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	<title>#40 Beziehungen &#8211; Psycho-Path WordPress-Seite</title>
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	<description>Zeitung, Veranstaltungen von und für Psychologie-Studierende und jede Menge Süßes</description>
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		<title>Liebe und Sexualität im Autismus-Spektrum</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Apr 2024 18:40:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[SASKIA RIEDELBAUCH. Vermutlich würden mir die meisten zustimmen, dass es schwierig ist, einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Viele Menschen ohne Einschränkungen tun sich hierbei bereits schwer &#8211; doch wie mag es für Menschen im Autismus-Spektrum aussehen, die zusätzlich noch soziale Defizite und andere Einschränkungen haben? Was beeinflusst die Partner:innensuche von Menschen mit Autismus-Diagnose? [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">SASKIA RIEDELBAUCH. <em>Vermutlich würden mir die meisten zustimmen, dass es schwierig ist, einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Viele Menschen ohne Einschränkungen tun sich hierbei bereits schwer &#8211; doch wie mag es für Menschen im Autismus-Spektrum aussehen, die zusätzlich noch soziale Defizite und andere Einschränkungen haben? Was beeinflusst die Partner:innensuche von Menschen mit Autismus-Diagnose? Wie unterscheiden sie sich von der gesellschaftlichen Norm hinsichtlich ihrer Sexualität?</em></p>



<span id="more-2200"></span>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-ced4669d14e75ba7c514872dfebbc8d8 wp-block-paragraph"><strong>Vorab: Was ist das eigentlich – Autismus-Spektrum-Störung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) gehört zu den Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung nach DSM-5 [1]. Sie umfasst andauernde Defizite sozialer Kommunikation und  Interaktion sowie rigide, repetitive Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten. So haben Betroffene Probleme bei sozial-emotionaler Gegenseitigkeit, was sich beispielsweise in ungewöhnlicher sozialer Kontaktaufnahme, einer mangelnden Wechselseitigkeit während Konversationen oder verringertem Austausch zeigen kann. Dies kann reichen bis hin zur Unfähigkeit, auf soziale Interaktionen zu reagieren. Nonverbales Kommunikationsverhalten ist defizitär bis hin zu vollständig fehlend. Dies zeigt sich zum Beispiel in Abweichungen bei Blickkontakt und Körpersprache oder in Einschränkungen beim Einsatz von Mimik. Schwierigkeiten bei der Aufnahme, der Aufrechterhaltung sowie dem Verständnis von Beziehungen liegen vor. Eingeschränkte, repetitive Verhaltensmuster, Interesse oder Aktivitäten können sich zeigen als stereotype Bewegungsabläufe oder Sprache. Des Weiteren können sie auftreten als Beharren auf Routinen oder als sehr spezifische Interessen abnormer Intensität. Eine Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen oder ein ungewöhnliches Interesse an Umweltreizen kann außerdem vorliegen. Eine erhöhte Empfindlichkeit kann sich zum Beispiel in Bezug auf (bestimmte) Geräusche zeigen, auf die ablehnend reagiert wird, da sie unangenehm oder sogar schmerzhaft empfunden werden. Das besondere Interesse an Umweltreizen kann sich beispielsweise als Faszination mit Licht oder sich drehenden Gegenständen zeigen. Die Symptome der Autismus-Spektrum Störung müssen für eine Diagnose bereits in frühen Entwicklungsphasen vorliegen, wobei sie sich aber auch erst nach Überschreitung der persönlichen Möglichkeiten durch soziale Anforderungen manifestieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autismus-Spektrum-Störung liegt bei etwa 1% der Bevölkerung vor, wobei Jungen drei bis viermal häufiger eine entsprechende Diagnose bekommen. Die Symptomatik bleibt bis ins Erwachsenenalter bestehen. Betroffene haben drei- bis viermal häufiger zusätzliche psychische und körperliche Probleme, im Vergleich mit Kontrollpersonen [2]. Des Weiteren ist ein großer Anteil an Menschen mit Autismus-Diagnose von einer Sprachstörung [3], und/oder einer Intelligenzminderung betroffen [4]. Häufig liegt eine Verzögerung der Sprachentwicklung vor, manche Menschen mit ASS entwickeln gar keine sinnvolle Sprache. Die sprachliche Kommunikation ist häufig eingeschränkt, da Inhalte und Bedeutungen nicht verarbeitet werden können, weswegen zum Teil auf bildliche Kommunikation ausgewichen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich sind die beschriebenen (möglichen) Symptome durchaus sehr unterschiedlich vertreten bei Menschen mit ASS-Diagnose. Dies betrifft das Ausmaß der Einschränkungen bzw. der Besonderheiten, als auch deren Ausprägung. Deshalb wird Autismus als Spektrum aufgefasst. Bei Verwandten von Menschen mit ASS-Diagnose liegt zum Beispiel häufiger eine mildere Form des autistischen Erscheinungsbildes ohne klinische Relevanz vor, auch als <em>broader autism phenotype </em>bezeichnet [5]. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-a998096fd12efc0f155342f70de602d8 wp-block-paragraph"><strong>Die beschwerliche Suche nach der Liebe</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer denkt, Autist:innen wären nicht interessiert an romantischen Beziehungen oder Sexualität, der liegt falsch. Genauso wie die meisten anderen Menschen sehnen sie sich nach Liebe und Zuneigung. Kommunikation, Teilen, Ähnlichkeit, Respekt und Sicherheit für sich selbst und andere sowie das Arbeiten an der Beziehung – diese Punkte sah eine Gruppe von Menschen mit ASS genauso wie eine nicht-autistische Kontrollgruppe in einer qualitativen Studie als fördernd für Intimität [6]. Als Barrieren für Intimität berichteten Autist:innen besonders Unsicherheit über Beziehungen und Kommunikation. Etwa die Hälfte der Versuchsgruppe mit ASS äußerte sich unsicher in Bezug auf Erwartungen, Verhaltensweisen sowie Kommunikation, die notwendig seien für romantische Beziehungen. Des Weiteren seien ein niedriger Selbstwert, schlechte mentale Gesundheit und Fragen oder Unsicherheiten bezüglich der eigenen Identität für beide Versuchsgruppen Barrieren von Intimität. Darüber hinaus beschrieben Proband:innen mit ASS innere Konflikte von Isolation und Verfremdung. Diese führen zu Schwierigkeiten in Beziehungen oder Pessimismus gegenüber Intimität. Viele von ihnen beschrieben negative Selbstwahrnehmungen sowie internalisierte Stigma, darunter auch Sorgen über die Offenlegung ihrer Diagnose. Solche Gefühle der Ausgrenzung und die damit einhergehenden inneren Konflikte könnten den Wunsch nach dem Eingehen von Beziehungen sowie die Fähigkeit dazu beeinträchtigen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-3116699acb8f5389f3fb0d52908b5518 wp-block-paragraph"><strong>Sexualität und Autismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht nur die sozialen Unsicherheiten und Defizite, die häufig bei Autist:innen vorkommen, stellen eine Herausforderung für Liebe und Intimität dar. Sensorische Dysregulation, die viele Menschen im Autismus-Spektrum betrifft, erzeugt Schwierigkeiten besonders im Kontext partnerschaftlicher Sexualität [7]. So kann es beim Sex beispielsweise zu sensorischer Überlastung bei Autist:innen kommen. Manche Empfindungen, die mit sexueller Aktivität assoziiert sind, können außerdem als unangenehm oder sogar schmerzhaft empfunden werden. Hinzu kann dabei kommen, dass eine Bewusstheit über körperliche Empfindungen erst verzögert auftritt, was sexuelle Begegnungen beeinträchtigen kann, besonders gepaart mit Schwierigkeiten, die veränderten Bedürfnisse zu kommunizieren. Bei manchen Autist:innen ist diese Bewusstheit über körperliche Empfindungen sehr stark oder völlig eingeschränkt, was zu vermindertem oder mangelnden Erleben von sexueller Erregung oder Stimulation führen kann. Sensorischer Überstimulation beim Sex begegneten manche Autist:innen mit der Nutzung sensorischer Barrieren, wie zum Beispiel Latexhandschuhen. Für viele Menschen mit ASS helfe außerdem die Strategie des <em>geplanten Geschlechtsverkehrs</em>. Das Festlegen von Zeitpunkten bis hin zu Abläufen wird dabei als hilfreich empfunden für das Erzeugen gemeinsamer Erwartungen. Ebenso hilfreich sei es, um den Körper und Geist möglichst in einen empfänglichen Zustand zu bringen sowie für das Treffen von Vorbereitungen, die besondere Bedürfnisse mit sich bringen. Als zentrale Strategie für erfolgreichen Sex wurde außerdem die willentliche, offene und explizite Kommunikation genannt, mit der Gefühle und Intentionen mitgeteilt und Vereinbarungen unter den Partner:innen getroffen werden können. Hierfür verwendeten einige Autist:innen gerne schriftliche Erklärungen, da es ihnen leichter falle, ihre Bedürfnisse und Anliegen auf diese Art zu kommunizieren, anstatt auf verbalem Wege. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der Sexualität von Menschen mit Autismus-Diagnose werden häufig schon vor ersten sexuellen Erfahrungen Steine in den Weg gelegt. Die sexuelle Aufklärung sei zumeist inadäquat, unzureichend oder  auch gar nicht vorhanden. So berichteten Menschen mit ASS in einer Studie, dass die sexuelle Aufklärung, die sie in der Schule erhielten, unzureichend war [8]. Eine qualitative Studie berichtete, dass Proband:innen mit ASS unangebrachte und behinderungsirrelevante sexuelle Aufklärung als beitragend für Sorgen bezüglich dem Umwerben und sensorischer Dysregulation identifizierten [7]. Die Desexualisierung von Menschen im Autismus-Spektrum bzw. von Menschen mit Behinderungen im Allgemeinen führe häufig dazu, dass die Betroffenen ausgeschlossen werden von Lernerfahrungen für Normen sexueller oder intimer Interaktionen. Dies könne nicht nur zu Wissenslücken bezüglich Sex und Sexualität führen, sondern auch zu inadäquaten Vorstellungen von Sex und zu Ängsten diesbezüglich, beispielsweise in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten. Individuen im Autismus-Spektrum würden besonders von sexueller Aufklärung profitieren, die auch Aspekte wie besondere sensorische und kommunikative Bedürfnisse adressiert und die Möglichkeit bietet, soziosexuelle Normen zu üben. Dabei wäre es besonders wichtig, dass explizit aufgeklärt und nicht „um den heißen Brei herum“ geredet wird. Differenzen in Identitäten und in Erfahrungen von Sexualität sollten normalisiert werden, vor allem im Kontext erhöhter sexueller Diversität im Autismus-Spektrum. </p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-77c944edb78a6b6523c152826e660324 wp-block-paragraph"><strong>Sexuelle Orientierung und Identität</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Verschiedene Studien berichteten höhere Raten von Bisexualität, Homosexualität und Asexualität bei Autist:innen. Maskulinität als Geschlechterrolle, gezeigt z.B. durch Durchsetzungsvermögen, Führungsverhalten und Wettbewerbsdenken, war in einer Gruppe von Erwachsenen mit ASS weniger stark ausgeprägt, als bei solchen ohne ASS [9]. In der gleichen Studie waren Burschikosität und Bisexualität überrepräsentiert bei Autistinnen, im Vergleich zu Kontrollprobandinnen. Autist:innen berichteten eine geringere Libido sowie einen späteren Beginn sexueller Aktivität. In einer Stichprobe von 24 Erwachsenen mit ASS zwischen 18 und 61 Jahren, die im Rahmen einer qualitativen Studie zu sexuellen Erfahrungen befragt wurden, zeigte sich eine geringere Wahrscheinlichkeit, „gender-conforming“ zu sein – das bedeutet, dass sie häufiger eine Geschlechtsidentität haben, die nicht zu dem Geschlecht passt, das ihnen bei ihrer Geburt zugeordnet wurde [7]. In einer Studie mit Jugendlichen zeigten Autist:innen ebenfalls niedrigere Raten heterosexueller Präferenz, höhere Raten von Bisexualität aber auch mehr Unsicherheit bezüglich sexueller Anziehung im Vergleich zu Menschen ohne ASS [10].</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-06216c1ee76e3d64e836cdf5f0752447 wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Erklärungsansätze für Unterschiede in sexueller Anziehung bei Menschen mit ASS [10]:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Menschen im Autismus-Spektrum sind nicht beeinflusst von sexuellen Normen der Gesellschaft</li>



<li>„<em>gender blindness</em>“: bei der Partner:innenwahl sind persönliche Qualitäten wichtiger als das Geschlecht</li>



<li>Höhere Raten fetaler Androgenexposition, was zu maskulinisiertem Verhalten führen könnte, wodurch erhöhte Raten von Bisexualität und Homosexualität bei Frauen mit ASS erklärt werden könnten</li>



<li>Erhöhte Asexualität könnte einerseits mit geringerer Libido als auch mit sozialen Herausforderungen bei der Partner:innenfindung zusammenhängen</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-e9b2c508a24fff020aab23ca0c868e9b wp-block-paragraph"><strong>Liebe im Spektrum</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich das Thema bildlich vor Augen führen möchte, der hat die Möglichkeit, sich auf Netflix die Reality-TV-Serie „<em>Liebe im Spektrum</em>“ von 2019 anzusehen. Die Serie zeigt Autist:innen, die auf der Suche nach Liebe sind und portraitiert, wie Dating für Menschen mit ASS aussehen kann. Die Protagonist:innen werden bei ihrer Vorstellung dazu befragt, was Liebe für sie ist. Hierbei wird schnell deutlich, dass ihre Auffassungen von Liebe sehr normal sind. Außerdem werden die Protagonist:innen samt ihrer Eigenheiten dargestellt. Viele von ihnen haben besondere Interessen, denen sie sich leidenschaftlich hingeben, wie die Paläontologie („Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdzeitalter“ [11]), Comics oder Videospiele zum Beispiel. Die sehr direkte Art der Kommunikation von einigen brachte mich beim Zusehen und -hören des Öfteren zum Schmunzeln. Was für die Autist:innen lediglich das Darstellen von Fakt oder Meinung ist, mag für neurotypische Zuschauende schon nach trockenem Humor klingen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Serie begleitet die jungen Erwachsenen auf erste Dates, für einige von ihnen die ersten Dates in ihrem Leben. Die Nervosität, Aufregung und Unsicherheit vor dem ersten Treffen, die die Autist:innen zeigen, kann ich als Zuschauerin sehr gut nachempfinden. Sie werden recht unbeholfen dargestellt – doch wer ist schon super selbstsicher bei seinem allerersten Date? Die Darstellung ihrer Unsicherheiten, Eigenheiten und Ängste aber auch ihrer Wünsche und Träume macht die dargestellten Autist:innen nahbar. Fast fühlte ich mich selbst aufgeregt, als sich zwei Autistinnen nach ihrem Date unsicher verabschieden. Die starke Sehnsucht nach Liebe, die Einsamkeit und Traurigkeit, die einige der Protagonist:innen berichten, lenkt immer wieder die Aufmerksamkeit auf die große Herausforderung, die das Dating für Menschen im Autismus-Spektrum darstellt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Einzelne Protagonisten werden im Rahmen der Serie für das Dating gecoacht. Beim Coaching wird besprochen, welche Vorstellungen die Person von potentiellen Partner:innen und von Beziehungen hat. Mithilfe von Rollenspielen werden Situationen beim ersten Date und Gespräche nachgestellt. Der Ablauf eines ersten Dates wird detailliert durchgegangen und auf einzelne Schritte runtergebrochen. Nicht nur die Gespräche und Formulierungen werden geübt, sondern der Fokus wird auch auf nonverbale Kommunikation gelenkt. Die gecoachten Autist:innen zeigen sich als sehr dankbar und lernwillig, ihre hohe Motivation für die Partner:innensuche wird deutlich. Was hier auffällt ist, dass vor allem Verhaltensweisen beigebracht werden, die Dating von neurotypischen Menschen widerspiegeln. Angewandt von Autist:innen aber, wirken sie gespielt und unauthentisch. Sara Luterman, selber Autistin, beschreibt in ihrer Kritik der Serie wie unangebracht die erlernten Verhaltensweisen vor allem bei Dates von zwei Autist:innen sind, die solches Verhalten unter Umständen gar nicht verstehen oder als wichtig erachten [13].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was beim Zuschauen bei den ersten Dates der Autist:innen auffällt, ist die sehr direkte und offene Kommunikation. Die meisten Protagonist:innen führen am Ende der Verabredung ein kurzes Gespräch mit der getroffenen Person, in dem die Fronten geklärt werden. In der Serie läuft das häufig darauf hinaus, dass lediglich der Wunsch nach einer platonischen Beziehung geäußert wird. Manchmal kommt es sogar zu Abbrüchen von Dates – so beendet eine Autistin ein Date vorzeitig, da es ihr zu formell war und Angstzustände in ihr auslöste. Ihr – ebenfalls autistischer – Begleiter zeigt sich als sehr rücksichts- und verständnisvoll. Ein anderer Autist flüchtet inmitten eines Gespräches mit einer jungen Frau, da er eine Blockade hat und nicht mehr weiß, was er hätte sagen können. Die Anspannung in den sozialen Situationen ist bei den meisten Protagonist:innen sehr hoch. Beim Sehen der Serie wird schnell deutlich, dass für viele der Autist:innen vor allem das flexible Reagieren auf verschiedene soziale Situationen, die das Dating mit sich bringt, schwerfällt. Ein Autist berichtet, er habe sich ein mentales „Skript“ mit Themen und Fragen für ein erstes Date ausgedacht, doch im Gespräch mit einer anderen Person verschwand das Skript schnell vor Nervosität. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine wissenschaftliche Betrachtung der Autismus-Spektrum-Störung findet in der Serie nicht statt. Sie dient vielmehr der Unterhaltung. Kritisiert wird von Luterman, sowie auch von Tom Harrendorf, einem deutschen Youtuber mit ASS [14], dass die Protagonist:innen infantilisiert, wie Kinder behandelt oder dargestellt, werden. Dies wird vor allem durch die Hintergrundmusik erreicht, die laut Luterman eher „für eine Dokumentation über tollpatschige Babygiraffen als für eine Reality-TV-Serie für erwachsene Menschen“ geeignet wäre. Des Weiteren kritisiert Luterman, dass lediglich eine bisexuelle Autistin in der Serie portraitiert wird – was eine nicht-repräsentative Darstellung der autistischen sexuellen Orientierungen sei. Dennoch betont sie, dass es positiv sei, wie selbstverständlich und unauffällig dargestellt wird, wie die Autistin sowohl Männer als auch Frauen datet. Außerdem kritisch sieht Luterman, dass fast alle Protagonist:innen der Serie weiß sind und die Repräsentation von People of Color unzureichend ist. Dennoch beschreibt Luterman die Serie insgesamt als gütig. Harrendorf gefiel vor allem die Authentizität der dargestellten Autist:innen mit ihren Eigen- und Besonderheiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt empfand ich die Serie als sehenswert. Sie war einerseits stellenweise sehr unterhaltsam und rührend, andererseits auch informativ. Die sehr authentischen Autist:innen werden ungefiltert samt ihrer Unsicherheiten und Besonderheiten dargestellt. Ihr Bedürfnis nach Liebe, was ihnen häufig aufgrund von sozialen Defiziten, die mit sozialem Desinteresse verwechselt werden, abgesprochen wird, wird klar dargestellt. Sie gibt einen guten Einblick in das Leben von jungen Autist:innen, in ihre Schwierigkeiten aber auch in ihre Wünsche, Träume und Bedürfnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-dark-gray-color has-white-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-3a0bdd0da4b52124f779bc67cd5cf9e5 wp-block-paragraph"><strong>Schlusswort</strong><br><em>Was klar ist: Liebe zu finden ist nicht einfach – nicht für die neurotypische Bevölkerung, aber vor allem nicht für neurodiverse Menschen, wie zum Beispiel Menschen mit Autismus-Diagnose. Die Eigenschaften, die die Autismus-Spektrum-Störung mit sich bringen, machen das Dating durchaus zu einer großen Herausforderung. Dabei sind nicht nur Defizite sozialer Kommunikation hinderlich, sondern beispielsweise auch atypische sensorische Verarbeitung, wie eine Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen. Die neurotypisch orientierte Gesellschaft macht es Autist:innen dabei vermutlich nicht gerade leicht, da Betroffenen häufig Zugang zu adäquater sexueller Aufklärung verwehrt bleibt. Hinzu kommt, dass aufgrund sozialer Schwierigkeiten häufig Lernmöglichkeiten für soziosexuelle Normen sowie Normen bezüglich von Dating und das Führen von Beziehungen zu kurz kommen. Gerade deswegen ist es besonders wichtig, Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung Lernmöglichkeiten zu bieten, beispielsweise durch speziell angepasste Aufklärungsprogramme, die auch besondere Bedürfnisse und Diversität von Sexualität mitaufgreift. Was sich manch neurotypische Person wahrscheinlich bei den Autist:innen abgucken kann, ist die klare und offene Kommunikation beim Dating &#8211; das könnte so manch komplizierte Geschichte verhindern und mehr Transparenz schaffen. Für die Gesellschaft im Ganzen ist es meiner Meinung nach wichtig, mehr Offenheit und Toleranz für Anderssein zu zeigen. Sexuelle Diversität, besondere Bedürfnisse und Eigenheiten zu normalisieren und jedem Menschen Raum zu geben, er oder sie selbst zu sein.Die Autismus-Spektrum-Störung, die rund jeden hundertsten Menschen betrifft, sollte wie jede andere psychische Störung entstigmatisiert werden. Empathie und Rücksichtnahme bezüglich der Schwierigkeiten, die neurodiverse Menschen haben, ist von großer Bedeutung. Aber es ist auch wichtig, nicht nur auf Defizite und Schwierigkeiten von Autist:innen zu schauen, sondern ihre Einzigartigkeiten zu wertschätzen.</em></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen</strong>:<br>[1] Falkai, P., Wittchen, H. U., &amp; Döpfner, M. (2015). American Psychiatric Association: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5. Göttingen: Hogrefe.<br>[2] Croen, L. A., Zerbo, O., Quian, Y., Massolo, M. L., Rich, S., Sidney, S., &amp; Kripke, C. (2015). The health status of adults on the autism spectrum [Special Issue]. Autism, 19(7), 814-823.<br>[3] Loucas, T., Charman, T., Pickles, A., Simonoff, E., Chandler, S., Meldrum, D., &amp; Baird, G. (2008). Autistic symptomatology and language ability in autism spectrum disorder and specific language impairment. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 49(11), 1184-1192.<br>[4] Kim, Y. S., Leventhal, B. L., Koh, Y.-J., Fombonne, E., Laska, E., Lim, E.-C., … Grinker, R. R. (2011). Prevalence of autism spectrum disorders in a total population sample. American Journal of Psychiatry, 168(9), 904-912.<br>[5] Gerdts, J., &amp; Bernier, R. (2011). The Broader Autism Phenotype and Its Implications on the Etiology and Treatment of Autism Spectrum Disorders. <em>Autism Research and Treatment</em>, <em>2011</em>, 545901. https://doi.org/10.1155/2011/545901<br>[6] Sala, G., Hooley, M., &amp; Stokes, M. A. (2020). Romantic intimacy in Autism: A qualitative analysis. <em>Journal of autism and developmental disorders</em>, <em>50</em>(11), 4133–4147.<br>[7] Barnett, J. P., &amp; Maticka-Tyndale, E. (2015). Qualitative exploration of sexual experiences among adults on the autism spectrum: Implications for sex education. <em>Perspectives on sexual and reproductive health</em>, <em>47</em>(4), 171–179.<br>[8] Hannah, L. A., &amp; Stagg, S. D. (2016). Experiences of sex education and sexual awareness in young adults with autism spectrum disorder. <em>Journal of autism and developmental disorders</em>, <em>46</em>(12), 3678–3687.<br>[9] Bejerot, S., &amp; Eriksson, J. M. (2014). Sexuality and gender role in autism spectrum disorder: A case control study. <em>PLoS One</em>, <em>9</em>(1), e87961.<br>[10] May, T., Pang, K. C., &amp; Williams, K. (2017). Brief report: Sexual attraction and relationships in adolescents with autism. <em>Journal of autism and developmental disorders</em>, <em>47</em>(6), 1910–1916.<br>[11] https://www.duden.de/rechtschreibung/Palaeontologie<br>[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Neurotypisch<br>[13] https://www.spectrumnews.org/opinion/reviews/review-love-on-the-spectrum-is-kind-but-unrepresentative/<br>[14] https://www.youtube.com/watch?v=3nfLnUGI53E</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bis(s) in alle Ewigkeit!? &#8211; Ein Kommentar zur Darstellung toxischer Beziehungen in der modernen Popkultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 May 2022 11:09:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#40 Beziehungen]]></category>
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		<category><![CDATA[Janina Billain]]></category>
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					<description><![CDATA[JANINA BILLIAN. Welche Rolle spielen Stereotype wie „Bad Boy“ oder „Good Guy“ in unserem Alltag und wie prägen Beispiele aus Prominenz und Medien unsere Idealvorstellung von Beziehungen? Dieser Artikel soll als persönlicher Kommentar kritisch den Einfluss der modernen Popkultur auf meine eigenen Vorlieben und die Mechanismen der Partnerwahl beleuchten. Als junge Frauen war ich, genau [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>JANINA BILLIAN. <strong>Welche Rolle spielen Stereotype wie „Bad Boy“ oder „Good Guy“ in unserem Alltag und wie prägen Beispiele aus Prominenz und Medien unsere Idealvorstellung von Beziehungen? Dieser Artikel soll als persönlicher Kommentar kritisch den Einfluss der modernen Popkultur auf meine eigenen Vorlieben und die Mechanismen der Partnerwahl beleuchten. Als junge Frauen war ich, genau wie die Gleichaltrigen meiner Kohorte, zahlreichen literarischen und filmischen Einflüssen ausgesetzt, welche für eine lange Zeit meine Vorstellung von Attraktivität und Beziehungsgestaltung geprägt haben. Einiges davon habe ich persönlich rückblickend als schädlich empfunden. Im Folgenden möchte ich die fiktiven Figuren aus Stephenie Meyers „Twilight“ nach dem Schema „Bad Boy“ und „Good Guy“ einer kritischen Würdigung unterziehen.</strong></p>
<p><em>Achtung, Twilight-Triggerwarnung: Der folgende Artikel setzt sich kritisch mit dem Phänomen der berühmten Vampirsaga und ihrem Einfluss auf die Partnerwahl von jungen Mädchen und Frauen auseinander. Es besteht das Risiko, dass die Gefühle bekennender Fans verletzt und die Antihaltung bekennender Hater verstärkt werden.</em></p>
<p><span id="more-1811"></span></p>
<p>„Frauen stehen auf Bad Boys!“ – Ein Satz, den man auch heutzutage sehr oft zu hören bekommt. Zumindest subjektiv, durch Beobachtungen im Freundes- und Bekanntenkreis und eigene Erfahrungen scheinen Männer, die sich moralisch häufiger fragwürdig verhalten, einen gewissen Reiz auf die Frauenwelt auszuüben. Und zwar nicht ausschließlich auf Frauen, die man in der Alltagssprache ebenfalls als „Bad Girl“ einordnen würde, sondern auch auf Frauen, die – zumindest nach außen – freundlich, brav, schüchtern, zuverlässig und gewissenhaft wirken. Ein Indiz für die These stellen zudem die häufigen Fälle körperlicher Gewalt in intimen Beziehungen dar, bei denen Frauen nach wie vor zahlenmäßig deutlich häufiger als Opfer betroffen sind. Natürlich lässt sich hier einwerfen, dass nicht alle Männer, die sich im Laufe der Beziehung ihren Partnerinnen gegenüber der Körperverletzung schuldig machen, von Anfang an eine „Bad Boy“-Aura mitbringen. Rückwirkend lässt sich schwer sagen, ob eine Frau sich trotz oder wegen dieser Aura ihren „Bad Boy“ ausgesucht hat. Im Extremfall der Hybristophilie verliebt eine Frau sich tatsächlich aufgrund der von ihm begangenen Verbrechen in einen Mann – und zwar wird nicht Ladendieben und Steuerhinterziehern dieses „Glück“ zuteil, stattdessen profitieren eher Männer nach schweren Gewaltdelikten, Vergewaltigungen und Morden von der sexuellen Orientierung hybristophiler Frauen. So erfreuten sich Serienmörder von den Kalibern eines Ted Bundy und eines Charles Manson einer nicht abreißenden Welle von Liebesbriefen, bis in die Todeszellen hinein</p>
<p>An der Stelle möchte ich kurz die zwei Stereotype des „Bad Boy“ und des „Good Guy“ gegenüberstellen: Der „Bad Boy“ hat einige Eigenschaften inne, die nach klassischen Männlichkeitsvorstellungen als wünschenswert gesehen werden: Selbstbewusstsein, ein Hang zur Rebellion, Durchsetzungsvermögen – sowie die Bereitschaft, sich zum Erreichen der eigenen Ziele über Regeln hinwegzusetzen und sich skrupellos zu verhalten. In der Literatur werden „Bad Boys“ mal als Alphatiere, mal als Außenseiter dargestellt. Durchweg haftet ihm jedoch etwas Geheimnisvolles an, da es nicht immer leicht zu verstehen ist, was ihn im Innersten antreibt. Meistens erklärt der „Bad Boy“ sich anderen gegenüber nicht. Den „Bad Boy“ gibt es in verschiedenen Ausprägungen: Mal macht er der Gesellschaft und insbesondere der weiblichen Heldin das Leben als Krimineller, als abgebrühter Frauenheld, als „gebrochener Mann“ mit düsterer Vergangenheit, als unangepasster temperamentvoller Rebell das Leben schwer. Der Umgang mit ihm ist oft schwierig, er verletzt andere Menschen auf psychischer und körperlicher Ebene, tut dies aus mehr oder weniger hehren Motiven heraus. Dennoch muss man um ihn kämpfen, damit er sich letztendlich öffnen und anvertrauen – und dadurch ändern kann. Letztendlich darf der „Bad Boy“ also nicht so bleiben, wie er ist. Nicht die Heldin soll also von ihm gerettet werden, sondern er von ihr. Auffallend oft werden seine charakterlichen Schwächen durch seine äußerliche Schönheit vermeintlich überkompensiert – die Heldin wird für ihre vorangegangenen Strapazen und ihr Herzleid durch einen tiefen Blick aus seinen stahlblauen Augen entschädigt.</p>
<p>Der „Good Guy“ dagegen tritt freundlich und hilfsbereit auf, unterstützt andere dank seiner prosozialen Ader, setzt sich für positive Veränderungen in der Welt ein, kann durchaus zum Lebensretter und zum Helden des Tages werden. Bei ihm kann sich die Heldin durch seine empathische Art gut aufgehoben und beschützt fühlen – gleichzeitig aber bringt der „Good Guy“ ihr als ebenbürtige Partnerin Respekt und Vertrauen entgegen und unterstützt sie dabei, ihr Potential zu entfalten statt sie klein zu halten. Mögliche Makel des „Good Guy“ sind seine Schüchternheit, seine langweilige Berechenbarkeit, sein aufopferungsvoller Altruismus, wodurch er selbst zurückstecken muss und, da ihm häufig nicht das unverschämt gute Aussehen des „Bad Boy“ zugeschrieben wird, verweilt er in der Friendzone.</p>
<p>So viel zu den Klischees.</p>
<p>Diese Stereotype finden sich vielfach in der modernen Popkultur. Fangen wir mit einer der bestverkauften Romanreihe der späten 2000er-Jahre an: Ihr ahnt es schon, es geht um „Twilight“ von Stephenie Meyer. In vier Romanen wird die Liebesgeschichte der menschlichen Jugendlichen Bella zum deutlich älteren, jedoch unsterblichkeitsbedingt äußerst gut konservierten Vampirs Edward geschildert. Ich war dreizehn Jahre jung und viel leichter zu beeinflussen, als mir bewusst war, als mir der erste dieser Romane in die Hände fiel. Die Geschichte schlug in meinem synaptischen System ein wie eine Bombe. Als Dreizehnjährige war das Interesse an Liebesgeschichten ebenso stark wie mein Wunsch, selbst endlich eine solche zu erleben. Die vorübergehende Fixation auf den vermeintlich vollkommenen Vampir Edward sorgte dafür, dass ich (vergeblich) nach einem jungen Mann Ausschau hielt, der diesem Ideal möglichst nahe kam. Meine Begeisterung für Twilight flachte nach den letzten filmischen Umsetzungen zunehmend ab – die Einsicht, dass Vampir Edward – oder ein Mann, der so ticken würde – für mich als Partner nicht infrage käme, folgte allerdings erst nach gründlicher Auseinandersetzung ein paar Jahre später. Wie ist Edward so drauf? Zunächst steckt er kognitiv-moralisch in der Zeit des 1. Weltkriegs, den 1910ern, fest – zwar im unveränderlich attraktiven Körper eines Jugendlichen, doch ein Hinterfragen seiner teilweise veralteten Wertvorstellungen bleibt trotz moderner Einflüsse aus. Als Beispiel möchte ich hier seine Verknüpfung von Tugendhaftigkeit mit dem Unterlassen von Sex vor der Ehe nennen. In der Beziehung mit Bella agiert er dominant-kontrollierend, eifersüchtig, schweigt sich häufig über seine Gedanken und Gefühle aus, wirkt abweisend und unerreichbar. Besonders problematisch ist seine Tendenz zum Stalking, was bei Twilight bedauerlicherweise äußerst romantisiert dargestellt wird. Ich hoffe sehr, dass nachfolgende Generationen nicht eine einzige Sekunde lang den Einbruch in das private Schlafzimmer der Angebeteten und ihre stundenlange Beobachtung beim Schlafen als romantische Geste ansehen werden, sondern als grobe Grenzüberschreitung ohne jeglichen Konsens und zudem als fahndungswürdige Straftat. Auch ist die Darstellung von Bellas Schönheitsschlaf etwas unrealistisch. Die einzigen Geräusche, die sie produziert, sind klar artikulierte Sätze, die sie im Schlaf gibt und die sich um ihre Gefühle für Edward drehen. Selbstverständlich entfahren der Schlafenden keine potentiell peinlichen Störlaute und selbst in ihren Träumen gibt es für sie keinen anderen Mann.</p>
<p>Als Edward aus seinem selbstlosen Wunsch heraus, Bella zu beschützen, beschließt, sie zu verlassen, sagt er ihr im Abschiedsgespräch leider nicht die Wahrheit, sondern verletzt sie mit einer Lüge: Sie sei nicht gut genug für ihn. Für die beziehungsunerfahrene Bella ist dies eine fürchterliche Kränkung ihres ohnehin schwach ausgeprägten Selbstwerts und sie fällt monatelang in einen schwer depressiven Zustand. Nach ihrer Wiedervereinigung als Paar begründet Edward diese Lüge damit, er sei sicher gewesen, dass er Bella nur durch das Triggern ihrer Minderwertigkeitskomplexe dazu hätte bringen können, die Trennung zu akzeptieren und Edward gehen zu lassen. Angesichts Edwards Vampirkräfte und seiner Geschwindigkeit, dank derer er wohl in achtzig Stunden statt Tagen die Welt umrunden könnte, erscheint es schwer vorstellbar, wie die tollpatschige Bella ihn auch bei ausbleibender Einsichtigkeit verfolgen und zwingen könnte, die Beziehung fortzusetzen. Die Wahrheit zu sagen und dann zu gehen, weil es Edwards eigener Überzeugung entsprach, wäre natürlich nicht schmerzfrei für unsere Heldin gewesen – hätte ihr aber womöglich doch den seelischen Schmerz erspart, ihre Grundüberzeugung, nicht gut genug zu sein, von ihrem idealisierten Freund gespiegelt zu bekommen.</p>
<p>Ganz im Sinne der Moral des vorangegangenen Jahrhunderts dominiert vor allem Edward den Verlauf der Beziehung. So kommen schon die ersten Begegnungen und Gespräche nur dann zustande, wenn Edward dies zulässt. Häufig glänzt Edward durch Abwesenheit, wenn er Bella mal wieder durch sein Fernbleiben beschützen möchte. Mit einer offenen Kommunikation tut er sich äußerst schwer und zerstört lieber Bellas Auto als sie darum zu bitten, nicht ihren besten Freund, Werwolf Jacob, zu besuchen und damit zu seiner Eifersucht zu stehen. Bei gemeinsamen Verabredungen scheint es eher die Regel als die Ausnahme zu sein, dass Edward seine Freundin mit einem Plan für eine Verabredung überrascht, die nicht immer Bellas Wünschen entspricht, beispielsweise die misslungene Geburtstagsfeier zu ihrem Achtzehntem. Beide Partner scheinen sich damit schwer zu tun, ihre Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, da beide durchweg überzeugt zu sein scheinen, den jeweils anderen nicht zu verdienen und versinken in ihren internalisierten Schuldgefühlen. Während Bella darunter leidet, mit Edwards Vampir-Attributen nicht mithalten zu können, hasst Edward sich dafür, durch sein Vampirdasein Bellas Leben und Menschlichkeit zu gefährden. So wagen beide kaum, einen Wunsch an den anderen zu richten, denn die bloße Nähe des jeweils anderen scheint völlig unverdient zu sein – eine ungesunde Mischung aus Verehrung und Idealisierung des Partners und Selbstabwertung.</p>
<p>Der Moment, in dem Bella über ihren Schatten springt und doch ihrem Wunsch nach sexueller Intimität Ausdruck verleiht, stellt leider keinen Wendepunkt in der Beziehungsdynamik dar. Zwar ergreift Bella die Initiative, gibt aber letztlich Edwards Wunsch nach, zuerst zu heiraten und jungfräulich in die Ehe zu gehen. Die Art und Weise, wie Edward seinen Willen, nämlich eine Hochzeit mit Bella, bekommt, erscheint sehr manipulativ. So zeigt Bella zunächst deutlich eine Anti-Heirat-Haltung, da sie sich dafür zu jung fühle und zudem als Scheidungskind dem Konzept der Ehe kritisch gegenübersteht. Diese Meinung scheint in den nächsten Monaten zu bröckeln, während Edward an Beharrlichkeit nicht nachlässt und schließlich die Trauung als Bedingung dafür benennt, Bella in einen Vampir zu verwandeln. Bis zum Schluss scheint Bella nicht aus eigener Überzeugung heraus in den Bund der Ehe einzutreten, sondern eher aus zwei extrinsischen Gründen: die Hochzeitsnacht und ihre versprochene Mensch-zu-Vampir-Transition. An dieser Stelle möchte ich darauf aufmerksam machen, dass die junge Heldin gerade einmal achtzehn Jahre alt ist und durchaus an ihrer geistigen Reife in Bezug auf endgültige Lebensentscheidungen gezweifelt werden darf und sollte. Bella ist dabei, einen Mann zu heiraten, mit dem sie – die halbjährige Unterbrechung herausgerechnet – kaum ein Jahr zusammen ist, der ihr gut neunzig Jahre Lebenszeit und –erfahrung voraus hat, mit dem sie weder einen gemeinsamen Haushalt geführt, noch gemeinsame Urlaubsreisen unternommen hat – bis auf den Abschiedsbesuch bei Bellas Mutter und den eher blutig-ernüchternden Kurztrip nach Italien. Kurz gesagt, es fehlen viele Momente, in denen Paare gewöhnlich miteinander wachsen – in denen natürlich auch das Risiko besteht, sich auseinanderzuentwickeln. Schlussendlich ist Bella davon überzeugt, es sei für sie das Beste, sich mit achtzehn Jahren für die Ehe und die Unsterblichkeit und damit gegen die Vielfalt der menschlichen Erfahrungen zu entscheiden.</p>
<p>Insgesamt ist die Beziehung der beiden sehr unausgeglichen: Edward ist der starke Held, der ständig zu Bellas Rettung herbeispringt, die sich durch ihre tollpatschige, naive Art sehr oft in Gefahr bringt und dem Klischee der süßen hilflosen, wenn auch etwas depressiv-introvertierten Maus entspricht. Erst durch ihre extreme Verwandlung zum Vampir, durch die sie sich Edward angleicht, sind sie einander als Partner ebenbürtig. Da das Paar nun zu gleicher Geschwindigkeit auflaufen kann, sind die Zeiten, in denen Edward ein Gespräch einfach verlassen konnte und Bella dies hilflos akzeptieren musste, vorbei. Ihre Verwandlung geht allerdings damit einher, dass sich ihr Äußeres verändert &#8211; zumindest im Buch – sieht sie hinterher aus wie ein perfektes Modell, statt unbeholfen aufzutreten geht sie in Stilettos auf die Jagd nach bedrohten Tierarten und bewegt sich wie ein elegantes Raubtier. Schluss also mit der Tollpatschigkeit, die sie bisher ausgemacht hat. Dass sie sich, um ihr Geheimnis zu wahren, von ihrer Familie und Freunden isolieren muss, akzeptiert Bella ohne mit der Wimper zu zucken. Wenn wir uns vorstellen, jemand sähe sein perfektes Liebesglück darin, für seinen Partner eine starke, unwiderrufliche Veränderung des Äußeren, der Ess- und Schlafgewohnheiten, den Verzicht auf vom Partner unabhängige Lebensziele sowie die Aufgabe bisheriger sozialer Kontakte und den Rückzug in das Familienhaus des neuen Partners – würden wir das gut heißen? Finden wir es romantisch, wenn jemand für seinen Partner wirklich ALLES aufgibt, auch die eigene Menschlichkeit? Auf irdische Verhältnisse kommt Bellas Verwandlung zum Vampir eine Art Eintritt in eine Sekte gleich, nämlich die Abgeschiedenheit ihrer Schwiegerfamilie.</p>
<p>Wer jetzt denkt, aufgrund der scharfen Kritik an der Beziehungsdynamik zwischen Bella und Edward müsse ich mich wohl bei „Team Jacob“ verordnen: Dem ist nicht so, auch Edwards Kontrahent Jacob, Bellas bester Buddy und Werwolf kommt im Verlauf der Romane nicht viel besser weg. Im 1. Band der Twilight-Reihe entspricht Jacob noch dem „Good Guy“-Schema und scheint bereits ein Auge auf Bella geworfen haben, wirkt aber neben Edwards blendend gutem Aussehen und düsterem Charme eher unscheinbar und wird von ihr eher in die platonische Schublade gepackt. Die Freundschaft der beiden vertieft sich, als Bella im 2. Teil versucht, mit der Trennung von Edward zurechtzukommen. Gleichzeitig durchläuft Jacob eine Veränderung: Er verwandelt sich das erste Mal in einen Werwolf, schließt sich der Gruppe junger Männer aus seinem Stamm an, die dieses Schicksal teilen und bricht den Kontakt zu Bella ab – um sie zu schützen. Das kommt uns doch bekannt vor… Verrückt, wie viel Vampir und Werwolf gemeinsam haben. Mit diesem Eintritt in den „Bad Boy“-Club der schweigsamen übernatürlichen Männer erfährt gleichzeitig Jacobs Aussehen ein Upgrade, er ist plötzlich muskulös und wird für Bella interessanter. Die zweifach abgewiesene junge Dame bleibt diesmal hartnäckig und kommt hinter Jacobs Geheimnis, sodass dieser wieder weich wird und weiterhin Zeit mit ihr verbringt – und ihr natürlich mehrmals das Leben rettet. Edward ist als Beschützer also nicht unersetzlich. Dass Jacob Gefühle für Bella hat, ist recht früh offensichtlich. Für Bella wird die Sache allerdings kompliziert, nachdem ihre Beziehung mit Edward in die zweite Runde geht. Es folgt ein Eifersuchtsgerangel zwischen Edward und Jacob, der vor allem über finstere Blickduelle ausgetragen wird. Bella wird von beiden – mal mehr und mal weniger freundlich und bestimmt – gebeten, den jeweils anderen nicht mehr zu treffen. Brisant wird es, als Jacob beschließt, Bella zu ihrem Glück (mit ihm) zu zwingen und ihr einen Kuss aufzwingt. Die junge Frau wehrt sich (endlich mal) derart kräftig, dass sie sich die Hand bricht, leider hat sie ja gegen den übermächtig starken, muskulösen Jacob keine Chance. Daraufhin ist Bella wütend, während Jacob vorerst sehr gut gelaunt und überzeugt ist, das Rennen nun für sich entschieden zu haben. Völlig unbesorgt bringt Jacob Bella zu ihrem Vater nach Hause, der nach kurzer Besorgnis um Bellas gebrochene Hand gönnerhaft darüber lacht, der von ihm mittlerweile als Schwiegersohn unerwünschte Edward hätte nun Konkurrenz. Schade, dass Bellas kurz entfachter Widerstandsgeist und ihre Bereitschaft, Grenzen zu setzen und für sich einzustehen, so schnell im Keim erstickt wird. Eine noch schlimmere Grenzüberschreitung erlaubt sich Jacob nur kurze Zeit später. Mitten im „Kriegsgeschehen“ droht er Bella seinen Suizid an, indem er im Kampf mit einer gefährlichen Vampirbande nicht auf sich aufpassen und somit den eigenen Tod billigend in Kauf nehmen werde – es sei denn, Bella küsst ihn „freiwillig“ und „richtig“. Bella geht widerwillig darauf ein, bemerkt aber plötzlich während dieses „richtigen“ Kusses, dass ihr das Ganze eigentlich doch gefällt und sie auch in Jacob verliebt ist – so wie sie es seiner Meinung nach die ganze Zeit war. Jacobs Strategie, auf Bellas Mitgefühl zu setzen und ihr die Verantwortung aufzubürden, im Falle ihrer Weigerung wäre sie an seinem Ableben schuld, geht also auf. Bella „entdeckt“ unter starkem Druck, in großer Sorge um ihren möglicherweise suizidgefährdeten besten Freund Jacob, während eines sexuellen Übergriffs (wie sonst soll man einen erzwungenen Kuss bezeichnen?) ihre romantischen Gefühle für Jacob. Allzu viel hat dieser aber nicht davon, Bella um einen Kuss und ein Liebesgeständnis erpresst zu haben, denn letztendlich „erreicht“ Jacob nicht sein Ziel, Bella zu seiner festen Freundin zu machen. Diese hätte ihren eigenen Angaben zufolge zu keinem Moment daran gezweifelt, Edward sei der Richtige für sie. Bei Jacobs Grenzüberschreitung schien es zudem auch darum zu gehen, bei Edward Eifersucht hervorzurufen und ihn zu verletzen – also nicht gerade edle Motive am Werk. Bei all ihrer Rivalität untereinander haben beide Herren der Schöpfung eine entscheidende Gemeinsamkeit: Beide sehen außerordentlich gut aus. Fragen wir uns also: Was hat das mit der Geschichte um Bella zu tun? Und wie beeinflusst dieser oberflächliche Aspekt unsere Wahrnehmung dieser Geschichte?</p>
<p>Hier mal ein Impuls: Welche Rolle hat das Aussehen einer Person – beziehungsweise hier: eines Mannes, darauf, wie ich sein Verhalten bewerte? Würde ich es auch dann romantisch finden, wenn er nicht jung und schön, sondern unattraktiv und deutlich älter, vielleicht sogar krank oder behindert, wäre?</p>
<p>Wie würden wir Edwards und Jacobs Verhalten denn finden, wären beide durchschnittlich oder gar hässlich? Stellt euch vor, ein unattraktiver Mann würde nachts bei euch einbrechen, um euch beim Schlafen zuzuschauen, euch mit gebrochenem Herzen allein im Wald zurücklassen, euch gegen euren Willen küssen und euch aufgrund der Wahl eures Partners oder besten Freundes die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen machen? Ziemlich sicher wären die Bücher von Stephenie Meyer dann nicht über 70 Millionen Mal (!) verkauft worden</p>
<p>Man kann es natürlich bedauerlich finden, dass Bücher, in denen derart problematische Rollenbilder junger Männer und Frauen sowie ungesunde Verhaltensweisen innerhalb von Beziehungen sich derart gut verkaufen. Im Fall von „Twilight“ sind insbesondere heranwachsende Mädchen die Zielgruppe, die durch derlei Lektüre dazu inspiriert werden, hilflos nach einem schönen dominierenden Retter Ausschau zu halten und bereit zu sein, alles von sich für ihre Beziehung aufzugeben. Anhand der Analyse dieser Lektüre kann aber die Auseinandersetzung mit den eigenen Vorstellungen vom „perfekten Mann“ und der „perfekten Beziehung“ mehr ins Bewusstsein rücken. Klar wirken Vampir Edward und Werwolf Jacob im Vergleich zu realen Serienmördern und Terroristen harmlos – aber hübsche Männer mit Gewaltpotential im frühen Teenageralter verherrlichend darzustellen, könnte der Beginn einer bedenklichen Faszination für Männer mit gefährlichen Eigenschaften und der Akzeptanz von toxischen Verhaltensmustern in Beziehungen sein.</p>
<p>Lasst uns damit aufhören, schönen Männern einen Freifahrtsschein für unangebrachtes und verletzendes Verhalten auszustellen und einen Weg zu mehr Fairness im Umgang finden. Wenn ein weniger gutaussehender Mann dich anspricht und dabei respektvoll auftritt, ist dies nicht „ekelhaft“, sondern ein freundlicher Versuch dich kennenzulernen. Natürlich liegt die Wahl bei dir, ob du mit ihm einen Kaffee trinken gehst, aber seine Ansprache an sich ist allein durch sein Aussehen nicht verwerflich. Eklig ist es, wenn ein schöner Mann dich respektlos anquatscht, dich belästigt und deine Grenzen übertritt. Sein Verhalten sagt mehr aus als sein hübsches Gesicht und eine grenzüberschreitende Belästigung ist nichts Schmeichelhaftes. Kurz gesagt: Mehr Toleranz für „Good Guys“ und mehr kritisches Hinschauen bei „Bad Boys“.</p>
<p>Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, den „Good Guys“ ein literarisches Denkmal zu setzen. Ich möchte endlich gesunde, wohltuende Beziehungen auf Augenhöhe sehen, in denen beide beteiligte Personen, egal welcher Geschlechtsidentität, ihr Bestes geben, gleichermaßen auf sich selbst und auf das Wohlergehen ihrer Partner:innen achten, hilfsbereit und zugewandt agieren und offen, ehrlich und mutig kommunizieren, sich füreinander öffnen und die Vielfalt des Lebens gemeinsam kennenlernen. Überirdische Schönheit, Reichtum und Unsterblichkeit sind keine realistischen Ideale für die meisten unter uns und sind hoffentlich nicht die Basis für unsere Beziehung. Edward und Jacob sollen (wahrscheinlich) „Good Guys“ darstellen, da beide Bella ständig in Nöten retten, nur sabotieren beide letztendlich ihre Entwicklung zu einer selbstbestimmten (Menschen-)Frau mit eigenen Interessen und Zielen.</p>
<p>Was mir persönlich mittlerweile fast am verrücktesten an der Geschichte erscheint: Die Temperaturunterschiede der beiden Jungs. Edwards Hauttemperatur wird als arktisch-kalt beschrieben, bei Jacob könne man sich dagegen einen Brandausschlag holen. Wie soll das bitte funktionieren?! Bellas eigentliche Leidensfähigkeit scheint darin zu bestehen, dass sie ernsthaft in der Lage ist, jede Nacht mit eiskalten Füßen einzuschlafen und beim Kuscheln erlittene Unterkühlungen und Hitzschläge locker wegzustecken.</p>
<p>Für immer unsterblich verliebt zu sein ist nicht so romantisch, wie es sich anhört.</p>

<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size: 12px;">Quellen:<br />https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/haeusliche-gewalt-80642<br />https://www.youtube.com/watch?v=7e9uK6c49iQ<br />https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/hybristophilia-hybristophilia_id_7971926.html<br />https://www.refinery29.com/en-us/what-is-hybristophilia<br />https://www.psychologytoday.com/intl/blog/in-excess/201310/passion-victim<br />https://artsbeat.blogs.nytimes.com/2009/11/19/twilight-by-the-numbers/</p>
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