Klettersport Bouldern genießt seit einigen Jahren eine immer größere Beliebtheit und bietet gleichzeitig neue Möglichkeiten für die Behandlung von Depressionen. Basierend auf den “KuS-Studien“ (Klettern und Stimmung) [1] des Universitätsklinikums Erlangen wird der Trendsport nun als innovative Therapiemethode eingesetzt. Dabei werden wirksame Elemente aus bewährten Therapieansätzen [&#8230;]]]></description>
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<h3 class="wp-block-heading">Die Wirksamkeit einer alternativen Psychotherapiemethode </h3>



<p class="wp-block-paragraph" id="block-19fb5736-7f80-4802-9ce0-bb5cfafa1308">ANNE HOMMEL. <em>Der populäre Klettersport Bouldern genießt seit einigen Jahren eine immer größere Beliebtheit und bietet gleichzeitig neue Möglichkeiten für die Behandlung von Depressionen. Basierend auf den “KuS-Studien“ (Klettern und Stimmung) [1] des Universitätsklinikums Erlangen wird der Trendsport nun als innovative Therapiemethode eingesetzt. Dabei werden wirksame Elemente aus bewährten Therapieansätzen vereint. </em></p>



<span id="more-2259"></span>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color has-small-font-size wp-elements-19 wp-block-paragraph" id="block-d089a485-8728-4829-9bd7-b5da01f8b443"><strong>Vorab: Definition </strong><br>Bouldern ist das Klettern ohne Sicherungsseil und Klettergurt an Wänden in Absprunghöhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Boulderpsychotherapie handelt es sich um die Verbindung von Bewegung und körperlicher Aktivität durch das Bouldern mit psychotherapeutischen Interventionen aus der Verhaltenstherapie. [2] Die Boulderpsychotherapie erfolgt üblicherweise in Gruppen und wird dabei von geschulten Therapeut:innen begleitet. Die Therapeut:innen werden ausgebildet, damit sie sowohl über Kenntnisse und Erfahrungen zu Therapiekonzepten verfügen als auch eigene Kletterfähigkeiten nachweisen können. Auf diese Weise kann eine individuelle, bedürfnisorientierte Intervention zur gezielten Verbesserung der Symptome von Betroffenen ermöglicht werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bouldern löst eine hohe emotionale Aktivierung aus. Dahingehend können verschiedene, für die Therapie relevante, Themen bearbeitet werden und anhand ausgewählter Boulderübungen belastende Verhaltensweisen oder Denkmuster durchbrochen werden. Mithilfe des Therapeut:innenteams oder anderen Gruppenteilnehmenden können sowohl Problemlösungen besprochen und ausgewertet als auch neue Herangehensweisen entwickelt werden, um herausfordernde Situationen im Alltag aktiv besser zu bewältigen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Bouldern kommen mehrere Wirkmechanismen zusammen, die eine Psychotherapie bei Depressionen deutlich unterstützen können. Häufig setzt es am Anfang viel Überwindung und Mut voraus, sich an die Wand zu trauen. Jedoch wird man auch frühzeitig mit Erfolgserlebnissen belohnt, wenn man einen Versuch wagt, sich auf die Situation einlässt und sich ausprobiert. Dahingehend wird der Umgang mit Grenzen schnell erlernt. Eigene Fähigkeiten werden oftmals unterschätzt. Durch das Bouldern können das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl deutlich gestärkt und damit gleichermaßen das Loslösen von Ängsten erleichtert werden. [3] Insbesondere Einsteiger:innen können deutliche Fortschritte erfahren, da Bouldertechniken rasch erlernt werden. Diese erleichtern es spürbar, auch schwere Routen zu schaffen. Darüber hinaus werden für das Bouldern relevante Muskelgruppen schnell aufgebaut, sodass die Teilnehmenden zeitnah den Leistungsfortschritt an sich beobachten können. Zudem erzeugen die aktive Unterstützung der Therapeut:innen und die Ermutigung von der Gruppe in Form von gegenseitigem Zuspruch eine motivierende Atmosphäre, in der Selbstwirksamkeit maßgeblich gefördert werden kann. Bouldern ist ein sozialer Sport, da man gemeinsam über mögliche Lösungen für Routen nachdenkt und sich gegenseitig anfeuert. Ratschläge und Hilfestellungen können zusätzlich zu einer sicheren Umgebung beitragen und gleichzeitig eine heilsame Erfahrung für die Teilnehmenden darstellen. Mit der Zeit entwickelt sich ein Feingefühl für Bewegungen und Körperpositionen, wodurch positive physische Erfahrungen gemacht werden und sich ein angenehmes, ausbalanciertes Körpergefühl etabliert. Menschen, die unter Depressionen leiden, können wieder in Einklang mit ihrem Körper kommen und ihre eigene Kraft spüren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von großer Bedeutung für die Erklärung der Wirksamkeit von therapeutischem Bouldern ist, dass während des Boulderns individuelle Bewältigungs- und Lösungsstrategien aktiv ausprobiert werden können. Dadurch, dass die Konzentration durch den unmittelbar bevorstehenden Zug zum nächsten Griff vollständig beansprucht wird, werden die für Depressionen typischen Grübelschleifen unterbrochen. Man muss präsent und fokussiert bleiben, anstatt sich in Gedanken zu verlieren. Ein weiteres häufiges Symptom bei Depressionen ist, dass sich Betroffene nicht viel zutrauen, ohne es ausprobiert zu haben. Deshalb ist es von Bedeutung, sich erreichbare Ziele zu setzen. Persönliche Leistungserrungenschaften innerhalb der Bouldertherapie können dabei die Selbstwirksamkeit insgesamt stärken und dazu beitragen, sich auch im Alltag mit fordernden Situationen und neuen Aufgaben auseinanderzusetzen, ohne vorschnell aufzugeben. Das Bouldern dient somit der Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, die Boulderwand zu erleben und Erkenntnisse über sich zu gewinnen. Es wird gelernt, das Vertrauen in sich zu finden. Gleichzeitig werden individuelle Stärken entdeckt, welche die Lebensqualität steigern können. Die Teilnehmenden suchen sich Routen mit einem Schwierigkeitsgrad aus, der ihren Ansprüchen gerecht wird. So wirkt man bei Menschen mit depressiven Symptomen dem Interessensverlust an Aktivitäten entgegen. [3] Das Therapeut:innenteam ist darin geschult, unterdrückte Emotionen zu bearbeiten. Frustration beispielsweise kann schnell aufkommen, wenn Routen nicht beim ersten Versuch geschafft werden und die Teilnehmenden zu ungeduldig mit sich selbst sind oder sie ihren eigenen stark überhöhten Erwartungen nicht gerecht werden. In solchen Situationen ist es seitens der Therapeut:innen wichtig hervorzuheben, die Gefühle zu akzeptieren, anzunehmen und die Emotionen zu integrieren. Auch Angst oder Freude sind häufig auftretende Emotionen beim Bouldern. Regelmäßiges Klettern trägt dazu bei, den Umgang mit den eigenen Gefühlen zu trainieren. [4] Auch soziale Beziehungen können über eine therapeutische Boulderübung erlebbar gemacht werden. Beispielsweise werden die Themen Nähe und Distanz sowie Verantwortung und Anhängigkeit veranschaulicht, indem die Teilnehmenden eine Route gemeinsam bewältigen sollen und dabei durch ein Seil verbunden sind. [2]</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der “KuS-Studie“ konnten klinisch relevante positive Effekte auf die Selbstwirksamkeit bei Personen nachgewiesen werden, die unter Symptomen von Depressionen leiden. [5] Dabei wurde das therapeutische Bouldern mit einer Verhaltenstherapie und einem aktivierenden Bewegungsprogramm verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Bouldertherapie wirksamer ist, als mehrmals die Woche Sportübungen allein zu Hause durchzuführen. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Effekte der kognitiven Verhaltensgruppentherapie nicht über die Wirksamkeit des therapeutischen Kletterns hinausgingen. [6] Damit erweist sich die Boulderpsychotherapie als eine langfristig wirksame Therapiemethode [7] und sollte dahingehend neben etablierten Therapiekonzepten als ergänzende Behandlungsmöglichkeit von Depressionen wahrgenommen werden, um die Therapieangebote zu erweitern. Das therapeutische Bouldern zeichnet sich durch eine niedrige Hemmschwelle aus, sodass der Zugang zu dieser Therapie leichter ist als zu anderen, eher stigmatisierenden Behandlungsansätzen, da das Bouldern als eine attraktive Sportart wahrgenommen wird. [1]</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color has-small-font-size wp-elements-20 wp-block-paragraph"><strong>Weiterführende Information </strong><br>Die positiven Effekte der Boulderpsychotherapie werden auch bei anderen Krankheitsbildern wie dem Burnout oder bestimmten Formen von Angststörungen als wirksame Therapiemethode angewendet. </p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-21 wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong>:<br>[1] Uniklinikum Erlangen. Die Wissenschaft. (n.d.). <em>Psychiatrie &#8211; Uniklinikum Erlangen</em>. Retrieved February 20, 2024, from https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/forschung/app-boulderpsychotherapie/die-wissenschaft/<br>[2] Uniklinikum Erlangen. Die Therapie. (n.d.). <em>Psychiatrie &#8211; Uniklinikum Erlangen</em>. Retrieved February 20, 2024, from <a href="https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/forschung/die-therapie/">https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/forschung/die-therapie/</a><br>[3] Kranisch, L. (2023, August 17). Der Depression davonklettern: Bouldern für die psychische Gesundheit. <em>Psylife</em>. <a href="https://psylife.de/magazin/der-depression-davonklettern-bouldern-fuer-die-psychische-gesundheit">https://psylife.de/magazin/der-depression-davonklettern-bouldern-fuer-die-psychische-gesundheit</a><br>[4] Schummeck, J. (2017, April 18). Wie Bouldern gegen Depressionen helfen kann. <em>Zeit</em>. <a href="https://www.zeit.de/zett/2017-04/wie-bouldern-gegen-depressionen-helfen-kann">https://www.zeit.de/zett/2017-04/wie-bouldern-gegen-depressionen-helfen-kann</a><br>[5] Kratzer, A., Luttenberger, K., Karg-Hefner, N., Weiss, M., &amp; Dorscht, L. (2021). Bouldering psychotherapy is effective in enhancing perceived self-efficacy in people with depression: results from a multicenter randomized controlled trial. <em>BMC Psychology</em>, <em>9</em>(1), 1–14. https://doi.org/10.1186/s40359-021-00627-1<br>[6] Luttenberger, K., Karg-Hefner, N., Berking, M., Kind, L., Weiss, M., Kornhuber, J., &amp; Dorscht, L. (2022). Bouldering psychotherapy is not inferior to cognitive behavioural therapy in the group treatment of depression: A randomized controlled trial. <em>British Journal of Clinical Psychology</em>, <em>61</em>(2), 465–493. https://doi.org/10.1111/bjc.12347<br>[7] Schwarz, L., Dorscht, L., Book, S., Stelzer, E. M., Kornhuber, J., &amp; Luttenberger, K. (2019). Long-term effects of bouldering psychotherapy on depression: benefits can be maintained across a 12-month follow-up. <em>Heliyon</em>, <em>5</em>(12).<br><br>Uniklinikum Erlangen. Boulderpsychotherapie. (n.d.). <em>Psychiatrie &#8211; Uniklinikum Erlangen</em>. Retrieved February 20, 2024, from <a href="https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/forschung/die-therapie/">https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/forschung/die-therapie/</a>PD Dr. Katharina Luttenberger. <br><br>Boulderpsychotherapie bei Depression langfristig wirksam (2020, August 11). <em>Medizinische Fakultät</em>. https://www.med.fau.de/2020/08/11/boulderpsychotherapie-bei-depression-langfristig-wirksam/#pagewrapper</p>
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		<title>Liebe und Sexualität im Autismus-Spektrum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Apr 2024 18:40:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[SASKIA RIEDELBAUCH. Vermutlich würden mir die meisten zustimmen, dass es schwierig ist, einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Viele Menschen ohne Einschränkungen tun sich hierbei bereits schwer &#8211; doch wie mag es für Menschen im Autismus-Spektrum aussehen, die zusätzlich noch soziale Defizite und andere Einschränkungen haben? Was beeinflusst die Partner:innensuche von Menschen mit Autismus-Diagnose? [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">SASKIA RIEDELBAUCH. <em>Vermutlich würden mir die meisten zustimmen, dass es schwierig ist, einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Viele Menschen ohne Einschränkungen tun sich hierbei bereits schwer &#8211; doch wie mag es für Menschen im Autismus-Spektrum aussehen, die zusätzlich noch soziale Defizite und andere Einschränkungen haben? Was beeinflusst die Partner:innensuche von Menschen mit Autismus-Diagnose? Wie unterscheiden sie sich von der gesellschaftlichen Norm hinsichtlich ihrer Sexualität?</em></p>



<span id="more-2200"></span>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-29 wp-block-paragraph"><strong>Vorab: Was ist das eigentlich – Autismus-Spektrum-Störung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) gehört zu den Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung nach DSM-5 [1]. Sie umfasst andauernde Defizite sozialer Kommunikation und  Interaktion sowie rigide, repetitive Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten. So haben Betroffene Probleme bei sozial-emotionaler Gegenseitigkeit, was sich beispielsweise in ungewöhnlicher sozialer Kontaktaufnahme, einer mangelnden Wechselseitigkeit während Konversationen oder verringertem Austausch zeigen kann. Dies kann reichen bis hin zur Unfähigkeit, auf soziale Interaktionen zu reagieren. Nonverbales Kommunikationsverhalten ist defizitär bis hin zu vollständig fehlend. Dies zeigt sich zum Beispiel in Abweichungen bei Blickkontakt und Körpersprache oder in Einschränkungen beim Einsatz von Mimik. Schwierigkeiten bei der Aufnahme, der Aufrechterhaltung sowie dem Verständnis von Beziehungen liegen vor. Eingeschränkte, repetitive Verhaltensmuster, Interesse oder Aktivitäten können sich zeigen als stereotype Bewegungsabläufe oder Sprache. Des Weiteren können sie auftreten als Beharren auf Routinen oder als sehr spezifische Interessen abnormer Intensität. Eine Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen oder ein ungewöhnliches Interesse an Umweltreizen kann außerdem vorliegen. Eine erhöhte Empfindlichkeit kann sich zum Beispiel in Bezug auf (bestimmte) Geräusche zeigen, auf die ablehnend reagiert wird, da sie unangenehm oder sogar schmerzhaft empfunden werden. Das besondere Interesse an Umweltreizen kann sich beispielsweise als Faszination mit Licht oder sich drehenden Gegenständen zeigen. Die Symptome der Autismus-Spektrum Störung müssen für eine Diagnose bereits in frühen Entwicklungsphasen vorliegen, wobei sie sich aber auch erst nach Überschreitung der persönlichen Möglichkeiten durch soziale Anforderungen manifestieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autismus-Spektrum-Störung liegt bei etwa 1% der Bevölkerung vor, wobei Jungen drei bis viermal häufiger eine entsprechende Diagnose bekommen. Die Symptomatik bleibt bis ins Erwachsenenalter bestehen. Betroffene haben drei- bis viermal häufiger zusätzliche psychische und körperliche Probleme, im Vergleich mit Kontrollpersonen [2]. Des Weiteren ist ein großer Anteil an Menschen mit Autismus-Diagnose von einer Sprachstörung [3], und/oder einer Intelligenzminderung betroffen [4]. Häufig liegt eine Verzögerung der Sprachentwicklung vor, manche Menschen mit ASS entwickeln gar keine sinnvolle Sprache. Die sprachliche Kommunikation ist häufig eingeschränkt, da Inhalte und Bedeutungen nicht verarbeitet werden können, weswegen zum Teil auf bildliche Kommunikation ausgewichen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich sind die beschriebenen (möglichen) Symptome durchaus sehr unterschiedlich vertreten bei Menschen mit ASS-Diagnose. Dies betrifft das Ausmaß der Einschränkungen bzw. der Besonderheiten, als auch deren Ausprägung. Deshalb wird Autismus als Spektrum aufgefasst. Bei Verwandten von Menschen mit ASS-Diagnose liegt zum Beispiel häufiger eine mildere Form des autistischen Erscheinungsbildes ohne klinische Relevanz vor, auch als <em>broader autism phenotype </em>bezeichnet [5]. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-30 wp-block-paragraph"><strong>Die beschwerliche Suche nach der Liebe</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer denkt, Autist:innen wären nicht interessiert an romantischen Beziehungen oder Sexualität, der liegt falsch. Genauso wie die meisten anderen Menschen sehnen sie sich nach Liebe und Zuneigung. Kommunikation, Teilen, Ähnlichkeit, Respekt und Sicherheit für sich selbst und andere sowie das Arbeiten an der Beziehung – diese Punkte sah eine Gruppe von Menschen mit ASS genauso wie eine nicht-autistische Kontrollgruppe in einer qualitativen Studie als fördernd für Intimität [6]. Als Barrieren für Intimität berichteten Autist:innen besonders Unsicherheit über Beziehungen und Kommunikation. Etwa die Hälfte der Versuchsgruppe mit ASS äußerte sich unsicher in Bezug auf Erwartungen, Verhaltensweisen sowie Kommunikation, die notwendig seien für romantische Beziehungen. Des Weiteren seien ein niedriger Selbstwert, schlechte mentale Gesundheit und Fragen oder Unsicherheiten bezüglich der eigenen Identität für beide Versuchsgruppen Barrieren von Intimität. Darüber hinaus beschrieben Proband:innen mit ASS innere Konflikte von Isolation und Verfremdung. Diese führen zu Schwierigkeiten in Beziehungen oder Pessimismus gegenüber Intimität. Viele von ihnen beschrieben negative Selbstwahrnehmungen sowie internalisierte Stigma, darunter auch Sorgen über die Offenlegung ihrer Diagnose. Solche Gefühle der Ausgrenzung und die damit einhergehenden inneren Konflikte könnten den Wunsch nach dem Eingehen von Beziehungen sowie die Fähigkeit dazu beeinträchtigen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-31 wp-block-paragraph"><strong>Sexualität und Autismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht nur die sozialen Unsicherheiten und Defizite, die häufig bei Autist:innen vorkommen, stellen eine Herausforderung für Liebe und Intimität dar. Sensorische Dysregulation, die viele Menschen im Autismus-Spektrum betrifft, erzeugt Schwierigkeiten besonders im Kontext partnerschaftlicher Sexualität [7]. So kann es beim Sex beispielsweise zu sensorischer Überlastung bei Autist:innen kommen. Manche Empfindungen, die mit sexueller Aktivität assoziiert sind, können außerdem als unangenehm oder sogar schmerzhaft empfunden werden. Hinzu kann dabei kommen, dass eine Bewusstheit über körperliche Empfindungen erst verzögert auftritt, was sexuelle Begegnungen beeinträchtigen kann, besonders gepaart mit Schwierigkeiten, die veränderten Bedürfnisse zu kommunizieren. Bei manchen Autist:innen ist diese Bewusstheit über körperliche Empfindungen sehr stark oder völlig eingeschränkt, was zu vermindertem oder mangelnden Erleben von sexueller Erregung oder Stimulation führen kann. Sensorischer Überstimulation beim Sex begegneten manche Autist:innen mit der Nutzung sensorischer Barrieren, wie zum Beispiel Latexhandschuhen. Für viele Menschen mit ASS helfe außerdem die Strategie des <em>geplanten Geschlechtsverkehrs</em>. Das Festlegen von Zeitpunkten bis hin zu Abläufen wird dabei als hilfreich empfunden für das Erzeugen gemeinsamer Erwartungen. Ebenso hilfreich sei es, um den Körper und Geist möglichst in einen empfänglichen Zustand zu bringen sowie für das Treffen von Vorbereitungen, die besondere Bedürfnisse mit sich bringen. Als zentrale Strategie für erfolgreichen Sex wurde außerdem die willentliche, offene und explizite Kommunikation genannt, mit der Gefühle und Intentionen mitgeteilt und Vereinbarungen unter den Partner:innen getroffen werden können. Hierfür verwendeten einige Autist:innen gerne schriftliche Erklärungen, da es ihnen leichter falle, ihre Bedürfnisse und Anliegen auf diese Art zu kommunizieren, anstatt auf verbalem Wege. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der Sexualität von Menschen mit Autismus-Diagnose werden häufig schon vor ersten sexuellen Erfahrungen Steine in den Weg gelegt. Die sexuelle Aufklärung sei zumeist inadäquat, unzureichend oder  auch gar nicht vorhanden. So berichteten Menschen mit ASS in einer Studie, dass die sexuelle Aufklärung, die sie in der Schule erhielten, unzureichend war [8]. Eine qualitative Studie berichtete, dass Proband:innen mit ASS unangebrachte und behinderungsirrelevante sexuelle Aufklärung als beitragend für Sorgen bezüglich dem Umwerben und sensorischer Dysregulation identifizierten [7]. Die Desexualisierung von Menschen im Autismus-Spektrum bzw. von Menschen mit Behinderungen im Allgemeinen führe häufig dazu, dass die Betroffenen ausgeschlossen werden von Lernerfahrungen für Normen sexueller oder intimer Interaktionen. Dies könne nicht nur zu Wissenslücken bezüglich Sex und Sexualität führen, sondern auch zu inadäquaten Vorstellungen von Sex und zu Ängsten diesbezüglich, beispielsweise in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten. Individuen im Autismus-Spektrum würden besonders von sexueller Aufklärung profitieren, die auch Aspekte wie besondere sensorische und kommunikative Bedürfnisse adressiert und die Möglichkeit bietet, soziosexuelle Normen zu üben. Dabei wäre es besonders wichtig, dass explizit aufgeklärt und nicht „um den heißen Brei herum“ geredet wird. Differenzen in Identitäten und in Erfahrungen von Sexualität sollten normalisiert werden, vor allem im Kontext erhöhter sexueller Diversität im Autismus-Spektrum. </p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-32 wp-block-paragraph"><strong>Sexuelle Orientierung und Identität</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Verschiedene Studien berichteten höhere Raten von Bisexualität, Homosexualität und Asexualität bei Autist:innen. Maskulinität als Geschlechterrolle, gezeigt z.B. durch Durchsetzungsvermögen, Führungsverhalten und Wettbewerbsdenken, war in einer Gruppe von Erwachsenen mit ASS weniger stark ausgeprägt, als bei solchen ohne ASS [9]. In der gleichen Studie waren Burschikosität und Bisexualität überrepräsentiert bei Autistinnen, im Vergleich zu Kontrollprobandinnen. Autist:innen berichteten eine geringere Libido sowie einen späteren Beginn sexueller Aktivität. In einer Stichprobe von 24 Erwachsenen mit ASS zwischen 18 und 61 Jahren, die im Rahmen einer qualitativen Studie zu sexuellen Erfahrungen befragt wurden, zeigte sich eine geringere Wahrscheinlichkeit, „gender-conforming“ zu sein – das bedeutet, dass sie häufiger eine Geschlechtsidentität haben, die nicht zu dem Geschlecht passt, das ihnen bei ihrer Geburt zugeordnet wurde [7]. In einer Studie mit Jugendlichen zeigten Autist:innen ebenfalls niedrigere Raten heterosexueller Präferenz, höhere Raten von Bisexualität aber auch mehr Unsicherheit bezüglich sexueller Anziehung im Vergleich zu Menschen ohne ASS [10].</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-33 wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Erklärungsansätze für Unterschiede in sexueller Anziehung bei Menschen mit ASS [10]:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Menschen im Autismus-Spektrum sind nicht beeinflusst von sexuellen Normen der Gesellschaft</li>



<li>„<em>gender blindness</em>“: bei der Partner:innenwahl sind persönliche Qualitäten wichtiger als das Geschlecht</li>



<li>Höhere Raten fetaler Androgenexposition, was zu maskulinisiertem Verhalten führen könnte, wodurch erhöhte Raten von Bisexualität und Homosexualität bei Frauen mit ASS erklärt werden könnten</li>



<li>Erhöhte Asexualität könnte einerseits mit geringerer Libido als auch mit sozialen Herausforderungen bei der Partner:innenfindung zusammenhängen</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-34 wp-block-paragraph"><strong>Liebe im Spektrum</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich das Thema bildlich vor Augen führen möchte, der hat die Möglichkeit, sich auf Netflix die Reality-TV-Serie „<em>Liebe im Spektrum</em>“ von 2019 anzusehen. Die Serie zeigt Autist:innen, die auf der Suche nach Liebe sind und portraitiert, wie Dating für Menschen mit ASS aussehen kann. Die Protagonist:innen werden bei ihrer Vorstellung dazu befragt, was Liebe für sie ist. Hierbei wird schnell deutlich, dass ihre Auffassungen von Liebe sehr normal sind. Außerdem werden die Protagonist:innen samt ihrer Eigenheiten dargestellt. Viele von ihnen haben besondere Interessen, denen sie sich leidenschaftlich hingeben, wie die Paläontologie („Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdzeitalter“ [11]), Comics oder Videospiele zum Beispiel. Die sehr direkte Art der Kommunikation von einigen brachte mich beim Zusehen und -hören des Öfteren zum Schmunzeln. Was für die Autist:innen lediglich das Darstellen von Fakt oder Meinung ist, mag für neurotypische Zuschauende schon nach trockenem Humor klingen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Serie begleitet die jungen Erwachsenen auf erste Dates, für einige von ihnen die ersten Dates in ihrem Leben. Die Nervosität, Aufregung und Unsicherheit vor dem ersten Treffen, die die Autist:innen zeigen, kann ich als Zuschauerin sehr gut nachempfinden. Sie werden recht unbeholfen dargestellt – doch wer ist schon super selbstsicher bei seinem allerersten Date? Die Darstellung ihrer Unsicherheiten, Eigenheiten und Ängste aber auch ihrer Wünsche und Träume macht die dargestellten Autist:innen nahbar. Fast fühlte ich mich selbst aufgeregt, als sich zwei Autistinnen nach ihrem Date unsicher verabschieden. Die starke Sehnsucht nach Liebe, die Einsamkeit und Traurigkeit, die einige der Protagonist:innen berichten, lenkt immer wieder die Aufmerksamkeit auf die große Herausforderung, die das Dating für Menschen im Autismus-Spektrum darstellt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Einzelne Protagonisten werden im Rahmen der Serie für das Dating gecoacht. Beim Coaching wird besprochen, welche Vorstellungen die Person von potentiellen Partner:innen und von Beziehungen hat. Mithilfe von Rollenspielen werden Situationen beim ersten Date und Gespräche nachgestellt. Der Ablauf eines ersten Dates wird detailliert durchgegangen und auf einzelne Schritte runtergebrochen. Nicht nur die Gespräche und Formulierungen werden geübt, sondern der Fokus wird auch auf nonverbale Kommunikation gelenkt. Die gecoachten Autist:innen zeigen sich als sehr dankbar und lernwillig, ihre hohe Motivation für die Partner:innensuche wird deutlich. Was hier auffällt ist, dass vor allem Verhaltensweisen beigebracht werden, die Dating von neurotypischen Menschen widerspiegeln. Angewandt von Autist:innen aber, wirken sie gespielt und unauthentisch. Sara Luterman, selber Autistin, beschreibt in ihrer Kritik der Serie wie unangebracht die erlernten Verhaltensweisen vor allem bei Dates von zwei Autist:innen sind, die solches Verhalten unter Umständen gar nicht verstehen oder als wichtig erachten [13].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was beim Zuschauen bei den ersten Dates der Autist:innen auffällt, ist die sehr direkte und offene Kommunikation. Die meisten Protagonist:innen führen am Ende der Verabredung ein kurzes Gespräch mit der getroffenen Person, in dem die Fronten geklärt werden. In der Serie läuft das häufig darauf hinaus, dass lediglich der Wunsch nach einer platonischen Beziehung geäußert wird. Manchmal kommt es sogar zu Abbrüchen von Dates – so beendet eine Autistin ein Date vorzeitig, da es ihr zu formell war und Angstzustände in ihr auslöste. Ihr – ebenfalls autistischer – Begleiter zeigt sich als sehr rücksichts- und verständnisvoll. Ein anderer Autist flüchtet inmitten eines Gespräches mit einer jungen Frau, da er eine Blockade hat und nicht mehr weiß, was er hätte sagen können. Die Anspannung in den sozialen Situationen ist bei den meisten Protagonist:innen sehr hoch. Beim Sehen der Serie wird schnell deutlich, dass für viele der Autist:innen vor allem das flexible Reagieren auf verschiedene soziale Situationen, die das Dating mit sich bringt, schwerfällt. Ein Autist berichtet, er habe sich ein mentales „Skript“ mit Themen und Fragen für ein erstes Date ausgedacht, doch im Gespräch mit einer anderen Person verschwand das Skript schnell vor Nervosität. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine wissenschaftliche Betrachtung der Autismus-Spektrum-Störung findet in der Serie nicht statt. Sie dient vielmehr der Unterhaltung. Kritisiert wird von Luterman, sowie auch von Tom Harrendorf, einem deutschen Youtuber mit ASS [14], dass die Protagonist:innen infantilisiert, wie Kinder behandelt oder dargestellt, werden. Dies wird vor allem durch die Hintergrundmusik erreicht, die laut Luterman eher „für eine Dokumentation über tollpatschige Babygiraffen als für eine Reality-TV-Serie für erwachsene Menschen“ geeignet wäre. Des Weiteren kritisiert Luterman, dass lediglich eine bisexuelle Autistin in der Serie portraitiert wird – was eine nicht-repräsentative Darstellung der autistischen sexuellen Orientierungen sei. Dennoch betont sie, dass es positiv sei, wie selbstverständlich und unauffällig dargestellt wird, wie die Autistin sowohl Männer als auch Frauen datet. Außerdem kritisch sieht Luterman, dass fast alle Protagonist:innen der Serie weiß sind und die Repräsentation von People of Color unzureichend ist. Dennoch beschreibt Luterman die Serie insgesamt als gütig. Harrendorf gefiel vor allem die Authentizität der dargestellten Autist:innen mit ihren Eigen- und Besonderheiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt empfand ich die Serie als sehenswert. Sie war einerseits stellenweise sehr unterhaltsam und rührend, andererseits auch informativ. Die sehr authentischen Autist:innen werden ungefiltert samt ihrer Unsicherheiten und Besonderheiten dargestellt. Ihr Bedürfnis nach Liebe, was ihnen häufig aufgrund von sozialen Defiziten, die mit sozialem Desinteresse verwechselt werden, abgesprochen wird, wird klar dargestellt. Sie gibt einen guten Einblick in das Leben von jungen Autist:innen, in ihre Schwierigkeiten aber auch in ihre Wünsche, Träume und Bedürfnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-dark-gray-color has-white-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-35 wp-block-paragraph"><strong>Schlusswort</strong><br><em>Was klar ist: Liebe zu finden ist nicht einfach – nicht für die neurotypische Bevölkerung, aber vor allem nicht für neurodiverse Menschen, wie zum Beispiel Menschen mit Autismus-Diagnose. Die Eigenschaften, die die Autismus-Spektrum-Störung mit sich bringen, machen das Dating durchaus zu einer großen Herausforderung. Dabei sind nicht nur Defizite sozialer Kommunikation hinderlich, sondern beispielsweise auch atypische sensorische Verarbeitung, wie eine Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen. Die neurotypisch orientierte Gesellschaft macht es Autist:innen dabei vermutlich nicht gerade leicht, da Betroffenen häufig Zugang zu adäquater sexueller Aufklärung verwehrt bleibt. Hinzu kommt, dass aufgrund sozialer Schwierigkeiten häufig Lernmöglichkeiten für soziosexuelle Normen sowie Normen bezüglich von Dating und das Führen von Beziehungen zu kurz kommen. Gerade deswegen ist es besonders wichtig, Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung Lernmöglichkeiten zu bieten, beispielsweise durch speziell angepasste Aufklärungsprogramme, die auch besondere Bedürfnisse und Diversität von Sexualität mitaufgreift. Was sich manch neurotypische Person wahrscheinlich bei den Autist:innen abgucken kann, ist die klare und offene Kommunikation beim Dating &#8211; das könnte so manch komplizierte Geschichte verhindern und mehr Transparenz schaffen. Für die Gesellschaft im Ganzen ist es meiner Meinung nach wichtig, mehr Offenheit und Toleranz für Anderssein zu zeigen. Sexuelle Diversität, besondere Bedürfnisse und Eigenheiten zu normalisieren und jedem Menschen Raum zu geben, er oder sie selbst zu sein.Die Autismus-Spektrum-Störung, die rund jeden hundertsten Menschen betrifft, sollte wie jede andere psychische Störung entstigmatisiert werden. Empathie und Rücksichtnahme bezüglich der Schwierigkeiten, die neurodiverse Menschen haben, ist von großer Bedeutung. Aber es ist auch wichtig, nicht nur auf Defizite und Schwierigkeiten von Autist:innen zu schauen, sondern ihre Einzigartigkeiten zu wertschätzen.</em></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong>:<br>[1] Falkai, P., Wittchen, H. U., &amp; Döpfner, M. (2015). American Psychiatric Association: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5. Göttingen: Hogrefe.<br>[2] Croen, L. A., Zerbo, O., Quian, Y., Massolo, M. L., Rich, S., Sidney, S., &amp; Kripke, C. (2015). The health status of adults on the autism spectrum [Special Issue]. Autism, 19(7), 814-823.<br>[3] Loucas, T., Charman, T., Pickles, A., Simonoff, E., Chandler, S., Meldrum, D., &amp; Baird, G. (2008). Autistic symptomatology and language ability in autism spectrum disorder and specific language impairment. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 49(11), 1184-1192.<br>[4] Kim, Y. S., Leventhal, B. L., Koh, Y.-J., Fombonne, E., Laska, E., Lim, E.-C., … Grinker, R. R. (2011). Prevalence of autism spectrum disorders in a total population sample. American Journal of Psychiatry, 168(9), 904-912.<br>[5] Gerdts, J., &amp; Bernier, R. (2011). The Broader Autism Phenotype and Its Implications on the Etiology and Treatment of Autism Spectrum Disorders. <em>Autism Research and Treatment</em>, <em>2011</em>, 545901. https://doi.org/10.1155/2011/545901<br>[6] Sala, G., Hooley, M., &amp; Stokes, M. A. (2020). Romantic intimacy in Autism: A qualitative analysis. <em>Journal of autism and developmental disorders</em>, <em>50</em>(11), 4133–4147.<br>[7] Barnett, J. P., &amp; Maticka-Tyndale, E. (2015). Qualitative exploration of sexual experiences among adults on the autism spectrum: Implications for sex education. <em>Perspectives on sexual and reproductive health</em>, <em>47</em>(4), 171–179.<br>[8] Hannah, L. A., &amp; Stagg, S. D. (2016). Experiences of sex education and sexual awareness in young adults with autism spectrum disorder. <em>Journal of autism and developmental disorders</em>, <em>46</em>(12), 3678–3687.<br>[9] Bejerot, S., &amp; Eriksson, J. M. (2014). Sexuality and gender role in autism spectrum disorder: A case control study. <em>PLoS One</em>, <em>9</em>(1), e87961.<br>[10] May, T., Pang, K. C., &amp; Williams, K. (2017). Brief report: Sexual attraction and relationships in adolescents with autism. <em>Journal of autism and developmental disorders</em>, <em>47</em>(6), 1910–1916.<br>[11] https://www.duden.de/rechtschreibung/Palaeontologie<br>[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Neurotypisch<br>[13] https://www.spectrumnews.org/opinion/reviews/review-love-on-the-spectrum-is-kind-but-unrepresentative/<br>[14] https://www.youtube.com/watch?v=3nfLnUGI53E</p>
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		<title>Who&#8217;s Got Rhythm? &#8211; Snowball ganz sicher</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jan 2024 08:43:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#31 Tiere]]></category>
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					<description><![CDATA[JANIK DOSTERT. Tanzen, musizieren, singen &#8211; all das basiert auf der fundamentalen musikalischen Fähigkeit des Menschen, die Regelmäßigkeit in auditorischen Stimuli zu finden und sich passend dazu zu synchronisieren. Dieses sogenannte Taktgefühl wird als ein sich spontan entwickelnder, musik- und speziesspezifischer Skill angesehen. Nicht jeder Mensch beherrscht diese Fähigkeit jedoch perfekt: ca. 4% der Bevölkerung [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">JANIK DOSTERT. <em>Tanzen, musizieren, singen &#8211; all das basiert auf der fundamentalen musikalischen Fähigkeit des Menschen, die Regelmäßigkeit in auditorischen Stimuli zu finden und sich passend dazu zu synchronisieren. Dieses sogenannte Taktgefühl wird als ein sich spontan entwickelnder, musik- und speziesspezifischer Skill angesehen. Nicht jeder Mensch beherrscht diese Fähigkeit jedoch perfekt: ca. 4% der Bevölkerung in Westeuropa und Nordamerika hat beat deafness, eine Form angeborener Amusie, nach welcher man sich nicht rhythmisch zu einem Takt bewegen kann</em><strong>.</strong></p>



<span id="more-1937"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie konnte sich eine sonst so weit verbreitete, allgemeine Fähigkeit entwickeln? Naheliegend ist hier natürlich der Vergleich mit anderen Spezies, idealerweise auf verschiedenen evolutionsbedingten Verwandtschaftsgraden, um herauszufinden, welche Faktoren nötig sind, Taktgefühl hervorzubringen. Die Forschung hat sich hier auf die Musikalität als Faktor geeinigt, um dieser Fragestellung nachzugehen. <strong>Musikalität</strong> umfasst die biologischen sowie kognitiven Mechanismen, die der Wahrnehmung und Produktion von Musik an sich zugrunde liegen, im Unterschied zu allgemeinen musikalischen Aktivitäten, welche hauptsächlich von der jeweiligen Kultur geprägt sind. Henkjan Honing, Professor am <em>Institute for Logic, Language and Computation</em> an der Universität Amsterdam sieht im Taktgefühl, oder der <em>beat induction</em>, wie er es nennt, neben dem metrischen und tonalen Enkodieren von Rhythmen und Tonhöhe einen fundamentalen Aspekt der Musikalität. Erhebliche Aufmerksamkeit erreichte dieses Forschungsfeld mit der Entdeckung von Snowball, einem Gelbhaubenkakadu, der seine Kopf- und Körperbewegungen an den Takt einiger bekannter Lieder angleichen konnte. Zwar machte er das nicht immer perfekt, das Interessante war jedoch seine Fähigkeit, sich an Tempoänderungen der Lieder anzupassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies warf die Frage auf, welche Eigenschaften ein Tier besitzen muss, um solch eine Aufgabe zu meistern. Das Wissen über unsere eigenen musikalischen Fähigkeiten wächst zwar immer mehr, wir haben jedoch keine eindeutige Klarheit über die kognitiven und biologischen Mechanismen, die die Musikalität bedingen. Papageien, zu welchen auch Snowball gehört, sind sogenannte stimmliche Lerner (<em>vocal learners</em>), besitzen also die Fähigkeit, akustische und syntaktische Laute zu erzeugen und durch Imitation neue hervorzubringen, welche nicht im genetischen Repertoire der jeweiligen Art vorgesehen sind. Nicht nur der Gesang von Vögeln zählt dazu, sondern auch die menschliche Sprache. Obwohl es eine viel größere Anzahl an vokalisierenden, also generell Töne produzierenden Tiergruppen gibt, sind bis jetzt nur acht als stimmliche Lerner identifiziert worden. Dazu gehören neben dem Menschen Fledermäuse, Delfine, Wale, Robben, Elefanten und drei ferner verwandte Vogelgruppen, nämlich Singvögel, Papageien und Kolibris.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Form des Lernens ist abzugrenzen von der des auditorischen Lernens. So können Hunde zum Beispiel lernen, was &#8222;Sitz!&#8220; bedeutet, obwohl das Wort nicht Bestandteil ihres angeborenen auditorischen Repertoires ist. Sie sind jedoch nicht in der Lage das Wort &#8222;Sitz!&#8220; zu imitieren und zu produzieren, wie stimmliche Lerner es können. Dafür sind nämlich bestimmte evolutionär bedingte Veränderungen des Vorderhirns nötig, welches eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung zwischen auditorischem Input und motorischem Output beim Lernen spielt. Aniruddh Patel, Professor der Psychologie an der Tufts University in Medford, Massachusetts vertritt die Meinung, dass genau diese Vermittlung uns dabei unterstützt, mittels mentaler Simulation der Bewegung das Timing des nächsten Taktschlags vorherzusagen. Da solch eine Verbindung auch für ein akustisches Verstehen und rhythmisches Wiedergeben unterschiedlicher Taktarten nötig ist, geht man davon aus, dass ausschließlich stimmliche Lerner dazu in der Lage sein sollten. Gemäß des experimentellen Vorgehens würde der Befund, dass ein <em>vocal learner</em> nicht dazu fähig ist, rhythmische Instanzen zu erkennen oder zu imitieren eine Widerlegung der oben aufgeführten Hypothese und somit auch der Vocal-Learner-Theorie als Basis des Taktgefühls darstellen. Weiterhin würde dies die Tatsache nach sich ziehen, dass auch andere Tiere neben den acht genannten zu Taktgefühl in der Lage sind, wonach die Theorie angepasst oder erweitert werden müsste. Man weiß jetzt schon, dass die erwähnten Hirnverbindungen bei Affen nicht bestehen und in der Tat, selbst nach über einem Jahr intensiven Trainings schaffte es in einem Versuch keiner der Affen im Takt eines Metronoms zu bleiben. Jedes Mal waren sie einige Millisekunden zu spät, haben den Takt nicht antizipiert sondern immer nur darauf reagiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Studiendesign, mit dem man die Fähigkeit des Taktgefühls untersuchen kann, ist das folgende: Honing und Kollegen (2015) trainierten und testeten vier Zebrafinken aus der Gattung der Singvögel. Diese Art Vogel wird schon seit einigen Jahrzehnten für Untersuchungen in Bezug auf ihre Sing- und Erkennungsfähigkeiten im vokalen Bereich erforscht. So können sie zum Beispiel die Gesänge zweier Männchen in verschiedenen Tempovarianten unterscheiden, prosodische Sprachmuster erkennen und in Liedern eine ABAB- von einer AABB-Struktur unterscheiden. Der Versuchsaufbau bestand aus einem &#8222;go/no go&#8220;-Tasks bei welchem der Vogel auf einen Sensor mit roter LED-Leuchte pickte, wodurch ein tonaler Stimulus sowie eine zweite LED aktiviert wurde. In der Hälfte der Fälle war dies ein &#8222;go&#8220;-Stimulus (das, was wir als „taktvoll“ oder „rhythmisch“ bezeichnen würden, also eine regelmäßige Abfolge von Tönen), wonach der rechte Sensor gepickt werden musste und von einem zehnsekündigen Zugang zum Futtertrog als Belohnung gefolgt war. Neben zahlreichen anderen Faktoren, die für die Stimuli beachtet werden mussten (unter anderem eine Angleichung an jene Frequenzen, für die Zebrafinken am sensitivsten sind, die durchschnittliche Länge und Anzahl an einzelnen Tönen ihres Gesangs und ihre Diskriminationsdauer bei der Stimulusdauer), entwickelten die Forschenden für beide Bedingungen unterschiedliche Tonfolgen. Nämlich solche, die regulär auftraten und im Tempo geändert wurden (&#8222;go&#8220;-Bedingung) und solche, die ebenfalls im Tempo variiert wurden, jedoch irreguläre Abstände beinhalteten. Neben der Änderung im Tempo wurde weiterhin die Gesamtdauer des Stimulus variiert. Alle Vögel schafften es, die regelmäßigen von den unregelmäßigen Tonfolgen zu unterscheiden. Somit konnten sie zwischen den Trainingsstimuli ohne weitere Hilfsmittel außer den <em>inter-onset-Intervallen</em> (das Intervall zwischen zwei aufeinanderfolgenden Tönen) differenzieren, was zeigt, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf temporale Informationen richten können. Jedoch waren sie kaum in der Lage, die neuen isochronen Tempi voneinander zu unterscheiden. Daraus lässt sich ableiten, dass die Zebrafinken höchstwahrscheinlich keine kategoriale Wahrnehmung der isochronen vs unregelmäßigen Stimuli bildeten, sondern vielmehr eine größere Abweichung vom Trainingsstimulus, sei das jetzt schneller oder langsamer, als Indiz für die vermeintliche no go-Bedingung nahmen. Somit zeigten die Zebrafinken in dieser Studie kein direktes Taktgefühl, sondern eine exzellente, auf die Millisekunde genaue Zeitabschätzung einiger relevanter Intervalle, welche sie mit dem Trainingsstimulus vergleichen und dabei sensitiv für die marginalste Abweichung sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgehend von diesen und vergleichbaren Befunden ist man mittlerweile der Auffassung, dass stimmliches Lernen zwar eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung für das Vorhandensein von Taktgefühl ist. So fand man beispielsweise bei Seelöwen, dass sie in der Lage sind, zu Diskoliedern der 70er zu tanzen, auch wenn sie schneller oder langsamer gespielt wurden und das Tier sie zum ersten Mal hörte. Seelöwen gehören zwar zu einer Gattung, bei welchen es <em>vocal learners</em> gibt, jedoch wurde es bisher nur für Robben und nicht für Seelöwen angenommen. Patel hat aber auch hierfür eine Erklärung: es besteht die Möglichkeit, dass sie neurale Verbindungen eines gemeinsamen Vorfahren beider Spezies behalten haben, auch wenn sie selbst keine vokalen Lerner sind. Um dies mit Sicherheit sagen zu können, müssen jedoch ausführlichere Hirnscans durchgeführt werden. Weiterhin gibt es auch Fälle, bei welchen Schimpansen mit den Fingern zu einem Takt schlagen können (dieses Phänomen war jedoch limitiert auf Frequenzen, die relativ nah bei ihrem spontanen Bewegungstempo liegen). Das nächste Tier, welches Patel untersuchen möchte, ist das Pferd. Einige Besitzer haben ihm bereits mitgeteilt, dass manche Tiere ihre Bewegungen zu Musik anpassen können, wenn sie galoppieren. Ein signifikanter Befund in dieser Richtung würde neue Wege im Forschungsfeld eröffnen, da Pferde weder selbst vokale Lerner noch mit solchen verwandt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt könnte man natürlich kritisch die Frage aufwerfen, wieso dieses Thema überhaupt so ausführlich beforscht wird. Patel beantwortet dies dahingehend, dass damit zum einen biologisches Grundwissen erforscht wird. Zum anderen bieten sich aber auch medizinisch interessante Anwendungen. Zum Beispiel gibt es Evidenz dafür, dass Musik und Rhythmus Menschen mit unterschiedlichen Störungen von Parkinson bis Alzheimer hilft, wir aber nicht genau wissen, wieso. Die Entdeckung eines Tieres, welches Takt genauso verarbeitet wie der Mensch, eröffnet komplett neue Möglichkeiten für die Forschung. Natürlich ist auch der Unterhaltungswert nicht zu unterschätzen, denn wer hätte sich vor hundert Jahren denken können, dass wir einmal Papageien untersuchen werden, die zu den Backstreet Boys tanzen?</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong>:<br>[1] Bencsik, A. (2002). Phantasievoll genießen – Lebensfreude im Alltag. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder.<br>[2] Pudel, V., Westenhöfer, J. (2003). Einführung in die Ernährungspsychologie.  Göttingen: Hogrefe.<br>[3] Pudel, V (2007). Zur Psychologie des Essens und Trinkens: Essen ist mehr als Ernährung. Biologie in unserer Zeit, 37(1), 18-24.<br>[4] Franz, A. Ernährung und Psyche: stimmungsaufhellende Lebensmittel.  Abgerufen von https://www.gesundheit-und-wohlbefinden.net/ernaehrung-und-psyche-stimmungsaufhellende-lebensmittel/ 24.05.2020, 12:59Uhr<br>[5] Ehrenstein, C. (2010). Was BSE an der Fleischproduktion verändert hat.  Abgerufen am 08.06.2020 von https://www.welt.de/gesundheit/article11180741/Was-BSE-an-der-Fleischproduktion-veraendert-hat.html</p>
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		<title>The successful self-treatment of my case of writer’s block</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Nov 2023 11:51:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#44 Ernährung]]></category>
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					<description><![CDATA[Kurioses, Spektakuläres und Schockierendes aus der Forschung PAULA BÖHLMANN. Jedes Semester erneut einen Psycho-Path-Artikel zu schreiben, hat meine Kreativität beansprucht. Natürlich gibt es noch so viele Themen, aber mir springt nicht DAS Thema ins Auge. Das nennt man wohl Schreibblockade. Was kann ich dagegen machen? Ich könnte es natürlich D.&#160;Upper gleich tun. Sein Artikel „The [&#8230;]]]></description>
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<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Kurioses, Spektakuläres und Schockierendes aus der Forschung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">PAULA BÖHLMANN.<strong> </strong><em>Jedes Semester erneut einen Psycho-Path-Artikel zu schreiben, hat meine Kreativität beansprucht. Natürlich gibt es noch so viele Themen, aber mir springt nicht DAS Thema ins Auge. Das nennt man wohl Schreibblockade. Was kann ich dagegen machen? Ich könnte es natürlich D.&nbsp;Upper gleich tun. Sein Artikel „The unsuccessful self-treatment of a case of ‘writer’s block’&#8220; wurde im peer-reviewed Journal of applied behavior analysis publiziert. Das Besondere an dem Artikel: er besteht aus nichts außer der Überschrift und einem Kommentar eines Reviewers. Es ist einfach eine leere Seite [1]. Dieser Artikel hat auf eine sonderbare Art meine Schreibblockade gelöst. Er half mir, die Inspiration zurückzufinden, denn nun brannte mir eine Frage unter den Nägeln: Welche weiteren Kuriositäten hat die (psychologische) Forschung noch zu bieten? Bei meiner Recherche stieß ich auf viele lustige und teilweise schockierende Forschungsprojekte. Eine kleine Auswahl möchte ich mit euch teilen.</em></p>



<span id="more-2132"></span>



<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">Ig-Nobelpreis</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Recherche zum Thema kuriose Forschung stößt man schnell auf den satirischen Ig-Nobelpreis. Dieser wird jährlich in unterschiedlichen Fachrichtungen für Forschung, die erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringt, verliehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beispielsweise wurde er 1993 aufgrund eines neunseitigen medizinischen Forschungspapiers verliehen, das mit 972 Koautor:innen 100 mal mehr Autor:innen als Seiten besaß [2]. In Medizin wurde der Ig-Nobelpreis außerdem für die Erforschung des protektiven Effekts echter italienischer Pizza auf Krankheiten und den Tod [3] und der nasenabschwellenden Wirkung von Orgasmen vergleichbar mit Nasenspray [4] verliehen. Zudem wurde die Erkenntnis gewürdigt, dass Personen, die Käse ekelig finden beim Anblick eine stärkere Aktivierung in externen und internen Globus Pallidus und Substantia nigra haben als Menschen, die Käse mögen [5]. Apropos Käse. In Biologie wurde ein Ig-Nobelpreis für die Erkenntnis verliehen, dass Limburger Käse Mosquitos genauso anzieht wie menschliche Füße [6].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Ig-Nobelpreis für Chemie erhielten Forscher für den biochemischen Vergleich zwischen romantischer Liebe und Zwangsstörung mit dem Ergebnis, dass sich in Bezug auf Serotonin die Liebe nicht von Zwangsstörungen unterscheidet [7].</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Fachrichtung Psychologie gab es Ig-Nobelpreise unter anderem für die Forschung, ob man Narzisst:innen anhand der Augenbrauen identifizieren kann [8] und ob Tauben zwischen Bildern von Picasso und Monet unterscheiden können [9]. Die Antwort auf beide Fragen lautet: Ja! Außerdem gab es den Preis für die Erkenntnisse zum Dunning-Kruger-Effekt (Selbstüberschätzung aufgrund Schwierigkeiten, die eigene Inkompetenz wahrzunehmen) [10].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Bereich Frieden gibt es einige bemerkenswerte Projekte. Beseris, et al. (2020) fanden Evidenz, dass Bärte bei Schlägen das Gesicht schützen können [11]. Wenn der Schlag dann trotzdem Mal wehtut, hat ein anderes mit dem Ig-Nobelpreis gewürdigtes Projekt eine Lösung: Es wurde herausgefunden, dass Fluchen schmerzlindernd wirkt [12].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Idee, statt scharfer Munition das Wort „Bang“ zu verwenden, erhielt die British Royal Navy 2000 den Friedens-Ig-Nobelpreis [13]. Doch für den Friedens-Ig-Nobelpreis muss es nicht immer so frei von Waffen zugehen. A. Zuokas erhielt den Preis für seine videodokumentierte Demonstration, dass das Problem mit falschgeparkten Luxusautos gelöst werden könne, indem man mit einem Panzer drüberfährt [14].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere interessante Forschungsprojekte, die einen Ig-Nobelpreis erhalten haben, findet ihr auf der Internetseite des Ig-Nobelpreisgründers Marc Abrahams:&nbsp; <a href="https://improbable.com/ig/winners/">https://improbable.com/ig/winners/</a>. Es lohnt sich wirklich, denn es gibt fast alles: Software, die erkennt, wann eine Katze über die Tastatur läuft, Voodoo-Puppen für den Chef und Fluchmotivation beim Autofahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">Selbstexperimente der besonderen Art</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Von sich auf andere schließen, ist etwas, was wir alle ständig tun. Mit der Annahme, ein für die Grundgesamtheit repräsentatives Individuum zu sein, machten sich einige Wissenschaftler:innen abseits der Doppelblindstudien daran, ihre Hypothesen zuerst an sich selbst zu testen. Der uns allen bekannte Sigmund Freud führte beispielsweise Selbstversuche mit Kokain durch [15].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch andere Forscher:innen brachten ihren Körper für die Wissenschaft in Gefahr. Angst um das eigene Leben? Fehlanzeige! So testete der Arzt Werner Forßmann in den 1920ern, ob es möglich war, einen Herzkatheter durch eine Ader in der Ellenbeuge einzusetzen. Es funktionierte tatsächlich: Er selbst setzte sich den Katheter erfolgreich ein [16].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicolae Minovici erlangte die Erkenntnis, dass Personen beim Erhängen nicht durch Ersticken, sondern durch die unterbrochene Blutzufuhr zum Gehirn sterben. Wie er das herausfand? Er strangulierte sich insgesamt zwölfmal selbst und in einem Versuch hing er sogar mit vollem Gewicht in einer sich zusammenziehenden Schlinge. Folge waren Blutergüsse und eine Kehlkopffraktur [17].</p>



<p class="wp-block-paragraph">John Paul Stapp wollte in den 1940/50ern herausfinden, wie viel Einwirkung von Beschleunigungskräften ein Mensch überleben kann. Sein Raketenschlitten in der Wüste, in dem er viele Male höchst persönlich saß, beschleunigte innerhalb weniger Sekunden auf bis zu 1017&nbsp;km/h, um gleich danach wieder innerhalb weniger Sekunden abzubremsen. Dabei lieferte Stapp seinen Körper dem bis zu 46-fachen der Erdbeschleunigung aus, brach sich mehrere Rippen und erlitt Verbrennungen aufgrund des Wüstensands sogar trotz Schutzkleidung [18].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">Abseits des Unterhaltsamen: Studien, die heute kein Ethikvotum bekommen würden</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Bei meiner Recherche bin ich leider nicht nur auf witzige Forschungsprojekte oder spektakuläre und teilweise absurde Selbstexperimente gestoßen, sondern auch auf die dunklen Abgründe der Forschung. Wissenschaftler:innen setzten nicht nur sich selbst drastischen Prozeduren aus, sondern auch Proband:innen hatten einiges zu durchleiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um Proband:innen vor mitunter barbarischen Versuchen zu schützen, wurde Ende der 1960er die erste Ethikkommission in den USA eingerichtet [19]. In Deutschland wurde die ersten Ethikkommission 1973 an den Unis in Ulm und Göttingen gegründet [20]. Ethikkommission, braucht man das? Psycholog:innen sind doch von Hause aus empathische Menschen. Richtig? Falsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte euch vier Studien, die heute kein Ethikvotum bekommen würden, vorstellen. Diese sind Beispiele für die haarsträubenden Forschungspraktiken, die jedoch in keinster Weise das ganze grausame Ausmaß abbilden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Beispiel des kleinen Alberts werden die meisten von uns aus der Uni kennen. 1920 war es vollkommen in Ordnung einem 11&nbsp;Monate altem Kind eine Tierphobie zu induzieren. Dies geschah, indem man ihm eine weiße Ratte zeigte und zeitgleich einen lauten Knall erzeugte. Nach mehreren Durchgängen reagierte Albert mit starker Angst auf die Ratte. Diese Angstreaktion wurde sogar auf andere Tiere mit Fell generalisiert. Eine Gegenkonditionierung fand nicht statt. Alles für die Erkenntnisse zum klassischen Konditionieren [21].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war jedoch nicht das einzige Mal, dass Kinder bei sehr fragwürdigen Studien zum Versuchsobjekt wurden. Im Rahmen der Monsterstudie testete Wendell Johnson 1939 seine Hypothese, dass Stottern bei Kindern durch Verunsicherung aufgrund der Korrektur von kleinen sprachlichen Fehlern durch Eltern und Lehrer:innen ausgelöst werde. Dafür unterzog er in einem Waisenhaus Kinder mit einer normalen Sprachentwicklung einer vermeintlichen Sprachtherapie. Dabei wurden die Kinder auf winzige Fehler angesprochen, zum Kontrollieren ihrer Sprache angehalten und kontraproduktive Gegenmaßnahmen angewandt. Infolgedessen wiesen fünf von sechs behandelten Kindern Sprachprobleme auf [22].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch viele Jahrzehnte später bedienten sich Forschende noch sehr bedenklichen Studiendesigns. Um herauszufinden, ob die Brutalität von Wärter:innen in Gefängnissen auf die Gefängnis-Situation oder eine sadistische Persönlichkeit zurückzuführen sei, entwickelte Zimbardo das Stanford-Prison-Experiment. Hier wurden den Versuchspersonen (24 Männer) zufällig die Rolle als Gefangener oder Wärter zugeteilt. Schnell zeigte sich, dass die Wärter ihre Machtposition ausnutzten. Die Gefangenen bekamen Nummern statt Namen, wurden öffentlich gedemütigt und mussten Liegestütze als körperliche Bestrafung machen. Nach der Niederschlagung eines Aufstandes wurde der Zusammenhalt zwischen den Gefangenen durch die Wärter gebrochen, indem sie die Gefangenen in gut und schlecht einteilten. Gute Gefangene bekamen Privilegien wie sich waschen oder zur Toilette gehen zu dürfen. Für schlechte Gefangene gab es Eimer anstatt eines Toilettengangs. Nach sechs Tagen – nicht mal die Hälfte der ursprünglich geplanten Zeit – brachen die Experimentator:innen den Versuch ab. Aber dennoch waren es sechs Tage, die die Experimentator:innen den emotionalen Zusammenbrüchen der Gefangenen und den Demütigungen durch die Wärter zusahen [23].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">1983 lief an der University of California at Los Angeles (UCLA) ein Experiment zur Vorhersage von Psychosen. Eingeschlossen wurden Personen, die die Kriterien für eine Schizophrenie erfüllten. Den Proband:innen wurden die Medikamente abgesetzt, was zu Rückfällen führte. Sowohl die Aufklärung vorher als auch die Überwachung der Patient:innen währenddessen war unzureichend. Ein Proband der Studie, Antonio LaMadrid, sprang im Rahmen seines Rückfalls von einem Campus-Gebäude der UCLA und verstarb [24].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h1 class="wp-block-heading has-large-font-size">Humoristische Einstreuungen in Papern</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Nach diesen vier grausigen Studien, die leider nur ein winziger Ausschnitt dessen sind, was Proband:innen psychologischer Experimente im letzten Jahrtausend erdulden mussten, möchte ich meinen Artikel jedoch mit etwas Schönem beenden: Forschungsberichte, die einem nicht vor Schock über die Grausamkeit einen kalten Schauer über den Rücken jagen, sondern Paper, die ein Lächeln auf die Lippen zaubern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eingangs beschrieben publizierte D. Upper im <em>Journal of applied behavior analysis</em> eine leere Seite [1]. Doch da gibt es noch mehr.&nbsp; Auch in erstgemeinten Artikeln versteckt sich manchmal etwas zum Schmunzeln und jede Menge Kreativität. Zum Beispiel schrieben Bunnett &amp; Kearley (1971) ein Paper in Versform (siehe Abbildung) [25].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Acknowledgements haben ebenfalls Potential. C. Brown nutzte sie beispielsweise, um seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen [26]. Doch nicht immer dienen die Ackowledgements Dank oder Liebe. Chierichetti et al. (2010) schrieben unter der Überschrift <em>Unacknowledgements</em> „This work is ostensibly supported by the the Italian Ministry of University and Research under the FIRB program, project RBIN047MH9-000. The Ministry however has not paid its dues and it is not known whether it will ever do.” [sic] [27].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal muss man aber gar nicht bis zu den (Un)aknowledgements runterscrollen, sondern man erkennt den Humor der Autor:innen bereits am Titel. Meine persönlichen Top Ten der witzigsten Titel:<br><em>Platz 10: <strong>Lasagna plots: a saucy alternative to spaghetti plots</strong> [28]<br>Platz 9: <strong>AMPK wars: the VMH strikes back, return of the PVH </strong>[29]<br>Platz 8: <strong>Everything you always wanted to know about sex &#8230; in flies</strong> [30]<br>Platz 7: <strong>Smells Like Clean Spirit: Nonconscious Effects of Scent on Cognition and Behavior</strong> [31]<br>Platz 6: <strong>The relational model is dead, SQL is dead, and I don&#8217;t feel so good myself</strong> [32]<br>Platz 5: <strong>Fantastic yeasts and where to find them: the hidden diversity of dimorphic fungal pathogens </strong>[33]<br>Platz 4: <strong>You probably think this paper&#8217;s about you: narcissists&#8216; perceptions of their personality and reputation</strong> [34]<br>Platz 3: <strong>The mouth, the anus, and the blastopore—open questions about questionable openings</strong> [35]<br>Platz 2: <strong>Snakes on a spaceship—An overview of Python in heliophysics</strong> [36]<br>Platz 1: <strong>miR miR on the wall, who’s the most malignant medulloblastoma miR of them all?</strong> [37]</em></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Upper D. (1974). The unsuccessful self-treatment of a case of &#8222;writer&#8217;s block&#8220;. <em>Journal of applied behavior analysis</em>, <em>7</em>(3), 497. https://doi.org/10.1901/jaba.1974.7-497a<br>[2] [6] E. Topol, R. Califf, F. Van de Werf, P. W. Armstrong et al. (1993). An International Randomized Trial Comparing Four Thrombolytic Strategies for Acute Myocardial Infarction. <em>The New England Journal of Medicine, 329</em>(10), 673–682.<br>[3] Gallus, S., Bosetti, C., Negri, E., Talamini, R., Montella, M., Conti, E. et al. (2003). Does Pizza Protect Against Cancer?. <em>International Journal of Cancer, 107</em>(2), 283-284.<br>[4] Bulut, O. C., Oladokun, D., Lippert, B. M., &amp; Hohenberger, R. (2023). Can sex improve nasal function? — An exploration of the link between sex and nasal function. <em>Ear, Nose &amp; Throat Journal</em>, <em>102</em>(1), 40-45.<br>[5] Royet, J.-P., Meunier, D., Torquet, N., Mouly, A.-M. &amp; Jiang, T. (2016). The Neural Bases of Disgust for Cheese: An fMRI Study. <em>Front. Hum. Neurosci.</em> <em>10</em>, 511. doi: 10.3389/fnhum.2016.00511<br>[6] Knols, B. (1996). On Human Odour, Malaria Mosquitoes, and Limburger Cheese<em>.</em> <em>The Lancet.</em> <em>348</em>, 1322, doi:10.1016/S0140-6736(05)65812-6<br>[7] Marazziti,D., Akiskal, H. S., Rossi, A. &amp; Cassano, G. B. (1999). Alteration of the platelet serotonin transporter in romantic love. <em>Psychological Medicine. 29</em>(3), 741–74.<br>[8] Giacomin, M. &amp; Rule, N. O. (2019). Eyebrows cue grandiose narcissism. <em>Journal of Personality, 87</em>(2), 373-385. https://doi.org/10.1111/jopy.12396<br>[9] Watanabe, S., Sakamoto, J. &amp; Wakita, M. (1995). <em>Pigeons’ Discrimination of Paintings by Monet and Picasso</em>. In: <em>Journal of the Experimental Analysis of Behavior</em>, <em>63</em>, 165–174, PMC&nbsp;1334394<br>[10] Kruger, J., &amp; Dunning, D. (1999). Unskilled and unaware of it: how difficulties in recognizing one&#8217;s own incompetence lead to inflated self-assessments. <em>Journal of personality and social psychology</em>, <em>77</em>(6), 1121<br>[11] Beseris, E. A., Naleway, S. E., &amp; Carrier, D. R. (2020). Impact protection potential of mammalian hair: Testing the pugilism hypothesis for the evolution of human facial hair. <em>Integrative organismal biology</em>, <em>2</em>(1), obaa005.<br>[12] Stephens, R., Atkins, J., &amp; Kingston, A. (2009). Swearing as a response to pain. <em>Neuroreport</em>, <em>20</em>(12), 1056-1060.<br>[13] BBC (2000). Verfügbar unter: http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/757788.stm [abgerufen: 29.05.2023, 22:23]<br>[14] Zuokas, A. (2011). Vilnius Mayor A.Zuokas Fights Illegally Parked Cars with Tank. Verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=V-fWN0FmcIU [abgerufen: 29.05.2023, 22:08]<br>[15] Schott, H. (o.D.). Freuds Selbstversuche mit Kokain als Moment seiner Selbstanalyse, Verfügbar unter: https://www.biusante.parisdescartes.fr/sfhm/hsm/HSMx1982x017xspec2/HSMx1982x017xspec2x0252.pdf [abgerufen: 22.05.2023, 12:19]<br>[16] Bröer, R. (2004). Der Herzkatheter-Selbstversuch: Dichtung und Wahrheit. <em>ÄrzteZeitung.</em> Verfügbar unter https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Der-Herzkatheter-Selbstversuch-Dichtung-und-Wahrheit-317637.html [abgerufen: 22.05.2023, 13:02]<br>[17] Hollstein, S. Hängen für die Wissenschaft, Spektrum, Verfügbar unter: https://www.spektrum.de/news/haengen-fuer-die-wissenschaft/1641836 [abgerufen: 22.05.2023, 13:44]<br>[18] Hollstein, S. (2019). Der menschliche Crashtest-Dummy. <em>Spektrum.</em> Verfügbar unter: https://www.spektrum.de/news/der-menschliche-crashtest-dummy/1675686 [abgerufen: 22.05.2023, 14:17]<br>[19] Hilpert, K. (2022). Ethikkommissionen. <em>Staatslexikon</em>. Verfügbar unter: https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Ethikkommissionen [abgerufen: 22.05.2023, 15:37]<br>[20] Arbeitskreis Medizinischer Ethik-Kommissionen (o.D.). Geschichte der Forschungsethik. Verfügbar unter https://www.akek.de/geschichte-der-forschungsethik/ [abgerufen: 22.05.2023, 15:46]<br>[21] Dorsch Lexikon der Psychologie (2016). Kleiner Albert. Hogrefe. Verfügbar unter: https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/kleiner-albert [abgerufen: 22.05.2023, 14:51]<br>[22] Paulus, J. (2003). Die amerikanische Monster-Studie. <em>Wissenschaft</em>. Verfügbar unter: https://www.wissenschaft.de/allgemein/die-amerikanische-monster-studie/ [abgerufen: 22.05.2023, 17:02]<br>[23] Zimbardo, P. G., Haney, C., Banks, W. C., &amp; Jaffe, D. (1971). <em>The Stanford prison experiment</em>. Zimbardo, Incorporated.<br>[24] Rovner, S. Y. (1992). Ethic concerns raised in schizophrenia study. <em>Washington Post</em>. Verfügbar unter: https://www.washingtonpost.com/archive/lifestyle/wellness/1992/09/29/ethics-concerns-raised-in-schizophrenia-study/92a01b0c-de57-4b30-8720-e16a5910bb5a/ [abgerufen: 22.05.2023, 16:29]<br>&nbsp;[25] Bunnett, J. F. &amp; Kearley, F. J. (1971). Comparative mobility of halogens in reactions of dihalobenzenes with potassium amide in ammonia.&nbsp; <em>J. Org. Chem,</em> <em>36</em>(1), 184–186. https://doi.org/10.1021/jo00800a036<br>[26] Brown, C. M. &amp; Henderson D. M. (2015). A New Horned Dinosaur Reveals Convergent Evolution in Cranial Ornamentation in Ceratopsidae. <em>Current Biology, 15</em>(12), 1641-1648. https://doi.org/10.1016/j.cub.2015.04.041<br>[27] Chierichetti, F., Lattanzi, S. &amp; Panconesi, A. (2010). Rumour spreading and graph conductance. In <em>Proceedings of the twenty-first annual ACM-SIAM symposium on Discrete Algorithms</em> (pp. 1657-1663). Society for Industrial and Applied Mathematics. https://doi.org/10.1137/1.9781611973075.135<br>[28] Swihart, B. J., Caffo, B., James, B. D., Strand, M., Schwartz, B. S., &amp; Punjabi, N. M. (2010). Lasagna plots: a saucy alternative to spaghetti plots. <em>Epidemiology (Cambridge, Mass.)</em>, <em>21</em>(5), 621.<br>[29] López, M. (2018). AMPK wars: the VMH strikes back, return of the PVH. <em>Trends in Endocrinology &amp; Metabolism</em>, <em>29</em>(3), 135-137.<br>[30] Arbeitman, M. N., Kopp, A., Siegal, M. L., &amp; Van Doren, M. (2010). Everything you always wanted to know about sex &#8230; in flies. Sexual development : genetics, molecular biology, evolution, endocrinology, embryology, and pathology of sex determination and differentiation, 4(6), 315–320. https://doi.org/10.1159/000320632<br>[31] Holland, R. W., Hendriks, M., &amp; Aarts, H. (2005). Smells Like Clean Spirit: Nonconscious Effects of Scent on Cognition and Behavior. Psychological Science, 16(9), 689–693. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2005.01597.x<br>[32] Atzeni, P., Jensen, C. S., Orsi, G., Ram, S., Tanca, L., &amp; Torlone, R. (2013). The relational model is dead, SQL is dead, and I don&#8217;t feel so good myself. <em>ACM Sigmod Record</em>, <em>42</em>(2), 64-68.<br>[33] Van Dyke, M. C. C., Teixeira, M. M., &amp; Barker, B. M. (2019). Fantastic yeasts and where to find them: the hidden diversity of dimorphic fungal pathogens. Current opinion in microbiology, 52, 55–63. https://doi.org/10.1016/j.mib.2019.05.002<br>[34] Carlson, E. N., Vazire, S., &amp; Oltmanns, T. F. (2011). You probably think this paper&#8217;s about you: narcissists&#8216; perceptions of their personality and reputation. <em>Journal of personality and social psychology</em>, <em>101</em>(1), 185.&nbsp;<br>[35] Hejnol, A., &amp; Martindale, M. Q. (2009). The mouth, the anus, and the blastopore—open questions about questionable openings. <em>Animal Evolution: Genomes, Fossils, and Trees</em>, 33-40<br>[36] Burrell, A. G., Halford, A., Klenzing, J., Stoneback, R. A., Morley, S. K., Annex, A. M., &#8230; &amp; Ma, J. (2018). Snakes on a spaceship—An overview of Python in heliophysics. <em>Journal of Geophysical Research: Space Physics</em>, <em>123</em>(12), 10-384.<br>[37] Wang, X., Holgado, B. L., Ramaswamy, V., Mack, S., Zayne, K., Remke, M., &#8230; &amp; Taylor, M. D. (2018). miR miR on the wall, who’s the most malignant medulloblastoma miR of them all?. <em>Neuro-oncology</em>, <em>20</em>(3), 313-323.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das große Persönlichkeits-Gemüse-Inventar: Welches Gemüse bist du?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Nov 2023 07:58:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#44 Ernährung]]></category>
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					<description><![CDATA[PAULA BÖHLMANN &#38; LILLY MANN. Menschen sind wie Radieschen – keins gleicht dem anderen. Das sagt man doch so, oder? Aber wie lassen sich die ganzen noch so unterschiedlichen Persönlichkeiten einheitlich beschreiben? Richtig, zum Beispiel mit den Big Five Persönlichkeitsmerkmalen: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Erfassen lässt sich die Ausprägung der Persönlichkeitseigenschaften [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">PAULA BÖHLMANN &amp; LILLY MANN.<em> Menschen sind wie Radieschen – keins gleicht dem anderen. Das sagt man doch so, oder? Aber wie lassen sich die ganzen noch so unterschiedlichen Persönlichkeiten einheitlich beschreiben? Richtig, zum Beispiel mit den Big Five Persönlichkeitsmerkmalen: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus.</em></p>



<span id="more-2125"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Erfassen lässt sich die Ausprägung der Persönlichkeitseigenschaften mit dem NEO-Fünf-Faktoren-Inventar nach Costa und McCrae (NEO-FFI; Borkenau &amp; Ostendorf, 2008) [1]. NEO-FFI, schön und gut, aber was bringt mir mein Neurotizismus-Score? Die viel entscheidendere Frage ist doch, welches Gemüse ich bin. Die Antwort auf die weltbewegende Frage, was deine Persönlichkeitseigenschaften umgerechnet in Gemüse bedeuten, wollen wir dir mit dem (noch nicht ganz, naja, eigentlich gar nicht) validierten Persönlichkeits-Gemüse-Inventar nach Ratatouille (Mann &amp; Böhlmann, 2023) [2] beantworten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Durchführung ist ganz einfach. Beantworte die Fragen, addiert die Zahlen in Klammern getrennt nach Subskala und schaut in welche Kategorie Gemüse ihr fallt. Am Ende sollte das fünf Gemüsesorten ergeben, die euch beschreiben. Zaubert euch daraus doch gleich ein leckeres Gericht. Bon Appétit!</p>



<h1 class="wp-block-heading">Offenheit für Erfahrungen</h1>



<h2 class="wp-block-heading">Fragen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1 Wie experimentierfreudig bist du beim Essen?</strong><br>a) Zum Frühstück Nutella-Brot und und abends Pestonudeln (1)<br>b) Ich bestelle im Restaurant prinzipiell das, was ich noch nie zuvor gehört habe (3)<br>c) Ich probiere auch gern mal mir unbekannte Rezepte, solange ich mir unter der Zutaten-Kombination grob etwas vorstellen kann. (2)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2 Wenn du einen Kuchen bäckst, wird es …</strong><br>a) … eine kunstvoll verzierte Motivtorte mit Pecanussböden und einer Basilikum-Ganache (3)<br>b) … Omas traditioneller Apfelkuchen ohne Schnickschnack. (1)<br>c) … irgendein interessant und lecker klingendes Rezept aus dem Internet (2)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3 Dein Geburtstag steht vor der Tür. Was wünschst du dir?&nbsp;</strong><br>a) Da stellt sich keine Frage. Seit Jahrzehnten wird in unserer Familie dieser eine wahre Spätzledrücker weitergegeben. Da weiß ich genau, was ich bekomme. (1)<br>b) Ich bin neugierig und schaue, was es auf dem Gadgetmarkt alles Neues gibt. Hauptsache ich kann die Bedienungsanleitung lesen und es hat gute Bewertungen. (2)<br>c) Ich bin absolut hyped. Ich wollte schon immer einmal Mochi traditionell selber machen. Dafür brauche ich auch nur 50 verschiedene Geräte und …ehm am besten einen Kochkurs. (3)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4 Deine Inspiration für Rezepte holst du …</strong><br>a) … überall her, wo ich bin. Ein Spaziergang reicht schon. Die verschiedenen Gerüche, Formen und Farben lassen ein Bild eines neuen Rezepts vor meinen Augen erscheinen. (3)<br>b) … ganz klar, aus dem kleinen und bewährten Kochbuch im Regal. (1)<br>c) … aus dem Internet oder ich frage Menschen nach ihren Rezepten, um mich inspirieren zu lassen. Halte mich aber an ihre Empfehlungen. (2)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>5 Du bist in einer neuen Stadt. Dein Magen knurrt und der Geldbeutel ist endlos gefüllt, wofür entscheidest du dich?</strong><br>a) Für die gute alte Restaurantkette. Da kenne ich mich aus. Es schmeckt und das ist das Wichtigste. (1)<br>b) Fusion-Kitchen ich komme. Je ausgefallener die Karte, umso besser. Mein Gaumen wurde für Experimente geboren. (3)<br>c) Ich weiß genau, welche Küchen mir schmecken, aber ich brauche kein bekanntes Restaurant. Hauptsache ich habe einen groben Überblick über die Speisekarte. (2)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswertung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3 – 6: Sauerkraut</strong><br>Sauerkraut steht für die traditionelle Küche und so bist du auch eher ein Gewohnheitstier. So wie sich auch das Sauerkraut nur sehr selten in neue Gefilde wie einen Kuchen traut, bist auch du konventionell und vorsichtig in Bezug auf Unbekanntes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>7 – 11: Gurke</strong><br>Gurken kann man auf verschiedene Arten essen: Im Salat, im Sushi, im Tzatziki oder als saure Gurke. Wie sich auch eine Gurke mal auf den Grill verirrt, bist auch du eher neugierig und offen für die unterschiedlichsten Erfahrungen. Doch am Ende des Tages magst du es auch mal konventionell wie der gute alte Gurkensalat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>12 – 15: Kartoffel</strong><br>Kartoffeln findet man in den unterschiedlichsten Gerichten: Bratkartoffeln, Pommes, Kartoffelgratin, Gnocchi, Kartoffelpuffer, … Kaum ein Gemüse ist so wandelbar. So wie Kartoffeln vielseitig sind, sind auch deiner Kreativität und Entdeckerfreude quasi keine Grenzen gesetzt.</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><strong>Geruchssinn und psychische Erkrankungen</strong><br>Das Gebiet zum Zusammenhang von Riechen und Kranksein steckt noch in den Kinderschuhen. Die Kausalitätsfragen können Forscher:innen aktuell noch nicht beantworten. Aber es tauchen immer mehr Ergebnisse aus Experimenten und Studien auf, die darauf hindeuten, dass es einen Zusammenhang zwischen einem weniger gut ausgebildeten Geruchssinn und psychischen und neurodegenerativen Störungen wie Schizophrenie, Depressionen, Autismus oder Parkinson gibt [3]. So machten Dresdner Forscher:innen im Jahr 2014 in einem Experiment mit 31 Teilnehmenden die Entdeckung, dass stinkende Eier in einem traurigen Zustand als weniger ekelerregend wahrgenommen wurden als im Normalzustand. Zudem sei diese weniger intensive Verarbeitung auch im Gehirn messbar. Demnach scheint es eine Verbindung zwischen einem geringeren Geruchsvermögen und depressiven Verstimmungen zu geben [3].&nbsp;</p>



<h1 class="wp-block-heading">Verträglichkeit&nbsp;</h1>



<h2 class="wp-block-heading">Fragen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1 Wie kompromissbereit bist du beim Kochen mit anderen Leuten?</strong><br>a) Ich einige mich mit den anderen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Wenn niemand hinschaut, würze ich aber doch nochmal mit meinem Lieblingsgewürz nach. (2)<br>b) Mir ist beim gemeinsamen Essen am wichtigsten, dass es allen schmeckt. Dafür nehme ich mir gern Zeit, um nach Kompromissen zu suchen. (3)<br>c) Die Ananas kommt auf die Pizza, egal was alle anderen sagen! (1)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2 Gibt es bei dir am Abend vor der dreistündigen Zugfahrt Knoblauch?</strong><br>a) Auf jeden Fall, und zwar so viel wie möglich. So schlimm ist der Knoblauchgeruch nun auch wieder nicht. (1)<br>b) Eine kleine Zehe für den Geschmack geht schon. (2)<br>c) Nein, an diesem Tag lasse ich den Knoblauch weg. Ich möchte niemanden mit meinem Knoblauchgeruch belästigen. (3)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3 Eine andere Person bittet dich beim Kochen, weniger Chili zu benutzen, weil er/sie das nicht so gut verträgt. Was machst du?</strong><br>a) Ich würze wie immer. (1)<br>b) Ich freue mich, dass die Person mir das mitgeteilt hat. Ich möchte schließlich nicht, dass es jemandem nach dem Essen schlecht geht und überlasse das Würzen der Person. (3)<br>c) Ich benutze weniger Chili, kann mir aber den Kommentar, dass es schärfer besser schmeckt, nicht verkneifen. (2)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4 Du und deine Freund:innen überlegen, in welches Restaurant ihr essen gehen wollt. Das Essen in dem von allen anderen präferierten Restaurant schmeckt dir überhaupt nicht. Was machst du?</strong><br>a) Ich sage den anderen, dass ich dort nichts finde, was mir schmeckt, und bringe noch einmal mein Lieblingsrestaurant ins Gespräch. Am Ende füge ich mich jedoch der Mehrheit. (3)<br>b) Ich behaupte, allergisch gegen eine spezielle Zutat zu sein, die dort in allen Gerichten verwendet wird. (1)<br>c) Ich lasse mir mit der Tischreservierung extra viel Zeit. Vielleicht ist ja dann schon ausgebucht. Nicht? Schade, dann muss ich da wohl durch. (2)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>5 Dein großer Bruder verteilt die Teller. Alle haben vier Pilze auf der Pizza. Du nur drei. Was machst du?</strong><br>a) Es ist ein Pilz auf der Pizza. Who cares? (3)<br>b) Ich tausche schnell die Teller mit meinem/r Sitznachbarn:in aus. (2)<br>c) Ich zeige allen, dass ich damit nicht einverstanden bin und breche, wenn nötig, einen Streit vom Zaun. (1)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswertung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3 – 6: Kohl</strong><br>Oh weh! Der Kohl bereitet vielen Menschen nach dem Verzehr tüchtige Darmwinde und gelegentlich auch Bauchkneifen. Zusätzlich dazu ist er nur selten eine gute Wahl als Beetpartner. Er gilt als anspruchsvoll und Starkzehrer. Auch du bist teilweise unnachgiebig. Fingerspitzengefühl ist entscheidend. Dosieren die anderen ihren Umgang mit dir nicht richtig, wirst du schnell giftig oder gehst ein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>7 – 11: Kürbis&nbsp;</strong><br>Glückwunsch! Du bist dem Gemüse mit der harten Schale und dem weichen Kern sehr nahe. Pflänzchen wie dich muss man nur zu den richtigen Beetkumpels setzen. Dann blühst du auf und lässt alle daran teilhaben. Kürbis-Menschen wird nachgesagt, dass wenn ihre Schale einmal gebrochen ist, ein weicher Kern voller Potential entfaltet wird.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>12 – 15: Pflücksalat</strong><br>Du bist wie ein Pflücksalat. Ein:e gute:r Beetpartner:in für mehr als eine Gartensaison. (Auf) dich kann man setzen. Du teilst dich wie der Salat seine Blätter und bringst immer wieder Neues hervor. Du bist verträglich und unterstützt allein durch deine Präsenz deine Mitmenschen.&nbsp;</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><strong>Chili als Skill</strong><br>Bestimmte psychische Erkrankungen wie Angststörungen und die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung Typ Borderline gehen mit Spannungszuständen einher. Um diese angespannten Zustände zu reduzieren oder zu lösen, können Betroffene zu verschiedenen Skills (Fertigkeiten) greifen. Chili befindet sich bei vielen im Skill-Koffer. Der scharfe Geruch und Geschmack lenken den Fokus weg aus der Situation und hin auf die Schärfe. [4].</p>



<h1 class="wp-block-heading">Extraversion</h1>



<h2 class="wp-block-heading">Fragen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1 Worauf freust du dich beim gemeinsamen Grillen am meisten?</strong><br>a) Auf mein Steak oder meine gegrillte Aubergine. (1)<br>b) Auf die schönen gemeinsamen Gespräche (3)<br>c) Auf die Kombination aus Freund:innen treffen und gutem Essen (2)&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2 Wo isst du am liebsten?</strong><br>a) Beim Laufen, weil ich es richtig nervig finde, ruhig dazusitzen. (3)<br>b) Oben auf dem Gipfel nach einer anstrengenden Wanderung. (2)<br>c) In meinem gemütlichen Ohrensessel in eine Kuscheldecke gewickelt. (1)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3 Wie kochst du?&nbsp;</strong><br>a) Meistens mag ich es gemütlich. Ich koche mir ein Gericht ohne großen Energieaufwand und mache mir dann einen schönen Abend mit mir selbst und einem guten Buch. (1)<br>b) Mal so, mal so. Mal soll es schnell auf die Hand gehen, mal nehme ich mir Zeit für eine längere Kochsession. Mal für mich allein, mal mit Freund:innen. Ich bin da flexibel. (2)<br>c) Wenn ich koche, wird das auch zelebriert. Ich lade meine Freund:innen ein und lasse meine ganze Energie in die Zubereitung des Festmahls fließen. Ohne Fleiß kein Reis mit geilem Scheiß (3).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4 Du hast dir vorgenommen, dein Lieblingsrezept von Omi nachzukochen. Aber Überraschung: es klappt nicht, denn bei Omi schmeckt es am besten. Was machst du?&nbsp;</strong><br>a) Google, mein Freund und meine Helferin. Irgendjemand hat bei Gute-Frage.net sicher schon mal beantwortet, warum Oma-Essen prinzipiell besser schmeckt. (1)<br>b) Ich nehme den Topf und pack ihn auf den Gepäckträger. Statten wir Oma mal einen Besuch ab. Sie wird es schon richten und dann können wir uns noch einen schönen Quasselabend machen. (3)<br>c) Ich hänge mich ans Telefon und löchere Oma mit Fragen, wie ich das Essen noch retten kann. (2)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>5 Bei der Feier, bei der jede:r etwas Kulinarisches beigesteuert hat, …</strong><br>a) … bin ich supergut gelaunt und habe extra Probierhäppchen mitgebracht, damit ich allen Anwesenden meine außerordentliche Kreation unter die Nase halten kann. (3)<br>b) … freue ich mich über meine Gabe und stelle meine Schüssel zentral auf das Buffet. (2)<br>c) … stelle ich still und heimlich meinen Anteil an den Rand des Tisches und sage nur auf Nachfrage, dass ich dies mitgebracht habe. (1)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswertung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3 – 6: Spinat</strong><br>Spinat ist zurückhaltend: Sowohl pur, in herzhaften Gerichten als auch als Ballaststoffquelle im Green-Smoothie schmeckt er nicht hervor, sondern passt sich den restlichen Gewürzen und Zutaten an. Auch du bist eher still und lässt anderen in Gesprächen den Vortritt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>7 – 11: Paprika</strong><br>Die Paprikafrucht ist ein wahrer Alleskönner – egal ob als strukturgebende Zutat in Saucen und Salat oder als wahrer Geschmacksträger frisch geröstet in Currys und Pasten. Genau wie du. Wandelbar und je nach Stimmung mal auffälliger als wahre (Geschmacks)-Explosion und mal etwas zurückhaltend, aber wahrnehmbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>12 – 15: Knoblauch</strong><br>Wie auch Knoblauch, der nicht nur in jedem Gericht tonangebend ist, sondern auch am nächsten Tag noch einen bleibenden Eindruck hinterlässt, gehst du gern aus dir heraus. Du bist gesellig und magst es, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen.</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><strong>Kochen als Therapie</strong><br>Therapie bedeutet nicht immer sitzen oder liegen und dabei reden. Es gibt viele verschiedene Ansätze (diesem Thema haben wir unsere letzte Ausgabe gewidmet. Für alle, die neugierig geworden sind, gibt es die Ausgabe auf unserer Website zum Nachlesen). Wusstest du, dass sich auch Kochen als Therapieform immer weiter etabliert? Kochen wirkt verhaltensaktivierend und fördert Kreativität sowie Bewältigungsstrategien. Beim gemeinsamen Kochen sollen soziale Kompetenzen gewonnen werden. Oftmals geht auch ein Erwerb von freudigen Gefühlen mit dem Kochen einher [5].</p>



<h1 class="wp-block-heading">Gewissenhaftigkeit</h1>



<h2 class="wp-block-heading">Fragen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1 Wie sehr hältst du dich ans Rezept?</strong><br>a) Ich besitze eine Waage, mit der ich Hefe aufs Milligramm genau dosieren kann. (3)<br>b) Ich improvisiere höchstens bei den Gewürzen, sonst gilt ein Toleranzbereich von +/- 10 g (2)<br>c) Was ich nicht da habe, lasse ich weg oder ersetze es. Welchen Toleranzbereich ich habe? Keine Ahnung, Küchenwaagen sind etwas für Anfänger:innen. Ich mache das nach Augenmaß. (1)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2 Wie hältst du es mit dem Aufräumen der Küche?</strong><br>a) Morgen ist auch noch ein Tag (1)<br>b) Nach dem Essen (2)<br>c) Während des Kochens, mit geputzter Küche schmeckt es gleich viel besser (3)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3 Du wurdest gebeten, zur Geburtstagsfeier einer Freundin einen Kuchen mitzubringen.</strong><br>a) Ich mache sofort einen genauen Plan, was ich backen möchte und kaufe rechtzeitig alle Zutaten ein, um am Abend zuvor den Kuchen genau nach Rezept zuzubereiten. (3)<br>b) Ich vergesse es und hole auf dem Weg schnell einen Fertigkuchen. (1)<br>c) Ich suche am Abend zuvor ein Rezept, was zu den Zutaten passt, die ich noch Zuhause habe. (2)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4 Es ist 19:00 Uhr und deine Dinnergäste stehen wie vereinbart vor der Tür. Was machst du?</strong><br>a) Vorbereitung ist das A&amp;O. Ich öffne ihnen mit einem Aperitif die Tür und führe sie direkt zum gedeckten Tisch. Alle Gänge sind auf die Minute vorbereitet und ich behalte den Überblick. (3)&nbsp;<br>b) Ahhhh. Es ist schon 19:00 Uhr. Ich bin völlig überfordert und öffne als Chaos selbst die Tür. Meine Gäste dürfen sich selbst Wasser einschenken, während ich noch einmal überprüfe, ob ich überhaupt alle Zutaten daheim habe. (1)<br>c) Uff&#8230; das ist aber knapp. Ich schaffe es mit einem improvisiert entspannten Auftreten die Tür zu öffnen. Zum Glück habe ich die Vorspeise schon fertig und das Hauptgericht im Ofen. Hoffentlich bleibt für das Dessert noch genügend Zeit. (2)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>5 Wie oft taust du den Kühlschrank ab?</strong><br>a) Hä? Was ist Abtauen? Der soll doch kühlen. (1)<br>b) In jeden Semesterferien. Am Tag nach der letzten Klausur ist das meine Belohnung für die überstandene Prüfungsphase. (3)<br>c) Sobald dank der dicken Eisschicht die Pizza nicht mehr ins Tiefkühlfach passt und im Gemüsefach Pilze wohnen, ohne dass ich welche gekauft habe. Dann unterziehe ich den Kühlschrank doch mal einer Grundreinigung. (2)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswertung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3 – 6: Banane (Wir wissen, Bananen sind Obst, aber findet mal ein ungesundes Gemüse)</strong><br>Aufgrund des höheren Zuckeranteils gilt die Banane als eine der ungesündesten Obstsorten. Wie die Banane sich wenig für den Blutzuckerspiegel der Konsument:innen interessiert, gehst auch du eher unbekümmert durchs Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>7 –11: Tomate (ja, ja ist auch eine Frucht; wissen aber viele nicht)</strong><br>Bei Tomaten weiß man nie so richtig, was man bekommt. Mal sind sie süß, mal eher intensiv fruchtig bis hin zu leichten, säuerlichen Noten. Auch du steckst voller Überraschungen. Bei einigen Dingen bist du sehr sorgsam und gewissenhaft, mal scherst du dich aber auch gar nicht.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>12 – 15: Sprossen</strong><br>Du bist eine Sprosse und somit das Superfood schlechthin. Sprossen enthalten eine hohe Konzentration an wertvollen Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen und erlauben somit eine effektive Aufnahme von Spurenelementen. Auch du legst großen Wert auf Effizienz und Sorgfalt.&nbsp;</p>



<h1 class="wp-block-heading">Neurotizismus</h1>



<h2 class="wp-block-heading">Fragen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1 Das Essen ist angebrannt. Wie reagierst du?</strong><br>a) Ich renne panisch durch die Küche und bin super frustriert, weil das Essen nicht mehr zu retten ist. (3)<br>b) Ich ärgere mich und fluche, während ich das Verbrannte abkratze. (2)<br>c) Yeah, Röstaromen! (1)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2 Du bist in 3 Stunden auf einem Fest eingeladen und stellst nun fest, dass der Kartoffelsalat fürs Buffett schlecht geworden ist. Was machst du?&nbsp;</strong><br>a) Kein Problem. Ich kaufe einen im Supermarkt und streue ein bisschen frische Kräuter drüber. Wird schon nicht auffallen. (1)<br>b) Ich bin etwas besorgt, stelle mich aber noch einmal in die Küche. Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle, aber am Ende steht der Salat und ich bin zufrieden. (2)<br>c) Ich hatte schon so ein doofes Gefühl, als ich ihn zubereitet habe. Ich bin jetzt noch unsicherer. Soll ich nochmal einen Neuen machen? Und wenn ja, schwäbischer Kartoffelsalat oder mit Majo? Hilfe! (3)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3 Welche Gedanken kommen dir beim Eischnee oder Aquafaba schlagen?</strong><br>a) Geil! Muskeln beim Backen. Mega (1)<br>b) Schmerzt jetzt schon mein ganzer Körper… muss ich das wirklich? (3)<br>c) Ist zwar nervig, aber wird sich lohnen. (2)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4 Beim Kochen…</strong><br>a) &#8230; verlasse ich mich gern auf die anderen. Ohne sie wäre ich aufgeschmissen. (3)<br>b) &#8230; bin ich mein eigener Chef. Ich komme am liebsten selbst zur Rätsels Lösung. (1)<br>c) &#8230; probiere ich mich gern selbst aus, aber frage bei Problemen auch nach Hilfe. (2)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>5 Du überschlägst die Sahne für die Schwarz-Wälder-Kirschtorte und hast jetzt Butter. Wie reagierst du?</strong><br>a) Ich schlage einen neuen Becher Sahne für den Kuchen auf und verfeinere meine selbstgemachte Butter mit Knoblauch. Win-win: Leckere Torte und geile Knoblauch-Butter. Heute ist mein Glückstag. (1)<br>b) Jetzt ist alles versaut. Entmutigt kratze ich mein Missgeschick in den Müll und werfe frustriert die Tortenböden gleich hinterher. (3)<br>c) Dann gibt es halt Buttercreme statt Schlagsahne. Was soll’s. Warum ist backen immer so unnötig stressig? (2)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswertung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3: Honig</strong><br>Du bist zwar kein Gemüse, aber zuckersüß und schier unendlich haltbar. Wie Honig strotzt du allen Umweltbedingungen und bist quasi nicht zu verderben. An deine Unkaputtbarkeit kommt kein Gemüse ran!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4 – 7: Gewürzgurke</strong><br>Vor allem die Bananen unter uns haben sicher ein Gewürzgurkenglas im Kühlschrank, was dort bereits seit Monaten offensteht und immer noch essbar ist. So wie die Gewürzgurke bist auch du widerstandsfähig und lässt dich von quasi Nichts aus der Ruhe bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8 – 11: Nüsse</strong><br>Nüsse halten ewig, aber sind nicht für die Unendlichkeit gemacht. Dafür sind sie auch viel zu lecker! Genau wie Nüsse bist du sehr genügsam und ausdauernd. Aber irgendwann sollte sich eine Lösung finden, sonst wirst du sauer.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>12 – 15: Pilz</strong><br>Frische Pilze muss man bei der Lagerung mit Sie ansprechen, sonst werden sie schnell mal schimmelig. Aber das ist ja bei den ganzen seltenen und wertvollen Inhaltsstoffen wie Kalzium, Selen oder Vitamin D auch klar. Genau wie ein Pilz steckst du voller besonderer Eigenschaften, bist empfindsam und deshalb auf Wohlfühlatmosphäre angewiesen, um dein Potential zu entfalten.&nbsp;</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><strong>Big-Five im Wandel der Zeit</strong><br>Mit seinen circa 90 Jahren hat das Big-Five-Modell schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Die Forschung ging nicht spurlos an ihm vorbei. So kam es durch die Forscher Ashton und Lee zu einer Weiterentwicklung um einen weiteren Faktor. Ergänzend zu den fünf Faktoren der Persönlichkeit lösten sie das Begriffspaar Ehrlichkeit – Humilität aus dem Faktor der Verträglichkeit, unter welchem es beim Big-Five-Modell erfragt wird, und gaben ihm eine eigene Dimension. Dieses erweiterte HEXACO- Modell findet in der Praxis jedoch weniger Anwendung als das altbewährte NEO-Fünf-Faktoren-Inventar nach Costa und McCrae [6]<em>.&nbsp;</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Unsere Kombination</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um unseren top validen, objektiven und reliablen Fragebogen einer kritischen Prüfung zu unterziehen, haben wir ihn an exakt zwei Probandinnen getestet – uns selbst. Auch wenn die Größe der Normierungsstichprobe zu wünschen übriglässt, spricht das Ergebnis für sich. 100&nbsp;% der Testpersonen sind zufrieden mit der Gemüsezusammensetzung ihrer Persönlichkeit. Was will man mehr?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lilly</strong><br>Bei mir gibt es einen reichhaltigen Pflücksalat. Schwung kommt mit gebratenen Pilzen und geschmorter Paprika rein. Als Kohlenhydratquelle dürfen gebackene Kartoffeln nicht fehlen und Sprossen runden den Schmackofatz ab.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Paula</strong><br>Ich röste Nüsse in einer Pfanne an und streue sie als Topping zusammen mit Sprossen über meinen frischen Pflücksalat. Dazu serviere ich knusprige Knoblauchkartoffeln.</p>
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		<title>Ernährung und mentale Gesundheit: Ich bin, was ich esse</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Oct 2023 14:51:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#44 Ernährung]]></category>
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					<description><![CDATA[HELENE KÜHN. Eine Psychiaterin am Massachusetts General Hospital bemerkt Muster in der Ernährung ihrer Patient:innen und dem Verlauf depressiver Symptome, daraufhin beginnt sie eine Ausbildung zur Köchin. Heute leitet Uma Naidoo den Nutritional Psychiatry Service in den USA und hat ein Buch darüber geschrieben, welche Rolle die Ernährung bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen spielt. Das Feld [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">HELENE KÜHN. <em>Eine Psychiaterin am Massachusetts General Hospital bemerkt Muster in der Ernährung ihrer Patient:innen und dem Verlauf depressiver Symptome, daraufhin beginnt sie eine Ausbildung zur Köchin. Heute leitet Uma Naidoo den Nutritional Psychiatry Service in den USA und hat ein Buch darüber geschrieben, welche Rolle die Ernährung bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen spielt. Das Feld der Ernährungspsychologie ist noch relativ jung, aber durchaus vielversprechend. Ist es möglich, dass etwas so vermeintlich Einfaches, wie eine Ernährungsumstellung, als mögliche Prävention oder Intervention bei Depression eingesetzt werden kann?</em></p>



<span id="more-2139"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Seit relativ kurzer Zeit wird der Zusammenhang zwischen Ernährung und Depression erforscht. Studien, die Ernährungsweisen untersuchten, fanden Zusammenhänge zwischen einem erhöhten Depressionsrisiko und der sogenannten „Western Diet“, einer Ernährungsform, die Fast Food, stark verarbeitete Lebensmittel, gesättigte Fettsäuren und Zucker beinhaltet [1]. Wie es so oft der Fall ist, unterscheiden sich die Studien methodologisch sehr stark, sodass es schwierig ist, sich ein Gesamtbild zu verschaffen oder eine gute Empfehlung für die beste Ernährung zu geben. Trotzdem wird eine Umstellung der Ernährung zumindest als eine mögliche Form der Intervention bei Depression diskutiert. Im Folgenden sollen einige Studienergebnisse zusammengefasst werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass der Darm und das Gehirn eng miteinander verbunden sind, ist schon länger bekannt (und kann außerdem auch im Psycho-Path in der Ausgabe 37 nachgelesen werden). Dementsprechend kann die Ernährungsform über den Vagusnerv, der unter anderem die Verbindung zwischen beiden herstellt, einen Einfluss auf das Gehirn haben. Die Art der Ernährung führt dabei zu Veränderungen im Mikrobiom, was wiederum einen Einfluss auf das Verhalten haben kann, also zum Beispiel depressives oder ängstliches Verhalten bedingen kann [7].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine groß angelegte Studie mit fast 15000 Studierenden in Spanien verfolgte die Ernährung und die Entwicklung depressiver Symptome über 10 Jahre [2]. Während zu Beginn keine:r der Teilnehmenden depressive Symptome zeigte, berichten die Autor:innen von 774 Fällen von Depressionen zum Zeitpunkt des Follow-Up. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang mit der Ernährung: Personen, die eher stark verarbeitete energiereiche Lebensmittel zu sich nahmen, die per Definition wenig Ballaststoffe und wenige wichtige Nährstoffe enthalten, hatten ein höheres Risiko, depressive Symptome zu entwickeln. Eine wichtige Rolle könnte dabei der Mangel an bestimmten Mikronährstoffen spielen, die in stark verarbeiteten Lebensmitteln nicht oder in zu geringen Mengen vorkommen. Dazu zählen Vitamine, Minerale, aber auch Omega-3-Fettsäuren, die wichtig für eine gesunde Hirnfunktion sind. Besonders bekannt sind die Vitamine B12 und D, wobei ein Mangel mit verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen im Zusammenhang steht. Stark verarbeitete Lebensmittel beinhalten gleichzeitig mehr Trans-Fettsäuren sowie Zucker, wobei beides&nbsp; auch mit einem erhöhten Depressionsrisiko in Verbindung gebracht wurde [6]. Bei einer eher einseitigen Ernährung, die zum Beispiel der Western Diet folgt, nimmt auch die Diversität der Bakterien im Darm ab. Das begünstigt eine Vermehrung „schlechter“ Bakterien, die gesundheitsschädliche Folgen haben können. Unter anderem über diesen Mechanismus können Lebensmittel die chemischen Signale, die über den Vagusnerv vom Darm zum Gehirn gelangen, verändern [4].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen schützenden Effekt scheint die sogenannte mediterrane Diät zu haben. Dabei handelt es sich um eine Ernährungsform, die viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und ungesättigte Fettsäuren enthält, aber wenig Fleisch- und Milchprodukte beinhaltet. Viele Studien weisen darauf hin, dass Personen, die sich eher gemäß einer mediterranen Diät ernähren, ein geringeres Risiko haben, eine Depression zu entwickeln. Diese Ernährungsform erhöht die Anzahl bestimmter förderlicher Bakterien, die einen positiven Einfluss auf kurzkettige Fettsäuren haben, die wiederum Hormone beeinflussen, welche Effekte im Gehirn bedingen und über diesen Mechanismus Verhalten beeinflussen können [3].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Studien untersuchen den Einfluss der Ernährung auf das Risiko, eine Depression zu entwickeln. In einem Review wurden einige Studien zusammengefasst, die depressive Patient:innen untersuchten, die an Diätinterventionen teilnahmen. Die Interventionen umfassten unter anderem eine mediterrane Diät, Fettreduzierung oder eine erhöhte Vollkornaufnahme. In allen Studien fielen Verbesserungen depressiver Symptome nach der Intervention auf, wenn auch im Rahmen sehr verschiedener Zeitfenster (10 Tage bis ein Jahr) und mit verschiedenen Messinstrumenten für depressive Symptome [5].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund dieser Ergebnisse ist es nicht abwegig, eine Änderung der Ernährung als eine mögliche therapiebegleitende Intervention bei Depression einzusetzen. Vor allem eine antiinflammatorische, antioxidante Diät, also mediterrane Diät, scheint bis zu einem gewissen Grad depressive Symptome verhindern oder verringern zu können. Das bedeutet, dass auch gesunde Personen über ihre Ernährung ihrer psychischen Gesundheit etwas Gutes tun können – was natürlich keineswegs heißt, dass gänzlich auf das gelegentliche Fast Food oder die Schokolade verzichtet werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Adjibade, M., Julia, C., Allès, B., Touvier, M., Lemogne, C., Srour, B., Hercberg, S., Galan, P., Assmann, K. E., &amp; Kesse-Guyot, E. (2019). Prospective association between ultra-processed food consumption and incident depressive symptoms in the French NutriNet-Santé cohort. <em>BMC Medicine</em>, <em>17</em>(1), 78. https://doi.org/10.1186/s12916-019-1312-y<br>[2] Gómez-Donoso, C., Sánchez-Villegas, A., Martínez-González, M. A., Gea, A., Mendonça, R. D. D., Lahortiga-Ramos, F., &amp; Bes-Rastrollo, M. (2020). Ultra-processed food consumption and the incidence of depression in a Mediterranean cohort: The SUN Project. <em>European Journal of Nutrition</em>, <em>59</em>(3), 1093–1103. https://doi.org/10.1007/s00394-019-01970-1<br>[3] Lassale, C., Batty, G. D., Baghdadli, A., Jacka, F., Sánchez-Villegas, A., Kivimäki, M., &amp; Akbaraly, T. (2019). Healthy dietary indices and risk of depressive outcomes: A systematic review and meta-analysis of observational studies. <em>Molecular Psychiatry</em>, <em>24</em>(7), 965–986. https://doi.org/10.1038/s41380-018-0237-8<br>[4] Naidoo, U. (2020). <em>This is Your Brain on Food: An Indispensable Guide to the Surprising Foods that Fight Depression, Anxiety, PTSD, OCD, ADHD, and More.</em> Hachette.<br>[5] O’Neill, S., Minehan, M., Knight-Agarwal, C. R., &amp; Turner, M. (2022). Depression, Is It Treatable in Adults Utilising Dietary Interventions? A Systematic Review of Randomised Controlled Trials. <em>Nutrients</em>, <em>14</em>(7), 1398. https://doi.org/10.3390/nu14071398<br>[6] Sánchez-Villegas, A., Verberne, L., De Irala, J., Ruíz-Canela, M., Toledo, E., Serra-Majem, L., &amp; Martínez-González, M. A. (2011). Dietary Fat Intake and the Risk of Depression: The SUN Project. <em>PLoS ONE</em>, <em>6</em>(1), e16268. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0016268<br>[7] Sandhu, K. V., Sherwin, E., Schellekens, H., Stanton, C., Dinan, T. G., &amp; Cryan, J. F. (2017). Feeding the microbiota-gut-brain axis: Diet, microbiome, and neuropsychiatry. <em>Translational Research</em>, <em>179</em>, 223–244. https://doi.org/10.1016/j.trsl.2016.10.002</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Meditation &#8211; Kann man Freiheit erlernen?</title>
		<link>https://psycho-path.de/meditation-kann-man-freiheit-erlernen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Oct 2023 16:58:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#37 Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[#mehr_titel]]></category>
		<category><![CDATA[achtsamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[erfahrung]]></category>
		<category><![CDATA[meditation]]></category>
		<category><![CDATA[ruhe]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Selbstversuch SOPHIE MARKS. Für mich war Meditation immer etwas, was nicht alle konnten. Man sitzt irgendwo im Lotussitz auf einem Berg, wiederholt alle paar Sekunden „Ommm“ und versetzt seine Gedanken in einen absoluten Ruhestand. Als wirklich alltagstauglich hätte ich es nicht eingeschätzt, dabei ist es in der heutigen Zeit mehr denn je von Vorteil. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-larger-font-size wp-block-paragraph">Ein Selbstversuch</p>



<p class="wp-block-paragraph">SOPHIE MARKS.<strong> </strong><em>Für mich war Meditation immer etwas, was nicht alle konnten. Man sitzt irgendwo im Lotussitz auf einem Berg, wiederholt alle paar Sekunden „Ommm“ und versetzt seine Gedanken in einen absoluten Ruhestand. Als wirklich alltagstauglich hätte ich es nicht eingeschätzt, dabei ist es in der heutigen Zeit mehr denn je von Vorteil. Von früh bis spät werden wir abgelenkt: Vom Netflix-Gucken bis zur Uni-Vorlesung und auf dem Weg noch Musik hören, da es sonst langweilig wird. Nachts, wenn wir keine externen Einflüsse mehr spüren, kommen die Gedanken, die tagsüber keine richtige Chance hatten, sich frei zu entfalten und das wird schnell anstrengend, wenn man doch eigentlich zur Ruhe kommen will.&nbsp;&nbsp;</em></p>



<span id="more-2083"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag 1</em>: Nach einer kleinen Recherche habe ich mich dazu entschlossen, zum einen Atemmeditationen, wo man sich ausschließlich auf den eigenen Atem konzentriert und versucht, alle anderen Sinnesempfindungen auszublenden, und zum anderen geführte Meditationen zu unterschiedlichen Themen auszuprobieren. Dafür habe ich mir ein paar wenige YouTube-Videos von der Berliner Yogalehrerin Mady Morrison herausgesucht, die mir in meinem Selbstversuch helfen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erhoffe mir von den kommenden Tagen und Wochen, dass mir Meditation hilft, abzuschalten, da ich eigentlich jemand bin, dessen Kopf erst dann anfängt, voll zu arbeiten, wenn ich zur Ruhe kommen will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am ersten Abend habe ich mir ein Video für eine 10-minütige Meditation für Anfänger herausgesucht und gleich gemerkt, dass es mir hilft, wenn ich mich auf eine andere Stimme konzentriere. So kann ich leichter meine Gedanken ignorieren. Generell fiel es mir sehr leicht, mich auf wenige Dinge zu konzentrieren. Das lag aber wahrscheinlich daran, dass ich kurze Zeit davor noch Sport gemacht hatte und meine Gedanken so still waren, weil ich einfach erschöpft war. Ganz egal, der erste Tag war schon mal ein kleiner Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag 2: </em>Ich brauche fast jeden Abend mindestens 20 Minuten, um im Bett herunterzufahren und einzuschlafen. Dann fängt mein Kopf an zu rattern und zu grübeln, zur Ruhe komme ich dabei nicht. Also habe ich mir abends zur Schlafenszeit ein paar Minuten Zeit genommen, um mich bewusst auf meinen Atem zu konzentrieren und ich muss sagen, es fiel mir ein wenig leichter, danach schnell einzuschlafen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es funktionieren würde, die Atemmeditation im Liegen auszuführen und sich sozusagen in den Schlaf zu meditieren. Wenn man seine Gedanken zur Seite schiebt und sich nur auf wenige Empfindungen fokussiert, kann der Schlaf uns einfacher und schneller überrollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sehr viel zu beobachten, wenn man sich voll und ganz auf seinen Atem als Meditationsobjekt fokussiert. Dabei sollte man den Atem ganz natürlich kommen und gehen lassen, ohne etwas beeinflussen zu wollen. Wie fühlt es sich an, wie sich der Brustkorb hebt und senkt? Wie lange halte ich zwischen dem Ein- und Ausatmen die Luft an? Auf solche Details kann man sich konzentrieren. Man kann auch seine Atemzüge zählen oder innerlich die Wörter „ein“ und „aus“ wiederholen. [1]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am besten sitzt man aufrecht, zum Beispiel auf einem Stuhl oder mit dem Rücken an der Wand, wie es bequem ist. Es ist nicht verboten, sich zu bewegen, wenn beispielsweise der Nacken schmerzt, dann ist es intuitiv, den Kopf ein wenig kreisen zu lassen. Oft kann es vorkommen, dass man sich schläfrig fühlt. Dann hilft es, sich wieder aufrechter hinzusetzen oder auch die Augen zu öffnen und sich auf einen Punkt zu konzentrieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag 3: </em>Heute habe ich meine Meditation mal nicht zu Hause ausgeführt, sondern auf der Zugfahrt. Es war der 30. Oktober, der Mittwoch vor einem langen Wochenende, die Bahn war zum Platzen voll. Ohne die Möglichkeit, zu arbeiten oder wirklich produktiv zu sein, war es früher oder später so weit, dass ich mich nicht mehr ablenken konnte und anfing genervt zu sein. Genervt von meinem Sitznachbarn, der sich alle 30 Sekunden räusperte oder seine Nase hochzog, genervt von meinem Gegenüber, der ganz in Ruhe seine Mohrrüben lautstark aß und genervt davon, genervt zu sein. Also habe ich meine Kopfhörer als Ohrstöpsel umfunktioniert, meine Augen geschlossen und fing an, so gut wie möglich alle Geräusche auszublenden und mich auf meine Atmung zu konzentrieren. Auch wenn ich das nur ein paar Minuten durchgehalten habe, bevor die Störreize aus meiner Umgebung Überhand nahmen, hat es mir geholfen, ein bisschen ruhiger zu werden. Erschöpft war ich nach dieser nervenaufreibenden Zugfahrt trotzdem, aber für den Moment war es hilfreich und auch nach der kleinen Meditationsübung war ich insgesamt ruhiger als zuvor.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag 6: </em>Am sechsten Tag meditierte ich mit Hilfe eines 16-minütigen YouTube-Videos. Die erste Zeit klappte das auch ganz gut, allerdings kamen zum Ende hin mehr und mehr Gedanken auf und meine Konzentration ließ nach, weshalb ich nach knapp 10 Minuten für den Tag aufhörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Psychotherapie wird Meditation gerne eingesetzt. Vor allem bei stressinduzierten Krankheiten helfen mehrwöchige Programme, wie das Mindfulness Based Stress Reduction Programm, welches in acht Wochen verschiedene Übungen durchläuft, von den Grundübungen bis zu anspruchsvolleren Techniken. Angefangen bei einfachen Meditationen im Sitzen steigert sich der Schwierigkeitsgrad bis hin zu Meditationen im Gehen oder auch in Yogastellungen. Ein Teil des Programms ist außerdem der Bodyscan, eine Körpermeditation, in der die Wahrnehmung des eigenen Körpers geschult wird, was dabei helfen kann, Anspannungen früher wahrzunehmen und sie somit oft besser regulieren zu können. In mindestens 30-45 Minuten wird jedem Körperteil, vom kleinen Zeh bis zum Kiefer, Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei soll vor allem auf Verspannungen geachtet werden, doch auch gewöhnliche Sinnesempfindungen, wie eine kalte Hand, werden beachtet und zur Kenntnis genommen. Im Gegensatz zur Progressiven Muskelentspannung, der PMR, wird hier eher der Geist entspannt, durch das achtsame Wahrnehmen der Körperempfindungen. Bei der PMR wird nach und nach jedes Körperteil für einige Sekunden angespannt, was eher zu einer körperlichen Entspannung führt. [2]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag 9: </em>Auch heute habe ich es nicht geschafft, meine Konzentration bis zum Ende des Videos aufrecht zu erhalten. In mir kommen Zweifel auf, da es die ersten Tage so gut funktioniert hat. Ich beschließe, in nächster Zeit auf die geführten Mediationen zu verzichten, sondern allein so lange meine Konzentration es zulässt, zu meditieren. Die Fortschritte, die ich bei mir beobachten konnte, waren logischerweise in den ersten Tagen größer. Ich will mich davon aber nicht entmutigen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag 15: </em>Ich muss gestehen, dass ich mir in den letzten Tagen nicht konsequent jeden Tag die Zeit genommen habe, zu meditieren, weshalb ich auch keine weiteren Fortschritte beobachten konnte. Ich schaffe es einige Minuten sehr fokussiert zu sein, was mich auch beruhigt und entspannt. Verlängert hat sich dieses Zeitintervall nicht, was ich aber nicht als negativ bewerten würde. Kurze, 10-minütige Meditationen passen viel besser in meinen alltäglichen Zeitplan, ich bin nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt angewiesen, sondern kann mir die Zeiten flexibel legen. Wer damit Probleme hat, Meditation zu einer Gewohnheit zu machen, kann allerdings ausprobieren, sich einen bestimmten Zeitpunkt dafür auszusuchen. Nach dem Zähneputzen am Morgen oder vor dem Schlafengehen am Abend sind beliebte Zeiten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt zahlreiche Vorteile, die bei einer regelmäßigen Anwendung der Meditationsübungen, auftreten. Eine bessere Konzentrationsleistung, bewusstere Entspannung im Alltag, ein leichterer Umgang mit Stress und achtsamere Wahrnehmung sind nur wenige Beispiele. [2]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag 19: </em>Eine Atemmeditation im Liegen hilft mir immer noch sehr gut abends schnell einzuschlafen. Ich finde es sehr angenehm, die Gedanken kommen und gehen zu lassen, ohne sie festzuhalten. Auch bei Problemen oder Sorgen fällt es mir mittlerweile leichter, sie „wegzuatmen“, um mich dann ausgeschlafen am nächsten Tag mit ihnen zu beschäftigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag 21: </em>Nach drei Wochen mehr oder weniger täglichem Meditieren ist mein Selbstversuch zu Ende. Was für mich der größte Fortschritt bzw. die größte Erkenntnis der letzten Wochen war? Eindeutig das schnellere Einschlafen. Jahrelang hat es mich geärgert, dass ich so lange brauche, um meine Gedanken herunterzufahren. Während mein Freund neben mir nach drei Minuten friedlich schlummerte, lag ich neben ihm und war neidisch. Das große Problem ist, wenn man erstmal verärgert ist, nicht einschlafen zu können, fällt das Einschlafen noch schwerer. Es ist ein ziemlich tolles Gefühl, dass man sich nach einiger Übungszeit, so relativ leicht, in den Schlaf atmen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht nur vor dem Schlafen sind solche Entspannungsübungen angenehm. Auch wenn ich an einigen Tagen den Kopf voller Probleme aus der Uni oder von der Arbeit hatte, half mir eine kurze Meditation, den Kopf wieder frei zu kriegen, zumindest bis zu einem Punkt, wo ich mich nicht mehr dauerhaft gestresst fühlte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fühlt sich befreiend an, das Gedankenchaos beseitigen zu können. Bis zu einem gewissen Grad ist eine solche Freiheit erlernbar. Anfangs überwiegt oft die innere Unruhe, doch mit der Zeit kommt man einem Zustand der Freiheit immer näher. Natürlich hilft einmal Meditieren nicht dabei, dem Stress eines ganzen Jahres entgegen zu wirken, doch wann immer man sich eingeengt fühlt und die gefühlte Freiheit in weite Ferne gerückt ist, kann man sich mit kleinen Übungen wieder von den eigenen Gedanken befreien. Es ist nicht so, als würde man vor der Realität fliehen, sondern es ist eher ein im-Hier-und-Jetzt-Sein, in dem man sich nicht mit Problemen der Vergangenheit oder Zukunft beschäftigt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich war der beste Effekt der Meditation die Entspannung. Aus genau diesem Grund konnte ich mich nicht täglich zum Meditieren motivieren, weil ich nicht jeden Tag das Bedürfnis nach mehr Entspannung hatte. Wie oben beschrieben gibt es zahlreiche weitere positive Wirkungen, die vor allem nach regelmäßiger Anwendung auftreten. Ich bin aber mit meiner gefundenen kleinen Entspannungsoase mehr als zufrieden. Ich denke auch nicht, dass ich in der Zukunft jeden Tag meditieren werde. Sollte ich wirklich Entspannung und Ruhe brauchen, dann weiß ich, was ich tun kann. Aber in meinen Alltag werde ich Meditation vorerst nicht integrieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber jetzt bist du dran! Zur Meditation brauchst du nicht viel. Ein Stuhl, ein Bett oder auch den Platz im Zug und dazu noch deinen Atem, den du sowieso immer dabei hast. Viel Spaß und viel Erfolg beim Ausprobieren!</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Mady Morrison: <em>Geführte Anfänger Mediation | 10 Minuten für jeden Tag</em>, 27.04.2017, [YouTube], https://youtu.be/ockCQMt9kM0, 04:55-05:45.<br>[2] Stock, C. (2012). <em>Achtsamkeitsmeditation. Übungen für mehr Gelassenheit im Leben.</em> Stuttgart: TRIAS.</p>
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		<title>Essen gegen Epilepsie?</title>
		<link>https://psycho-path.de/essen-gegen-epilepsie/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 05 Oct 2023 04:21:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#44 Ernährung]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie ketogene Ernährung zur Verringerung der Anfallshäufigkeit beitragen kann REBECCA SIEBERT. Schon in der Antike empfahl der „Vater der Medizin”, Hippokrates, Patient:innen mit Epilepsie striktes Fasten [1]. So modern Buzzwords wie „Intervallfasten”, „Low-Carb” oder „Paleo-Diät” also klingen mögen, die Erkenntnis, dass sich unsere Ernährung auf unsere Gesundheit auswirkt, ist keine neue. Aber welche Rolle spielt [&#8230;]]]></description>
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<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Wie ketogene Ernährung zur Verringerung der Anfallshäufigkeit beitragen kann</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">REBECCA SIEBERT. <em>Schon in der Antike empfahl der „Vater der Medizin”, Hippokrates, Patient:innen mit Epilepsie striktes Fasten [1]. So modern Buzzwords wie „Intervallfasten”, „Low-Carb” oder „Paleo-Diät” also klingen mögen, die Erkenntnis, dass sich unsere Ernährung auf unsere Gesundheit auswirkt, ist keine neue. Aber welche Rolle spielt die Ernährung heutzutage in der Behandlung von Epilepsien?</em></p>



<span id="more-2164"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>HISTORISCHER HINTERGRUND</strong><br>Nach seiner ersten Blütezeit in den 1920er Jahren geriet der Ansatz einer Ernährungsumstellung bei Epilepsiepatient:innen Ende der 1930er Jahre zunächst wieder in Vergessenheit [1]. Eine rein medikamentöse Behandlung erschien vielen Ärzt:innen als deutlich angenehmer und weniger aufwändig. Denn auch wenn die ketogene Diät, die bei Epilepsiepatient:innen eingesetzt wird, nicht mehr so asketisch ist, wie das Fasten von Hippokrates, so ist sie doch mit starken Einschränkungen und sehr viel Disziplin verbunden. Hinzu kam, dass Ende der 1930er Jahre neue antikonvulsive Medikamente, welche bei Epilepsien verschrieben werden, entwickelt wurden. Diese Art der Medikamente hebt die Schwelle der Reizstärke an, die benötigt wird, damit Neurone feuern. Dadurch treten Überreizungen und daraus folgende epileptische Anfälle seltener bis gar nicht mehr auf [12]. Die neuen Medikamente zeigten eine gute Wirksamkeit ohne die starken Nebenwirkungen, die bis dahin mit dieser Klasse an Medikamenten einhergingen [1].</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>MEDIKAMENTENRESISTENTE EPILEPSIE</strong><br>Die rein medikamentöse Behandlung ist, wenn sie wirkt, sehr effektiv. In ca. 30% der Fälle helfen Medikamente den Betroffenen jedoch nicht. Man spricht dann von einer medikamentenresistenten Epilepsie (DRE; engl. drug-resistant epilepsy) [16, 17]. Damit diese Diagnose vergeben wird, müssen Patient:innen zuvor erfolglos zwei verschiedene Antikonvulsiva einzeln oder als Kombinationstherapie verabreicht bekommen haben [17].</p>



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<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><strong>DIE CHRONISCHE ERKRANKUNG EPILEPSIE IST NICHT DASSELBE WIE EIN EPILEPTISCHER ANFALL!</strong><br><br><strong>Definition epileptischer Anfall</strong><br>Epileptische Anfälle sind kurze Phasen, während derer eine Gruppe von Neuronen im Gehirn gleichzeitig zu stark feuert, was die normale Hirnaktivität beeinträchtigt [15, 18]. Das kann sich in sehr verschiedenen Symptomen ausdrücken. Oft sind Betroffene unwillkürlichen Bewegungen oder Versteifungen der Muskeln eines Teils oder ihres gesamten Körpers ausgesetzt. In manchen Fällen wirken epileptische Anfälle aber auch eher wie kurze Aussetzer: Betroffene starren zum Beispiel kurz vor sich hin und sind nicht ansprechbar. Es kann auch vorkommen, dass Betroffene sich innerlich ängstlich fühlen oder ein Déjà-Vu erleben und der Anfall für Außenstehende nicht sichtbar ist. Bei manchen dieser Anfälle kommt es zum Bewusstseinsverlust, des Öfteren auch zu Einnässen oder Einkoten [14]. Die Symptome variieren deshalb so stark, weil Anfälle überall im Gehirn ausgelöst werden können und somit auch alle Funktionen, die durch das Gehirn gesteuert werden, betroffen sein können [14].<br><br><strong>Definition Epilepsie</strong><br>Bei einer Epilepsie kommt es wiederholt zu epileptischen Anfällen. Wie häufig die Anfälle auftreten und wie lange sie andauern, ist von Person zu Person unterschiedlich [18]. Diagnostiziert wird eine Epilepsie, wenn mindestens zwei epileptische Anfälle, ohne ersichtlichen Auslöser, mit einem zeitlichen Abstand von mindestens 24 Stunden auftreten [14]. Epilepsien können verschiedene Ursachen haben, wie unter anderem erworbene Hirnschädigungen durch Geburtskomplikationen, schwere Kopfverletzungen, Infektionen des Gehirns, Schlaganfälle oder Gehirntumore, aber auch genetisch bedingte Fehlbildungen des Gehirns. In ungefähr der Hälfte der Fälle bleibt die genaue Ursache unbekannt [18].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>WAS BEDEUTET „KETOGENE ERNÄHRUNG&#8220;?</strong><br>Bei der ketogenen Ernährung werden kohlenhydrathaltige Lebensmittel auf ein Minimum reduziert, während der Konsum von „gesunden” (ungesättigten) Fettsäuren deutlich erhöht wird. Proteine (Eiweiße) machen einen weiteren wichtigen Bestandteil dieser Ernährungsform aus. Das Verhältnis zwischen<br>den Lebensmittelgruppen setzt sich typischerweise folgendermaßen zusammen: 75% Fette, 20% Proteine, 5% Kohlenhydrate [6]. Inzwischen gibt es allerdings auch Alternativ-Diäten, mit nur 60-65% Fetten, 25-30% Proteinen und 10% Kohlenhydraten [3]. </p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>EINSATZ KETOGENER ERNÄHRUNGSANSÄTZE BEI EPILEPSIE</strong><br>Als letzter Versuch vor einem sehr invasiven, operativen Eingriff zum Entfernen des Epilepsieherds (also der Gehirnregion, in der die epileptischen Anfälle beginnen), ist das Mittel der Wahl oft die ketogene Ernährungsweise [17]. Diese wird nicht alleinig, sondern in Kombination mit der bestehenden medikamentösen Behandlung eingesetzt [7]. Am häufigsten wird diese Behandlung für Kinder gewählt. Durch die Unterstützung der Eltern in der Planung und Zubereitung der Gerichte ist es leichter als bei Erwachsenen, die Ernährung zu kontrollieren und die notwendige Beschränkung auf im Rahmen der Diät erlaubte Lebensmittel durchzusetzen [2, 10]. Jedoch werden leichter einzuhaltende und trotzdem (wenn auch etwas weniger) wirksame Diäten wie die Modifizierte Atkins Diät (MAD) inzwischen auch bei Jugendlichen und Erwachsenen eingesetzt [2, 6, 16]. Bei dieser Variante müssen Patient:innen ihr Essen nicht akribisch abwiegen, um das Verhältnis zwischen den Lebensmittelgruppen einzuhalten. Die Kohlenhydratmenge wird weiterhin kontrolliert, ist aber nicht ganz so stark begrenzt, wie bei der klassischen Keto-Diät. Außerdem ist ein größerer Eiweißanteil erlaubt und Flüssigkeiten können unbegrenzt eingenommen werden [6].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>VERMUTETE WIRKMECHANISMEN</strong><br>Die Diät führt bei mehr als 50% der Patient:innen zu mindestens einer Halbierung der Anfallshäufigkeit, bei einigen sogar zu kompletter Anfallsfreiheit [1, 6, 10, 12, 17]. Zudem wirkt sich die Ernährungsumstellung positiv auf den Wachsamkeitsaspekt der Aufmerksamkeit von Patient:innen aus, vermutlich nicht allein durch die Ernährung, sondern auch durch die verringerte Häufigkeit an Anfällen [16]. Wie genau die ketogene Ernährung das Risiko epileptischer Anfälle reduziert, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Ernährungsumstellung scheint sich auf mehrere unterschiedliche Prozesse im Körper auszuwirken und ihr Erfolg bei der Epilepsiebehandlung könnte somit auch auf einer Kombination dieser Auswirkungen beruhen. Die wichtigsten der durch Studien gestützten Theorien sollen hier kurz vorgestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ketogene Ernährung wirkt sich, grob erklärt, folgendermaßen auf den Energiestoffwechsel des Körpers aus: normalerweise bezieht der Körper einen Großteil seiner Energie aus Glucose (Traubenzucker), welche in vielen kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln enthalten ist. Der geringe Anteil an Kohlenhydraten in der Keto-Diät führt dazu, dass im Körper weniger Glukose vorhanden ist. Dadurch stellt der Körper seinen Energiestoffwechsel um und benutzt statt Glukose sogenannte Ketonkörper, die beim Abbau von Fettsäuren entstehen [6, 11]. Dieser veränderte Zustand wird Ketose genannt. Durch den hohen Anteil an Fetten in der Keto-Diät wird diese Umstellung beibehalten, bis wieder mehr Kohlenhydrate konsumiert werden. „Cheat-Days”, also Tage, an denen man sich eine Pause von der strikten Diät gönnt, sind im Falle der Keto-<br>Diät bei Epilepsiepatient:innen nicht empfohlen, da sie danach jedes Mal von vorne beginnen müssten, den Körper wieder in eine Ketose zu versetzen [6].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><strong>GUT ZU WISSEN</strong><br>Es gestaltet sich schwierig, doppelblinde Studien zur Wirksamkeit der Keto-Diät durchzuführen. Man merkt den Patient:innen durch den für die Keto-Diät charakteristischen säuerlichen Mundgeruch oft an, dass sie zur Treatment-Gruppe gehören. Außerdem ist es schwierig für die Kontrollgruppe nicht-keto Gerichte zusammenzustellen, die sich optisch nicht von denen der Treatment-Gruppe unterscheiden [1].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die veränderten Anteile der Lebensmittelzusammensetzung und den in<br>Folge veränderten Energiestoffwechsel steigt die Anzahl an Ketonkörpern und an mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Körper an [17]. Das scheint eine neuroprotektive Wirkung zu haben, also zur Aufrechterhaltung von gesunden Zellen im Gehirn beizutragen. Denn das Verstoffwechseln der Ketonkörper läuft langsamer ab und produziert und speichert mehr Energie als der Glukose-Stoffwechsel. Über verschiedene Mechanismen führt das zum einen zu einer Hyperpolarisation der Zellmembranen und damit zu einer angehobenen Feuerschwelle, was epileptischen Anfällen entgegenwirkt. Zum anderen entstehen weniger freie Sauerstoffradikale als Beiprodukt, welche in einer Übermenge zu oxidativem Stress führen [5, 11, 17]. Durch die verringerte Anzahl von freien Sauerstoffradikalen bei einer Keto-Diät werden Zellen vor Beschädigung geschützt.<br>Langfristig werden die Neurone widerstandsfähiger und bleibende Gewebeschäden im Gehirn werden durch das Verhindern des Zelltods, einem weiteren Effekt der Keto-Diät, reduziert [17]. Das ist wichtig, da durch die starke neuronale Hyperaktivität während besonders langanhaltender epileptischer Anfälle Hirngewebe zu Schaden kommen kann [8].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Produktion des im Gehirn wichtigen inhibierenden Neurotransmitters<br>GABA wird durch den Ketose-Stoffwechsel angeregt. Das hilft zusätzlich, die neuronalen Membranen zu hyperpolarisieren, also ein Feuern der Neurone erst bei deutlich mehr Stimulation zu ermöglichen [17].Zu guter Letzt wird auch ein Zusammenhang zwischen Epilepsie und dem Mikrobiom (der Bakterien und anderen Mikroorganismen) im Darm angenommen [4]. Patient:innen, bei denen Epilepsie-Medikamente wirksam waren, wiesen ein Mikrobiom auf, welches dem von gesunden Menschen ähnelte. Bei jenen, die eine DRE diagnostiziert bekommen hatten, war die Zusammensetzung der Bakterien verändert [9]. Eine Möglichkeit, die Zusammensetzung des Mikrobioms im Darm wieder in eine gesündere Richtung zu verändern, bietet die ketogene Ernährung [9]. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich hat auch die Keto-Diät, wie fast alle Behandlungen, Nebenwirkungen. Durch den Übergang vom Glukose-Stoffwechsel hin zum Ketose-Stoffwechsel können sich Patient:innen für einige Tage erschöpfter fühlen als sonst [6]. Bei langfristiger Anwendung der Diät kann es bei Kindern unter anderem zu Beeinträchtigungen im Wachstum kommen, zu chronischer Verstopfung oder auch zu Nierensteinen [6]. In vielen Fällen wird die Keto-Diät allerdings nur ungefähr zwei Jahre lang angewendet und es werden zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel verabreicht [10]. Wenn sich die Epilepsie verbessert hat, können Patient:innen nach und nach wieder alles essen [6, 12, 18].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong><br>[1] Bailey, E. E., Pfeifer, H. H., &amp; Thiele, E. A. (2005). The use of diet in the treatment of epilepsy. Epilepsy &amp; Behavior, 6(1), 4–8. https://doi.org/10.1016/j.yebeh.2004.10.006<br>[2] Ciattei, J. (2023, May 16). Ketogenic diet therapy for epilepsy: The Johns Hopkins Epilepsy Center. Johns Hopkins Medicine. https://www.hopkinsmedicine.org/neurology_neurosurgery/centers_clinics/epilepsy/diet-therapy.html<br>[3] D’Andrea Meira, I., Romão, T. T., Pires do Prado, H. J., Krüger, L. T., Pires, M. E., &amp; da Conceição, P. O. (2019). Ketogenic diet and epilepsy: What we know so far. Frontiers in Neuroscience, 13. https://doi.org/10.3389/fnins.2019.00005<br>[4] Deutsche Zentren für Gesundheitsforschung. (1970, June 6). Mikrobiom. Mikrobiom | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung. https://www.dzif.de/de/glossar/mikrobiom<br>[5] Dix, M. (2018, September 29). Oxidative stress: Definition, effects on the body, and prevention. Healthline. https://www.healthline.com/health/oxidative-stress#effects<br>[6] Dolson, L. (2023, May 5). How to follow a ketogenic diet for epilepsy. Verywell Health. https://www.verywellhealth.com/ketogenic-diet-for-epilepsy-2241627<br>[7] Epilepsy Foundation. (n.d.). Diets. Epilepsy Foundation. https://epilepsyfoundation.org.au/understanding-epilepsy/treatments-and-management/diets/<br>[8] Epilepsy Foundation. (n.d.). Meeting news: Do seizures damage the brain?. Epilepsy Foundation. https://www.epilepsy.com/stories/meeting-news-do-seizures-damage-brain<br>[9] Fan, Y., Wang, H., Liu, X., Zhang, J., &amp; Liu, G. (2019). Crosstalk between the ketogenic diet and epilepsy: From the perspective of gut microbiota. Mediators of Inflammation, 2019, 1–9. https://doi.org/10.1155/2019/8373060<br>[10] International League Against Epilepsy. (n.d.). Ketogenic diet basics. Ketogenic Diet Basics. https://www.ilae.org/patient-care/ketogenic-diets/basics<br>[11] Kim, D. Y., &amp; Rho, J. M. (2008). The ketogenic diet and epilepsy. Current Opinion in Clinical Nutrition and Metabolic Care, 11(2), 113–120. https://doi.org/10.1097/mco.0b013e3282f44c06<br>[12] Kossoff, E., &amp; Sirven, J. I. (2017, October 25). Ketogenic diet. Epilepsy Foundation. https://www.epilepsy.com/treatment/dietary-therapies/ketogenic-diet#Can-the-diet-ever-be-stopped?<br>[13] Lubliner, A. (2019, August 22). Antiepileptika. Antiepileptika: Medikamente, Wirkstoffe &amp;amp; Anwendungsgebiete. https://www.onmeda.de/therapie/wirkstoffgruppen/antiepileptika-id205081/<br>[14] Mayo Foundation for Medical Education and Research. (2023, April 28). Epilepsy. Mayo Clinic. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/epilepsy/symptoms-causes/syc-20350093<br>[15] Nationwide Children’s Hospital. (n.d.). Epilepsy. Causes, Symptoms, Diagnosis and Treatment. https://www.nationwidechildrens.org/conditions/epilepsy<br>[16] van Berkel, A. A., IJff, D. M., &amp; Verkuyl, J. M. (2018). Cognitive benefits of the ketogenic diet in patients with epilepsy: A systematic overview. Epilepsy &amp; Behavior, 87, 69–77. https://doi.org/10.1016/j.yebeh.2018.06.004<br>[17] Verrotti, A., Lapadre, G., Di Francesco, L., Zagaroli, L., &amp; Farello, G. (2020). Diet in the treatment of epilepsy: What we know so far. Nutrients, 12(9). https://doi.org/10.3390/nu12092645<br>[18] World Health Organization. (n.d.). Epilepsy. World Health Organization. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/epilepsy</p>
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