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	<title>Adventsartikel &#8211; Psycho-Path WordPress-Seite</title>
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		<title>Endorphine und so…?</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Dec 2023 01:37:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Adventsartikel]]></category>
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					<description><![CDATA[REBECCA SIEBERT. Sport wird im Moment als eine Art Allheilmittel gehandelt. Du bist nicht zufrieden mit deinem Körper? Probier doch mal Sport zu machen. Du bist gestresst? Geh doch mal ne Runde joggen! Stimmungstief? Mach Sport. Tatsächlich berichten viele Menschen, sich nach dem Sport besser zu fühlen als vorher. Aber warum ist das so? Die [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">REBECCA SIEBERT. <em>Sport wird im Moment als eine Art Allheilmittel gehandelt. Du bist nicht zufrieden mit deinem Körper? Probier doch mal Sport zu machen. Du bist gestresst? Geh doch mal ne Runde joggen! Stimmungstief? Mach Sport. Tatsächlich berichten viele Menschen, sich nach dem Sport besser zu fühlen als vorher. Aber warum ist das so? Die Antwort ist, wie so oft, etwas komplexer als das “Na, wegen der Endorphine”, was uns auf diese Frage meistens entgegnet wird. Neben biologischen Mechanismen spielen auch psychologische Komponenten eine Rolle.</em></p>



<span id="more-2187"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>BIOLOGISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE</strong><br>Die Endorphine, eine Gruppe körpereigener Opioide, die schmerzstillend wirken, wurden lange Zeit als die alleinige Ursache des sogenannten “Runner’s High” angenommen [1, 2, 3]. Dieser rauschähnliche Zustand, den Läufer:innen nach einer Weile des Joggens empfinden, geht mit Glücksgefühlen und Schmerzfreiheit einher und vermittelt den Läufer:innen das Gefühl ewig weiterlaufen zu können [4]. Inzwischen wird neben den Endorphinen noch ein anderer körpereigener Stoff hinter diesem Zustand vermutet: Endocannabinoide [5, 6, 7]. Diese binden im Gehirn an die gleichen Rezeptoren wie THC und spielen unter anderem auch in der Schmerzhemmung und der Emotionsregulation eine Rolle [8].<br>Allerdings ist das “Runner’s High” nicht der einzige Grund dafür, dass wir uns nach körperlicher Aktivität oft gut fühlen. Denn auch einige Neurotransmitter werden während oder nach dem Sport in anderen Mengen ausgeschüttet als dann, wenn wir uns nicht körperlich betätigen [9]. Am bedeutendsten im Hinblick auf die Stimmungsaufbesserung sind Dopamin und Serotonin. <br>Ersteres wird unter anderem mit motivationalen Konzepten wie Belohnung, aber auch mit Aufmerksamkeit in Verbindung gebracht [10]. Letzteres mit Stimmung und emotionalen Aspekten, wie beispielsweise Angst [11]. Das Dopamin-Level im Gehirn steigt nach dem Sport, weil durch die Bewegung mehr Calcium im Blut vorhanden ist, welches ins Gehirn transportiert und dort in der Synthese von Dopamin zum Einsatz kommt [12]. Das Serotonin-Level wird durch Sport  gesteigert, weil die Aktivität der Muskeln eine bestimmte Sorte von Aminosäuren verbraucht, die normalerweise mit Tryptophan (der Vorstufe von Serotonin) um den Transport ins Gehirn konkurrieren. Werden diese Aminosäuren allerdings von den Muskeln benötigt, kann mehr Tryptophan ins Gehirn gelangen, wo es in Serotonin umgewandelt wird [13]. Momentan nehmen Forschende an, dass das Zusammenspiel von erhöhten Dopamin- und Serotonin-Leveln nach einem Workout sich in einem angenehm-aktivierten Zustand auswirkt [14, 15]. Wir fühlen uns dann gut gelaunt und energiegeladen [16].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>PSYCHOLOGISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE</strong><br>Eine weitere Theorie, warum wir uns nach dem Sport besser fühlen, ist, dass wir während sportlicher Betätigung abschalten können: quasi eine Pause einlegen vom vielen Nachdenken. Dafür eignen sich laut bisherigem Forschungsstand besonders intensive Workouts wie das High-Intensity Interval Training (HIIT). Das liegt vermutlich daran, dass unser Gehirn nicht alle Regionen gleichzeitig gleich stark aktivieren kann; das wäre zu ressourcenaufwändig [17, 18]. Deshalb wird bei der Ressourcenverteilung priorisiert und die Regionen, die für die aktuelle Aufgabe wichtiger sind, bekommen mehr Ressourcen als andere Regionen. Beim Sport führt das dazu, dass mehr Ressourcen zu Regionen geleitet werden, die mit Bewegung, Koordination und Sinneswahrnehmungen zusammenhängen. Dabei bleiben weniger Ressourcen für den präfrontalen Kortex, die Region ganz vorne im Gehirn, die unter anderem für komplexere Aufgaben wie Denken und Planen zuständig ist. Und auch die Amygdala, ein für Furchtreaktionen wichtiger Bereich, wird während des Sports weniger mit Ressourcen versorgt [19]. Von diesem Mechanismus profitieren gerade Menschen, die sich viele Sorgen machen und denen es schwerfällt aus dem Grübeln herauszukommen. <br>Um einfachmal abschalten zu können, eignet sich allerdings nicht nur HIIT. Auch Sportarten, die viel Konzentration erfordern, bieten Ablenkung von anderen Gedanken. Dies ist zum Beispiel beim Klettern der Fall, da Überlegungen welche Bewegungen möglich sind oder ausgeführt werden sollten keinen Raum für andere Gedanken lassen [20]. Neben der Ablenkung bietet der Sport aber auch noch einen weiteren psychologischen Effekt, der zu verbesserter Stimmung beitragen kann. Denn nach dem Sport haben wir das Gefühl, etwas geschafft zu haben, ein Ziel erreicht zu haben. Und wenn wir regelmäßig Sport treiben, werden wir immer besser: Wir merken, dass wir länger durchhalten, die Bewegungsabläufe flüssiger hinbekommen und wir uns an herausforderndere  Workouts heranwagen können. Zusammengenommen erhöht das unsere Selbstwirksamkeit: Wir gewinnen Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten und haben das Gefühl, Dinge erfolgreich erledigen zu können [21, 22, 23].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Neben den genannten Erklärungsansätzen verdanken wir aber auch einen Teil des Effekts von Sport auf die Stimmung dem Placebo-Effekt. In sozialen Medien, Zeitschriften, auf You-Tube oder im Gespräch mit anderen werden wir immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass Sport gesund sei und dass man sich danach gut fühle. Dadurch bauen wir schon vor dem Sport die Erwartungshaltung auf, dass es uns danach sicherlich besser gehen wird. In einer Studie baten Forschende ihre Proband:innen vor dem Sport einen Stimmungsfragebogen auszufüllen und nach dem Sport mithilfe desselben Fragebogens rückwirkend noch einmal anzugeben, wie sie sich vor dem Sport gefühlt hatten und wie sie sich jetzt fühlten [24]. Beim Vergleich der Fragebögen, stellten sie fest, dass die Proband:innen ihre Stimmung vor dem Sport rückwirkend als schlechter einschätzten, als sie diese vor dem Sport angegeben hatten. Diese Anpassung führte dann wiederum dazu, dass der subjektive Kontrast zwischen der Stimmung vor und nach dem Sport als größer wahrgenommen wurde, als er eigentlich war. Diese Wahrnehmung passte gut zu den bereits bestehenden Annahmen zu den stimmungsaufhellenden Eigenschaften von Sport. Die Kontrollgruppe, die in der Zeit, in der die eine Gruppe Sport trieb, eine kognitive Aufgabe bearbeitete, zeigte keine rückwirkende Verzerrung ihrer Stimmungslage. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch führt nicht jede Art von Sport zu den hier beschriebenen Stimmungseffekten. Es gibt einige Punkte, die es zu beachten gilt. Zum einen wirken sich Unterschiede in der Intensität von Sport unterschiedlich stark auf die Stimmung aus. Die meisten Mechanismen, die hier angeführt werden, beziehen sich auf aerobische Sportarten mittlerer Intensität. Das sind Aktivitäten wie Joggen, Schwimmen oder Fahrradfahren bei einer Geschwindigkeit, durch die man sich nicht vollkommen verausgabt [25]. Als Daumenregel wird oft angegeben, dass wir uns bei mittlerer Intensität nebenher noch unterhalten können sollten (was natürlich nicht heißt, dass wir das während des Workouts zwingend tun müssen, wir sollten lediglich vom Atmen her noch dazu in der Lage sein). Auch wenn es dazu noch mehr Forschungsbedarf gibt, scheinen auch einige Sportarten mit niedriger Intensität, wie beispielsweise Yoga, positive Auswirkungen auf die Stimmung haben zu können [26]. Ein möglicher Grund dafür, könnte der stressreduzierende Effekt von Yoga sein, der unter anderem durch die Atemtechniken vermittelt zu werden scheint [27]. Das  achtsame Atmen führt dazu, dass im Gehirn vermehrt der inhibitorische Neurotransmitter GABA ausgeschüttet wird. Dieser verlangsamt die neuronale Aktivität dadurch, dass er die reizgesteuerte Erregung von Synapsen erschwert [28,29, 30].Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist selbstverständlich, ob wir während des Sports Spaß haben [31]. Eine Sportart, die wir uns aussuchen, weil sie uns Spaß macht, ist deutlich motivierender als eine, die wir nur für die daraus resultierende verbesserte Stimmung aussuchen, deren Ausführung uns aber jedes Mal aufs Neue Überwindung kostet [32].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>ÜBER DIE FORSCHUNG IN DIESEM BEREICH</strong><br>Auch wenn einige der Mechanismen, die für den Zusammenhang von Sport und guter Stimmung verantwortlich sein könnten, bereits erfolgreich untersucht wurden, gibt es in diesem Forschungsfeld noch viele unbeantwortete Fragen. Viele der neurowissenschaftlichen Studien wurden beispielsweise zunächst an Nagetieren durchgeführt und die daraus resultierenden Tiermodelle werden erst nach und nach mit menschlichem Erleben und Verhalten verknüpft. Eine weitere Einschränkung ergibt sich daraus, dass die meisten Studien klinische Patient:innen untersuchten, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Menschen ohne psychische Erkrankungen zunächst nicht zuließ. Es bildet sich inzwischen allerdings heraus, dass Menschen, die an Depressionen oder an einer Angststörung leiden, zwar durch ihren veränderten Ausgangspunkt einen stärkeren Stimmungsunterschied vor und nach dem Sport erleben als gesunde Menschen, letztere aber trotzdem von den stimmungsaufhellenden Effekten profitieren [33].</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-7152505971b2bf5e15ca9005e86cc77f wp-block-paragraph" style="font-size:8px">Quellen<br>[1, 5, 10, 11, 14, 32] Basso, J. C., &amp; Suzuki, W. A. (n.d.). The Effects of Acute Exercise on Mood, Cognition, Neurophysiology, and Neurochemical Pathways: A Review. Brain Plasticity, 2(2), 127–152. https://doi.org/10.3233/BPL-160040<br>[2] Endorphine. (2020). In Wikipedia. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Endorphine&amp;oldid=206294867<br>[3, 7] Stone, N. L., Millar, S. A., Herrod, P. J. J., Barrett, D. A., Ortori, C. A., Mellon, V. A., &amp; O’Sullivan, S. E. (2018). An Analysis of Endocannabinoid Concentrations and Mood Following Singing and Exercise in Healthy Volunteers. Frontiers in Behavioral Neuroscience, 12, 269. https://doi.org/10.3389/fnbeh.2018.00269<br>[4] Runner’s High. (2021). In Wikipedia. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Runner%E2%80%99s_High&amp;oldid=209153742<br>[6] Heijnen, S., Hommel, B., Kibele, A., &amp; Colzato, L. S. (2016a). Neuromodulation of Aerobic Exercise—A Review. Frontiers in Psychology, 6, 1890. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2015.01890<br>[8] Endocannabinoids—An overview | ScienceDirect Topics. (n.d.). Retrieved January 2, 2022, from https://w w w. s c i e n c e d i r e c t . c o m / t o p i c s / n e u r o s c i e n c e /endocannabinoids<br>[9, 15] Hyde, A. L., Conroy, D. E., Pincus, A. L., &amp; Ram, N. (2011). Unpacking the Feel Good Effect of Free-Time Physical Activity: Between- and Within-Person Associations with Pleasant-Activated Feeling States. Journal of Sport &amp; Exercise <br>Psychology, 33(6), 884–902.<br>[12] Sutoo, D., &amp; Akiyama, K. (1996). The mechanism by which exercise modifies brain function. Physiology &amp; Behavior, 60(1), 177–181. https://doi.org/10.1016/0031-9384(96)00011-X<br>[13, 20, 21] Himmer, N. (2014, August 28). Warum Sport gute Laune macht. Sportpsychologie München. https://www.sportpsychologie-muc.de/2014/08/28/warum-sport-gute-laune-macht/<br>[16] Liao, Y., Shonkoff, E. T., &amp; Dunton, G. F. (2015). The Acute Relationships Between Affect, Physical Feeling States, and Physical Activity in Daily Life: A Review of Current Evidence. Frontiers in Psychology, 6, 1975. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2015.01975<br>[17, 19] Dietrich, A. (2006). Transient hypofrontality as a mechanism for the psychological effects of exercise. Psychiatry Research, 145(1), 79–83. https://doi.org/10.1016/j.psychres.2005.07.033<br>[18] Jung, M., Ryu, S., Kang, M., Javadi, A.-H., &amp; Loprinzi, P. D. (2021). Evaluation of the transient hypofrontality theory in the context of exercise: A systematic review with meta-analysis. Quarterly Journal of Experimental Psychology, 17470218211048808. https://doi.org/10.1177/17470218211048807<br>[22] Scully, D., Kremer, J., Meade, M. M., Graham, R., &amp; Dudgeon, K. (1998). Physical Exercise and psychological well being: A critical review. British Journal of Sports Medicine, 32(2), 111–120. https://doi.org/10.1136/bjsm.32.2.111<br>[23] Selbstwirksamkeit: Definition und Tipps. (2018, March 16). Karrierebibel.de. https://karrierebibel.de/selbstwirksamkeit/<br>[24] Anderson, R. J., &amp; Brice, S. (2011a). The mood-enhancing benefits of exercise: Memory biases augment the effect. Psychology of Sport and Exercise, 12(2), 79–82. https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2010.08.003<br>[25, 33] Guszkowska, M. (2004). [Effects of exercise on anxiety, depression and mood]. Psychiatria Polska, 38(4), 611–620. <br>[26] Netz, Y., &amp; Lidor, R. (2003). Mood Alterations in Mindful Versus Aerobic Exercise Modes. The Journal of Psychology, 137(5), 405–419. https://doi.org/10.1080/00223980309600624<br>[27, 29] maiLab. (2019, Oktober 6). Yoga wissenschaftlich geprüft. https://www.youtube.com/watch?v=4ksufBoeZm8<br>[28] Caspary, D. M., Palombi, P. S., &amp; Hughes, L. F. (2002). GABAergic inputs shape responses to amplitude modulated stimuli in the inferior colliculus. Hearing Research, 168(1), 163–173. https://doi.org/10.1016/S0378-5955(02)00363-5<br>[30] Relaxation and immunity enhancement effects of gamma-aminobutyric acid (GABA) administration in humans—PubMed. (o. J.). Abgerufen 5. Februar 2022, von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16971751/<br>[31] Motl, R. W., Berger, B., &amp; Leuschen, P. S. (2000). The Role of Enjoyment in the Exercise-Mood Relationship. International Journal of Sport Psychology, 31, 347–363. <br>Hoffman, M. D., &amp; Hoffman, D. R. (2008). Exercisers Achieve Greater Acute Exercise-Induced Mood Enhancement Than Nonexercisers. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation, 89(2), 358–363. https://doi.org/10.1016/j.apmr.2007.09.026<br>LaFontaine, T. P., DiLorenzo, T. M., Frensch, P. A., Stucky-Ropp, R. C., Bargman, E. P., &amp; McDonald, D. G. (1992). Aerobic Exercise and Mood. Sports Medicine, 13(3), 160–170. https://doi.org/10.2165/00007256-199213030-00002<br>Maroulakis, E., &amp; Zervas, Y. (1993). Effects of aerobic exercise on mood of adult women. Perceptual and Motor Skills, 76(3 Pt 1), 795–801. https://doi.org/10.2466/pms.1993.76.3.795<br>Reed, J., &amp; Ones, D. S. (2006). The effect of acute aerobic exercise on positive activated affect: A meta-analysis. Psychology of Sport and Exercise, 7(5), 477–514. https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2005.11.003<br>Tantimonaco, M., Ceci, R., Sabatini, S., Catani, M. V., Rossi, A., Gasperi, V., &amp; Maccarrone, M. (2014). Physical activity and the endocannabinoid system: An overview. Cellular and Molecular Life Sciences, 71(14), 2681–2698. https://doi.org/10.1007/s00018-014-1575-6</p>
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		<title>Nachhaltig Handeln</title>
		<link>https://psycho-path.de/nachhaltig-handeln/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Dec 2023 01:55:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Was die Psychologie zum Umweltschutz beitragen kann – eine Einführung MARGARETE OVER. Wir ernähren uns vegetarisch oder vegan. Wir kaufen Second-Hand-Kleidung. Wir tun dies aus Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und den nachfolgenden Generationen. Wir reisen aber auch gerne in ferne Länder, weil wir jung sind und die Welt entdecken wollen – und leise plagen uns [&#8230;]]]></description>
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<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Was die Psychologie zum Umweltschutz beitragen kann – eine Einführung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">MARGARETE OVER. <em>Wir ernähren uns vegetarisch oder vegan. Wir kaufen Second-Hand-Kleidung. Wir tun dies aus Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und den nachfolgenden Generationen. Wir reisen aber auch gerne in ferne Länder, weil wir jung sind und die Welt entdecken wollen – und leise plagen uns die Gewissensbisse des ökologischen Fußabdruckes. In unserem Alltag müssen wir häufig abwägen zwischen widerstreitenden Einstellungen, Wünschen und Vorstellungen. Der Klimawandel und seine Folgen sowie die Endlichkeit der Ressourcen gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Doch steigen der Konsum und der Ressourcenverbrauch trotz effizienter Technologie unaufhaltsam an. So setzt sich mittlerweile die Erkenntnis durch, dass das menschliche Verhalten ein entscheidender Faktor im Gefüge ist. Und da liegt nichts näher als eine psychologische Perspektive.</em><strong> </strong></p>



<span id="more-2182"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>TEILDISZIPLIN DER PSYCHOLOGIE</strong><br>Umweltpsychologie ist eine Teildisziplin der Psychologie, die sich mit der Wechselwirkung zwischen Individuen und ihrer natürlichen, sozialen und konstruierten Umwelt befasst. Dazu gehören etwa architektonische Fragen und auch physische Faktoren wie Lärm, mit ihren jeweiligen Bezügen zum<br>menschlichen Denken, Erleben und Verhalten. Die Umweltschutzpsychologie, häufig auch nur als Umweltpsychologie bezeichnet, ist wiederum ein Teilbereich der Umweltpsychologie und fokussiert auf Umweltschutzverhalten und nachhaltige Lebensstile.<br>Nachhaltige Verhaltensweisen können sowohl einmalige Entscheidungen sein, wie die Wahl eines Stromanbieters, als auch Gewohnheiten wie den täglichen Weg zur Arbeit betreffen. Schwerer zu verändern sind vor allem letztere, da sie in der Regel automatisiert ablaufen. Doch gibt es auch Phasen im Leben, in denen wir empfänglicher sind für Änderungen unserer Gewohnheiten. Bei kritischen Lebensereignissen, wie Arbeitsplatz- oder Wohnortswechsel ist ohnehin vieles im Veränderungsmodus, sodass auch Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Verhaltensweisen effektiver greifen. So kann ein einmaliges kostenloses Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr dafür sorgen, dass ich auch später häufiger auf dieses Fortbewegungsmittel setze.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>KLASSISCHE VERHALTENSMODELLE</strong><br>In der Theorie stützen sich diese Annahmen auf klassische Verhaltensmodelle, wie der Theorie des geplanten Verhaltens von Ajzen sowie dem Normaktivationsmodell von Schwartz und Howard. Ausgehend davon können dann Interventionen zur Förderung nachhaltiger Verhaltensweisen entwickelt werden. Grundlegend ist dabei die Erkenntnis, dass es nicht den einen Faktor zur Vorhersage nachhaltigen Verhaltens gibt, sondern verschiedene Komponenten zusammenwirken. Je nach Situation können sie sich ergänzen oder aber auch in Konflikt zueinander stehen. Wissen, Selbstwirksamkeit, soziale Norm sind hier entscheidende Schlagworte. Nehmen wir das Beispiel Flugreisen. Zuallererst muss ich wissen, dass Flugreisen im höchsten Maße umweltschädlich sind. Zur Wissenskomponente gehört damit zum einen Problembewusstsein, also das Wissen um die Existenz eines Umweltproblems. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht minder wichtig ist jedoch zum anderen das Handlungswissen, denn allein das Gewahrsein über die Existenz eines Problems dient noch nicht direkt der Bewältigung desselben. Ich brauche eine Verhaltensalternative: Bus, Bahn oder warum trampe ich nicht gleich? Maßnahmen, die allein auf die Wissensvermittlung beschränkt sind, verfehlen jedoch häufig ihr Ziel, da sie wichtige andere Vorbedingungen zur Entstehung von Verhalten vernachlässigen. Schließlich wissen viele Leute, dass Flugreisen nicht unbedingt eine ökologische Art der Fortbewegung sind und buchen trotzdem einen Billigflieger.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>SOZIALE NORMEN</strong><br>Eine weitere elementare Komponente ist die soziale Norm. Dazu gehört die persönliche Einstellung, aber auch die Einschätzung des sozialen Umfeldes. Wie sollte ich mich in einer bestimmten Situation verhalten? Wie verhalten sich – unabhängig davon –wichtige Mitmenschen tatsächlich in eben dieser Situation? Wenn ich gerne auf Flugreisen verzichten möchte, aber mein Freundeskreis einen gemeinsamen Urlaub auf den kanarischen Inseln plant, befinde ich mich schnell in einem Konflikt zwischen der eigenen Einstellung und den Vorstellungen meines Umfeldes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>SELBSTWIRKSAMKEIT</strong><br>Auf dem Weg zur Verhaltensausführung ist außerdem die Selbstwirksamkeit zentral, also das Vertrauen in die eigenen spezifischen und relevanten Fähigkeiten,<br>einer Situation gewachsen zu sein. In dem Beispiel könnte dies etwa auch die Vorstellung sein, meine Freunde für eine gemeinsame Reise über Land und Wasser zu begeistern. Eng damit verknüpft ist auch die Frage nach der Tragweite<br>des eigenen Handelns. Habe ich das Gefühl, mit meinem Verhalten etwas bewirken zu können? Es bedarf also des Gefühls, dass das Handeln des Einzelnen relevant ist. Und ich beruhige mich nicht mit der Aussage, dass der Flieger ja auch ohne mich startet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>AUSBILDUNG EINER VERHALTENSINTENTION</strong><br>Wissen, soziale Norm und Selbstwirksamkeit können zur Ausbildung einer Verhaltensintention führen, also der konkreten Absicht, ein bestimmtes Verhalten auszuführen. Doch auch die Absicht, ein bestimmtes Verhalten auszuführen, führt noch nicht zwangsläufig zum tatsächlichen Handeln. Ein anspruchsvolles Ziel, das konkret formuliert ist und kleinere Teilziele enthält, wird mit einer höheren Wahrscheinlichkeit erreicht als diffuse Absichtsbekundungen. Im Alltag können kleine Erinnerungshilfen nützlich sein: kurz und höflich, leicht auszuführen und auf das erwünschte Verhalten fokussiert, erhöhen sogenannte Prompts die Wahrscheinlichkeit bestimmter Verhaltensweisen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>NACHHALTIG LEBEN</strong><br>Vielen Überlegungen zur Förderung nachhaltiger Verhaltensweisen liegt die Annahme zugrunde, dass eine nachhaltige Lebensweise förderlich für Zufriedenheit und Wohlbefinden sein kann. Denn nachhaltige Verhaltensweisen werden nur dann langfristig ausgeführt, wenn sie insgesamt als belohnend und positiv wahrgenommen werden. Wenn ich das Gefühl habe, mich ständig einschränken zu müssen, werde ich auf kurz oder lang in alte Verhaltensweisen zurückfallen. Suffizienz ist an dieser Stelle ein Schlüsselwort. Gut umschrieben wird es durch den Ausdruck „das rechte Maß“, manchmal auch durch Genügsamkeit. Es geht um ein gutes Leben ohne Überfluss, unter Rücksicht auf die Umwelt. Prof. Dr. Marcel Hunecke, Professor für Allgemeine Psychologie sowie Organisations- und Umweltpsychologie an der FH Dortmund, hat ein umfassendes Modell zu psychologischen Ressourcen für nachhaltige Lebensstile entworfen. Sechs Komponenten fasst er als elementar auf: Genussfähigkeit, Selbstakzeptanz, Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit, Sinnkonstruktion und Solidarität.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>STRUKTURELLE ASPEKTE</strong><br>Trotz des Fokus auf die individuellen Merkmale von nachhaltigen Verhaltensweisen dürfen strukturelle Aspekte nicht außer Acht gelassen werden. Eine Studie zeigte, dass sich Personen mit eher geringem Umweltbewusstsein sich ebenso umweltschützend verhalten, wie Personen mit ausgeprägten Umweltbewusstsein, wenn das entsprechende Verhalten strukturell erleichtert wird, z.B. sagen vorhandene Vorrichtungen zur Mülltrennung das Recyclingverhalten besser voraus als das Umweltbewusstsein. Ebenso können durch Voreinstellungen bestimmte Entscheidungsoptionen wahrscheinlicher werden. Defaults bezeichnen die Option, die eine Person erhält, wenn sie sich nicht explizit anders entscheidet. Bei der Wahl eines Stromanbieters kann der Default Ökostrom sein, bei der Wahl einer Mahlzeit die vegetarische Variante.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>INTERESSE AN DIESEM BEREICH?</strong><br>An der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg gibt es einen Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt der Mensch-Umwelt-Beziehungen. Auch an anderen Universitäten entsteht ein wachsendes Angebot an Vorlesungen und Seminaren mit umweltpsychologischen Fragestellungen, so etwa in Jena, Heidelberg, Konstanz und Greifswald. Wer umweltpsychologische Fragen in seinem universitären Curriculum vermisst oder gerne selbst in Aktion treten möchte, kann sich in die Initiative Psychologie im Umweltschutz e.V. (IPU) einbringen. Die IPU ist ein bundesweites Netzwerk von Studierenden, überwiegend der Psychologie, aber auch verwandten Studiengängen, und Berufstätigen aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Zweimal jährlich findet ein Kongress zu einem wechselnden umweltpsychologischen Thema statt. In den vergangenen Jahren ging es etwa um umweltpsychologische Perspektiven auf Fragen des kommunalen Klimaschutzes, der Commons-Dilemmata, der Politik und Nachhaltigkeitskommunikation. Neben einer Plattform für Austausch und Diskussion zu nachhaltigkeitsbezogenen Themen entstehen immer wieder neue Projekte aus dem Kreis der Engagierten. In Kürze erscheint das Buch „Psychologie im Umweltschutz. Handbuch zur Förderung nachhaltigen Verhaltens“ beim oekomVerlag. Es bietet eine praktische Handreichung zum Verständnis von Umweltpsychologie und unterstützt Interessierte bei der Umsetzung eines nachhaltigen Lebensstils.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mehr zur IPU unter: www.ipu-ev.de</strong></p>



<p class="has-white-color has-light-gray-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-60acb8aa4296fdf8be53535ba1751b64 wp-block-paragraph">Über die Autorin: Margarete Over ist Masterstudentin der Psychologie in Heidelberg. In ihrer Bachelorarbeit befasste sie sich mit den sozialkognitiven Grundlagen von Kooperation in ökologisch-sozialen Dilemmata. Seit 2014 engagiert sie sich in der Initiative Psychologie im Umweltschutz e.V., organisierte dabei den Kongress zum Thema „Mit Umweltpsychologie den kommunalen Klimaschutz stärken“ und war als Vorstandsmitglied aktiv.</p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-6d493f7f791dbbff84963493ba538480 wp-block-paragraph" style="font-size:8px">Quellen<br>Hamann, K., Baumann, A. &amp; Löschinger, D. (in press). Psychologie im Umweltschutz. Handbuch zur Förderung nachhaltigen Verhaltens. oekom <br>Hunecke, M. (2013). Psychologie der Nachhaltigkeit – Psychische Ressourcen für Postwachstumsgesellschaften. oekom: München.</p>
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		<title>Das Image von „Psychos“</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2022 04:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[oder: verrückt-freundlich-verwirrt-freudsche Birkenstockträger männlichen Geschlechts SASKIA RIEDELBAUCH. „Kannst du jetzt meine Gedanken lesen?“, „Oh da muss ich jetzt aber aufpassen, was ich dir gegenüber sage“, „Analysierst du mich jetzt?“, diese typischen Fragen kennt wohl jede:r Psychologiestudierende. Oft wird man mit den verschiedensten Stereotypen konfrontiert, wenn man erzählt, dass man Psychologie studiert. Die meisten sind (leider) [&#8230;]]]></description>
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<h1 class="has-large-font-size wp-block-heading">oder: verrückt-freundlich-verwirrt-freudsche  Birkenstockträger männlichen Geschlechts</h1>



<p class="wp-block-paragraph">SASKIA RIEDELBAUCH. <strong>„Kannst du jetzt meine Gedanken lesen?“, „Oh da muss ich jetzt aber aufpassen, was ich dir gegenüber sage“, „Analysierst du mich  jetzt?“, diese typischen Fragen kennt wohl jede:r  Psychologiestudierende. Oft wird man  mit den verschiedensten Stereotypen konfrontiert, wenn man erzählt, dass man Psychologie studiert. Die meisten sind (leider) weit entfernt von der Realität. Was sind die typischen Vorurteile der Gesellschaft von Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen und Psychiater:innen („Psychos“)?</strong></p>



<span id="more-1948"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Psycholog:innen forschen gerne. Sie untersuchen die unterschiedlichsten Sachen: die psychische Entwicklung vom Kleinkind bis zum/zur Rentner:in, die zahlreichen kognitiven Funktionen des Menschen sowie deren Sozialverhalten, ideale Arbeitsbedingungen und die Interaktion von Mensch und Maschine&#8230; Die Liste könnte ewig fortgeführt werden. Doch Psycholog:innen interessieren sich nicht nur für andere Menschen, sondern auch für sich selbst. Beziehungsweise für ihren eigenen Ruf. Dank dieses Interesses bestehen verschiedene Veröffentlichungen, die sich um das Image von Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen und Psychiater:innen in der Öffentlichkeit drehen. Dies ermöglicht eine  wissenschaftlichere Betrachtung des Themas und ich muss mich nicht nur auf eigene Erfahrungen und pseudo-wissenschaftliche Berichte stützen. Ein Hoch auf die Neugier der Psycholog:innen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kirsten von Sydow von der Psychologischen Hochschule Berlin fasste in ihrer Veröffentlichung „The public image of psychologists, psychotherapists, and psychiatrists: A systematic review“ [1] aus dem Jahre 2007 umfangreich zahlreiche Ergebnisse empirischer Forschung zusammen. Sie weist auf die mangelnde Differenzierung der verschiedenen psychologischen Tätigkeiten hin sowie auf die Tendenz, dass alle „Psychos“ mit Psychotherapie assoziiert werden. Psycholog:in, Psychotherapeut:in, Psychiater:in? Alles das Gleiche, zumindest für den Großteil der Öffentlichkeit. Dieses Phänomen ist wohl allen bekannt. Ich persönlich habe schon oft genug bemerkt, dass die breite Masse nicht Bescheid weiß über die Vielfältigkeit der Psychologie. So wurde ich selbst als Psychologiestudentin schon öfter direkt als zukünftige Therapeutin abgestempelt, ohne dass andere psychologische Berufe überhaupt in Betracht gezogen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1960er Jahren (und in gewissem Ausmaße auch heute) dachte man in der Öffentlichkeit, dass Psycholog:innen für weniger ernste psychologische Probleme verantwortlich sind. Für ernste mentale Probleme und die Verschreibung psychoaktiver Drogen hielt man Psychiater:innen für zuständig. Mit der Zeit wandelte sich diese Vorstellung. In den 1990er Jahren wurden Psychotherapeut:innen schließlich als gleichsam verantwortlich für die Behandlung von Depression, suizidalen Tendenzen, Drogen- und Alkoholabhängigkeit gesehen, wie Psychiater:innen [2].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Sydow beschreibt in ihrem Paper die Männlichkeit des „Psycho-Stereotyps“. Hiermit ist gemeint, dass in den Medien und in den Vorstellungen der Gesellschaft „Psychos“ fast ausschließlich männlichen Geschlechts sind. So seien  beispielsweise lediglich 2% der Cartoon-Therapeut:innen weiblich, in Filmen sind es 25-29% [1] . Jede:r, der/die in den letzten Jahren einmal in einer Psychologie-Vorlesung saß, weiß, dass es in der Realität ganz anders aussieht. Wenn man sich die Psychologiestudierenden anschaut, wird schnell deutlich, dass die Frauen deutlich in der Überzahl sind. In manch einer Vorlesung muss man regelrecht suchen, um die ein oder andere männliche Person zu Gesicht zu bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Doch wie sehen „typische“ Psycholog:innen optisch eigentlich aus?</strong> <br>Es gibt vier verschiedene Typen des stereotypischen Aussehens von „Psychos“ [1] . Der erste Typ entspricht dem Bilde Sigmund Freuds. So stellt sich eine Vielzahl der  Menschen einen bebrillten Mann mittleren Alters mit Bart und ergrauenden bzw. weißen Haaren sowie seriöser Bekleidung vor. „Ernsthaft?“, ging mir beim Lesen des Berichts durch den Kopf. Als Psychologiestudent möchte man meinen, die Vorstellungen der Öffentlichkeit gehen über die freudianische Psychologie hinaus.  Jetzt wird die Psychologie also nicht nur mit Psychoanalyse gleichgesetzt, sondern Psycholog:innen sollen auch noch aussehen wie Freud? Herzlichen Dank. Doch es gibt noch mehr Typen von „Psychos“, die den Stereotypen der Masse entspringen. Der zweite Typus ist „der Öko“, der dritte „der Intellektuelle“ und der vierte „der Neurotiker“. (Das wird ja immer besser.) Letzterer ist gekennzeichnet durch unordentliche Haare, unpassende Kleidung und verwahrlostes Aussehen. Schon irgendwie traurig, dass man als Psycholog:in scheinbar einfach nicht normal aussehen kann. Aber Menschen, die im Bereich der Psychologie arbeiten, sind doch sowieso alles andere als „normal“, oder nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„45% der Befragten einer deutschen Internetstudie meinten, Psychologen hätten selbst einen ‚Tick‘“ [1] . Ich selbst konnte mir schon Sprüche wie „Ihr Psycholog:innen habt doch auch nicht mehr alle Tassen im Schrank“ oder „Psycholog:innen sind doch selbst alle irgendwie verrückt“ anhören. Was für Stereotype über die Persönlichkeit eines „Psychos“ bestehen? Die Vorstellungen scheinen sehr ambivalent zu sein. So werden Tätige im Bereich der Psychologie „allgemein als professionell, empathisch, interessiert, ruhig, intelligent, kompetent, kompliziert, undurchschaubar, labil und eher feminin“ [1] beschrieben. Dabei seien Psychiater:innen als professioneller angesehen verglichen mit Psycholog:innen, allerdings auch als „kühler, uninteressierter und feindseliger“ [1].  Einerseits bestehen Vorstellungen von Psycholog:innen als empathische Hilfefiguren, andererseits allerdings auch als ihren Klient:innen schädigend und Grenzen überschreitend. Letzteres ist scheinbar ein reales Problem, welches in den Medien übertrieben dargestellt wird. So zeigten beispielsweise US-Studien, dass „14,2% der männlichen und 4,7% der weiblichen sexuellen Kontakt mit (ehemaligen) Patienten hatten“ [1] . (Seht ihr, es war doch klar, dass irgendetwas mit den Psychos nicht stimmt!).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Wunder, dass Psycholog:innen bei diesen Stereotypen in den Medien in den meisten Fällen als ineffektiv dargestellt werden. So seien die meisten Psychiater:innen in Cartoons beispielsweise nicht in der Lage, etwas an dem Zustand ihrer Patient:innen etwas zu verändern. Bei 75% der Cartoon-Patient:innen zeigte sich keine Veränderung und bei 15% verschlechterte sich gar  ihre Verfassung [2] . Die Medien dachten sich die verschiedensten Persönlichkeiten von Psychiater:innen aus, die ihre  Patient:innen auf die mehr oder (besonders) die weniger seriöse Weise therapierten. So behandelte rund 35% der Psychiater:innen in Filmen, welche als idiotisch oder gar kindisch dargestellt wurden, ihre Patient:innen mit bizarren oder unüblichen Methoden. In 22% der Fälle werden die Psychiater:innen sogar als warm, menschlich, bescheiden und väterlich dargestellt. Bis auf die Tatsache, dass sie damit wieder auf das männliche Geschlecht reduziert werden, gar nicht mal so übel. Doch eben diese Film-Psychiater:innen nutzen dann Improvisation und unorthodoxe  Methoden, um ihren Patient:innen erfolgreich helfen zu können. Normale Therapie scheint also wirklich einfach nicht zu funktionieren. Doch es kommt noch besser: Rund 15% der Medien-Psychiater:innen werden als „manipulative Monster“ dargestellt, die sich in verbotenen und gefährlichen Bereichen des Experimentierens bewegen und ihre Macht für persönlichen Profit ausnutzen. [2]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frauen, die im Bereich der Psychologie arbeiten, sind in den Medien sowie in den Stereotypen der Öffentlichkeit nicht nur unterrepräsentiert. In Cartoons zum Beispiel werden Psychaterinnen oft als Sexobjekte oder Hausfrauen dargestellt. In Hollywood-Filmen werden weibliche Psychotherapeutinnen als körperlich attraktiv dargestellt. Schön und gut, dazu kommt allerdings noch, dass sie gleichzeitig als „Misserfolg als Frau“ präsentiert werden. So sind sie unter anderem unfähig eine stabile heterosexuelle Beziehung zu führen, unerfüllt sowie abweisend gegenüber Kindern. Als Therapeutin helfen sie nicht ihren Patient:innen, sondern lassen sich von ihnen helfen, indem sie Heilung dadurch erfahren, dass sie sich in Patient:innen verlieben. [2] „Ernsthaft?“, frage ich mich erneut, den Kopf schüttelnd.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Puh, wenn man das alles liest, mag man denken, die Öffentlichkeit hält uns  Psychos für vollkommen durchgedreht. Glücklicherweise ist dies aber nicht immer so und das Gesellschaftsbild wandelt sich immer mehr hin zum Positiven (wenn auch nicht besonders schnell). So zeigte sich beispielsweise eine Zunahme der Bereitschaft, Therapie im Allgemeinen zu befürworten sowie eine erhöhte  Aufsuche psychiatrischer oder psychotherapeutischer Hilfe bei Schizophrenie oder Depression in Deutschland im Jahre 2001 im Vergleich zu 1990 [4] .</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es nur um die persönlichen Gefühle der Psycholog:innen ginge, dann könnte man all diese Stereotype hinnehmen und sich irgendwie damit abfinden. Doch das ist leider nicht alles, denn auch Menschen mit psychischen Problemen sind letztendlich schlechter dran wegen dieser Stereotype. In einer Studie von 1993 zeigte sich, dass lediglich 33% einer repräsentativen deutschen Stichprobe mit psychischen oder psychosomatischen Beschwerden Psychotherapie in Anspruch nahmen. Von den 67%, die psychotherapeutische Behandlung ablehnten, tat dies ein Drittel aufgrund von negativen Einstellungen gegenüber Psychotherapie oder aus Angst davor [2] . Also halten die (meist negativen) Vorstellungen von  „Psychos“ einen beachtlichen Teil der Gesellschaft davon ab, Therapie in Anspruch zu nehmen, die ihnen womöglich weiterhelfen könnte. Das Image von Psychotherapie spielt im Hinblick auf den Erfolg einer Therapie eine bedeutende Rolle. Der Erfolg einer Therapie ist geringer und die Schwierigkeit des Prozesses der Therapie erhöht bei Patient:innen mit geringer Akzeptanz gegenüber Psychotherapie [3] . Dies deutet auf die Notwendigkeit hin, höhere Akzeptanz von Psychotherapie in der Öffentlichkeit anzustreben, um Therapieerfolg zu gewährleisten und Menschen mit psychischen Problemen helfen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fassen wir zusammen:</strong> „Psychos“ sind männlich, sehen aus wie Freud, sind höchst ineffektiv in der Behandlung ihrer Patient:innen und haben selbst einen Tick. Wenn „Psychos“ ausnahmsweise doch mal Frauen sein sollten, sehen sie lediglich gut aus und verknallen sich in ihre Patient:innen, anstatt sie erfolgreich zu therapieren. Wie es in der Realität aussieht,  wisst ihr vermutlich selbst am besten. Wir „Psychos“ sind auch nur normale Menschen und nicht häufiger verrückt oder durchgeknallt als andere auch. Genauso wenig wie jede andere soziale Gruppe kann man uns „Psychos“ in eine Schublade stecken, über einen Kamm scheren oder alle als gleich abstempeln. Wir sehen nicht alle aus wie Freud, tragen Birkenstock-Sandalen oder laufen mit zerzausten Haaren und schief sitzender  Brille verwirrt durch die Gegend. Manch einer mag wohl so ausschauen, doch das wäre eher die Ausnahme als die Regel. Schaut euch das nächste Mal, wenn ihr in  einer Vorlesung seid, einfach mal um und seht selbst, wie unterschiedlich die Psychologiestudierenden doch sind. Klärt euer soziales Umfeld auf und macht euren Bekannten, Freund:innen und eurer Familie klar, dass Psychologie mehr als Psychotherapie und Psychoanalyse ist. Ihr habt es in der Hand, das Gesellschaftsbild von uns „Psychos“ mit zu verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:10px"><strong>Quellen:</strong><br>[1] Von Sydow, K. (2007). Das Image von Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiatern in der Öffentlichkeit. Psychotherapeut, 52(5), 322-333.<br>[2] Von Sydow, K., &amp; Reimer, C. (1998). Attitudes toward psychotherapists, psychologists, psychiatrists, and psychoanalysts: A meta-content analysis of 60 studies published between 1948 and 1995. American journal of psychotherapy,<br>52(4), 463.<br>[3] Fischer, P. (2007). Das Image der Psychotherapie.<br>[4] Angermeyer, M. C., &amp; Matschinger, H. (2005). Have there been any changes in the public&#8217;s attitudes towards psychiatric treatment? Results from representative population surveys in Germany in the years 1990 and 2001. Acta Psychiatrica Scandinavica, 111(1), 68-73.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Über Humor, Lachen und den Sinn des Unsinns</title>
		<link>https://psycho-path.de/ueber-humor-lachen-und-den-sinn-des-unsinns/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Dec 2022 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Adventsartikel]]></category>
		<category><![CDATA[humor]]></category>
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					<description><![CDATA[„Kommen ein Priester, ein Ire und eine Blondine in ‘ne Bar&#8230;“ LEONARDO STEENBOCK. Von absurden Webespots über lustige Poetry-Slammer bis hin zum typischen Papa-Witz am Mittagstisch – Humor ist allgegenwärtig. Doch was macht eine Sache überhaupt witzig? Warum lachen wir? Und was bringt es dem Menschen über Dinge zu scherzen? Genau diesen Fragen möchte ich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h1 class="has-large-font-size wp-block-heading">„Kommen ein Priester, ein Ire und eine Blondine in ‘ne Bar&#8230;“</h1>



<p class="wp-block-paragraph">LEONARDO STEENBOCK. <strong>Von absurden Webespots über lustige Poetry-Slammer bis hin zum typischen Papa-Witz am Mittagstisch – Humor ist allgegenwärtig. Doch was macht eine Sache überhaupt witzig? Warum lachen wir? Und was bringt es dem Menschen über Dinge zu scherzen? Genau diesen Fragen möchte ich im folgenden Artikel auf den Grund gehen und euch auf dem Weg vielleicht sogar das ein oder andere Mal zum Lachen oder zumindest zum amüsierten Ausatmen durch die Nase zu bringen.</strong></p>



<span id="more-1940"></span>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaube diese beiden Kanutisten da unten am See sind nackt“, sagt der Vater meiner damaligen Freundin, als er bei einem Urlaub in Schweden mit dem Fernglas die Kanus betrachtet. Erwartungsvoll erwidere ich: „Also sind es wohl eher Kanudisten!“ Die Reaktion ist meistens dieselbe. Ich lache über meinen eigenen Witz, eine andere Person lacht eventuell noch mit, doch die überwiegende Mehrheit rollt mit den Augen. Dabei waren Wortwitze einst allgemein geachtet und galten als Zeichen höheren Intellekts. In der Renaissance zum Beispiel bauten Richter Wortspiele in ihre Urteilssprüche ein und sogar verurteilte Straftäter machten am Galgen noch Wortwitze, um dem Publikum durch ihre geistige Wendigkeit zu beweisen, dass sie gar keine so schlechten Kerle waren – waschechter Galgenhumor also. Nicht zuletzt spielte William Shakespeare in  seinen Stücken immer wieder mit Mehrdeutigkeiten und ging damit in die Geschichte ein. Erst die Epoche der Aufklärung sorgte mit ihrem Fokus auf die Vernunft dafür, dass unsachliche und zweideutige Kommentare in Ungnade fielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sind wir als Gesellschaft also kollektiv humorlos geworden? Sicherlich nicht. Zum einen halten clevere Rap-Künstler:innen und gut geschriebene Sitcoms den Wortwitz fleißig weiter am Leben. Zum anderen gibt es auch noch viele weitere Arten Humor auszudrücken. Im Jahr 2008 beschrieben Schlicksupp und Krause ganze 25 verschiedene Humorstrategien, welche die Diplom-Psychologin Christina Dornhaus (2016) zum Zweck eines Humor-Coachings in sechs übergeordnete Kategorien aufteilte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-accent-color">SECHS HUMORSTRATEGIEN</mark><br>Beim eben besprochenen Wortwitz macht man sich meist „Wörtlichkeit“ und „Mehrdeutigkeit“ zu Nutze, da man hier versucht Aussagen außerhalb ihres Kontextes zu interpretieren bzw. Formulierungen absichtlich so zu wählen, dass sie in mehrere Richtungen verstanden werden können. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch „Analogien“ sind vor allem bei verbalem Humor eine nützliche Strategie, um Menschen zum Lachen zu bringen. Wenn also jemand sagt: „Mein Leben ist wie ein Rihanna Song – Work, Work, Work und den Rest verstehe ich nicht“, dann sind es nicht unbedingt die einzelnen Elemente, die wir als lustig empfinden, sondern eher, dass diese beiden scheinbar unzusammenhängenden Dinge in Beziehung zueinander gesetzt werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo wir gerade bei Beziehungen sind, auch Erfolgs-Comedian Mario Barth bedient sich mit seiner „Meine Freundin, kennste? Kennste?“-Routine einer der einfachsten Humorstrategien: „Extreme“.  Das Spielen mit Klischees ist in dem klassischen Witz, den man sich in einer Runde von Freund:innen erzählt, wohl am häufigsten zu finden. Fast jeder kennt  Erzählungen, die mit Sätzen wie „Kommen ein Priester, ein Ire und eine Blondine in ‘ne Bar“ beginnen und man kann sich schon in etwa vorstellen, welcher der Charaktere was für Eigenschaften aufweist. Aber auch die extreme Darstellung einer unglaublichen Pechsträhne, wie es Charlie Chaplin ganz ohne Worte in so vielen seiner Filme tut, fällt unter diese Strategie, bei der es vor allem darum geht, bestimmte Sachverhalte oder Aussagen besonders groß oder klein zu machen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Stichwort „Gegenteil“ fasst Dornhaus Strategien zusammen, bei denen mit Erwartungen gespielt wird und Situationen umgekehrt werden. Gerade die Comicverfilmungen von Marvel Studios sorgen häufig dadurch für Lacher, dass Held:innenfiguren, die wir normalerweise als mit Pathos dargestellte Übermenschen kennen, urplötzlich einen unerwartet menschlichen Moment haben (wie z.B. als der Donnergott Thor mitten in der finalen Schlacht die U-Bahn nehmen muss, um an den Ort des Geschehens zurück zu gelangen). Ähnliche Prinzipien macht sich ebenso folgender Witz zu Nutze: „Was bekommt man, wenn man einen Witz mit einer rhetorischen Frage kreuzt?“ </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt kommen wir einmal auf die Käse-Theorie zu sprechen. Kennt ihr nicht? Lasst mich sie euch erklären: Je mehr Käse man hat, desto mehr Löcher hat man im Käse. Aber je mehr Löcher im Käse sind, desto weniger Käse hat man natürlich. In der Schlussfolgerung bedeutet dies so gesehen also: Je mehr Käse, desto weniger Käse! In diesem Beispiel findet die letzte Humorstrategie „Absurdität“ Verwendung, bei der man Logik und anerkannte Sätze in Frage bzw. auf den Kopf stellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-accent-color">DREI HUMORTHEORIEN</mark><br>Mit Hilfe dieser sechs Strategien können wir also Humor effektiv verwenden. Aber was genau passiert bei unserem Gegenüber oder auch bei uns, wenn wir  Witze reißen? In ihrer wissenschaftlichen Arbeit aus dem Jahr 2008 stellen die Psychologinnen Wilkins und Eisenbaum drei Theorien vor, die die Funktionsweise von Humor zu erklären versuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der „Incongruity Theorie“ müssen wir erst die typischen Muster unserer Realität rational verstanden haben, bevor Humor überhaupt funktioniert. Denn Menschen lachen über Dinge, die sie überraschen oder die akzeptierten Muster durchbrechen. Etwas Lustiges entsteht also dadurch, dass wir kognitiv sowohl eine normentsprechende Ansicht auf eine Situation als auch eine normabweichende gleichzeitig verarbeiten müssen. Deswegen finden wir politische Witze zum Beispiel als Kinder weniger witzig, als wenn wir erwachsen sind – wir haben die entsprechenden Muster noch nicht genug verstanden, um die Abweichungen wahrzunehmen. Über neurologische bildgebende Verfahren kann man sogar beobachten, dass bei dem Verarbeiten von Cartoons die gleiche Hirnaktivität zu beobachten ist, wie beim Verarbeiten von Inkongruenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die „Superiority Theory“ dagegen setzt einen Schwerpunkt auf  sozialpsychologische Phänomene. So dient das Lachen über andere, die sozialen Normen nicht entsprechen, zum einen als Ersatz für Aggression und erhält damit die soziale Ordnung aufrecht. Zum anderen sorgt es dafür, dass das Einheitsgefühl einer Gruppe gestärkt wird. Das mag zunächst einmal fies klingen, ist aber der Grundstein des Erfolgs vieler heutiger Fernsehformate. Wenn wir uns in unserem Freundeskreis bei der Umstyling-Folge von Germany’s Next Topmodel über „Heidi’s Mädchen“ amüsieren, weil diese nach 12 Staffeln immer noch schockiert darüber sind, dass ihnen die Haare abgeschnitten werden, bekräftigt uns dies in dem Glauben, dass wir dagegen die Schlauen sind, die alles richtig gemacht haben. Ob dem tatsächlich so ist, sei einmal dahingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dritte Theorie, die „Relief Theorie“ besagt, dass vor allem die physische Reaktion des Lachens zu einer Reduktion von körperlichem Stress und Anspannung führt, was wiederum ein Gefühl von Heiterkeit und Erleichterung auslöst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-accent-color">∞-ER NUTZEN VON HUMOR</mark><br>Somit wissen wir jetzt also in etwa, wie Humor wirkt und funktioniert. Bleibt nur noch die Frage: Wozu der ganze Spaß? Dornhaus entwickelte ihr Humor-Coaching zur Förderung von Kreativität und Innovation am Arbeitsplatz, da durch Humor alte Denkweisen durchbrochen werden können. Wilkins und Eisenbraun hingegen fokussierten sich in ihrer Arbeit besonders auf die Funktion von Lachen und  Humor als Coping-Mechanismus. Aufgrund der oben beschriebenen Wirkungsweisen hat ein Witz nämlich die Kraft negativen Affekt in positiven zu transformieren. „Harry Potter“-Fans mag hier direkt der Teil der Geschichte einfallen, in dem die jungen Hexen und Zauberer einen angsteinflößenden Irrwicht mit Hilfe des „Riddikulus“-Zaubers in etwas Lächerliches verwandeln und somit bezwingen. Und genauso ist es: Bedrohliche Situationen können mit Hilfe von Humor neu bewertet und einfacher überwunden werden. Man kann also sagen, dass er für den Menschen ein Überlebenswerkzeug darstellt. Neben einer erhöhten psychischen Resilienz, haben ein guter Sinn für Humor und häufiges Lachen außerdem noch physiologischen Vorteile: Die Ergebnisse von Hayashi und Kollegen (2009) ließen den Schluss zu, dass Lachen der Verschlimmerung  diabetischer Neuropathie vorbeugen kann. Kimata (2004) zeigte, dass sich das Anschauen von lustigen Filmen positiv auf die Lungenfunktion von Asthma-Patienten auswirkte. Und eine Studie der University of Maryland aus dem Jahr 2005 stellte fest, dass der physische Akt des Lachens ähnliche Effekte auf den Blutkreislauf hat wie leichte Aerobic-Übungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurzum: Lachen ist gesund. Wobei es für dieses simple Fazit vermutlich keiner intensiven Forschung bedurft hätte. Schließlich sagte ein deutscher Philosoph namens Immanuel im 18. Jahrhundert bereits: „Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.“ Die seelenheilende Funktion des Lachens war also auch schon vor über 200 Jahren beKant&#8230; versteht ihr? Kant? Wegen Immanuel. Nein? Zu flach? Ihr habt schon wieder die Augen gerollt, oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px"><strong>Quellen:</strong><br>Dornaus, C. (2016). Humor als Förderfaktor für Innovationen: Analyse eines Innovationscoachings und Entwicklung eines theoretischen Modells (qualitative Einzelfallstudien) (Vol. 24). University of Bamberg Press.<br><br>Pollack, J. (2012). The pun also rises: How the humble pun revolutionized language, changed history, and made wordplay more than some antics. Avery.<br><br>Schlicksupp, H., &amp; Krause, T. (2008). Humor als Katalysator für Kreativität und Innovation. Vogel.<br><br>Wilkins, J., &amp; Eisenbraun, A. J. (2009). Humor theories and the physiological benefits of laughter. Holistic nursing practice, 23(6), 349-354.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zeitvertreib: Essen</title>
		<link>https://psycho-path.de/zeitvertreib-essen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[web9843]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Dec 2022 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Adventsartikel]]></category>
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					<description><![CDATA[REGINA LINKE. Ob nun gezwungenermaßen oder auch freiwillig aus Schutz der Nächsten und sich selbst, wie so viele, musste ich die letzte Zeit zahllose Stunden in meinen eigenen vier Wänden verbringen. Am Anfang noch voller Begeisterung, mit zunehmender Zeit jedoch eher mit getrübter Stimmung, war ich ständig auf der Suche nach neuen Ideen zum Zeitvertreib. [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">REGINA LINKE. <strong>Ob nun gezwungenermaßen oder auch freiwillig aus Schutz der Nächsten und sich selbst, wie so viele, musste ich die letzte Zeit zahllose Stunden in meinen eigenen vier Wänden verbringen. Am Anfang noch voller Begeisterung, mit zunehmender Zeit jedoch eher mit getrübter Stimmung, war ich ständig auf der Suche nach neuen Ideen zum Zeitvertreib. Was bot sich da besser an, als das sowieso Nötige mit dem Vergnüglichen zu verbinden? Essen musste ich  schließlich, also warum nicht daraus einen Zeitvertreib machen? So begann ich meine Leidenschaft für das Kochen und Backen auszubauen und stieß auf die  verschiedensten Rezepte und Ideen. Doch bevor ich meine Lieblings-Entdeckung hier teilen möchte, sollte erst die Frage geklärt werden, wie unser Essverhalten überhaupt entsteht und wodurch wir es beeinflussen können.</strong></p>



<span id="more-1924"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-accent-color">ESSEN IST MEHR ALS BLOSSE NAHRUNGSAUFNAHME</mark><br>Essen ist in vielerlei Hinsicht ein spannendes Thema. Unzählige Forscher:innen, Influencer:innen, Zeitschriften, Bücher, Blogs, Kalender… beschäftigen sich damit. Natürlich sollte dabei die psychologische Perspektive auf Essen nicht außen vor gelassen werden. Von dieser Sichtweise aus hat Essen eine weitaus größere Bedeutung als die der bloßen Nahrungsaufnahme. Essen besitzt die Macht, Menschen zufriedener, gesünder und sogar stressresistenter zu machen. Klingt wie ein kleines Wunder, aber im Grunde heißt der Schlüssel zum Glück ganz einfach: Genießen (Bencsik, 2002). Leichter gesagt als getan. Unsere schnelllebige Welt durchkreuzt die Idee von Genuss. Essen zwischen Tür und Angel, ein belegtes Brot auf die Hand oder schnelles Fast Food – für viele ist das der Alltag. Der Genuss steht dabei an zweiter Stelle, bewusstes Genießen wird zur seltenen Mangelware. Aber selbst, wer sich dieser effizienten Schnelllebigkeit entziehen kann, kämpft mit einem weiteren Problem. Erlernte Essverhaltensweisen wohnen einem jeden inne und können nur schwer abgelegt werden. Aber was bedeutet das für unsere Nahrungsaufnahme? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits die frühe Kindheit beeinflusst das Essverhalten im großen Stil. Wie so oft spielt dabei die Familie eine entscheidende Rolle. Essen, Nahrungsmittelpräferenzen und die damit verbundenen Emotionen lernen Kinder durch Beobachtung ihrer Umwelt. Dieses Imitationslernen führt auch zu dem Phänomen, dass in einer Gesellschaft sich meist ähnliche Geschmacksvorlieben etablieren, die auch in neuen Umgebungen oder anderen Gesellschaften noch lange erhalten bleiben (Pudel &amp; Westenhöfer, 2003). Daran zeigt sich bereits, dass Essen mehr als bloße Nahrungsaufnahme ist. Aber Essen wird nicht nur durch unsere Erfahrungen beeinflusst. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor auf unser Essverhalten sind Emotionen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-accent-color">ESSEN UND EMOTIONEN</mark><br>Wieso ernähren wir uns nicht einfach dauerhaft gesund? Ganz einfach, weil Essen ein emotionales Thema ist und rationale Informationen bei einem emotionalen Thema nicht viel ausrichten können. Wenn das Essverhalten geändert werden soll, dann müssen auch die Essbedürfnisse anders betrachtet werden. Doch Essbedürfnisse haben in einer Überflussgesellschaft eine neue Bedeutung. Satt werden ist kein Problem mehr, denn es steht ständig eine Unmenge an Nahrungsmitteln zur Verfügung. Viel mehr rücken Bedürfnisse wie Geselligkeit, guter Geschmack, schönes Aussehen oder Bekömmlichkeit in den Mittelpunkt. Diese Bedürfnisse sind eng mit Emotionen verknüpft, weswegen kognitive Informationen eher einen geringen Anteil zur Essverhaltensänderung beitragen (Pudel, 2007).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesem Verständnis, dass Essen und Emotionen stark verknüpft sind, lässt sich auch verstehen, dass Lebensmittelskandale zunächst einen großen Einfluss auf die Gesellschaft nehmen, aber mit der Zeit wieder in Vergessenheit geraten. Skandalmeldungen appellieren an die menschlichen Emotionen und lösen eine emotionale Reaktion aus. Die Folge ist zumeist, dass das skandalöse Produkt gemieden wird. Doch Emotionen klingen auch schnell wieder ab und so verlieren die Skandalmeldungen ihre Wirkung und nach wenigen Wochen oder Monaten kehren viele zu ihrem gewöhnlichen Essverhalten zurück (Pudel, 2007).<strong> </strong>Erinnern wir uns an den BSE Skandal von 2000. Zunächst brach eine weitläufige Panik aus vor der tödlichen Rinderseuche. Die Bevölkerung verzichtete auf Rindfleisch, sogar beliebte Süßigkeiten wie Gummibärchen wurden teilweise gemieden. Die Emotionen kochten über, was Biobauern in die Karten spielte und die Preise für andere Fleischsorten als Rindfleisch in die Höhe trieb. Doch lange hielt die Panik nicht an. Genauso schnell wie sie aufkam, verschwand sie auch wieder und schon bald kehrte die Gesellschaft zu ihrer gewohnten Ernährung – mit Rindfleisch – zurück. Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, dass Menschen nur schwer gegen ihre Emotionen ankämpfen können und sich schnell von ihnen leiten lassen. Langfristige Essverhaltensänderungen sind also schwierig zu erreichen. Nicht nur das Imitationslernen in unserer Kindheit erschwert uns eine Änderung, sondern auch unsere Emotionen und Bedürfnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-accent-color">GIBT ES TROTZDEM NOCH HOFFNUNG, DAS ESSVERHALTEN ZU VERÄNDERN?</mark><br>Halten wir zunächst fest, dass jeder mit etwas Mühe sein Essverhalten in einem gewissen Maße ändern kann. Schon allein das Wissen um die Verknüpfung zu Emotionen lassen neue Schlüsse zu, wie zum Beispiel, dass Crash-Diäten keinen Erfolg haben können. Langfristige Änderungen können nur durch kontinuierliches Arbeiten an sich selbst und seinen Einstellungen sowie durch die Verknüpfung von Essen mit positiven Emotionen gelingen. Also ist es ratsamer, neue oder unbeliebte Speisen in einer entspannten Umgebung und positiver Stimmung zu verzehren. So wird das Essen eher mit etwas Positivem als mit Zwang oder Unbehagen verbunden. Gelernte Verhaltensweisen können „umgelernt“ werden. Somit besteht zumindest für jeden bis zu einem gewissen Grad die Chance, alte Verhaltensweisen durch neue zu ersetzen. Denn der Mensch lebt nicht im luftleeren Raum, ständig gibt es neue Versuchungen. Evolutionsbiologische Programme stehen im Kontrast zu vollen Einkaufläden und was früher dem Menschen das Überleben gerettet hat, gestaltet sich nun als Risikofaktor. Wir erleben keine Notzeit mehr, haben aber ständig die Chance, uns darauf vorzubereiten und Fettspeicher anzulegen. Wenn früher die tägliche Aufgabe hieß, Nahrung zu suchen, dann heißt sie heute, Nahrung auszusuchen und dabei auf wichtige Nahrungsstoffe zu setzen, anstatt auf einen schnellen Reservespeicheraufbau. (Pudel, 2007) </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer jetzt neugierig geworden ist, welche Nahrungsmittel sich als eine wertvolle Nahrungsquelle erweisen, kann im Infokasten „Die Versprechen verschiedener Lebensmittel“ nachlesen.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-group has-accent-background-color has-background"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<p class="wp-block-paragraph"><strong> DIE VERSPRECHEN VERSCHIEDENER LEBENSMITTEL&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lebensmittel als Trostspender</strong><br>Kohlenhydrate sind in den leckersten Lebensmitteln versteckt. Ihnen wird nachgesagt als „Nervennahrung“ die Stimmung zu heben. Das stimmt tatsächlich, denn der enthaltene Zucker in Schokolade, Eis oder Gummibärchen stimuliert die Produktion des Glückhormons Serotonin. Aber aufgepasst: Stress, Langeweile oder Traurigkeit sollten nicht nur durch Süßigkeiten bewältigt werden!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum schwören wir auf manche Lebensmittel?</strong><br><strong>Bananen: </strong>durch Nährstoffe wie Kalium und Tryptophan stimmungsaufhellend; Reizschwelle wird gesenkt<br><strong>Spargel:</strong> Vitamin-B-Komplexe, Vitamine A, C, K, Folsäure, Kalium, Mangan führen zu erhöhter Körperenergie, richtiges Superfood!<br><strong>Avocados:</strong> gesunde Fette, Tryptophan, Vitamin B6 und Folsäure, Umwandlung zu stimmungsaufhellendem Serotonin<br><strong>Süßkartoffel:</strong> Eisen und Vitamin B6, besiegt Heißhunger und hält Blutzuckerspiegel konstant<br><strong>Rosmarin und Salbei:</strong> ätherische Öle, fördern Durchblutung, Entspannung<br><strong>Leinsamen:</strong> Omega – 3- Fettsäuren, Lignanen, Hormon ausgleiche<mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-accent-color">nd</mark></p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-accent-color">ZEITVERTREIB: ESSEN</mark><br>Essen und die Nahrungsmittelaufnahme ist also ein komplexes Thema mit vielen verschiedenen Einflussfaktoren. Zusammenfassend lässt sich der Einfluss von Emotionen auf unser Essverhalten betonen. Diese hindern uns häufig daran, unser Essverhalten zu ändern. Wer sich dessen aber bewusst ist, kann gezielt positive Emotionen mit Essen verknüpfen. Ein vielversprechender Schlüssel zur Essverhaltensänderung? Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert! Manch einem fällt es vielleicht schwer, Ideale wie gesunde und umweltbewusste Ernährung im Alltag umzusetzen.  Ich hätte einen Vorschlag: Lebensmittel wie „Eis“ oder „Schokoladenmouse“ rufen sicherlich positive Assoziationen hervor. Warum verknüpfen wir diese nicht einfach mit einer gesunden und veganen Variante?<mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-accent-color"> </mark></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Grunde ist die Idee ganz einfach: Wir wollen uns gesund und umweltbewusst ernähren, aber wir wollen (und sollten!) auch nicht auf unseren Genuss verzichten. Wenn Essen zu etwas Negativem wird, auf das wir keine Lust haben, weil es in unmittelbaren Zusammenhang mit Verzicht steht, verbinden wir es mit negativen Gefühlen. Dem müssen wir unbedingt vorbeugen. Meine Empfehlung dazu ist, nicht auf die Lieblingsspeisen verzichten, sondern nach ähnlichen Alternativen suchen. Ein absoluter Allrounder für gesunde Süßspeisen ist dabei zum Beispiel Aquafaba. Aquafaba ist vielfältig einsetzbar und so leicht herzustellen, dass ich es mir nun gar nicht mehr aus meiner Küche wegdenken will. Wer es auch einmal zu Hause ausprobieren möchte, kann sicherlich sofort loslegen, denn es bedarf nur genau einer Zutat. Aquafaba ist veganer Eischnee, der aus dem Einlegewasser von Kichererbsen oder anderen eiweißhaltigen Hülsenfrüchten besteht. Dieses Einlegewasser, also das Wasser aus der Dose, was bei mir üblicher Weise immer im Abfluss gelandet ist, oder das Wasser von euren selbst eingeweichten Kichererbsen, wird mit einem Mixer oder einer Küchenmaschine auf höchster Stufe aufgeschlagen. Es ergibt sich eine fluffige Masse, die mit Eischnee vergleichbar ist. Um diese Masse zu stabilisieren kann noch Sahnesteif hinzugegeben und alles so lange aufgeschlagen werden, bis die Masse an dem Schneebesen steht. Nun sind der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Natürlich muss zunächst der Kichererbsengeschmack überwunden werden, aber je nachdem, was im Anschluss dazugegeben wird, stellt das absolut kein Problem mehr dar. Mit dem so erzeugten Aquafaba lassen sich perfekt Nachspeisen und Eis herstellen. Wer es schokoladig mag, kann das beste vegane Mousse au chocolat erzeugen, indem vegane geschmolzene Schokolade in das Aquafaba untergehoben wird. Dabei darf die Schokolade nicht zu warm sein, damit der vegane Eischnee nicht zusammenfällt. Eine erfrischende Note bekommt das Ganze durch Hinzufügen von frischem Zitronensaft. Im Anschluss alles im Kühlschrank mehrere Stunden fest werden und durchziehen lassen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für alle Eisliebhaber ist Aquafaba die perfekte Grundzutat für ein leckeres veganes Joghurteis. In den veganen Eischnee pürierte Früchte und etwas (veganen) Joghurt unterheben, nach Belieben mit Zucker, Zimt oder &#8211; auch sehr empfehlenswert &#8211; Vanille mischen und schließlich im Eisfach gefrieren lassen. Damit das Eis später leichter abzustechen geht, empfiehlt es sich, das Eis in den ersten Stunden des Gefriervorgangs immer wieder umzurühren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht immer schwierig, eine Veränderung zu beginnen. Das Härteste ist sicherlich, einfach mal anzufangen. Vielleicht überzeugt Aquafaba ja als vegane Variante für Eischnee oder auch Sahne. Und selbst wenn nicht, bei der nächsten Krise suchen wir sicherlich wieder nach neuen Ideen für den Zeitvertreib, vielleicht erinnert sich dann ja der eine oder andere an Aquafaba. Zu guter Letzt aber noch der wichtigste Tipp: Nicht vergessen, während der Herstellung und dem Verzehr immer schön lachen und fröhlich sein ;).</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gutmenschen – Weltverbesserer – Effektiver Altruismus</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2022 07:54:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Adventsartikel]]></category>
		<category><![CDATA[altruismus]]></category>
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					<description><![CDATA[YVONNE FRIEDRICH. Du sparst Strom, kaufst Fairtrade und in deiner Freizeit hilfst du bei der Tafel? Bringt alles nichts, sagt der Effektive Altruismus. Er hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viel Gutes in der Welt zu bewirken. Soweit nichts Neues. Aber anders. Wissenschaftlich abgesichert, rational abwägend und Kalkül statt emotionsbasiert. Er beschreibt sich als Ansatz, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>YVONNE FRIEDRICH. <strong>Du sparst Strom, kaufst Fairtrade und in deiner Freizeit hilfst du bei der Tafel? Bringt alles nichts, sagt der Effektive Altruismus. Er hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viel Gutes in der Welt zu bewirken. Soweit nichts Neues. Aber anders. Wissenschaftlich abgesichert, rational abwägend und Kalkül statt emotionsbasiert. Er beschreibt sich als Ansatz, der Kopf und Herz verbindet.</strong></p>
<p><span id="more-1910"></span></p>
<p>Dabei erscheint er zunächst sehr kopflastig. Die ökonomische Ausgangslage legt er in die Begrenztheit unserer Ressourcen Zeit und Geld. Nun fragt sich der Effektive Altruismus, im Folgenden EA abgekürzt (um der Effizienz der Effektivität Rechnung zu tragen): Wie können Zeit und Geld so eingesetzt werden, dass sie den maximal positiven Effekt erzielen? Die Beantwortung dieser Frage erfordert eine Abwägung von Kosten und Nutzen. Aufseiten des Nutzens fordert er die wissenschaftliche Untersuchung von Wirksamkeit. Aufseiten der Kosten betrachtet er, wofür die Ressourcen Zeit und Geld alternativ eingesetzt werden könnten. Das bietet eine neue Perspektive im Vergleich von verschiedenen Hilfsorganisationen, Berufen und Konsumverhalten. Die konkreten Implikationen werden in den ersten drei Abschnitten des Artikels vorgestellt.</p>
<p>Zur besseren Einordnung des Konzepts sollte erwähnt werden, dass der EA an den ethischen Utilitarismus angelehnt ist. Dieser bewertet Handlungen nach ihren Folgen und ihrem Nutzen, nicht nach ihrer Intention. Eine Spende an eine unwirksame Hilfsorganisation ist demzufolge zwar gut gemeint, aber eigentlich schädlich, da dasselbe Geld anderswo einen viel größeren positiven Effekt gehabt hätte. Dieser Grundgedanke wird an folgendem Beispiel illustriert. Die Ausbildung eines Blindenhundes in den Staaten kostet etwa 50.000 Dollar. Mit demselben Geld könnte aber auch die Operation von 500 Menschen in Entwicklungsländern finanziert werden, die an einem Trachom leiden. Sie würden somit vor dem Erblinden bewahrt werden. Für den Effektiven Altruisten ist die Wahl klar. Für ihn ist jedes Menschenleben gleich viel wert – egal ob in Deutschland oder Afrika. So erläutert es zumindest Peter Singer in seinem TED Talk „The why and how of effective altruism”. Er gilt als einer der Wegbereiter des EA und gehört schon zu den alten Hasen des ansonsten noch sehr jungen Ansatzes.</p>
<p>Auch William MacAskill gehört zu den Multiplikator:innen des EA. Mit seinen 29 Jahren hat er es gerade mal zum Oxford-Professor gebracht. Er beginnt sein Buch „Gutes besser tun“ mit einem eindrücklichen Beispiel. PlayPump ist ein Projekt, das den Bau von speziellen Wasserpumpen in Afrika finanziert. Designt wie klassische Kinderspielplatzkarusselle soll nur mithilfe kindlicher Spielenergie Wasser zutage befördert werden. Im Jahr 2000 gewann das Hilfsprojekt den World Bank Development Marketplace Award und hatte bis 2009 etwa 1.800 PlayPumps in Südafrika, Mosambik, Swasiland und Sambia installiert. <br>Der einzige Haken: Eine Untersuchung von UNICEF [1] entlarvte den praktischen Nutzen der PlayPumps. Das Karussell anzuschieben erforderte viel Kraft, sodass die Kinder bald erschöpft waren. Letztlich schoben die Frauen selbst das Karussell an, was sie als ermüdend und erniedrigend empfanden. Obendrein förderten die PlayPumps fünfmal weniger Wasser als die früheren Handpumpen, waren aber viermal so teuer. Demgegenüber stellt William MacAskill die Arbeit einer niederländischen Hilfsorganisation namens Investing in Children and Their Societies, ICS. Diese untersuchte die Effekte verschiedener Maßnahmen, um die Bildung kenianischer Kinder zu fördern, mit randomisierten&nbsp; Kontrollgruppen. Die anfänglichen Ergebnisse waren ernüchternd: Neue&nbsp; Schulbücher: kein Effekt. Zusätzliche Lehrer: kein Effekt. Kostenlose Schuluniformen: kein Effekt. [2] Das Erfolgsrezept waren Wurmkuren. Sie verringerten die Abwesenheitsraten um 25 Prozent. Folgestudien zeigten auf, dass diejenigen, die als Schüler entwurmt worden waren, durchschnittlich 20 Prozent mehr verdienten als die Kontrollprobanden.[3]</p>
<p></p>
<p><span style="color: #008080;"><strong>GIVE WELL: EFFEKTIV SPENDEN</strong></span></p>
<p>Jeden Tag sterben 16.000 Kinder an vermeidbaren Krankheiten. Sogar jemand, der in den USA unter der Armutsgrenze von 11.000 Dollar Jahresgehalt lebt, ist immer noch reicher als 85 Prozent der Weltbevölkerung. Diese extrem ungleiche Verteilung führt dazu, dass wir mit dem gleichen Geldbetrag in armen Ländern 100-mal mehr bewirken als in unserem Heimatland. William MacAskill nennt dies den100x Multiplikator und empfiehlt, nicht an Hilfsprojekte in Industrienationen zu spenden.</p>
<p>Der Effektive Altruismus hat das Spenden neu entdeckt. Die meisten Menschen spenden aus persönlicher Betroffenheit. Ein Todesfall in der Familie, ein Unglück im lieb gewonnenen Urlaubsland, eine Reportage über eine schlimme Krankheit. Wir wollen beeinflussen, was uns berührt. Der EA will unterstützen, was wirklich funktioniert. Deshalb gibt es Give Well. Klassische Vergleichsportale betrachten lediglich das Verhältnis von bürokratischen Kosten und Mitteln, die tatsächlich bei den Bedürftigen ankommen. Doch das reicht nicht, sagt die Meta-Organisation, die dem Gedanken des Effektiven Altruismus Rechnung tragen will. Zur Evaluation von Hilfswerken zieht sie vier zentrale Kriterien heran:</p>
<ol>
<li><strong><span dir="ltr" role="presentation">Nachweis der Wirksamkeit:</span></strong> <span dir="ltr" role="presentation">Gibt es Untersu</span><span dir="ltr" role="presentation">chungen zur Wirksamkeit? Wie verlässlich er</span><span dir="ltr" role="presentation">scheinen sie? Gibt es Metaanalysen? Erfolgten diese von&nbsp; unabhängiger Stelle?</span></li>
<li><span dir="ltr" role="presentation"><strong> Kostenwirksamkeit:</strong> Wie viel finanzielle Mittel müssen eingesetzt werden, um ein Menschenleben zu retten? Wie hoch sind die Kosten für ein Quality-adjusted Life Year, QALY? Zur Erläuterung: Ein qualitätskorrigiertes Lebensjahr stützt sich auf Umfragedaten zur Lebensqualität mit verschiedenen Krankheiten oder Behinderungen. Die Lebensqualität nach einem überstandenen Schlaganfall wird<br role="presentation">beispielsweise auf 75 Prozent eingestuft.</span></li>
<li><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Potenzial zur Nutzung zusätzlicher Finanzmittel:</strong> Macht mein Beitrag einen Unterschied? Wie schwer fällt es der Organisation, die Tätigkeiten auszuweiten?</span></li>
<li><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Transparenz/Implementierung:</strong> Gesteht die Organisation vergangene Fehler ein? Ist sie offen für Untersuchungen und Evaluationen?</span></li>
</ol>
<p><strong><span dir="ltr" style="color: #008080;" role="presentation">AND THE WINNER IS ..</span></strong></p>
<p>W<span dir="ltr" role="presentation">elche Hilfsorganisation konnte all diesen Krite</span><span dir="ltr" role="presentation">rien standhalten? Zumindest keine der bekannten. </span><span dir="ltr" role="presentation">Wer nach Amnesty International, UNICEF oder dem&nbsp; </span><span dir="ltr" role="presentation">Deutschen Roten Kreuz schaut, sucht vergeblich. </span><span dir="ltr" role="presentation">Solche großen Organisationen haben zu viele </span><span dir="ltr" role="presentation">verschiedene Projekte, die nicht einheitlich bewertet </span><span dir="ltr" role="presentation">werden können und unter denen sich zwangsläufig </span><span dir="ltr" role="presentation">bessere und schlechtere befinden. Give Well emp</span><span dir="ltr" role="presentation">fiehlt daher Hilfswerke zu unterstützen, die sich auf </span><span dir="ltr" role="presentation">ein wirklich effektives Programm konzentrieren.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Deshalb befindet sich die Against Malaria Foun</span><span dir="ltr" role="presentation">dation auf Platz eins. Sie stellt Gelder für robuste, </span><span dir="ltr" role="presentation">mit Insektiziden behandelte Bettnetze für Haushalte</span><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">in Subsahara-Afrika bereit. Das Kosten-Nutzen-Ver</span><span dir="ltr" role="presentation">hältnis ist nicht schlecht. Ein Bettnetz kostet etwa </span><span dir="ltr" role="presentation">5 bis 7 Dollar, ein QALY etwa 100 Dollar, die Rettung</span><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">eines Menschenlebens 3.400 Dollar. </span><span dir="ltr" role="presentation">Weiter aufgeführt wird GiveDirectly, das Barüber</span><span dir="ltr" role="presentation">weisungen an Familien in Kenia und Uganda orga</span><span dir="ltr" role="presentation">nisiert. Von jedem Spendendollar stehen den Emp</span><span dir="ltr" role="presentation">fängern 0,90 Dollar zur freien Verfügung &#8211; ganz ohne </span><span dir="ltr" role="presentation">Bedingungen. Auch die Deworm the World Initiative </span><span dir="ltr" role="presentation">aus der Einleitung begegnet uns hier wieder. Sie un</span><span dir="ltr" role="presentation">terstützt die Entwurmung von Kindern in Entwick</span><span dir="ltr" role="presentation">lungsländern. </span><span dir="ltr" role="presentation">Insgesamt wird die Dominanz von Gesundheits</span><span dir="ltr" role="presentation">programmen in Entwicklungsländern augenschein</span><span dir="ltr" role="presentation">lich. Begründen lässt sich die Tatsache damit, dass </span><span dir="ltr" role="presentation">sie sich direkt auf die verwendeten Maße wie QALYs </span><span dir="ltr" role="presentation">und gerettete Menschenleben auswirken.</span></p>
<p></p>
<p><strong><span style="color: #008080;"><span dir="ltr" role="presentation">80,000 HOURS – LEBENSARBEITSZEIT NUT</span><span dir="ltr" role="presentation">ZEN</span></span></strong></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Durchschnittlich arbeiten wir 80.000 Stunden in </span><span dir="ltr" role="presentation">unserem Leben. Die Organisation 80,000 hours geht </span><span dir="ltr" role="presentation">der Frage nach, warum wir uns nicht nur über den </span><span dir="ltr" role="presentation">sozialen Impact unseres Ehrenamtes, sondern viel</span><span dir="ltr" role="presentation">mehr über den unserer Berufswahl Gedanken ma</span><span dir="ltr" role="presentation">chen sollten. Neben einer kostenlosen individuellen</span><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">Berufsberatung bietet ihre Webseite auch generelle </span><span dir="ltr" role="presentation">Empfehlungen. </span><span dir="ltr" role="presentation">Um eines vorwegzunehmen: Den Beruf des Arz</span><span dir="ltr" role="presentation">tes/der Ärztin findet man nicht an erster Stelle. Es geht nicht </span><span dir="ltr" role="presentation">um die direkte persönliche Wirkung, sondern darum, </span><span dir="ltr" role="presentation">einen Unterschied auszumachen. Die zentrale Frage </span><span dir="ltr" role="presentation">lautet: Wie viel effektiver wäre ich in der&nbsp; Position als </span><span dir="ltr" role="presentation">der- oder diejenige, der/die sonst den Job übernommen hätte? </span><span dir="ltr" role="presentation">Eine Ärztin in den USA rettet durchschnittlich 30 Le</span><span dir="ltr" role="presentation">ben während ihrer Berufszeit, ein&nbsp; Arzt in einem Ent</span><span dir="ltr" role="presentation">wicklungsland etwa 300</span> <span dir="ltr" role="presentation">[4]</span><span dir="ltr" role="presentation">. Ein minimal schlechter </span><span dir="ltr" role="presentation">qualifizierter Arztwürde vielleicht 28 beziehungswei</span><span dir="ltr" role="presentation">se 280 Menschenleben retten. Also hätte die erstge</span><span dir="ltr" role="presentation">nannte Ärztin effektiv nur 2 oder 20 Menschenleben </span><span dir="ltr" role="presentation">gerettet. </span><span dir="ltr" role="presentation">Würde sie mit demselben Potenzial allerdings In</span><span dir="ltr" role="presentation">vestmentbanker werden und alles über 18.000 Dol</span><span dir="ltr" role="presentation">lar Jahresgehalt spenden (wie W. MacAskill), könnte </span><span dir="ltr" role="presentation">sie mit diesem Geld vielleicht 2 zusätzliche Ärzt:innen fi</span><span dir="ltr" role="presentation">nanzieren und hätte 60 beziehungsweise 600 Men</span><span dir="ltr" role="presentation">schenleben gerettet. Ein alternativer Investmentban</span><span dir="ltr" role="presentation">ker hätte dagegen nicht gespendet. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Dieser Ansatz wird tatsächlich vom EA verfolgt </span><span dir="ltr" role="presentation">und nennt sich Earning to Give. Damit sich allerdings </span><span dir="ltr" role="presentation">niemand mit anfänglich guten Absichten in der Men</span><span dir="ltr" role="presentation">talität der Börsenhaie verliert, gibt es die Plattform </span><span dir="ltr" role="presentation">Giving what we Can. Hier kann sich jeder verpflich</span><span dir="ltr" role="presentation">ten, zum Beispiel zehn Prozent seines Jahresgehal</span><span dir="ltr" role="presentation">tes an effektive Hilfsorganisationen zu spenden. </span><span dir="ltr" role="presentation">Zum Glück ist dies nicht die einzige ethische Be</span><span dir="ltr" role="presentation">rufswahl laut 80,000 hours. Im Wesentlichen werden </span><span dir="ltr" role="presentation">vier Karrierepfade vorgeschlagen. </span></p>
<ol>
<li><strong><span dir="ltr" role="presentation">Earning to Give:</span></strong> <span dir="ltr" role="presentation">Möglichst viel verdienen, um </span><span dir="ltr" role="presentation">möglichst viel zu spenden. Vorgeschlagene </span><span dir="ltr" role="presentation">Branchen sind Softwareentwicklung, Unter</span><span dir="ltr" role="presentation">nehmertum im Technologiesektor und Mar</span><span dir="ltr" role="presentation">keting.</span></li>
<li><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Forschung:</strong></span> <span dir="ltr" role="presentation">Hier bitte Lösungen für gesell</span><span dir="ltr" role="presentation">schaftlich bedeutsame Fragen finden und </span><span dir="ltr" role="presentation">nicht für theoretisch interessante. Sinnvolle </span><span dir="ltr" role="presentation">Bereiche</span> <span dir="ltr" role="presentation">liegen</span> <span dir="ltr" role="presentation">in</span> <span dir="ltr" role="presentation">der</span> <span dir="ltr" role="presentation">Wirtschaftswissen</span><span dir="ltr" role="presentation">schaft, Statistik, Informatik und &#8211; hört, hört – </span><span dir="ltr" role="presentation">„einigen Bereichen der Psychologie“.</span></li>
<li><strong><span dir="ltr" role="presentation">Politik und Interessensvertretung:</span></strong> <span dir="ltr" role="presentation">Um mög</span><span dir="ltr" role="presentation">lichst viele Menschen zu erreichen.</span></li>
<li><strong><span dir="ltr" role="presentation">&nbsp;Direkthilfe:</span></strong> <span dir="ltr" role="presentation">Aber nur in wirklich effektiven Or</span><span dir="ltr" role="presentation">ganisationen.</span></li>
</ol>
<p><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">Weiter gibt 80,000 hours bestimmte Berufsfelder </span><span dir="ltr" role="presentation">an, die man trotz eines hohen Gehalts nicht ausüben </span><span dir="ltr" role="presentation">sollte. In der Liste finden sich neben der&nbsp; Massentier</span><span dir="ltr" role="presentation">haltung, Waffenforschung, Steuerberatung für Su</span><span dir="ltr" role="presentation">perreiche und Homöopathie, auch die Promotion von </span><span dir="ltr" role="presentation">Zigaretten und anderen Suchtprodukten sowie das </span><span dir="ltr" role="presentation">Fundraising für unwirksame Hilfsorganisationen.</span></p>
<p></p>
<p><strong><span style="color: #008080;"><span dir="ltr" role="presentation">ETHISCHER KONSUM: WEM NÜTZT SCHON </span><span dir="ltr" role="presentation">FAIRTRADE?</span></span></strong></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Ein sozial und ökologisch verantwortungsvolles </span><span dir="ltr" role="presentation">Leben</span> <span dir="ltr" role="presentation">wird</span> <span dir="ltr" role="presentation">unweigerlich</span> <span dir="ltr" role="presentation">mit</span>&nbsp; <span dir="ltr" role="presentation">ethischem</span> <span dir="ltr" role="presentation">Konsum </span><span dir="ltr" role="presentation">verbunden. Das Urteil des EA: Bringt wenig oder gar </span><span dir="ltr" role="presentation">nichts.</span><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">Warum? Beginnen wir mit dem Kleidungskauf. Die </span><span dir="ltr" role="presentation">Produkte von H&amp;M, Primark,&nbsp; Deichmann und Co. wer</span><span dir="ltr" role="presentation">den mit Kinderarbeit, einstürzenden Fabrikgebäuden</span><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">und furchtbaren Arbeitsbedingungen assoziiert. Die </span><span dir="ltr" role="presentation">Produktion findet in sogenannten Sweatshops, also </span><span dir="ltr" role="presentation">Fabriken in armen Ländern, überwiegend in Asien </span><span dir="ltr" role="presentation">und Südamerika, statt. Berichte über Näher:innen in </span><span dir="ltr" role="presentation">Bangladesch und Spielzeugfabriken in China gaben </span><span dir="ltr" role="presentation">Anlass, Produkte aus solchen Fabriken zu boykottie</span><span dir="ltr" role="presentation">ren und Kleidung und Spielzeug aus heimischer Produktion zu vorzuziehen. William MacAskill sagt, das ist falsch. Durch diese Reaktion verschlechtern wir sogar die Lage der Menschen. Die Arbeit in solchen<br role="presentation">Fabriken seien die besseren Jobs. Als Alternativen bleiben sonst nur Landarbeit, Arbeitslosigkeit und das Sammeln von Abfällen.[5] Die beste Handlungsmöglichkeit für uns stellt daher die Unterstützung von Unternehmen dar, die in armen Ländern produzieren, aber bessere Arbeitsbedingungen schaffen (z.B. People Tree, Indigenous). </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Ähnlich verhält es sich mit Fairtrade-Produkten. Das Fairtrade-Siegel wird an Produzierende vergeben, die bestimmte Kriterien erfüllen wie Sicherheitsvorkehrungen und Mindestlohn. Diese Produzierenden<br role="presentation">stammen meist aus Mexiko oder Costa Rica, also Ländern, die zehnmal reicher sind als zum Beispiel Äthiopien. Mit dem Kauf eines nicht fair hergestellten Kaffees aus Äthiopien würden wir deshalb ein ärmeres Land unterstützen.<br role="presentation">Zudem macht die Fairtrade Foundation keinerlei Angaben dazu, wie viel Geld tatsächlich bei den Erzeuger:innen ankommt. Eine Studie von Prof. Kilian und<br role="presentation">Kollegen ergab, dass es von den 5 Dollar-Aufpreis eines Fairtrade-Kaffees gerade einmal 0,40 Dollar sind.[6] Der Rest versandet bei Mittelsmännern und -frauen. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Als letzte Kategorie bewertet William MacAskill unsere Bemühungen, CO² zu verringern. Statt Strom zu sparen, sollten wir lieber auf Fleisch verzichten, weniger reisen und &#8211; wer hätte das gedacht &#8211; spenden. Zum Beispiel an Cool Earth. Das vorgeschlagene Programm fördert die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Gemeinden im Regenwald, sodass diese ihr Land nicht an Holzfäller:innen verkaufen müssen. [7] Mit 105 Dollar pro Jahr kann der Durchschnitts-US-Bürger seinen klimabelastenden Lebensstil ausgleichen. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Zusammenfassend kommt der ethische Konsum nicht besonders gut weg. Ein zentrales Problem sieht William MacAskill darin, dass der ethische Konsument häufig annimmt, seinen Beitrag zur Welt in ausreichendem Maße geleistet zu haben. Der ethische Konsument glaubt, eine „Moralische Lizensierung“ zu genießen. [8] Diese beinhaltet, dass er unethisches gegen ethisches Verhalten aufrechnet. Eine Studie zeigte, dass Proband:innen, die sich sogar nur vorstellen sollten, einem/einer ausländischen Studierenden bei einem Vortrag zu helfen, weniger bereit waren, Geld für einen guten Zweck zu spenden als die Kontrollgruppe. Wer sich jetzt zurücklehnt, die Heizung auf 5 dreht und herzhaft in seine Knacker beißt, wird dem EA allerdings auch nicht gerecht. Es geht nicht darum, zu glauben, dass man als einzelne Person bis auf Spenden nichts ausrichten kann. Der EA bedient sich zur Verdeutlichung des Erwartungswertes. Sicherlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass aufgrund eines persönlichen Fleischverzichts, weniger Tiere sterben, relativ gering. Aber irgendwo muss der/die Filialleiter:in sein Absatzkriterium, ab dem er weniger Fleischprodukte bestellt, setzen und irgendwo liegt auch die Grenze der Rentabilität eines Massentierhaltungsstalls. So wäre der Wert oder Nutzen, den der persönliche Fleischverzicht erzeugen&nbsp; kann, so hoch, dass es sich doch lohnt, diesen einzugehen.<br></span></p>
<p></p>
<p><strong><span dir="ltr" style="color: #008080;" role="presentation">KRITISCHE AUSEINANDERSETZUNG</span></strong></p>
<p><strong><span dir="ltr" role="presentation">Mit dem System, nicht dagegen</span></strong><br role="presentation"><span dir="ltr" role="presentation">Es ist kein Wunder, dass Give Well nur Gesund</span><span dir="ltr" role="presentation">heitsprogramme</span> <span dir="ltr" role="presentation">und</span> <span dir="ltr" role="presentation">Direkthilfen</span> <span dir="ltr" role="presentation">auflistet.</span> <span dir="ltr" role="presentation">Der </span><span dir="ltr" role="presentation">EA stützt sich auf ein eher quantitatives Wissen</span><span dir="ltr" role="presentation">schaftsverständnis. Zahlen kann man miteinander </span><span dir="ltr" role="presentation">vergleichen, Qualitatives eher nicht. Gesamtgesell</span><span dir="ltr" role="presentation">schaftliche Wirkungen, Toleranz und Offenheit, Dis</span><span dir="ltr" role="presentation">kriminierungen, das lässt sich alles viel schwieriger </span><span dir="ltr" role="presentation">messen. Give Well unterstützt keine&nbsp; Organisationen, </span><span dir="ltr" role="presentation">die sich für Frauenrechte, Gleichheit oder Demokra</span><span dir="ltr" role="presentation">tie einsetzen. Der EA will globale Ungleichheit ohne </span><span dir="ltr" role="presentation">Kritik am System beheben. Jemand arbeitet an der </span><span dir="ltr" role="presentation">Wall Street, kein Problem, solang er/sie genug spen</span><span dir="ltr" role="presentation">det. Der Kapitalismus ist nun einmal unser System. </span><span dir="ltr" role="presentation">Strukturelle Lösungen maßt sich der EA nicht an.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Was, wenn alles falsch ist?</strong><br role="presentation">Eine aufgebrachte amazon-Rezension zum Buch von Peter Singer beginnt mit</span> <span dir="ltr" role="presentation">folgenden</span> <span dir="ltr" role="presentation">Worten </span><span dir="ltr" role="presentation">„Effektiver Altruismus ist der Gott und Singer sein Prophet“. Sicherlich erfüllt der EA nicht die Definition einer Religion. Denn diese begründet sich auf dem Glauben an transzendente, also übernatürliche Kräfte, die nicht im Sinne der Wissenschaftstheorie&nbsp; beweisbar sind. Trotzdem hat der EA etwas Dogmatisches. Er dreht den Spieß um. Er vergöttert die Wissenschaft. Wir dürfen nur an Hilfsorganisationen spenden, deren Wirkung wissenschaftlich belegt werden kann. Bloß was, wenn das alles nicht stimmt? Oder nur die Hälfte? Wenn der Alpha-Fehler wütet, wenn methodische Fehler Ergebnisse verzerren, wenn Versuchsleiter:innen für Signifikanz sorgen oder oder&#8230; Gerade uns Psycholog:innen sollte die Relativität des Wissens bewusst sein. Die Replikationskrise führt uns doch deutlich vor Augen, wie wenig verlässlich wissenschaftliche Ergebnisse sein können – auch die mit&nbsp; randomisierten Kontrollgruppen. Wie kann man dann Entscheidungen zur Rettung von Menschenleben auf einer solchen Basis vornehmen? Ist es dann nicht sicherer, direkt vor Ort ein Lächeln zu erzeugen, auch wenn das nicht mal einem QALY entspricht? </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Menschenleben sind eine harte Währung</strong><br role="presentation">Wie viel muss ich geben, um ein guter Mensch zu sein? Habe ich ein Leben auf dem Gewissen, wenn ich nicht spende &#8211; oder noch schlimmer an PlayPumps gespendet habe? Darf ich Kinder kriegen, wenn ich in einem anderen Land mit demselben&nbsp; Geld mehr Kindern Leben schenken könnte? Und noch viel wichtiger: Wie kann ich mich wertschätzen, wenn ich einfach nicht viel tauge? Wenn ich nicht intelligent und diszipliniert genug bin, Informatik oder Mathe oder überhaupt zu studieren. Wenn ich arbeitslos bin und der Welt mehr koste, als ich ihr geben kann. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Der EA postuliert: Lebensrecht für alle, Lebenspflicht für keinen. Das ist schön. Ich darf leben, auch wenn ich rechnerisch nicht genug verdiene, um Menschenleben zu&nbsp; retten. Auch wenn man mit meinen Lebenskosten, mehr als ein Menschenleben retten könnte. Der EA befürwortet die Sterbehilfe für ältere Menschen. Ich weiß, dass laut dem EA jeder Mensch ein Recht auf Leben hat, aber das Prinzip eines Kosten-Nutzung-Kalküls impliziert eine radikale Denkweise. Der EA muss sich in der Philosophie, die er vertritt, bewusst sein, welche Gedanken er in kranken, älteren, behinderten und wenig leistungsstarken Menschen auslösen kann. Und in der Außenbetrachtung von diesen.</span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation"><strong>Liebe fragt nicht – Effektiver Altruismus schon</strong><br role="presentation">Das, was die meisten am Effektiven Altruismus </span><span dir="ltr" role="presentation">stört, ist, dass er nicht liebt. Zumindest nicht bedin</span><span dir="ltr" role="presentation">gungslos. Der traditionelle Altruismus ist da anders. </span><span dir="ltr" role="presentation">Für ihn liegt der Fokus auf dem/der Helfenden, dem/der Ge</span><span dir="ltr" role="presentation">benden. Gibt er/sie sich auf, handelt er/sie selbstlos, handelt</span><span dir="ltr" role="presentation">er altruistisch. Dieses Prinzip ist für den/die Einzelne:n </span><span dir="ltr" role="presentation">sehr viel leichter anzuwenden. Wenn ich mich aufop</span><span dir="ltr" role="presentation">fere, geht es anderen dafür besser. Der EA bezweifelt </span><span dir="ltr" role="presentation">das. Ihm ist das „Wie“ der Handlung eigentlich egal. </span><span dir="ltr" role="presentation">Er bewertet anhand der Folgen und alternativen Kon</span><span dir="ltr" role="presentation">sequenzen. Laut ihm gibt es lost-lost-Situationen </span><span dir="ltr" role="presentation">genauso wie win-win-Situationen. Eine gute Absicht </span><span dir="ltr" role="presentation">entbindet uns nicht von der Kritischen Reflektion al</span><span dir="ltr" role="presentation">ler Folgen. Das steht diametral zu dem Konzept der </span><span dir="ltr" role="presentation">(christlichen) Nächstenliebe. Mit einem halben Man</span><span dir="ltr" role="presentation">tel kann keiner was anfangen? Das ist egal, es geht </span><span dir="ltr" role="presentation">um die Geste, darum, Liebe und Mitgefühl und Aufop</span><span dir="ltr" role="presentation">ferung zu zeigen. </span><span dir="ltr" role="presentation">Die Nächstenliebe betont die Intention der Hand</span><span dir="ltr" role="presentation">lung, der Effektive Altruist die Konsequenz.</span></p>
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<p><strong><span dir="ltr" style="color: #008080;" role="presentation">FAZIT</span></strong></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Der Effektive Altruismus passt zu unserer Zeit. Er </span><span dir="ltr" role="presentation">passt zu einer Zeit, in der man nach Geld, Noten und </span><span dir="ltr" role="presentation">Leistungsmaßen genauso fragt wie nach dem vege</span><span dir="ltr" role="presentation">tarischen Gericht auf der Karte und Gemüse aus re</span><span dir="ltr" role="presentation">gional-ökologischem Anbau. Der EA erlaubt gleich</span><span dir="ltr" role="presentation">zeitig die persönliche Selbstverwirklichung und eine </span><span dir="ltr" role="presentation">soziale Verantwortung. Doch an den Gedanken, dass </span><span dir="ltr" role="presentation">der neue Gutmensch nun nicht mehr von der Sparte aufopfernde:r Sozialarbeiter:in im Öko-Pulli, sondern Businessman/-frau mit Excel-Tabelle vertreten wird, muss sich noch gewöhnt werden. </span></p>
<p><span dir="ltr" role="presentation">Der Effektive Altruismus öffnet neue Perspektiven für die Bewertung von Hilfsorganisationen und persönlichen Handlungsoptionen. Er zwingt uns, bisherige Muster kritisch zu reflektieren. Allerdings mag eine wissenschaftliche Betrachtung zwar die beste Option sein, die wir momentan haben, wird aber vom EA zu wenig kritisch behandelt. Die Vorteile des EA liegen im Kleinen und quantitativ Messbaren, in Systembetrachtungen stößt er auf klare Grenzen. Letztendlich muss der EA aufpassen, kein Ansatz der Gebildeten und Intelligenten zu sein, er gibt bisher keine zufriedenstellende Wertschätzung gegenüber behinderten, kranken, älteren und wenig leistungsstarken Menschen.</span></p>
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<p><strong data-rich-text-format-boundary="true">FürInteressierte:</strong><br data-rich-text-line-break="true">MacAskill, W. (2016). Gutes besser tun: Wie wir mit effektivem Altruismus die Welt verändern könnten. Berlin: Ullstein Buchverlag<br data-rich-text-line-break="true">www.80000hours.org<br data-rich-text-line-break="true">www.givewell.org<br data-rich-text-line-break="true">www.givingwhatwecan.org<br data-rich-text-line-break="true">www.ea-stiftung.or</p>


<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px">Quellen:<br>[1] UNICEF, An Evaluation of the PlayPump Water System as an Appropriate Technology for Water, Sanitation and Hygiene Programs, Oktober 2007.<br>[2] Michael Kremer, »Randomized Evaluations of Educational Programs in Developing Countries: Some Lessons«, in: American Economic Review, 93, Nr. 2, (Mai 2003): S. 102-6.<br>[3] Edward Miguel und Michael Kremer, »Worms: Identifying Impacts on Education and Health in the Presence of Treatment Externalities«, in: Econometrica 72, Nr. 1 (Januar 2004): S. 159-217.<br>[4] »The Role of Medical Care in Contributing to Health Improvements within Societies«, in: International Journal of Epidemiology 30, Nr. 6 (Dezember 2001): I, S. 260-3.<br>[5] Nicholas D. Kristof, »Where Sweatshops are a Dream«, in: New York Times, 14. Januar 2009.<br>[6] Bernard Kilian, Connie Jones, Lawrence Pratt und Andrés Villalobos, »Is Sustainable Agriculture a Viable Strategy to Improve Farm Income in Central America? A Case Study on Coffee«, in: Journal of Business Research 59, Nr. 3 (März 2006): S. 322-30.<br>[7] »Rainforest Facts«, Cool Earth, 12. Juli 2013, http.//www.coolearth.org/rainforest-facts/rainforest-fact-260-22-tonnes-of-co2.<br>[8] Anna C. Merritt, Daniel A. Effron und Benoît Monin, »Moral Self-licensing: When Being Good Frees Us to Be Bad«, in: Social and Personality Psychology Compass 4, Nr. 5 (Mai 2010): S. 344-57.</p>
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		<title>Weihnachten ohne Geschenke &#8211; Brillant oder Bekloppt?</title>
		<link>https://psycho-path.de/weihnachten-ohne-geschenke-brillant-oder-bekloppt/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 01 Dec 2022 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Adventsartikel]]></category>
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					<description><![CDATA[ANNA KAUFER. Zum deutschen Weihnachtsabend gehört ein gewaltiger Stapel bunter Geschenke unterm Baum genauso zum Fest wie das obligatorische „Last Christmas“. Doch allzu oft ist der Weg der Geschenke bis unter besagten Baum begleitet von vorweihnachtlichem Stress und keine limitierte Lebkuchenfeuchtigkeitscreme der Welt kann die Sorgenfältchenbildung im Angesicht drohender enttäuschter Kinder- (und Gatt:innen-)Gesichter aufhalten. Also [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>ANNA KAUFER. <strong>Zum deutschen Weihnachtsabend gehört ein gewaltiger Stapel bunter Geschenke unterm Baum genauso zum Fest wie das obligatorische „Last Christmas“. Doch allzu oft ist der Weg der Geschenke bis unter besagten Baum begleitet von vorweihnachtlichem Stress und keine limitierte Lebkuchenfeuchtigkeitscreme der Welt kann die Sorgenfältchenbildung im Angesicht drohender enttäuschter Kinder- (und Gatt:innen-)Gesichter aufhalten. Also muss man sich alle Jahre wieder die Frage stellen, ob die bunten Päckchen tatsächlich den Zauber der Weihnacht ausmachen oder ob man lieber auf Geschenke verzichten und im Sinne des Grinches dem Weihnachtsgeist mit ein paar Nüssen und Orangen frönen sollte?.</strong></p>
<p><span id="more-1893"></span></p>
<p>Es könnte radikal erscheinen auf jegliche Geschenke zu verzichten und alle Socken unbefüllt zu lassen, doch es gibt einige Punkte, die sehr wohl dafür sprechen. Seien wir doch mal ehrlich: Jedes Jahr sieht man zu Weihnachten rot. Und das nicht wegen Rudolphs Nase oder der verstörenden Anzahl Menschen männlichen Geschlechts in Samtkitteln und Rauschebart, sondern weil man für jeden noch so entfernten Zweig der Familie ein Geschenk ergattern muss. Das geht nicht nur auf die Nerven, sondern auch auf den Geldbeutel. Genau dieser Stress während des Geschenkeeinkaufs kann im Handumdrehen jede:n noch so begeisterte:n Weihnachtsfanatiker:in in einen frustrierten Ebenezer Scrooge verwandeln. Wenn man zum Beispiel mal wieder Tante Erna vergessen hat und nun verzweifelt auf der Suche nach einem Last-Minute-Geschenk durch die Geschäfte wetzt, fragt sich wohl jeder, ob ein Geschenk-freies Weihnachten nicht friedlicher wäre. Doch nicht nur der Stress ist ein deutlicher Vorfreude-Killer. Das Beteiligen am gesellschaftlichen Konsumrausch lässt einen am Glühwein bitter aufstoßen. Wer glaubt, das schönste, größte, beste Geschenk aus bedingungsloser Liebe heraus bekommen zu haben, hat weit gefehlt. Laut dem Sozialwissenschaftler Schulz-Nieswandt [1] geht es um soziales Prestige und den Gewinner im alljährlich wiederkehrenden Geschenkewettlauf. Und nicht nur das! Laut des „Tit for tat“–Systems der Spieltheoretiker in der Ökonomie muss man Großes schenken, um Großes zu bekommen. [2] Im Fall von Tante Erna darf ich also nicht schon wieder 3 Knäuel Strickwolle schenken, da ich sonst mit ihrer Rache in Form von Wollsocken rechnen muss. Also begibt man sich in den reißenden Strudel des Konsums, der ohne Pflicht nach Geschenken gar nicht nötig wäre.</p>
<p>Heißt das, man sollte doch lieber keine Wunschzettel mehr schreiben, Bäume Bäume und nicht absurdes Pinguin-Geschenkpapier bleiben lassen und die Adventszeit statt im Kaufrausch lieber mit der Familie, Freud:innen oder wenigstens der Weinflasche zusammen verbringen? Nicht unbedingt, denn es gibt auch etliche Gründe den roten Mantel noch nicht an den Nagel zu hängen.</p>
<p>Denn was wäre Weihnachten ohne den Mann in Rot und was wäre der ohne Geschenke? Und die Tradition des materiellen Schenkens hat nicht erst mit der Erfindung&#8230;ähem&#8230;der Entdeckung des Weihnachtsmannes begonnen. Bereits seit dem 14. Jahrhundert gibt es Geschenke im Dezember, am Nikolaustag, um genau zu sein und seit Luther im 16. Jh. den Fokus wieder auf Christus legen wollte, beschenken wir uns am 24 .[3]&nbsp; Sicher sieht das Schenken heutzutage etwas anders aus: Statt Orangen und Mandeln gibt es Barbies und Nintendos, von Amorelie-Kalendern gar nicht zu reden. Doch die Tradition ist tief in uns verwurzelt (wobei die amerikanschen Weihnachtswunderfilme sicherlich das Ihrige beigetragen haben) und vor allem für Kinder fest mit dem Weihnachtsfest verknüpft, sodass sie definitiv als Grund gegen den Verzicht auf Geschenke und für ein besinnliches Entschlachten des Konsumguts zu nennen sind.</p>
<p>Aber natürlich schenken wir nicht nur aus Tradition und auch sicher nicht nur, um unser Prestige aufzupolieren. Der eigentliche Sinn des Schenkens, vor allem zur Weihnachtszeit, ist es, Freude zu bereiten und damit selber zu empfinden (inwiefern das Egoismus oder Menschenliebe ist, kommt ganz auf den eigenen Optimismus-Level an). Zur besinnlichsten Zeit des Jahres hat man Zeit, sich darauf zu besinnen was man selbst braucht (in Form eines Old-School-Wunschzettels für jene ohne funktionstüchtiges WLAN oder eben auch einer Pinterest-Liste, die man an alle Kontakte sendet), aber auch was andere wollen und ihnen mit einem einzigartigen Geschenk mitzuteilen, dass man sich Gedanken gemacht hat. Oder, um es mit Professor Bruhns Worten zu sagen, ist „Kommunikation, [&#8230;] Grundlage der friedlichen Zivilisation“. [4] So werde ich Tante Erna also dieses Jahr das schon lange auf ihrer Dawanda-Wunschliste stehende Paar Kork-Ohrringe schenken und damit ein harmonisches Zusammentreffen auf Familienfeiern ermöglichen, was ohne Vergabe dieses metaphorischen Friedenspfeife nicht möglich gewesen wäre.</p>
<p><strong>Summa summarum:</strong> Letztendlich sind der Stress und der Konsumrausch zwar nervtötende, aber notwendige Übel, um am Heiligen Abend in Glück (und Papiermüll) schwelgen zu können und sich am Weiterbestehen der Frohsinn-bringenden Tradition des Schenkens zu erfreuen, ohne die Weihnachten einfach nicht dasselbe wäre.</p>


<p class="has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:12px">Quellen:<br>[1] https://enorm-magazin.de/die-schmutzige-gabe<br>[2] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/psychologie-des-schenkens-eine-besondere-gabe-1.67048<br>[3] https://www.stern.de/panorama/nikolaus&#8211;christkind&#8211;weihnachtsmann&#8211;die-geschichte-der-geschenkelieferanten-6589646.html<br>[4] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/psychologie-des-schenkens-eine-besondere-gabe-1.67048</p>
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